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Filmkritik

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Gesehen: Laitakaupungin valot (2006)

Gesehen: Laitakaupungin valot (2006)
(c) Pandora Film Verleih

Aki Kaurismäki bekommt mich einfach immer wieder mit seiner sensiblen Art – hier in seiner Annäherung an die Isolation in der Großstadt, die Anonymität wider Willen. Es ist einfach so rührend, als der Protagonist eines Raubes beschuldigt und von der Polizei zu möglichen Kompliz*innen ausgehorcht wird, er jedoch sagen muss: „Ich kenne niemanden“ – und es klar ist, dass er mehr als nur die Gangstertruppe meint.

Den krassen Gegensatz erlebt er schließlich im Gefängnis – eigentlich ein Ort der absoluten Isolation vom Rest der Gesellschaft und damit vermeintlich absoluter Einsamkeit. Doch dort lässt Kaurismäki seinen Protagonisten zum ersten und einzigen Mal seine stoische Fassade brechen. Es scheint, als ob er zum ersten Mal wirklich Nähe zu Menschen spürt, sich gesehen fühlt.

Es ist dieses Spiel mit den Gegensätzen, das LAITAKAUPUNGIN VALOT so interessant macht – das praktisch anonyme Dasein draußen in der Gesellschaft wird ausgerechnet im Gefängnis, wo von der Privat- bis zur Intimsphäre alles aufgelöst wird, überwunden. Es ist das unvermeidlich enge Aneinanderrücken in Gefangenschaft, das die Freiheit bringt, während draußen die Großstadt drückend über den Menschen liegt, sie zum Rückzug drängt – in ihre Höhlen und in sich selbst.

Was nach meinem Dafürhalten jedoch nicht ganz so gut gelingt, ist auf diese thematische auch eine narrative Klarheit folgen zu lassen.

★★★½☆

FI/FR/DE/IT/SE, R: Aki Kaurismäki, D: Janne Hyytiäinen, Maria Järvenhelmi, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Madame Web (2024)

Gesehen: Madame Web (2024)
(c) Sony Pictures Entertainment Deutschland

Eins muss ich dem Film wirklich lassen: Mit der Vision vom Superheldinnen-Team erst Erwartungen schüren, diese dann komplett zu unterlaufen und eine Girl-Gang-Geschichte zu erzählen, gefällt mir als Kniff. Aber er geht leider nicht auf. Denn die überzeichneten Figuren von Sydney Sweeney, Isabela Merced und Celeste O’Connor finden einfach keinen Halt am schauspielerischen Teflon von Dakota Johnson. Die hat sehr offensichtlich keine Lust darauf, Teil dieses Films zu sein. Kann man ihr nicht verdenken, nur entschuldigt das natürlich nicht ihre fürchterliche lieb-, lust- und emotionslose Performance.

Außerdem ist es eine kreative Bankrotterklärung, trotz des subversiven Kniffes die elende und egal in welchen Abwandlungen immer gleiche Origin-Story zu erzählen. Das verleiht weder den Figuren Tiefe noch der Geschichte emotionales Gewicht. Wer seine Gegenwart nahezu ausschließlich durch einen derart überpsychologisierenden Blick in den Rückspiegel erzählt, wird nie anschlussfähig sein.

Obendrein sieht der Film auch noch furchtbar billig aus und erinnert eher an Film-AG der Klasse 9b meets RTL-Dschungelcamp meets Michael Bays AMBULANCE (2022) auf Wish bestellt. Das riecht alles schon arg verdächtig nach Tod durch Studioeinmischung.

★☆☆☆☆

US, R: S.J. Clarkson, D: Dakota Johnson, Sydney Sweeney, Isabela Merced, Celeste O’Connor, Tahar Rahim, Adam Scott, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Lesson (2023)

Gesehen: The Lesson (2023)
(c) Port au Prince

THE LESSON erzählt im Prinzip drei Geschichten, aber keine davon sonderlich gut: eine ideengeschichtliche Betrachtung der Kunst, das Familientrauma nach dem Suizid eines Sohnes und eine – die meiner Meinung nach interessanteste der drei – über Klasse.

Die Familie der Sinclairs lässt den Protagonisten seinen ihm zugewiesenen Platz im Haus und implizit der Gesellschaft durch zahlreiche Mikroaggressionen spüren. Sie führen ihn etwa vor, wenn es um Wein geht oder lassen ihn seine vermeintliche Unkultiviertheit mit gezielt bloßstellenden Fragen über Rachmaninow spüren. Sie stellen mit jeder Geste klar: Du magst zwar gebildet sein, aber zu unserer Klasse gehörst du dadurch noch lange nicht.

