Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Latest Posts

Ente, Ente, Ente, Ente, Gans am 21. März 2026 Featured Post

Ente, Ente, Ente, Ente, Gans am 21. März 2026
Bild: Sebastian Oberreiter / Unsplash

Börsenverein-Vorsitzender Sebastian Guggolz zu Weimer in der ersten Reihe: „Ich bin stolz auf die Buchbranche, weil wir Ihren fragwürdigen autokratischer Gestus nicht akzeptieren“.

Alexander Moritz (@dermonologist.bsky.social) 2026-03-18T18:38:15.923Z

Um es auch noch mal hier festgehalten zu haben: BKM Wolfram Weimer (parteilos) hat beim Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse vor vollem Gewandhaus – absolut zu Recht – ordentlich Gegenwind bekommen. Ein starker Moment, hier festgehalten vom DLF-Korrespondenten in Sachsen, Alexander Moritz, war verpackt in die Rede von Sebastian Guggolz, dem Vorsteher des Börsenvereins des Buchhandels.

Das Sphere der Politik und der Geheimdienste wurde deutlich gezeigt, dass wir ihre Stigmatisierung und ihre begriffliche und weltanschauliche Verengung der Vielfalt, ja, ihren fragwürdigen autokratischen Gestus nicht klaglos aktzeptieren.

Anschließend der Kameraschwenk auf Wolfram Weimer und den neben ihm sitzenden und klatschenden Leipziger Bürgermeister Burkhard Jung (SPD), Chef's Kiss!


Die (Almost) Dailies sind mein kuratierter Blick auf das Internet – irgendwo zwischen (Pop-)Kultur, Medien, Politik und dem ganzen anderen Wahnsinn. Wenn du magst, auch in deinem Postfach!

Newsletter kostenlos abonnieren ❣

Felix Stephan hat in der Süddeutschen außerdem aufgeschrieben, wie souverän Sebastian Guggolz seine Rolle im nun unverhofften Rampenlicht ausfüllt und welches Programm er gerade abreißt.

Sebastian Guggolz auf der Leipziger Buchmesse: Er gibt Wolfram Weimer ordentlich Kontra
Der Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist auf der Messe in Leipzig allgegenwärtig. Und siehe da, eine Branche entdeckt sich gerade neu als gesellschaftspolitischer Akteur.

Ebenfalls in der Süddeutschen: Ronen Steinke hat in seinem Podcast mit İlker Çatak über die von Weimer heraufbeschworene Stimmung der Angst gesprochen. (Naja, „Podcast“, weil wenn du nur über Apple Podcasts und Spotify, aber nicht über einen frei zugänglichen RSS-Feed zugänglich bist, dann solltest du dich eigentlich nicht mit diesen Federn schmücken dürfen. Aber das ist ein anderes Thema...) Außerdem erzählt Çatak nebenbei, dass ihm THE HOUSEMAID angeboten wurde.

SZ-Podcast: „Ich habe Angst, vom Verfassungsschutz überwacht zu werden“
İlker Çatak über die Frage, wie man als Filmemacher unabhängig bleiben kann – trotz einer besorgniserregenden Tendenz.

Und im Politikpodcast des Deutschlandfunk spricht Nadine Linder mit Vladimir Balzer, kulturpolitischer Korrespondent im Hauptstadtbüro des DLF, und Stefan Koldehoff, Chefreporter Kultur im DLF, über die Gemengelage, die Weimer angerührt hat.

Kulturstaatsminister - Was treibt Wolfram Weimer?
Von Buchhandlungspreis bis zur Berlinale. Die Liste der Konflikte um Wolfram Weimer ist lang, der Protest aus der Kulturszene laut.

Drüben habe ich mir Gedanken über die Enshittification der Streamingbranche gemacht.

