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Bücher

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Gelesen: „The Stepford Wives" (1972) von Ira Levin

Ira Levin steht durch sein eigenes Geschlecht seiner Geschichte im Weg – leider. Aber es gibt sicherlich auch wohlwollende Auslegungen.

Gelesen: „The Stepford Wives" (1972) von Ira Levin
Cover: Klett Sprachen, Foto: Inge Morath

Wie hier die Antizipation von Horror, die Paranoia und schließlich der Gestalt annehmende Horror Stück für Stück jede Faser dieser Welt durchdringen, wie lange vor der eigentlichen finalen Zuspitzung ein richtig unangenehmes, fast schon gespenstisches Gefühl aufgezogen wird, das hat mir sehr gefallen.

Andererseits hat Ira Levin hier dann noch eine sehr einfache bis einfältige Vorstellung davon, was hegemoniale Männlichkeit und patriarchal organisierte (Stadt-)Gesellschaften eigentlich ausmacht, niedergeschrieben. Es ist dann eben doch ein bisschen komplexer als die reine Fixierung auf verkrustete Rollenbilder und große Brüste, die unter der Bluse wippen.

Wohlwollend ließe sich das so lesen: Selbst die scheinbar emanzipierte Frau, durch deren Augen Ira Levin die Geschichte erzählt, kann sich diesen reduzierenden Denkmustern nicht entziehen und ist sich nicht darüber bewusst, wie tief sie auch in ihr verankert sind.

Eine fadenscheinige Entschuldigung wäre es, die Kürze der Geschichte und die dadurch notwendige vereinfachende Zuspitzung heranzuziehen. Aber das reicht mir einfach nicht. Denn meinem Gefühl nach verhält sich die Geschichte wie ein Stein, der über Wasser hüpft – er tippt einigermaßen oft auf, taucht dabei aber nie wirklich unter die Oberfläche, bis er schließlich untergeht und nie wieder gesehen war.

★★★☆☆

🇺🇸, ISBN: 978-3-12-535318-3, Verlag, Wikipedia, Cover: Klett Sprachen, Foto: Inge Morath

Bücher ohne Namen? Der Tod der Autor*in hilft den Arbeiter*innen auch nicht

Michel Foucault kann sich hinsetzen, Daniel Loick hat einen viel zeitgemäßeren Vorschlag.

Bücher ohne Namen? Der Tod der Autor*in hilft den Arbeiter*innen auch nicht
Foto: NOAA / Unsplash

Vor Beginn der Frankfurter Buchmesse beschäftigt sich Daniel Loick im Deutschlandfunk Kultur mit der Frage, ob Autor*innen überhaupt noch auf Büchern öffentlich gemacht werden sollten, um die Kunst zu diesem „Ballast" zu befreien und für sich stehen zu lassen – also so, wie es Michel Foucault mit seinem Jahr ohne Namen einst vorgeschlagen hat.

Meinung - Eine Befreiung der Literatur könnte neue Horizonte öffnen
Michel Foucault schlug 1980 ein Spiel vor, das „Jahr ohne Namen“. Bücher ohne Nennung der Autorschaft zu veröffentlichen - eine Idee von großer Aktualität.

Ich bin da durchaus zwiegespalten. Denn einerseits bin ich überzeugter Anhänger des Todes der Autor*in. Sobald ein Kunstwerk in der Welt ist, gehört es ausschließlich – außer natürlich im materiellen Sinne – den Rezipierenden. Andererseits entsteht und existiert Kunst selbstverständlich nicht im luftleeren Raum. Der Hintergrund und die Überzeugungen der Schöpfer*in spielen immer eine Rolle. Sich dieser Dimension zu entledigen, legt schließlich meiner Meinung nach einen viel zu großen Fokus auf rein ästhetische Kriterien.

Das will ich wiederum niemandem absprechen, aber diese Perspektive auf Kunst fühlt sich für mich viel zu verengt an und ist für mich daher uninteressant. Viel interessanter ist dann wieder Daniel Loicks Vorschlag, neben Autor*in auch die Namen aller anderen an der (physischen) Produktion Beteiligten mit auf den Einband zu drucken. Das würde zumindest ein kleines bisschen einem Geniedenken den fruchtbaren Boden entziehen. Zumindest beim Film ist das ja schon längst gewerkschaftlich erstrittener Usus.

Gelesen: „Hey guten Morgen, wie geht es dir?" (2024) von Martina Hefter

Nichts in diesem Buch ist verklärt, aber auch nicht vom Pessimismus verschlungen. Es ist fast schon banal, und darin liegt die Poesie.

Gelesen: „Hey guten Morgen, wie geht es dir?" (2024) von Martina Hefter
Cover: Klett-Cotta, Foto: Maximilian Gödecke

Wie Martina Hefter hier die Poesie im vermeintlich Tristen, im kargen und entbehrungsreichen Alltag sucht, herausarbeitet und auch erschafft, das finde ich sehr inspirierend. Ihren Figuren gibt sie Namen, die aus der griechischen Mythologie entsprungen sein könnten, was ihnen den Anschein von Überlebensgröße verleiht, obwohl sie eigentlich vergleichsweise einfache Leben führen und sich – mal mehr und mal weniger – mit Problemen wie jede:r andere auch konfrontiert sehen.

