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Filmkritik

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Gesehen: Désordre (1986)

Gesehen: Désordre (1986)
(c) mk2 Films

Ein Coming-of-Age, das ich so noch nicht oft gesehen habe: Diese jungen, stürmischen Menschen, die Künstlerinnen sein und in der Musik ihren Ausdruck finden wollen. Bei denen jede*r was mit jeder*m hat und der Zweck immer die Mittel heiligt. Deren gesamte Existenz gegen gesellschaftliche Konventionen zu bürsten scheint. Und deren Streben trotz allem so sehr auf bürgerliche Kategorien ausgerichtet ist: ein gesichertes Einkommen, eine monogame Beziehung, zusammen im gemeinsamen Heim alt werden, auf dem Weg vielleicht sogar eine Familie gründen und in Harmonie die Welt der Lebenden verlassen. Diese Figuren sind regelrecht durchzogen vom Anti-Punk, ob sie sich das eingestehen wollen oder nicht.

Letztlich ist es der Tod und das stückweise Ankommen in diesen bürgerlichen Kategorien, die diesen Leben die Energie entzieht. Der Ausdruck in der Musik will nicht mehr gelingen, niemand kann sich mehr fallen lassen, ein leidenschaftliches Seelenfeuer in Gang kriegen und nach außen kehren.

Dabei stolpert der Film immer mal wieder über die eigenen Füße, mäandert vor sich hin, verliert sich in Wiederholungen und schafft es oft nicht, sich einer gewissen Ziellosigkeit zu entledigen. Das mag zwar Abbild der Figuren sein, aber formal betrachtet ist das mehr irritierend als produktiv.

★★★☆☆

FR, R: Olivier Assayas, D: Wadeck Stanczak, Ann-Gisel Glass, Lucas Belvaux, Rémi Martin, Corinne Dacla, Simon de La Brosse, Etienne Chicot, Philippe Demarle, Juliette Mailhe, Étienne Daho, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Liebe ist kälter als der Tod (1969)

Gesehen: Liebe ist kälter als der Tod (1969)
(c) Zweitausendeins Edition Deutscher Film

Erst die Widmung an die halbe Nouvelle Vague, dann diese unverfrorenen Zitate, was zusammengenommen fast schon satirische Ausmaße annimmt – das ist schon irgendwie cool. Es ist gewissermaßen eine große Ehrerbietung, ein Verneigen vor den Filmschaffenden der Nouvelle Vague und die Beweisführung, dass Nachahmer*innen diesen Gigant*innen des Kinos niemals gerecht werden können.

Niemand inszeniert derart ungezwungen coole Figuren, die gleichermaßen lässig wie getrieben von revolutionären Gedanken, vom Nonkonformismus sowie vom Aufbegehren gegen Autoritäten und den Status quo durch die Welt gehen. Niemand scheint ungeachtet gesellschaftlicher Konventionen eine derart klare Sicht auf Moral, Sexualität und das Verhältnis zwischen Frau und Mann zu haben.

Dieses Kino ist unnachahmlich – auch für einen Rainer Werner Fassbinder.

★★★☆☆

DE, R: Rainer Werner Fassbinder, D: Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: House by the River (1950)

Gesehen: House by the River (1950)
(c) UCM.ONE

Es geht um hegemoniale Männlichkeit und die hässliche Fratze, mit der Menschen genüsslich andere herabwürdigen, wenn sich ihnen auch nur der Hauch einer Chance dazu bietet.

Aber vor allem ist es spannend, den Film durch unsere aktuelle Gesellschaftsdiskurs-Brille zu schauen. Denn auch hier tobt unterm Strich ein uns doch mehr als gut bekannter Kulturkampf: Justiz vs. Gericht der öffentlichen Meinung. Es wird lauthals (vor allem am rechten Rand) darüber gestritten, ob nun „Im Zweifel für die/den Angeklagt*en" oder „Wir müssen Opfern glauben" gilt. Dabei schließt sich das doch gar nicht aus. Aber solange das Gebrüll nur laut genug ist, können sich Täter*innen im Hintergrund unbemerkt und vor allem ungesühnt davonstehlen.

Der Film beweist damit: seine zeitlosen Qualitäten und die Existenz des von mindestens mal konservativen Kräften angetriebenen diskuriven Hamsterrads, aus dem wir nicht herauszukommen scheinen.

★★★½☆

US, R: Fritz Lang, D: Louis Hayward, Jane Wyatt, Lee Bowman, Dorothy Patrick, Ann Shoemaker, Jody Gilbert, Trailer, Wikipedia
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Kinotagebuch: The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim (2024)

Kinotagebuch: The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim (2024)

Der Film stößt ziemlich schnell mit einigermaßen beeindruckender Härte vor den Kopf. Denn warum genau hier die handgezeichneten Figuren durch eine derart billig aussehende 3D-Welt, laut Credits aus der Unreal Engine gefallen, geschoben werden, erschließt sich mir aus ästhetischer Sicht überhaupt nicht. Wahrscheinlich hat es tatsächlich damit zu tun, dass es auch im finanziellen Sinne billig ist. Jedenfalls sieht dieser Film insgesamt schon ziemlich fürchterlich aus.

