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Feuilleton & Firlefanz

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Yalda (2019) - Brot und Spiele

Yalda (2019) - Brot und Spiele
Bild: Lighthouse Home Entertainment, Julian Atanassov, Jba-Production
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IR/FR/DE/CH/LU/LB · R: Massoud Bakhshi · D: Sadaf Asgari, Behnaz Jafari, Babak Karimi, Fereshteh Sadr Orafaee, Arman Darvish, Fereshteh Hosseini · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Was für ein absurdes wie folgerichtiges Szenario, das YALDA hier anrührt. Tod, Vergebung und Rechtsprechung werden zum Massenspektakel. Brot und Spiele. Die Verantwortung, die Entscheidungsgewalt über Leben und Tod wird scheinbar dem Volk™ auferlegt.

Was bleibt, ist die Illusion von Selbstbestimmtheit und Vertrauensverlust in sowie Zersetzung von Gemeinschaft. Und ein terrorgestütztes Regime, das dabei zusehen kann, wie die Menschen sich lieber gegenseitig anstelle der Unterdrücker:innen zerfleischen.

★★★½☆

Camp X-Ray (2014) - Sein und Nichtsein

Camp X-Ray (2014) - Sein und Nichtsein
Bild: Plaion Pictures
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US · R: Peter Sattler · D: Kristen Stewart, Payman Maadi, Lane Garrison, J.J. Soria, John Carroll Lynch, Cory Michael Smith · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Der Film ist viel zu sehr damit beschäftigt, Dinge nicht sein zu wollen, und verpasst deshalb, etwas zu sein. Hier bleibt einfach alles derart vage, dass man ihm auch nicht mehr zugestehen könnte, seine Themen vorrangig implizit zu verhandeln. Er entzieht sich eher aus falschen Motiven jeglicher Verantwortung.

★½☆☆☆

Our Little Sister (2015) - Ein Ort der Geborgenheit und Urteilsfreiheit

Our Little Sister (2015) - Ein Ort der Geborgenheit und Urteilsfreiheit
Bild: Pandora Film Verleih
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JP · R: Hirokazu Kore-eda · D: Haruka Ayase, Masami Nagasawa, Kaho, Suzu Hirose, Ryō Kase, Ryōhei Suzuki · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Es ist die selbst noch heranwachsende Halbschwester, die den drei bereits erwachsenen Schwestern ermöglicht, selbst einen Teil der eigentlich vergangenen Kindheit und Jugend noch einmal zu erfahren, nachzuholen, zu vollenden. Nun, nicht mehr getrieben davon, erwachsen werden zu müssen, scheinen sie sich zum ersten Mal richtig Fragen danach stellen zu können, was sie sich vom Leben erhoffen, wovon sie träumen dürfen, wovon sie sich lösen können und was/wem sie vielleicht zu Unrecht nachgetrauert haben.

Sehr einfühlsam beobachtet ist die Rolle des Hauses, in dem erst die drei, dann die vier Schwestern zusammenleben. Denn das ist nicht nur ein austauschbares Dach überm Kopf oder zweckdienliches Erbstück, es ist Protagonist mit klarem Profil und gewissermaßen selbst eine der Schwestern, Teil der Familie. Ein Ort der Geborgenheit und der Urteilsfreiheit.

Ich liebe, wie Hirokazu Kore-eda all das mit einer unendlich behutsam durch die Szenen gleitenden Kamera einfängt. Fast nie bewegt sie sich in den Raum hinein oder hinaus, vollzieht nur elegante Parallelbewegungen. Aber genau dadurch, durch den entstehenden Parallax-Effekt, entsteht eine räumliche Tiefe, die die emotionale Tiefe andeutet und behutsam unterstreicht.

