🍽 Das Wochenendmenü: Kreativpause


Vor fast auf den Tag genau, am 14. Februar, vor einem Jahr habe ich ohne großartig nachzudenken das Wochenendmenü gestartet und bis auf wenige Ausnahmen jeden Freitag drei persönliche Streaming-Tipps präsentiert. 47 Ausgabe sind es geworden. Jetzt ist damit Schluss.

Denn innerhalb des vergangenen Jahres und insbesondere in den vergangenen Wochen hat sich nicht nur die Welt an sich, sondern auch mein ganz persönlicher Planet ganz schön weitergedreht. Das bedeutet unter anderem, dass ich mich nun auch beruflich mehr als zuvor mit Filmen, Serien und diesem ganzen Streaming-Kosmos beschäftige.

Und ich muss zugeben: Mir fehlt deshalb gerade einfach die kreative Puste für ein Projekt wie das Wochenendmenü. Und darunter leidet auch der Spaß. Doch ich wollte das alles nie zum Zwang werden, mich nie davon nerven lassen. Also ziehe ich an dieser Stelle die Reißleine und nenne das einfach “Kreativpause”.

Denn das soll noch nicht das Ende sein. Auch in Zukunft möchte ich ein bisschen Orientierung im Streaming-Dschungel aus meiner ganz persönlichen Perspektive bieten. Ich weiß nur noch nicht, in welcher Form. Haut mich gerne an, wenn ihr Ideen, Vorschläge oder Wünsche habt.

Derweil könnt ihr meine Arbeit bei Shelfd, Kino-Zeit und Musikexpress verfolgen.

Weiterlesen

🎬 LSC6: The Young and the Damned (1950) – Getreten wird immer nur nach unten

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehen Film aus dem Goldenen Zeitalter des mexikanischen Kinos zu schauen.


Im Intro von THE YOUNG AND THE DAMNED wird angekündigt, dass es sich nicht um einen optimistischen Film handelt. Und so ist es auch – auch mehr als 70 Jahre nach Release noch. Denn obwohl sich ganz allgemein die Lebensbedingungen (zumindest in der westlichen Welt) gebessert haben, hat insbesondere ein Phänomen Fortbestand: dass die Abgehängten ohne mit der Wimper zu zucken nach unten treten, aber keinen Angriff auf die eigentlichen Ausbeuter:innen starten. Attackiert werden nur die Blinden, die vermeintlich dummen Arbeiter:innen vom Land, die noch Ärmeren, die noch Hungrigeren, die Ausgegrenzten, aber auch die eigenen Freund:innen und die Familie. Luis Buñuel hat damit ein zeitloses Gespür für gesellschaftlich-ökonomische Zusammenhänge bewiesen.


🎬 LSC6: Chaplin (1992) – Schlechter Bauschaum

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film mit Sven Nykvist hinter der Kamera zu schauen.


Schlechte gekünstelte Akzente, forcierte Melancholie, seelenlos-mechanisches Schauspiel, mit dem Best-of der iMovie-Übergänge geschnitten und dem rührseligsten “Rosamunde Pilcher”-Soundtrack unterlegt: Das ist CHAPLIN. Der Film gibt vor Lücken zu schließen, versucht diese aber mit weit hinter dem Verfallsdatum liegenden Bauschaum zu stopfen.

Was ich nicht sehen will, aber unweigerlich zu sehen bekomme, ist das, was ich sowieso schon weiß. Weil ich Filme von Charlie Chaplin gesehen habe. Weil ich hier und da eine Anektdote über sein Leben gelesen habe. Was ich wissen will, ist, was Charlie Chaplin in diesen Zwischenmomenten, in denen keine Kamera dabei war, gefühlt und bewegt hat. Aber der Film macht genau den Fehler, den Anthony Hopkins als fiktiver Verleger George Hayden dem unter die Autobiografen gegangenen Filmemacher vorwirft: Er lässt sein Publikum nicht mitfühlen. Und obendrauf werden noch Vergewaltigungen verharmlost und normalisiert.

Thanks, I hate it.