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Medien & Politik

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Posts tagged with Medien & Politik

Wie Oscar-Preisträger Oliver Stone Diktatoren Propaganda anbot

Wie Oscar-Preisträger Oliver Stone Diktatoren Propaganda anbot
Oliver Stone auf der Sand Diego Comic Con 2016 // (c) Gage Skidmore unter CC BY-SA 2.0

Oliver Stone schien mir mit seinen Filmen immer sehr nah an Verschwörungserzählungen gewesen zu sein. Aber dass er sich jetzt auch noch zur Propagandaschleuder machen lässt, ist schon heftig. Der Spiegel dachzeilt über seinem Artikel (€) „Selbstzerstörung eines Starregisseurs“ und das fasst es eigentlich ganz gut zusammen.

Eine gemeinsame Recherche von DER STANDARD, dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP), dem SPIEGEL, Tamedia, dem ZDF und dem kasachischen Investigativportal "Vlast" bietet nun Antworten darauf, die sich auf eine Aussage reduzieren lassen: Oliver Stone hat sich kaufen lassen. Der Finanzier des Machwerks über Nursultan Nasarbajew war, über eine Hilfskonstruktion, letztendlich Nursultan Nasarbajew.
Wie Oscar-Preisträger Oliver Stone Diktatoren Propaganda anbot
Neue internationale Recherchen zeigen, dass der Regisseur mit mehreren Autokraten ins Geschäft kommen wollte
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Die Ausgrenzung von İlker Çatak

Die Ausgrenzung von İlker Çatak
İlker Çatak auf der Berlinale 2023 // (c) Harald Krichel unter CC BY-SA 4.0

İlker Çatak, dessen Film DAS LEHRERZIMMER für den Oscar nominiert ist, ist stinksauer und wir sollten ihm alle zuhören. In der Zeit schreibt er (€):

Denn einen Tag später macht mich mein Produzent auf die gesamte Berichterstattung aufmerksam: Sandra Hüller und Wim Wenders, beides tolle Kolleginnen, die ich sehr bewundere, sind auch nominiert und werden immer wieder als "die zwei Deutschen bei den Oscars" genannt und gefeiert. Doch mein Name fällt kaum. Eigentlich gar nicht.

Ich mochte seinen Film ziemlich und muss trotzdem feststellen: Auch bei mir hat die von Çatak absolut zu Recht kritisierte Form der Berichterstattung sozusagen Eindruck hinterlassen. Denn denke ich an die anstehende Oscar-Verleihung aus deutscher Perspektive, sehe ich vor meinem inneren Auge Sandra Hüller, komme dann irgendwann auch auf Wim Wenders, aber die Tür zu DAS LEHRERZIMMER macht mein Hirn eher selten auf.

Im vom Stern wahnsinnig unsouverän geführten Interview – als ob die Hamburger selbst nicht Teil der von Çatak kritisierten Medien wären – formuliert der Filmemacher unmissverständlich, welche gesellschaftlichen Folgen dieser gedankenlose Umgang mit Menschen wie ihm hat.

Stern: Sind Sie stolz auf Ihre Oscar-Nominierung?

Çatak: Ach, der Oscar! Bleiben wir doch mal beim Thema: Warum gab es nie eine Geschichte in den Medien, die in etwa so hätte aussehen können: Das Enkelkind eines Bauern, der erst in Deutschland lesen und schreiben lernte, holt uns nun eine Oscar-Nominierung? Das hätte mal eine schöne Geschichte zum Thema Migration sein können. Aber das hat Sie alle nicht interessiert. Sie interessiert der deutsche Erfolg, und erst wenn ein Verbrechen oder andere Katastrophen passieren, gibt es Headlines zur Migration.

„Geheimplan gegen Deutschland“, szenisch vorgelesen

Chapeau!

„Geheimplan gegen Deutschland“, szenisch vorgelesen
Foto: Correctiv, Berliner Ensemble, Volkstheater Wien
Die investigative Redaktion von CORRECTIV veröffentlichte am 10. Januar eine Recherche rund um ein Treffen, von dem niemand erfahren sollte: AfD-Politiker, Neonazis und finanzstarke Unternehmer kamen im November 2023 in einem Hotel bei Potsdam zusammen. Sie planten nichts Geringeres als die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland. CORRECTIV war auch im Hotel – und hat das Treffen dokumentiert. Die ganze Recherche finden Sie hier.

