Dass zwischen Entstehungszeit und Veröffentlichung des verwendeten Videomaterials so viel Zeit lag, lässt sich dem Film natürlich nur schwer zum Vorwurf machen. Aber es hat dennoch zur Folge, dass diese Aufnahmen wenig neue Erkenntnisse produzieren. Der totalitäre Eingriff der russischen Regierung in das Bildungssystem war derweil nämlich Gegenstand unzähliger journalistischer Arbeiten.
Spannend (und tatsächlich neu) war für mich ein Detail: Es gibt Regierungsserver, auf die angefertigtes Videomaterial der in der Schule umgesetzten Propagandamaßnahmen hochgeladen werden muss. Das zeugt natürlich umso mehr von einem von der blanken Angst des Kontrollverlusts getriebenen Regime. Wie so oft sind in diesem Material genau die Stellen interessant, in denen geschwiegen wird. Die Leerstelle wird zum Ausdruck einer unterdrückten Haltung.
Doch es gibt durchaus auch Stellen, in denen offene Ablehnung der russischen Regierung dokumentiert wird. Mal sind es nicht näher benannte Stadtbewohner*innen, mal Lehrer*innen und mal junge Schüler*innen – und zwar nicht unkenntlich gemacht. Das ist angesichts der drohenden, im Zweifel tödlichen Konsequenzen für die klar oder zumindest sehr leicht Identifizierbaren ethisch untragbar. Es wirkt skrupellos-ausbeuterisch bis hin zu masturbatorisch ob der seltenen Aufnahmen, die der Produktion hier in die Hände gefallen sind.
Vielleicht gab es entsprechende Vorkehrungen, um die abgebildeten Menschen zu schützen oder sie zu unterstützen. Ob dem so ist, wird nicht verraten. Und das hinterlässt einen extrem bitteren Nachgeschmack.