Stringent durchgezogen wird weder dieser noch die beiden anderen Stränge. Viel wird behauptet, wenig klar durchargumentiert. The Lesson, die Lektion der Geschichte, ist: nicht vorhanden. Der Film führt zu nichts und stößt auf dem Weg dahin auch nichts Interessantes los. Seine Kernthese good writers borrow, great writers steal wiederholt der Film mantraartig, um am Ende behaupten zu können, dass es um etwas ging.

Letztlich habe ich durch THE LESSON gelernt, SALTBURN noch einmal anders und neu zu schätzen 😅

★★☆☆☆

DE/GB/US, R: Alice Troughton, D: Daryl McCormack, Richard E. Grant, Julie Delpy, Stephen McMillan, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Le Daim (2019)

Gesehen: Le Daim (2019)
(c) Plaion Pictures

Ein cleverer kleiner Film über das schwarze Loch des Bedeutungsverlustes, das sich nach Jahren der Selbstentfremdung auftut und derweil alle Skills verlernt wurden, mit deren Hilfe das Loch wieder gefüllt werden könnte – ein äußerst fruchtbarer Nährboden für Regression und Überkompensation gleichermaßen. Quentin Dupieux kennt die Grenzen seiner Idee genau, kann sich so sehr elegant und selbstbewusst innerhalb dieser bewegen, ohne den Bogen jemals zu überspannen. Gelungen.

★★★½☆

BE/FR/CH, R: Quentin Dupieux, D: Jean Dujardin, Adèle Haenel, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Les passagers de la nuit (2022)

Gesehen: Les passagers de la nuit (2022)
(c) eksystent distribution

Wow, was für eine wunderschöne, melancholische Erzählung von bedingungsloser Liebe und Solidarität innerhalb der Familie und unter Frauen. Von Menschen, die sich zum ersten Mal ihrer selbst ermächtigen, mit dem Schreiben ihrer eigenen Geschichte beginnen und sich von alten Zwängen freimachen.

Die Tochter, die mit ihrem Idealismus die Welt verändern will. Der Junge, der mit seiner sanften Seele keinen für ihn funktionierenden Platz unter Altersgenoss*innen findet und schließlich Ausdruck in der Poesie sucht. Die Drifterin, die sich eigentlich schon von der Welt abgewandt hat und in der unverhofften Gemeinschaft wieder Hoffnung findet. Die Frau, die erst von ihrem Mann verlassen und mit den Scherben ihrer Existenz – nach Jahren der Care-Arbeit ohne finanzielle Absicherung und berufliche Qualifikation – zurückgelassen wird, dann aber sprichwörtliches Licht im wortwörtlichen Dunkel der Nacht findet. Wie sie kaum erklärende Worte dafür findet und ihr eine Radiomoderatorin mit einem warmen „Ich verstehe“ ohne zu zögern die helfende Hand ausstreckt.

Formal hat mich der Film an den nur wenige Monate später zum ersten Mal aufgeführten AFTERSUN (2022) von Charlotte Wells erinnert. Beide Filme teilen sich die nostalgische Grundstimmung, deuten eine rückblickende Erzählperspektive an und bedienen sich stellenweise einer Homevideo-Optik.

Außerdem kann ich mir LES PASSAGERS DE LA NUIT sehr gut im Double Feature mit Filmen wie PRISCILLA (2023) vorstellen. Denn der etwa beginnt dort, wo Mikhaël Hers Film beginnt: mit dem Einstürzen der Gefängnismauern.

★★★★½

FR, R: Mikhaël Hers, D: Charlotte Gainsbourg, Quito Rayon Richter, Noée Abita, Megan Northam, Trailer, Wikipedia
Passagiere der Nacht - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: You People (2023)

Gesehen: You People (2023)
(c) Netflix

Ich liebe ja Kenya Barris’ black·ish. Aber das heißt noch lange nicht, dass das mit vergleichbar vielen Zutaten auf unendlichen langen zwei Stunden Strecke genauso trägt. Schon nach wenigen Minuten formuliert das Drehbuch wortwörtlich das zentrale Problem des Films und tänzelt anschließend derart drumherum, als ob die große Konklusion mitdenkenden Zuschauer*innen nicht sowieso schon klar wäre. Und am Ende klatschen alle – also wieder wortwörtlich.

Das ist schade, weil YOU PEOPLE auch schöne Momente hat. Außerdem hat es mir sehr gefallen, Eddie Murphy in einer solchen ruhigen, zurückgefahrenen Rolle zu sehen. Aber das hilft leider alles nicht über die strukturellen Schwächen des Films hinweg, der dazu kaum natürlich Bilder findet und in Sitcom-Optik daherkommt.

★★☆☆☆

US, R: Kenya Barris, D: Jonah Hill, Lauren London, Eddie Murphy, Julia Louis-Dreyfus, Nia Long, David Duchovny, Sam Jay, Trailer, Wikipedia
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