Regisseur und Intendant des Volkstheaters Wien Kay Voges bringt die Recherche als Koproduktion des Berliner Ensembles und des Volkstheaters Wien in Form einer szenischen Lesung auf die Bühne des Berliner Ensembles.

Dass Correctiv immer wieder mit neuen Darreichungsformen ihrer Recherchen arbeitet, hatte ich schon mal in irgendeinem Podcast mit Jonathan Sachse gehört. (Sorry, ich habe vergessen, wo das war.) Mir gefällt der Gedanke sehr, das Trägermedium neu zu denken. Besonders in dieser Form lässt die Kunstfreiheit noch einmal schärfere und direktere, jedoch nie unzutreffende Formulierungen zu. Toll finde ich außerdem, dass die Macher:innen das Stück frei zur Verfügung stellen, sodass jede:r eine eigene Bühne suchen kann.

Chapeau!

P.S.: Teil der szenischen Lesung waren auch neue Informationen, die es in schriftlicher Form natürlich auch bei Correctiv gibt.

Und hier noch einmal hervorgehoben (und von Correctiv übernommen) die Beteiligten der Produktion:

Besetzung

Regieteam

  • Lolita Lax (Text)
  • Jean Peters (Co-Autor)
  • Kay Voges (Szenische Einrichtung)
  • Max Hammel (Video)
  • Mona Ulrich (Kostüme)

re:publica x Reeperbahn Festival 2023: Thomas Knüwer – Weil der Verlag sich ändern muss

re:publica x Reeperbahn Festival 2023: Thomas Knüwer – Weil der Verlag sich ändern muss
Foto: re:publica unter CC BY-SA 4.0
Das liegt natürlich daran, dass wir ein Kompetenzproblem bei den führenden Köpfen haben. Im Journalismus gibt es ein historisches Defizit. Nämlich: Befördert werden im Journalismus die besten Journalisten, die besten Schreiber – mit dem Ergebnis, dass sie nicht mehr schreiben. Aber: Die besten Schreiber sind Kreative, Kreative sind selten die besten Führungskräfte. Und deshalb ist die Führungskompetenz in Redaktionen schon sehr problematisch.

Lewis Waller: What Red Pill Philosophy Gets Wrong

If you think you can find the key to ‚relationship success‘ for example in a forum or a method or a formula: there is none. Intersubjectivity is more important than you.

Vielen Dank für das Lesen dieses Lewis-Waller-Fanblogs 🙏

Ein kleines Loblied auf Georg Restle

Gerade schaue ich mich immer noch durch eine ganze Reihe von Sessions der diesjährigen Republica. Viele davon sind extrem spannend und sehr klug und würden deshalb ein eigenes Blog füllen. Aber nicht dieses. Ich werde mit dem Nachholen der Sessions noch eine ganze Weile beschäftigt sein und dann wahrscheinlich Monate nach dem Event noch einen Sammelbeitrag mit aus meiner Sicht guten Videos zu schreiben, erscheint mir irgendwie Quatsch.

Hervorheben möchte ich hier trotzdem das Forum des ARD-Politikmagazins Monitor. Aber nicht, weil Tilo Jung gegen verkrustete Strukturen innerhalb der ARD praktisch anschreit. Dafür ist er mir in der Formulierung seiner Kritik an dieser Stelle viel zu populistisch. Nicht, weil offenkundig wird, dass Anja Reschke (ehemalige Leiterin von Kultur und Dokumentation beim NDR, heute Reschke Fernsehen und langjährig Panorama) und Christine Strobl (Programmdirektorin von Das Erste) mit ziemlichen Scheuklappen unterwegs sind.

Sondern wegen Georg Restle.

Der Redaktionsleiter und Moderator von Monitor behält als einziger Mensch auf der Bühne einen bemerkenswert kühlen Kopf. Als Moderator dieser Runde gibt er den verschiedenen Positionen angemessen Raum und lässt gleichzeitig niemandem Quatsch und Halbgares durchgehen. Er beweist Haltung und scheint – etwa im Gegensatz zur prinzipiell von mir sehr geschätzten Anja Reschke – niemals in die Rolle eines PR-Managers für das öffentlich-rechtliche System zu rutschen. Vielmehr übt auch er messerscharf argumentierte Kritik und hat keine Angst, in die Hand zu beißen, die ihn füttert. Ihm geht es um die Sache, Whataboutism ist ihm fremd. 👏.