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Medien & Politik

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Posts tagged with Medien & Politik

„Condé Nast Purgatory“

„Condé Nast Purgatory“
(c) Yaopey Yong / Unsplash

Absolut widerlich, wie Condé Nast hier offenbar mit Redakteur*innen umgegangen ist, deren Entlassungen schon monatelang feststanden. Während die Gewerkschaft noch mit dem Konzern über die Kündigungsbedingungen verhandelt, hat der Verlag laut Hollywood Reporter rund 100 Mitarbeiter*innen in eine sogenannte central editorial group überführt, in der sie dann völlig sinnbefreite Arbeiten erledigen mussten.

It was awkward enough for employees on the list to remain at the company for months. And then there were the new tasks they were assigned: According to group members who spoke with The Hollywood Reporter, work for some has consisted of writing summaries of Condé Nast’s previous coverage of various topics and “cultural significance profiles” of public figures; on the video side, it’s involved identifying favorable time stamps in past events coverage for sizzle reels. “It’s so weird. I can’t emphasize enough how weird it is,” says former GQ articles editor Chris Gayomali. He calls his state over the last few months a “purgatory.”

Heißt: Man hat monatelang einen Haufen Menschen mit Vollzeitgehalt aufs Abstellgleis geschoben. Etwas anders als absichtliches Zermürben von Menschen, die sich gewerkschaftlich organisieren und ihre Arbeitnehmer*innenrechte wahrnehmen, kann das meiner Meinung nach doch gar nicht sein.

Condé Nast Purgatory: Dozens of Staffers Marked for Layoffs Bide Time at “Central Editorial Group”
While their union negotiates with top execs about the scale and terms of layoffs, employees who had been working at GQ, Vanity Fair and Bon Appétit have been consigned to a unit that, sources say, mainly includes busy work.

Umberto Ecos „Der ewige Faschismus“

Umberto Ecos „Der ewige Faschismus“
(c) Erinc Salor unter CC BY-SA 2.0

Mit dem Werk Umberto Ecos hatte ich bisher kaum Berührungspunkte. Umso eindrucksvoller war für mich nun sein Essay „Der ewige Faschismus“, das fast 30 Jahre alt ist und mit haarsträubender Präzision herausarbeitet, was den Faschismus ausmacht. Das komplette Essay ist mehr als lohnenswert, seine 14 Punkte sind aber auch noch mal in der Wikipedia zusammengefasst. Die Parallelen zur Gegenwart sind offensichtlich.

Ur-Fascism | Umberto Eco
I think it is possible to outline a list of features that are typical of what I would like to call Ur-Fascism, or Eternal Fascism. These features cannot be organized into a system; many of them contradict each other, and are also typical of other kinds of despotism or fanaticism. But it is enough that one of them be present to allow fascism to coagulate around it.

Wie „Fanfiction Finance“ Vice zu Fall brachte

Wie „Fanfiction Finance“ Vice zu Fall brachte
(c) Jamie Street / Unsplash

Großartige Recherche von Elizabeth Lopatto über den Niedergang von Vice. Bottom line ist, dass sich das Management offenbar jahrelang am Unternehmensbudget wie an einem All-You-Can-Eat-Buffet bedient hat. Dieses Verhalten hat das Unternehmen nicht nur vor die Wand gefahren, sondern sogar ganz real Menschenleben in Gefahrt gebracht.

One reporter I spoke to had been traveling back from an undercover reporting trip focused on human rights violations when the production’s credit card started being declined; if it had happened 24 hours earlier, the team would have been in a very dicey situation. Fortunately, a supervisor was able to dig out an old credit card that still functioned, and that was how the group managed to fly home.
“A fucking clown show”: how Vice’s execs burned down its newsroom
The wild expenses, shady deals, and greed that ruined Vice.

