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Filmkritik

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Gesehen: Alex Wheatle (2020)

Gesehen: Alex Wheatle (2020)
(c) McQueen Limited / Rainmark films / BBC

In dieser Vignette steckt so viel, das sich aufzudröseln lohnt. An manchen Themen rauscht Steve McQueen vorbei, eine Handvoll rückt er mehr ins Zentrum und andere werden nur implizit verhandelt. Es ist ein kurzer Abriss eines Lebens, in dem sowohl dem Protagonisten als auch uns – mir auf jeden Fall – als Publikum die immense Bedeutung von Bildung vorgehalten wird.

Aber wie zu Bildung kommen, wenn man bereits als Kind in einem Bildungs- und Pflegesystem steckt, das dich für die Fehler anderer bestraft, dich ausgrenzt, deine Talente nicht fördert, dir Chancen und Möglichkeiten verbaut? Das ist der strukturelle, dehumanisierende Rassismus.

Der ignorante Blick einer weißen Mehrheitsgesellschaft, deren Teil ich hier auf jeden Fall auch bin, verwechselt hier schnell die Rassismuserfahrungen dieser Menschen als verbindendes Element. Vor dieser Kulisse berührt es umso mehr, wie Steve McQueen hier die immense Bedeutung eines Zugehörigkeitsgefühls herausarbeitet – über das Zelebrieren von Musik, Literatur, Essen und (blutsverwandter oder gewählter) Familie. Es ist auch die Diskriminierung, die die Menschen eint, aber nie definiert.

★★★½☆

GB, R: Steve McQueen, D: Khali Best, Fumilayo Brown-Olateju, Sheyi Cole, Zakiyyah Deen, Elliot Edusah, Dexter Flanders, Robbie Gee, Jonathan Jules, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Rover (2014)

Gesehen: The Rover (2014)
(c) Leonine Studios Spielfilm

Hat mich einfach nicht abholen können. Das vage postapokalyptische Szenario, in dem das Recht des Stärkeren gilt und auf ihre niedersten Instinkte reduzierte Männer herummarodieren, ist derart abgegriffen, dass sich dadurch kaum noch interessante Erkenntnisse gewinnen lassen. Dass im Menschen einst Liebe gesteckt hat und diese hier nun metaphorisch und wortwörtlich zu Grabe getragen wird, ist als Bild schon ziemlich einfältig – und dass ausgerechnet JOHN WICK im selben Jahr erschienen ist, hilft auch nicht sonderlich.

Die Welt von THE ROVER ist letztlich nie richtig greifbar. Denn wo etwa die MAD MAX-Filme den flachen Figuren ein exzellentes visuelles Storytelling entgegensetzen, tut THE ROVER nichts und bietet deshalb kaum Reibungsfläche.

★★☆☆☆

AU, R: David Michôd, D: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy, David Field, Susan Prior, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: La Captive (2000)

Gesehen: La Captive (2000)
(c) Collections Cinematek / Fondation Chantal Akerman

Der Film schreitet den vermeintlich schmalen Grat zwischen Begehren und Besitz ab, den so wohl nur in einer patriarchalen Welt geben kann – dort, wo die Grenze kaum zu erkennen ist und beide Seiten stetig ineinander fließen.

Doch wer ist in dieser Welt wirklich gefangen? Die Frau natürlich, weil sie ihr eigenes Leben nur im Verborgenen leben kann und alles andere als Willenlosigkeit bereits als Aufbegehren wahrgenommen wird. Aber eben auch der Mann, der permanent an der Aufrechterhaltung dieser Struktur arbeitet. Was ihm die Fesseln anlegt, ist der Kontrollzwang und die Eifersucht, aber vor allem die eigene tief sitzende Unsicherheit, was die eigene Sexualität in Verbindung mit dem eng daran geknüpften Männlichkeitsbild angeht.

Mir sind vor allem die zahlreichen Parallelen zu Alain Resnais' L'ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD aufgefallen – einerseits durch die Art und Weise, wie sich die Figuren durch den Raum bewegen und dabei von der Kamera eingefangen werden, andererseits durch die Unzuverlässigkeit von Raum und Zeit. Beide Filme eint eine obsessive männliche Figur auf der Fährte einer Frau. Und das bricht Chantal Akerman hier durch ihre feministische Linse auf.

