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Filmkritik

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Gesehen: The Place Beyond the Pines (2012)

Gesehen: The Place Beyond the Pines (2012)
(c) Studiocanal

Eine lakonische Auseinandersetzung mit Schuld und Vergebung, die zeigt, dass wir uns eben nicht freimachen können von den Taten unserer Väter und Mütter. Jede*r ist geprägt durch Entscheidungen der Eltern und trägt sehr wohl eine Verantwortung, die daraus entsteht. Es gilt nicht, Geschehenes zu verschweigen, zu verdrängen oder irgendwie auszugleichen, sondern einen Umgang damit zu suchen. Ein Job, eine Berufung, ein „Lifestyle“ reichen nicht, um sich moralisch freizukaufen. Eine Uniform macht keinen guten Menschen, Taten machen gute Menschen.

Moralische Verfehlungen lassen sich nicht auf die Schnelle abreiben wie Ryan Gosling es mit dem Motorrad-Dreck an seinen Händen versucht. Es scheint für den Moment zu funktionieren, aber früher oder später lassen sich hinterlassenen Abdrücke nicht länger ignorieren.

★★★½☆

US, R: Derek Cianfrance, D: Ryan Gosling, Eva Medenz, Bradley Cooper, Ben Mendelsohn, Dane DeHaan, Mahershala Ali, Rose Byrne, Ray Liotta, Trailer, Wikipedia
The Place Beyond the Pines - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: To Catch a Killer (2023)

Gesehen: To Catch a Killer (2023)
(c) Leonine Studios Spielfilm

Ein atmosphärisch dichter Thriller mit kompetenten Schauspieler*innen, die genau wissen, wie man ansonsten vielleicht eher durchschnittliches Material auf ein angenehmes Niveau hievt. TO CATCH A KILLER ist ein wirklich grundsolider Film, der (mich) dann doch damit überrascht, wie umfassend er beobachtet und mit einfließen lässt, wie die gesellschaftliche Polykrise in den USA sich zu einem „perfekten“ Sturm zusammenbraut.

Medienkrise, die zunehmende Polarisierung und in Teilen Radikalisierung der gesellschaftlichen Lager, die Krise des Gesundheitswesens im Allgemeinen sowie das Versagen beim Umgang mit psychisch erkrankten Menschen, das Fallenlassen von Militärveteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, nahezu ungehemmte Waffengewalt widerlichen Ausmaßes und die Politisierung von unbestreitbaren Fakten – die Liste will kein Ende nehmen.

Etwas ermüdend war für mich die archaische, fast schon anachronistische Zeichnung und Anordnung der Figuren. Das Drehbuch stellt zwar halbherzige Versuche an, aber die reichen nie aus, Erwartungen klug zu unterlaufen. Letztlich wird sehr viel Altbekanntes im vermeintlich neuen Gewand präsentiert.

★★★☆☆

CA/US, R: Damián Szifron, D: Shailene Woodley, Ben Mendelsohn, Jovan Adepo, Ralph Ineson, Trailer, Wikipedia
Catch the Killer - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Les amours imaginaires (2010)

Gesehen: Les amours imaginaires (2010)
(c) Kool Filmdistribution

Der Schluss scheint naheliegend, aber ich musste ständig an Viscontis Der Tod in Venedig-Inszenierung mit Björn Andrésen in der Rolle des Jungen Tadszio denken. Die Parallelen zu Niels Schneider in Rolle des Nicolas sind hier in Dolans Film schon ziemlich deutlich. Beide Figuren umgibt eine Aura, die einen tiefergehenden Ursprung als bloß die reine Schönheit zu haben scheint. Sie führen beide ein unbeschwertes Leben voller Privilegien und können fast selbstvergessen von Moment zu Moment gleiten. Es ist, als ob sie sich gleich eines Schwarzen Lochs von Ort zu Ort bewegen und dabei ein Mensch nach dem anderen sich selbst hinter dem Ereignishorizont verliert. Aber da an diesem Ort die Raumzeit ausgehebelt wird, ist plötzlich eine Wiedergeburt möglich. Thanks for coming to my astronomy TED Talk.

★★★★☆

CA, R: Xavier Dolan, D: Xavier Dolan, Niels Schneider, Monia Chokri, Trailer, Wikipedia
Herzensbrecher - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Zwei knackige Einstünder über die Barkley Marathons

Zwei knackige Einstünder über die Barkley Marathons
(c) Michael Hodge unter CC BY 2.0

Während ich das hier tippe, sind noch Läufer*innen auf dem Trail der Barkley Marathons. Vor ein paar Jahren bin auch auf diesen obskuren Ultramarathon aufmerksam geworden, als ich im Krankenlager irgendwann einfach alles geschaut habe, was mir Prime Video vorgesetzt hat – auch Annika Iltis' und Timothy James Kanes THE BARKLEY MARATHONS: THE RACE THAT EATS ITS YOUNG (2024).

Durch die rege Begleitung des diesjährigen Barkley von Marcus auf Bluesky bin ich jetzt mal wieder ins Thema eingetaucht – begonnen mit:

#17 - To finish the Barkley Marathons (2024)
"#"17 - To finish the Barkley Marathons" offers an unprecedented look into the psyche of Karel Sabbe in his attempt to finish the legendary Barkley Marathons. As the first documentary focusing on a finisher, it unveils Sabbe's mental fortitude and physical resilience in tackling the brutal course. Through intimate interviews and captivating footage, viewers gain invaluable insights into the mindset required to endure the grueling challenges of the Barkley, making this documentary a must-watch for anyone fascinated by the intersection of human determination and athletic prowess.