★★★★☆

The Life of Chuck (2024) - Produktive Vorwegnahme

The Life of Chuck (2024) - Produktive Vorwegnahme
Bild: Tobis Home Entertainment
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US · R: Mike Flanagan · D: Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, Karen Gillan, Mark Hamill, Mia Sara, Jacob Tremblay, Benjamin Pajak, Matthew Lillard · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Achronologische Aktstrukturen wie hier geben mir – und letztlich auch den Filmen – nur selten etwas. Mike Flanagan verlässt sich jedoch darauf, dass er ein Ende vorwegnehmen und dennoch produktiv bleiben kann. Dadurch gelingt ihm hier ein positiver Nihilismus, gepaart mit einer Art melancholischem Zynismus.

Letztlich entsteht ein Plädoyer für das Leben, das wir alle trotz der Gewissheit unserer Endlichkeit, der des Planeten und des Universums, als Kaninchen vor der Schlange führen müssen. Ein Leben, in dem die, in ultimativer Konsequenz, Sinnlosigkeit aller Taten ein Quell großer Erleichterung sein kann.

Es geht nicht darum, dem Ende entgegenzutrauern, sondern es im übertragenen Sinne mit offenen Armen anzunehmen.

★★★☆☆

Gelesen: „Der Vorweiner“ (2023) von Bov Bjerg

Gelesen: „Der Vorweiner“ (2023) von Bov Bjerg
Cover: Claassen, Foto: Harald Krichel unter CC BY-SA 4.0
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237 Seiten, erschienen bei Claassen, ISBN 978-3-546-10038-0

Durch diese Geschichte zieht sich eine melancholische und ganz merkwürdig hoffnungsvolle Stimmung, obwohl eigentlich vom hinausgezögerten, aber letztlich unweigerlichen Ende erzählt wird.

Vielleicht liegt es daran, dass hier eine Gesellschaft beschrieben wird, die jegliche Menschlichkeit outgesourct hat. Die jegliche Bezüge zu Zeit, Körper und Gefühlen gekappt hat und damit gar nicht mehr in der Lage ist, den Schrecken des hausgemachten Endes wahrzunehmen. Die verkannt hat, dass der Mensch ohne den Schmerz – oder zumindest die Möglichkeit des Schmerzes – verkümmert.

Schmerz und Trost sind so eng miteinander verbunden, dass die Abwesenheit von Schmerz unendliche Trostlosigkeit nach sich zieht.

Das verwebt Bov Bjerg mit jeder Menge kleiner präziser Beobachtungen zu Klasse, die alles in allem darauf hinauslaufen: Eine soziale Oberschicht, die sich durch ökonomische Überlegenheit definiert, grenzt sich nicht durch Eigentum ab, sondern durch die genutzten Codes – Codes, die mitunter einer sogenannten Niederschicht entrissen wurden.

Zentrales Merkmal dieser Oberschicht ist das Wissen um die Nutzung dieser Codes. Doch da die Bedingungen dafür aus eben jener Oberschicht heraus definiert werden, die Regeln jederzeit verändert werden können, ist ein Aufstieg aus der Niederschicht aus eigener Kraft unmöglich.

★★★½☆

Quadrupel-A am 11. April 2026 Featured Post

Alpha, Alexander, Altman und Assayas

Quadrupel-A am 11. April 2026
Bild: Martin Sanchez / Unsplash

Ich gehöre ja auch zum eher kleinen Lager von Menschen, die Julia Ducournaus ALPHA echt gut fanden. Daher freue ich mich umso mehr darüber, dass auch Ipke F. Cornils diese Begeisterung auch teilt und sie hinaus in die Welt trägt – hier etwa bei Marcus Stiglegger in den Projektionen.