Die frühere Vice-Kolumnistin Casey Johnston kommentiert auf Bluesky:

I'd hear constantly as a Vice editor that "digital" (the website and its editorial team) was one of the only unprofitable parts of the company. imagine my surprise that this was in part because PRIVATE JET TRANSPORT for execs was being written to our balance sheet

„Chats blauer ORF-Hoffnungsträger – und wie die FPÖ den ORF zerlegen wollte"

„Chats blauer ORF-Hoffnungsträger – und wie die FPÖ den ORF zerlegen wollte"
(c) Volodymyr Hryshchenko / Unsplash
ORF 1 abdrehen, weg mit Landesstudios, FM4 gehört weg, die ORF-Gebühr auch, aber erst später, und das Management muss jedenfalls weg: Die Regierungspartei FPÖ hatte 2019 einiges vor mit dem ORF, als die Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 dem geplanten ORF-Gesetz von ÖVP und FPÖ gerade noch zuvorkam.

[...]

Der damalige Vizekanzler hat in der [Chat-]Gruppe noch viel weiter gehende Anliegen: "Bitte auch dahinter sein, dass Andi Gabalier endlich auf Ö3 gespielt wird", wirft Strache einmal zwischendurch ein. "Ist irre, dass der boykottiert wird!"
Chats blauer ORF-Hoffnungsträger – und wie die FPÖ den ORF zerlegen wollte
“Lieber HC, du kannst dich auf mich verlassen”: Versprechen und Wünsche von Ex-ORF-Manager Prantner bis “Fit mit Philipp” und “Andi Gabalier”

Zuerst musste ich bei dem Absatz über Gabalier lachen. Aber das blieb mir dann doch ganz gut im Halse stecken. Denn tatsächlich sind es vermeintlich belanglose Anmerkungen wie diese, die aufzeigen, welches abstruse Maß an Kontrolle die Blauen in Österreich über die Medien anstreben und wie sie eine freie Presse ablehnen.

Nilay Patel erklärt Hank Green, warum Websites eine Zukunft haben

Nilay Patel erklärt Hank Green, warum Websites eine Zukunft haben
(c) vlogbrothers unter CC BY 3.0

Ist auch schon wieder ein paar Tage alt, aber ich konnte es erst jetzt fertig hören. Wie hier auf meiner Seite unschwer zu erkennen ist, ist auch in mir wieder die Lust aufs Bloggen entflammt. Anil Dash hat die Stimmung im Netz neulich im Rolling Stone auch wunderbar auf den Punkt gebracht: „The Internet Is About to Get Weird Again“. Und hier erklärt The Verge-Chefredakteur Nilay Patel Hank Green, warum Websites gerade ihren x-ten Frühling erleben und warum dieser Moment vielleicht nun gekommen ist, um tatsächlich zu bleiben. Ein spannendes und gewissermaßen auch inspirierendes Gespräch.

Nilay Patel tells Decoder guest host Hank Green why blogs are still great
Complexly co-founder and YouTuber Hank Green takes over Decoder to interview Nilay Patel.

Samira El Ouassil: Auch Deutsche mit Migrationsgeschichte unter den Nominierten

Samira El Ouassil: Auch Deutsche mit Migrationsgeschichte unter den Nominierten
İlker Çatak auf der Berlinale 2023 // (c) Harald Krichel unter CC BY-SA 4.0

Hatte das Thema auch vergangene Woche hier im Blog, aber da war der Übermedien-Artikel noch hinter der Paywall. Aber jetzt ist er frei zu lesen. Wie immer eine sehr kluge, ausgeruhte und treffende Analyse von Samira El Ouassil.

Auch Deutsche mit Migrationsgeschichte unter den Nominierten | Übermedien
Während die Oscar-Nominierten Sandra Hüller und Wim Wenders in den Berichten stets namentlich genannt werden, wird der Name von Regisseur İlker Çatak entweder falsch geschrieben oder gar nicht erwähnt. Ein Zeugnis der Ignoranz vieler Medien.