Der Film beginnt mit einem unerwarteten Moment der Stille, die kurz darauf zwar gebrochen wird, sich jedoch fortan auf andere Art fortsetzt: durch das Schweigen. „Ist das deine Flasche [Schnaps]?“ Der alkoholkranke Vater schweigt. „Wo ist eigentlich Opa?“ Die Mutter schweigt. „Weißt du, wer [das Hakenkreuz hier hingesprüht hat]; wer die Typen, die aus dem Auto heraus den Hitlergruß gezeigt habe, waren?“ Der Junge schweigt. Schweigen bis zum Tod?
Den beiden Brüder im Zentrum von MIT DER FAUST IN DIE WELT SCHLAGEN fehlt Sicherheit, fehlt Klarheit, fehlt ein Ausblick und damit gewissermaßen die Zukunft. Wann können wir endlich aus unserer Plattenbauwohnung in das eigene Haus umziehen? Muss ich mich vor meinen Schulfreund:innen dafür schämen, dass wir kein Geld für den Urlaub haben? Werden Mama und Papa sich trennen?
Das sind Fragen, die die Welt der beiden Heranwachsenden kaum zusammenhalten können. Wirklichen Bestand hat nur die Unbeständigkeit, das Auseinanderdriften und das aus dem Fokus Geraten der Welt der beiden Jungs. Das Ringen um Klarheit ist Alltag. Was Klarheit schafft, sind Fakten. Und wer schafft Fakten? Nazis. Es sind freilich einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft unwürdige und menschenfeindliche Fakten, aber es sind Fakten.
Nazis ziehen rigorose Grenzen, markieren eindeutige Feindbilder, weisen anscheinend einfache Lösungen für komplizierte Problem aus, stellen sich durch Gewalt in einer behaupteten Hierarchie über andere Menschen und zünden Geflüchtetenunterkünfte an. Eine so in Schwarz und Weiß geteilte Welt bietet die Illusion einer für die beiden Brüder verführerischen Perspektive an.
Auch das Schweigen darüber muss gebrochen werden. Wer sich rechtsextrem äußert muss sich wieder schämen, muss ausgegrenzt und geächtet werden, muss permanenten Widerspruch erfahren. Wenn die gesellschaftlichen Kosten nicht den Ruin bedeuten, dann läuft irgendwas falsch.
★★★★☆




