Ziemlich uninspiriert kam mir auch die Entscheidung vor, hier mit einer Emanzipationsgeschichte zu beginnen – jedenfalls in dieser erzählerisch abgegriffenen Art und auch im Mittelerde-Kontext nicht neu. Das lässt die Figuren und vor allem die Protagonistin zu Beginn erschreckend klein und den Horizont der Welt ermüdend eng wirken.

Aber dann wechselt die Brennweite und es stehen immer mehr Gier, Macht, blinder Gehorsam und gefährliches Ehrengelaber im Zentrum der Geschichte und Entwicklung der Figuren. Es ist eine Auseinandersetzung damit, dass oftmals von Ehre schwadronierende Menschen genau gegensätzlich zu den dadurch beschworenen Werten leben und handeln. Dass es Fortschritt zum Wohle aller Menschen Herz und keine harte Hand braucht. Und somit liegt alledem ganz implizit doch eine Geschlechterfrage zugrunde.

Ganz schön war eigentlich, die Geschichte von Helms Klamm weiter ausgebreitet zu bekommen und zu erfahren, warum diese Feste ein derart identitätsstiftender Ort für die Menschen von Rohan ist. Aber das trägt noch keinen ganzen Film und ist, jedenfalls in dieser Form, nicht viel mehr als Andickungsmittel für Peter Jacksons Trilogie und alle, die noch nicht jede einzelne Zeile Tolkiens verschlungen haben.

★★½☆☆

JP/NZ/US, R: Kenji Kamiyama, D: Brian Cox, Gaia WiseLuke Pasqualino, Laurence Ubong Williams, Lorraine Ashbourne, Shaun Dooley, Benjamin Wainwright, Yazdan Qafouri, Miranda Otto, Trailer, Wikipedia
Der Herr der Ringe: Die Schlacht der Rohirrim - Stream: Online
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Gesehen: Battle Royale (2000)

Gesehen: Battle Royale (2000)
(c) capelight pictures

Diese gesamte Anordnung des BR wirkt wie eine in nicht ganz so weiter Ferne liegende Idee eines gewissen CL. Letztlich dröhnt die neoliberale Ideologie aus einem kaum ausgeschmückten Hintergrund doch unüberhörbar in den Film hinein. Schuld sind ganz sicherlich nie die in Macht und Verantwortung stehenden Menschen.

Schuld sind immer die Arbeiter*innen, die einfach nicht hart genug gearbeitet haben, um die Luxusjacht der herrschenden Klasse über Wasser zu halten. Die faule Jugend, die Moral und gesellschaftliche Zukunft vor die Wand fährt. Deshalb ist es ja nur folgerichtig, dieses Pack sich gegenseitig abschlachten zu lassen. Und wer in diesen Strukturen sozialisiert wird, ist gefühlt wirklich nur ein paar Kaffeebohnen von einer derartigen Verrohung entfernt.

Unterm Strich hätte dem Film etwas mehr explizite Gewalt sogar gutgetan. Oder einfach nur den ein oder anderen Fuß auf dem Seifenopern-Pedal weniger. Oder beides. Jedenfalls erschienen mir die Wechsel in der Tonalität oft sehr unwuchtig.

P.S.: Nachdem ich nun auch diese auf Koushun Takamis Roman basierende Bildungslücke geschlossen habe, möchte ich den The Hunger Games-Büchern und damit auch den sowieso schon maximal mäßigen nachträglich einen Punkt in der Wertung abziehen. Denn ich habe weder in den Büchern noch in den Filmen einen unbedingt fälligen Tribut (hehe) gesehen.

★★★½☆

JP, R: Kinji Fukasaku, D: Takeshi Kitano, Tatsuya Fujiwara, Aki Maeda, Tarō Yamamoto, Masanobu Andō, Kō Shibasaki, Chiaki Kuriyama, Trailer, Wikipedia
Battle Royale - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Annabelle Comes Home (2019)

Gesehen: Annabelle Comes Home (2019)
(c) Warner Bros. Entertainment

Immerhin lässt sich sagen, dass das dritte Kapitel des „Annabelle"-Buchs etwas versucht – nämlich Schocks und Terror zurückzufahren, sich auf die ruhigen Momente zu besinnen. Denn Jump-Scares und Co. haben bisher nicht nur die beiden Vorgänger, sondern auch das gesamte restliche „Conjuring"-Universum regelrecht unter sich begraben.

Aber das hat es auch gebraucht, weil die Filme allesamt dabei versagen, wirkliche Horror-Momente zu erzeugen. Viel mehr als schemenhafte Figuren, die im Hintergrund durch den Flur schlurfen, ist da nämlich abseits der Taschenspieler-Schreckmomente nicht.

Und genau da liegt auch das gravierendste Problem dieses Films. Der inszenatorische Verzicht auf der einen Seite legt auf der anderen Seite frei: genau gar nichts. Diese Welt ist einfach komplett leer und ihre Figuren müssen sich entgegen der Logik dieser Welt verhalten, damit überhaupt etwas erzählt werden kann.

★☆☆☆☆

US, R: Gary Dauberman, D: Mckenna Grace, Madison Iseman, Katie Sarife, Michael Cimino, Vera Farmiga, Patrick Wilson, Trailer, Wikipedia
Annabelle 3 - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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