Das wird hier eingelassen in eine sehr ruhig und wohlig fließende Balance zwischen Aufblühen auf der einen und fast schon deprimierender Stagnation, wenn nicht sogar Regression auf der anderen Seite. Nichts an diesem Buch ist krampfhaft, sondern elegant in den Unwägbarkeiten des Lebens geerdet. Nichts ist verklärt, aber auch nicht vom Pessimismus verschlungen. Es ist fast schon banal, und darin liegt die Poesie.

★★★½☆

🇩🇪, ISBN: 978-3-608-12353-1, Verlag, Wikipedia, Cover: Klett-Cotta, Foto: Maximilian Gödecke

Jules Vernes 1870er Ausgabe von „Von der Erde zum Mond" ist wunderschön illustriert

Wunderschön und wunderschön unheimlich.

Jules Vernes 1870er Ausgabe von „Von der Erde zum Mond" ist wunderschön illustriert

Die Kolleg:innen drüben beim Public Domain Review haben wieder einmal absolute Illustrationsperlen zusammengesucht – dieses mal aus den Federn von Émile-Antoine Bayard und Alphonse de Neuville für die 1870er Fassung von Jules Vernes Von der Erde zum Mond.

Für mich kommt da so viel zusammen: etwas kosmischer Horror, ein Hauch von Megastructure-Unbehagen, die Bedrohung im Ungewissen und gleichzeitig ein mutiger Aufbruchs ins Unbekannte.

Émile-Antoine Bayard’s Illustrations for Around the Moon by Jules Verne (1870)
Arguably the very first images to depict space travel on a scientific basis, these wonderful illustrations are the work of the French illustrator Émile-Antoine Bayard.

Wer dadurch Bock auf die Geschichte bekommt: Von der Erde zum Mond und Reise um den Mond gibt es gerade von Rufus Beck gelesen in der ARD-Audiothek. Wer lieber selbst lesen will, wird beim Projekt Gutenberg fündig, da die Werke natürlich längst gemeinfrei sind.

Die Lange Nacht zum Mann hinter der Held:innenreise, Joseph Campbell

Von Mythologie über Kino bis zur Therapie

Die Lange Nacht zum Mann hinter der Held:innenreise, Joseph Campbell
Joseph Campbell in den späten 1970ern auf der Feathered Pipe Ranch in Montana // Foto: Joan Halifax (Upaya) unter CC BY 2.0; Zuschnitt von mir

Wer schon mal ein Videoessay jedweder Qualität zu Star Wars ertragen musste und/oder genießen konnte, kam um diesen Namen wahrscheinlich nicht herum: Joseph Campbell.

Der US-amerikanische Literaturwissenschaftler beschrieb 1949 in seinem Buch The Hero with a Thousand Faces genau die Erzählstruktur, die heute gemeinhin als Held:innenreise bekannt ist – und die unter anderem George Lucas der Erzählung nach dabei half, aus einem Müllkippenbrand von Drehbuch, Adventures of the Starkiller, schließlich Star Wars zu machen.

Die Lange Nacht des Deutschlandfunks spürte Campbell nun noch mal in aller Ausführlichkeit nach. Für mich neu und spannend war, inwiefern sich auch therapeutische Ansätze bei etwa Burnout-Syndrom auf die Held:innenreise stützen.

Joseph Campbell entdeckt die “Heldenreise”
US-Publizist Joseph Campbell legte die Erzählstruktur der “Heldenreise”″ offen. Hollywood ließ sich inspirieren und nutzte sie für Kinofilme.

Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis

Kurze Beine und trotzdem da, die Hobbit-Antifa!

Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis
© Madalyn Cox / Unsplash

Dass Faschist:innen heute gerne J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings lesen, war mir schon länger geläufig. Dass jedoch selbst die Nazis hinter einer deutschen Übersetzung von The Hobbit her waren, war auch mir neu.

1938 hat Rütten & Loening Tolkien angefragt. Bereits zwei Jahre zuvor wurden die Verleger Wilhelm Ernst Oswalt und Adolf Neumann bereits durch die Nürnberger Gesetze in Nazideutschland dazu gezwungen, ihr Unternehmen an einen „arischen" Verleger zu verkaufen. Unter der Fuchtel dieses Verlegers wurden dann die Verhandlungen mit Tolkien angestrengt.

In diesem Zuge versuchten die Deutschen auch, sich einen sogenannten Ariernachweis von Tolkien einzuholen. Der war davon einigermaßen irritiert. Seinem Verleger Stanley Unwin ließ er daraufhin ein Antwortschreiben zukommen, in dem er erklärt, was Phase ist – wenn auch nicht ganz klar scheint, ob das Schreiben jemals den deutschen Verlag erreicht hat.

I regret that I am not clear as to what you intend by arisch. I am not of Aryan extraction: that is Indo-Iranian; as far as I am aware none of my ancestors spoke Hindustani, Persian, Gypsy, or any related dialects. But if I am to understand that you are enquiring whether I am of Jewish origin, I can only reply that I regret that I appear to have no ancestors of that gifted people.

Am Ende ganz genüsslich...

I trust you will find this reply satisfactory

Den kompletten Draft und mehr gibt's unter anderem beim Literary Hub.

On the time J.R.R. Tolkien refused to work with Nazi-leaning publishers.
This week marks the 130th birthday of J.R.R. Tolkien, The Hobbit and Lord of the Rings writer, academic, and pranking enthusiast—and today we’re revisiting a time Tolkien stood up for his beliefs a…

(via Natascha Strobl, Literary Hub, Open Culture und mit Wissen von Wikipedia)