Projektionen Kinogespräche: Wer ist ALPHA?
Mit RAW und TITANE etablierte sich Julia Ducournau vor einigen Jahren als prägnante Filmemacherin zwischen Queer Cinema und Körperhorror. Heute hört sie diese Kategorien nicht mehr so gerne, denn mit ALPHA kehrt sie zu ihrem Coming-of-Age-Kurzfilm JUNIOR zurück: In dem neuen Filmen geht es um Kindheitsängste, um Teenage Trouble, eine globale Seuche und Familienbande. ALPHA ist buchstäblich quer zum Mainstream, und gerade deshalb ein Fall für PROJEKTIONEN. Marcus und der Filmkritiker Ipke Cornils übernehmen. - Die Musik der Episode stammt von dem Album “Acéphale” von Vortex (Cyclic Law 2025).

Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

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Wer noch nicht eh schon über ein dringend zu empfehlendes Podcastabo der Langen Nacht darauf aufmerksam gemacht wurde: Die Kolleg*innen haben anlässliches des Todes von Alexander Kluge im Archiv gegraben.

Der Filmemacher Alexander Kluge galt als einer der vielseitigsten Intellektuellen Deutschlands
Filmemacher Alexander Kluge war einer der engagiertesten Intellektuellen in Deutschland. Aus Anlass seines Todes am 25. März 2026 erinnern wir an sein Schaffen.

Kollegin Bena hat drüben auf Instagram eine großartige Auswahl von Filmen der 2020er, die von Frauen inszeniert wurde, zusammengestellt. Reinfolgen lohnt sich!


Unbedingt lesens- und/oder hörenswert ist die Recherche von Ronan Farrow und Andrew Marantz im New Yorker zu OpenAI-Chef Sam Altman, die sich über rund anderthalb Jahre gezogen hat und unter anderem Gespräche mit mehr als Hundert Menschen zu einem Porträt eines Typen zusammenführt, der mir am Ende echt Jan-Marsalek-Vibes gibt.

Sam Altman May Control Our Future—Can He Be Trusted?
New interviews and closely guarded documents shed light on the persistent doubts about the head of OpenAI.

Ähnlich wie Julia Ducournaus ALPHA wird auch Olivier Assayas' nun ebenfalls im Kino laufender THE WIZARD OF THE KREMLIN kontrovers diskutiert. Für mich ist er Teil einer Entwicklung, Teil einer Reihe von Filmen, die entweder einen konkrete Innenperspektive aus Russland bieten oder sich in sie hinein imaginieren. Drüben habe ich die Kollegen also mal dazu angeregt, ein bisschen mit mir in dieser Gemeleage zu baden.

News | Specials | Auf Tuchfühlung mit dem Bären: Filme aus dem Inneren Russlands
Das System Russland ist weitestgehend eine Blackbox. Umso mehr will das Kino hinein schielen. Ob mit fiktionalen Werken wie „Der Magier im Kreml&quo…

Auch drüben war Alexander Kluges Tod Anlass, noch mal auf einen Aspekt seines Schaffens und Wirkens hinzuweisen: dctp.tv.

News | Empfehlungen | Alexander Kluge ist tot, lang lebe dctp.tv
Der Essayfilmer Alexander Kluge lebte den Dialog, den Zufall in den Ereignissen und Erkenntnissen, die sich im Lebens(ver)lauf immer weiter (ver)forme…

Terrence Malicks DAYS OF HEAVEN ist noch bis Monatsende bei Arte in der Mediathek.

In der Glut des Südens - Film in voller Länge | ARTE
Texas, 1916: Der junge Bill hat zusammen mit seiner Geliebten Abby und seiner kleinen Schwester Chicago verlassen, um auf dem Land als Erntearbeiter mehr Geld zu verdienen. Der schwererkrankte Farmer, auf dessen Besitz sie eine Anstellung finden, verliebt sich bald darauf in Abby... - Terrence Malicks Film wurde 1979 in Cannes mit dem Regie-Preis ausgezeichnet.

So nämlich!

Bevor ich gezwungen werde 5 Sekunden Werbepausen bei Instagram anzuschauen, schließe ich lieber die App und scrolle über was anderes.

extrakaese (@extrakaese.bsky.social) 2026-04-09T15:37:44.272Z