Die aktuellen Entwicklungen auf dem Streamingmarkt zeigen, dass die verschiedenen Anbieter ziemlich gewissenhaft an ihrem eigenen Niedergang arbeiten. Sie scheinen dabei vergessen zu haben, dass ihr Geschäftsmodell nicht auf besonders guten Inhalten, sondern einzig und allein darauf fußt, einen winzigen Hauch bequemer als illegales Streaming zu sein. Und es wirkt auf mich so, als ob es sich bald ausgehaucht hat.
Unbequemer als illegal?
Streamingdienste waren mal eine Befreiung. Heute scheinen sie gewissenhaft an ihrem eigenen Niedergang zu arbeiten. Wollen wir das noch?

Nach dem Tod des großen Frederick Wiseman kam schnell die große Ernüchterung: Digital war in Deutschland kein einziger Film von ihm auf legalem Wege zu bekommen, DVDs uund Blu-rays musste man teuer importieren. Aber jetzt hat Mubi absolut geliefert und eine kleine Retrospektive zusammengetragen.

Als Frederick Wiseman im Februar 2026 starb, verlor das amerikanische Kino einen seiner Giganten. Fast 60 Jahre lang reiste der Dokumentarfilmer mit minimaler Ausrüstung: ein Mikrofon und ein Tonrekorder, die er selbst bediente, während sein langjähriger Kameramann eine leichte Kamera führte. Aus diesen einfachen Mitteln erschuf Wiseman ganze Galaxien – weitläufige Gefüge unscheinbarer Momente, die sich zu einer kollektiven Pracht verdichten.
FREDERICK WISEMAN: AMERICAN LIVES
Erlebe großes Kino. Egal, wo du bist. Von ikonischen, preisgekrönten Regisseuren bis hin zu aufstrebenden Autorenfilmern. Bahnbrechende Filme aus der ganzen Welt. Im Stream oder offline. Starte jetzt dein kostenloses 7-tägiges Probeabo.

World of Tomorrow (2015) - Ewige Kindheit

World of Tomorrow (2015) - Ewige Kindheit
Bild: Don Hertzfeld
US · R: Don Hertzfeldt · D: Julia Pott, Winona Mae, Sara Cushman · Trailer · Letterboxd · IMDb · Wikipedia

Hat an treffender Zukunftszeichnung und damit an Aktualität auch mehr als zehn Jahre nach Release eigentlich nichts eingebüßt.

Die Risiken unregulierten und ungebremsten Wachstums liegen klar ausbuchstabiert vor uns. Aber wir als Menschen bleiben selbstvergessene Kleinkinder ohne Weitsicht.

Kritisch anmerken ließe sich, dass das uns natürlich ein viel zu großes Maß an Naivität zugesteht. Ausgleichend: Mehr kindliche Fantasie würde uns wiederum gut helfen, glaube ich.

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) - Entblättern bis die Fetzen fliegen

Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem (1993) - Entblättern bis die Fetzen fliegen
Bild: Turbine Medien
DE · R: Ralf Huettner, Helge Schneider · D: Helge Schneider, Andreas Kunze, Peter Berling, Peter Thoms, Helmut Körschgen, Buddy Casino · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Zuerst war der Western. Dann die Parodie des Westerns. Dann die Parodie der Parodie des Westerns. Und so weiter und so fort. Helge Schneider unterläuft sich mit jeder Szene sich selbst, seinen eigenen Film, die Konventionen des Genres und der Parodie immer ein bisschen mehr.

Es wird entblättert, bis überall nur noch Fetzen herumliegen, die wiederum neu zusammengeschustert werden. Das Ergebnis ähnelt dann mal mehr und mal weniger zufällig Monty Python und ist ein absolut dadaistisches Chaos, das sich über sich selbst kaputtlacht.

★★★★☆

Taste of Cherry (1997) - Schmerzhafte Poesie

Taste of Cherry (1997) - Schmerzhafte Poesie
Bild: Kiarostami Foundation
IR/FR · R: Abbas Kiarostami · D: Homayoun Ershadi, Abdolrahman Bagheri, Afshin Khorshid Bakhtiari · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Ich habe die meiste Zeit über den freien Willen nachgedacht. Ein freier Wille, durch den das Begreifen der Welt als Ort voller herzenswarmer Menschen, voller umwerfender Natur und berührender Sonnenaufgänge nicht im Gegensatz dazu steht, genau auf dieser Welt nicht mehr leben zu wollen. Das ist schon schmerzhaft poetisch.