★★★★☆

BE/FR, R: Chantal Akerman, D: Sylvie Testud, Stanislas Merhar, Olivia Bonamy, Trailer, Wikipedia

Steht noch bis zum 24. April 2024 in der Arte-Mediathek:

Die Gefangene - Film in voller Länge | ARTE
Ariane lebt bei Simon in dessen großen Pariser Appartement. Simon ist wie besessen von ihr: Er will alles über sie wissen, folgt ihr heimlich, wenn sie ausgeht, stellt ihr pausenlos Fragen, sogar in den intimsten Augenblicken. Ariane scheint das alles gelassen aufzunehmen, doch Simon merkt, dass sie ihm etwas verheimlicht ... Mit Sylvie Testud, Stanislas Merhar und Aurore Clément.
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Gesehen: Deadpool & Wolverine (2024)

Gesehen: Deadpool & Wolverine (2024)
(c) Walt Disney / Leonine

Eine absolute Katastrophe, wie viel Energie eines Marvel-Films darauf verschwendet wird, das mittlerweile omnipräsente erzählerische MCU-Chaos irgendwie im Zaum zu halten – einfach weil alles von den Filmen bis zu den Serien irgendwie aufeinander aufbaut, so unzählige Stränge aufgegriffen werden wollen, weil natürlich auch dieser Film eine Rampe für den nächsten sein muss. Es ist der erzählökonomische Super-GAU.

Dazu gerät die „Deadpool"-Methode nicht nur an ihre Grenzen, sie kracht volle Latte dagegen, wobei Wade Wilson durch die Windschutzscheibe gen Horizont segelt. Wer mit der Ansage, die Formelhaftigkeit des Superhelden-Kinos zu unterlaufen und ironisch zu brechen, selbst in absoluter Formelhaftigkeit endet und das nicht mal zu merken scheint, hat endgültig die Bodenhaftung verloren. Zufälligerweise gibt es jedoch die zunehmend einfältigen Querverweise und schamlose filmische Leichenfledderei, die wie ein klimpernder Schlüsselbund immer und immer wieder ins Bild gehalten wird, um die Blicke von dieser Bankrotterklärung abzulenken.

★☆☆☆☆

US, R: Shawn Lecy, D: Ryan Reynolds, Hugh Jackman, Emma Corrin, Matthew Macfadyen, Dafne Keen, Jon Favreau, Morena Baccarin, Rob Delaney, Leslie Uggams, Jennifer Garner, Wesley Snipes, Channing Tatum, Chris Evans, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Die Naturgeschichte der Zerstörung (2022)

Gesehen: Die Naturgeschichte der Zerstörung (2022)
(c) British Pathé / Progress Filmverleih

Es ist herausragend, wie dieses brillant restaurierte Filmmaterial zu einer Sinfonie des Schreckens zusammengestellt wird. Sergei Loznitsa bewegt sein Werk in wirklich finstere Sphären. Denn letztlich wirft all das die Frage auf, ob unsere Welt heute eine andere wäre, wenn die Alliierten bei Bombenabwürfen über Nazi-Deutschland nicht derart ohne Rücksicht auf den Verlust von abertausenden Menschenleben in der Zivilbevölkerung agiert hätten. Wie pervers diese Gedankenspiele sind, zeigt die im Film verwobene Aufnahme von Arthur Harris, in der er über Sinn und Zweck der Bombenangriffe auf Nazi-Deutschland spricht und das ganze Vorhaben mit damals unklarem Ausgang als „interessantes Experiment" bezeichnet.

DE/LT/NL, R: Sergei Loznitsa, Trailer, Wikipedia
Die Naturgeschichte der Zerstörung - Stream: Online
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Gesehen: Blitz (2024)

Gesehen: Blitz (2024)
(c) Apple TV+

Im Großen und Ganzen kann ich mich dem Gros der Kritiken anschließen, die BLITZ als vergleichsweise konventionell beschreiben. Trotzdem finde ich, dass es Steve McQueen schafft, dennoch seine eigene Perspektive auf die historischen Ereignisse klarzumachen. Die ist klar geprägt von den Erfahrungen eines in London aufgewachsenen Schwarzen Menschen.

Damit bricht er fast schon romantische Motive einer im Überdauern der Bombenangriffe Nazi-Deutschlands geeinten Gesellschaft auf. Denn dieser Zusammenhalt, das gemeinsame Ziehen an einem Strang und die schiere Weigerung, sich dem vermeintlichen Schicksal hinzugeben, lässt sich eben auch nicht ohne gesellschaftliche Realität erzählen. Und die war nun mal, auch im Krieg, geprägt von großer Ungleichheit, von Rassismus und autoritärem Denken.

Das ist schon eine ungewohnte Nuancierung in dieser Art von Film.

★★★½☆

GB/US, R: Steve McQueen, D: Elliot Heffernan, Saoirse Ronan, Harris Dickinson, Benjamin Clémentine, Paul Weller, Stephen Graham, Leigh Gill, Mica Ricketts, Trailer, Wikipedia
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