Große Versprechungen, die der Film eher nicht einlösen kann. Aus dokumentarfilmkritischer Perspektive ist das hier nichts Halbes und nichts Ganzes. Wer sich schon mal auch nur rudimentär mit den Barkley Marathons befasst hat, wird hier kaum etwas Neues erfahren. Gänzlich Unbefleckte sollten aber auch nicht wirklich glücklich werden, denn dafür werden die ganzen Eigenheiten des Rennens und des Drumherums nicht ausreichend erklärt. Einen wirklich interessanten Einblick in seinen Prozess, sein Innenleben und die Bedeutung dieses Moments vermag der belglische Ultraläufer Karel Sabbe, der sich hier für seinen Youtube-Kanal hat ablichten lassen, auch nicht zu gewähren. Ob das nun in der Natur der Sache – weil unterm Strich ist das hier ein Werbefilm und keine kleinteilige Charakterstudie – liegt oder eventuell der Sprachbarriere geschuldet ist, kann ich auch nicht sagen.

Aber dann hatte Marcus einen richtig guten Tipp parat:

Where Dreams Go To Die (2017)
Where Dreams Go To Die is a documentary created by Ethan Newberry (The Ginger Runner) that follows Canadian ultrarunner, Gary Robbins, during his two attempts at completing The Barkley Marathons - a 100+ mile event many consider the toughest endurance run on Earth. Spanning more than 2 years, this journey is emotional, powerful and truly inspirational. Find out what it takes to attempt the impossible and the demons that follow. Learn the sacrifices that come with dedicating one's life to this endeavor. Follow our intimate look at why The Barkley is where dreams go to die.

WHERE DREAMS GO TO DIE schafft es, der in der Luft liegenden Spannung nahe zu kommen, eine Stimmung zu beschreiben und Atmosphäre zu transportieren, indem manche Bilder und Szenen einfach atmen gelassen werden. Trotz der kompakten Spieldauer bleibt genug Raum für eingefangene Beobachtungen, die mehr erzählen als es zurechtgelegte Worte von Talking Heads jemals können werden.

Macher Ethan Newberry hat verstanden, was die Geschichte ist, was notwendig ist, um sie zu erzählen und dafür auch die nötige Geduld mitgebracht.

Gesehen: Prisoners of the Ghostland (2021)

Gesehen: Prisoners of the Ghostland (2021)
(c) Falcom Media

Eine stylish inszenierte Geschichte über Schuld, Sühne, Sünde, Vergebung, Rache, Macht und Unterdrückung, die in einer einfach herrlich grotesken Welt durchläuft. Damit können die Schauspieler*innen jedoch kaum Schritt halten. Wie mit angezogener Handbremse versuchen sie mit ihrem Spiel der entrückten Welt zu entsprechen, kommen dabei jedoch selten über Puppentheater-Niveau hinaus.

★★½☆☆

US, R: Sion Sono, D: Nicolas Cage, Sofia Boutella, Nick Cassavetes, Bill Moseley, Tak Sakaguchi, Trailer, Wikipedia
Prisoners of the Ghostland - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: 20.000 especies de abejas (2023)

Gesehen: 20.000 especies de abejas (2023)
(c) DCM Film Distribution

Super schade, aber der hat für mich einfach nicht so richtig funktioniert.

Estibaliz Urresola Solaguren findet viele schöne Bilder und fängt elegant melancholisch-ruhige Momente genau wie das kindliche Freiheitsgefühl im schier endlos langen Sommer ein. Ihre Bilder tragen eine tolle Wärme in sich.

Was ihr jedoch weniger elegant von der Hand geht, ist das Metaphernspiel. Momente wie das Zusammensetzen verschiedener Wachsfigurenelemente zu neuen Menschen, das Spielen mit einer Puppe, deren Unterkörper sich ablösen lässt, und der titelgebende Bienenfact – all das ist super dick aufgetragen und verpasst dem kompletten Film eine Unwucht.

Und dafür, dass wir hier klar eine Selbstfindungsgeschichte sehen, bekommen wir tatsächlich nur sehr wenig von der Protagonistin mit. Wir sehen kaum Momente, in denen sie danach strebt zu erfühlen, was für ein Mensch sie eigentlich ist und sein kann. Damit meine ich nur bedingt die geschlechtliche Identität, sondern eher, wofür ihr Herz schlägt, woran sie sich begeistern kann, wovon sie träumt.

Selten gelingt dem Film die Introspektion. Stattdessen wird ermüdend viel im Außen verhandelt: das Deadnaming Lucías vor anderen Kindern, die „Mädchenfrisur“, die Kleidung und welche Umkleide im Schwimmbad ist nun eigentlich die richtige für sie?

Natürlich sind und bleiben das gültige Probleme. Aber so gerät die Protagonistin schnell aus dem Fokus und es geht unterm Strich fast immer um die Probleme der anderen und nicht mehr um den Menschen Lucía.

★★½☆☆

ES, R: Estibaliz Urresola Solaguren, D: Sofía Otero, Patricia López Arnaiz, Ane Gabarain, Itziar Lazkano, Trailer, Wikipedia
20.000 Arten von Bienen - Stream: Jetzt online anschauen
Wie und wo du “20.000 Arten von Bienen” online auf Netflix und Prime Video ansehen kannst – einschließlich kostenloser Optionen.