★★★★☆

F1 (2025) - Unrettbar verlogen

F1 (2025) - Unrettbar verlogen
Bild: Warner Bros., Apple TV
US · R: Joseph Kosinski · D: Brad Pitt, Damson Idris, Javier Bardem, Kerry Condon, Tobias Menzies, Kim Bodnia · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Ästhetisch profitiert der Film natürlich enorm von der Nähe zum Formel-1-Zirkus. Dieses visuelle, in seiner Schärfe nahezu hyperreale Feuerwerk sieht (wirklich richtig gut und) um Längen besser aus als der andere große Vertreter aus der Reihe Rennsportpropaganda, GRAN TURISMO, von Neill Blomkamp.

Damit sind wir schon beim Thema: F1 ist durch eben diese Nähe unrettbar kompromittiert und vereinnahmt. Denn als Formula One Group würde mir diese filmgewordene Reinwaschung natürlich auch verdammt gut schmecken. Joseph Kosinski inszeniert nämlich undurchsichtige, finanzstarke Konglomerate als wahre Antagonisten, als Feinde der armen, selbstverständlich nur auf sportliche Höchstleistungen abzielenden Formel 1. Bequemerweise vergisst der Film zu erwähnen, dass die Formel 1 ein ebenso undurchsichtiges, finanzstarkes Konglomerat ist, das Spektakel statt Spitzensport verkauft.

Dabei will ich gar nicht in Abrede stellen, dass Formel-1-Fahrer Spitzensportler sind. Aber sie sind Teil einer geschlossenen Liga, in die es folglich keine direkte sportliche Aufstiegsmöglichkeit gibt. Wer in die höchste Rennklasse „aufsteigt“, tut das also auch, weil er exzellent vernetzt ist und Reichweitenpotenzial mit sich bringt.

Es ist verlogen, dass F1 diese Zustände kritisiert, ohne zu benennen, dass der Gegenstand der eigenen Inszenierung unbestreitbarer Teil dieser Zustände ist. Joseph Kosinski ist hier nicht viel mehr als ein nützlicher Tölpel und sein Film angesichts der Milliardenumsätze der Formula One Group ein vergleichsweise günstiger PR-Move, der mit lauwarmen Klischees hantiert (und obendrein eine groteske Verachtung der Presse gar nicht erst zu verbergen versucht).

★★☆☆☆

Cure (1997) - Das innere Monster

Cure (1997) - Das innere Monster
Bild: Eureka Entertainment, Eye See Movies, Crunchyroll
JP · R: Kiyoshi Kurosawa · D: Kōji Yakusho, Masato Hagiwara, Tsuyoshi Ujiki, Anna Nakagawa, Yukijiro Hotaru · Trailer · Letterboxd · IMDb · JustWatch · Wikipedia

Funktioniert für mich als Film über die Monotonie des Alltags und der Arbeit, über das Ersticken inmitten der kapitalistischen Logik, über die Alltäglichkeit der Gewalt und die Indifferenz ihr gegenüber, weil sie in (unsere) fremdbestimmte Leben drängt, die sowieso nicht als erfüllend betrachtet werden.

Das ist der Abgrund, mit dem uns Kiyoshi Kurosawa konfrontiert – und mit der permanent unter dem Film schwelenden Tatsache, dass diese Gewalt vielleicht auch in jedem einzelnen Menschen angelegt und deshalb unausweichlich ist, ihr nur die richtige Tür in unserem Unterbewusstsein geöffnet werden muss, um einen Exzess zu entfesseln.

Die Gewalt steht hier außerdem klar für ein der kapitalistischen Gesellschaftslogik inhärentes Eskalationspotenzial, für ein Ausbrechen aus dem Trott, aus den immer gleichen Abläufen im Dienste der Erträge anderer.

Die Gewalt ist Erlösung, Genugtuung, verbotene Frucht, verführerisch, erotisch und das Monster in uns allen zugleich.

★★★★½