Ostereiersuche mit Werner Herzog
Netzkultur
Guess who's back! Frohe Ostern ✌️
Mir war dieser Film zu sehr damit beschäftigt, sich selbst und die Figurenhierarchie immer und immer wieder auszubuchstabieren, die Machtspielchen in Worte zu gießen und nur selten Taten für sich sprechen zu lassen. Oft habe ich – nicht nur der sportlichen Nähe wegen – an FOXCATCHER (2014) denken müssen, der den fast schon psychopathischen Stoizismus der patriarchalen Figur extrem gut für sich zu nutzen weiß. THE IRON CLAW hat es für mich nicht geschafft, dieses besondere Verhältnis der psychologischen Überlegenheit bei gleichzeitig absoluter körperlicher Unterlegenheit erfühlbar zu machen.
Nichtsdestotrotz hat Sean Durkin hier etwas ziemlich Unterhaltsames geschaffen, das ein Gefühl für den Sport-Show-Hybriden Wrestling und die „Arbeiter“ dieser Szene vermittelt. Mir hat außerdem gut gefallen, dass sich der Film trotz der bitteren Realität einen jenseitigen Moment frei von jeglichem Zynismus gönnt, der so herzensgut, so warm ist – aber leider auch verdeutlicht, warum Zac Efron vielleicht nicht die beste Wahl für die Hauptrolle war.
★★★☆☆

Das Verschwinden von Arten ist nicht nur in der Natur, sondern auch in der Literatur zu beobachten. Das zeigt eine Studie, die sich mit literarischen Werken der letzten 300 Jahre befasst. Die Darstellung und Vielfalt von Tieren und Pflanzen in Büchern nahm im 18. Jahrhundert stark zu, ab den 1830er-Jahren jedoch kontinuierlich ab. Ein Hinweis auf die zunehmende Entfremdung des Menschen von der Natur?

Spannender Ansatz, Biologie und Literaturwissenschaften für eine derartige Betrachtung zusammenzuführen. Mehr über die (Entwicklung der) Welt durch die Linse der Kultur erfahren zu können, holt mich – wenig überraschend – natürlich immer ab.
Kitty Green hat bereits mit THE ASSISTANT (2019) gezeigt, wie sich mit sehr wenig Spektakel dennoch eine zutiefst unangenehme und immer tiefer unter die Haut kriechende Spannung aufbauen lässt. Zu diesen Werkzeugen greift sie auch hier – in einem Film, der zwar in seinen Motiven viel klarer ist und viel expliziter arbeitet und es trotzdem schafft, mit vielen subtilen Momenten eine Welt zu zeichnen, die viel feingliedriger gestrickt ist, als es die laute Oberfläche vermuten lässt.
Denn klar sind diese Männer Prototypen toxischer Männlichkeit, die antifeministisches Verhalten internalisiert haben. Doch dieser Hegemonialanspruch qua Geschlecht wird eben auch durch Ableismus und Rassismus untermauert.
Etwas unentschlossen bin ich noch ob der Entscheidung, den Film so weit draußen im Outback zu erzählen und somit Parallelen zum Backwoods Horror aufzumachen. Denn ist es nicht das Problem, dass Frauen eben überall von Männern in derartige Situationen gedrängt werden und gerade vermeintlich progressive Metropolen da gar keine Ausnahme bilden? Ich glaube nicht, dass Kitty Green eine Mär vom dummen Landei erzählen will. Aber es eröffnet doch die Möglichkeit, sich selbst keine unangenehmen Fragen stellen zu müssen.
★★★½☆

ORF 1 abdrehen, weg mit Landesstudios, FM4 gehört weg, die ORF-Gebühr auch, aber erst später, und das Management muss jedenfalls weg: Die Regierungspartei FPÖ hatte 2019 einiges vor mit dem ORF, als die Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 dem geplanten ORF-Gesetz von ÖVP und FPÖ gerade noch zuvorkam.
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Der damalige Vizekanzler hat in der [Chat-]Gruppe noch viel weiter gehende Anliegen: "Bitte auch dahinter sein, dass Andi Gabalier endlich auf Ö3 gespielt wird", wirft Strache einmal zwischendurch ein. "Ist irre, dass der boykottiert wird!"

Zuerst musste ich bei dem Absatz über Gabalier lachen. Aber das blieb mir dann doch ganz gut im Halse stecken. Denn tatsächlich sind es vermeintlich belanglose Anmerkungen wie diese, die aufzeigen, welches abstruse Maß an Kontrolle die Blauen in Österreich über die Medien anstreben und wie sie eine freie Presse ablehnen.