Letztlich wird hier doch die Frage verhandelt, wie man für sich selbst und sein eigenes Handeln Verantwortung übernehmen soll, wenn man ständig Verantwortung für andere übernehmen muss. Das kombiniert mit diesem trockenen, lakonischen und vor allen Dingen lakonischen Humor und den vielen kleinen skurrilen Momenten, die Josef Hader hier einflechtet, ergibt ein wirklich gelungenes Gesamtwerk.
★★★½☆
AT, R: Josef Hader, D: Birgit Minichmayr, Josef Hader, Thomas Schubert, Robert Stadlober, Branko Samarovski, Thomas Stipsits, Trailer, Wikipedia
Die Kolleg:innen von Indiewire haben zusammengetragen, welche bisherigen erwähnenswerten Releases und Festival-Premieren tatsächlich noch auf richtigen Film von Kodak gebannt worden sind.
Luca Guadanignos William-S.-Burroughs-Film QUEER mit Daniel Craig
Brady Corbets THE BRUTALIST über den Auschwitz-überlebenden Architekten László Tóth
Robbert Eggers' NOSFERATU als Neuinterpretation von Murnaus Klassiker
Ich bin wirklich kein Esoteriker, der auf das Bild von analogem Film nichts kommen lässt. Letztlich gibt es sicherlich kaum ein analoges Bild, das nicht auch digital erzeugt werden könnte. Aber mit analogem Film zu drehen, ist natürlich die Entscheidung für einen bestimmten Prozess des Filmens. Und über den Prozess des Kunstschaffens habe ich selbst erst kürzlich im Rahmen von MY FIRST FILM nachgedacht.
Über analogen Film als Mittel der künstlerischen Gestaltung hat zum Beispiel der geschätzte Lucas Curstädt in seinem Essay über Christopher Nolans OPPENHEIMER ein paar sehr spannende Gedanken festgehalten.
In dieser Vignette steckt so viel, das sich aufzudröseln lohnt. An manchen Themen rauscht Steve McQueen vorbei, eine Handvoll rückt er mehr ins Zentrum und andere werden nur implizit verhandelt. Es ist ein kurzer Abriss eines Lebens, in dem sowohl dem Protagonisten als auch uns – mir auf jeden Fall – als Publikum die immense Bedeutung von Bildung vorgehalten wird.
Aber wie zu Bildung kommen, wenn man bereits als Kind in einem Bildungs- und Pflegesystem steckt, das dich für die Fehler anderer bestraft, dich ausgrenzt, deine Talente nicht fördert, dir Chancen und Möglichkeiten verbaut? Das ist der strukturelle, dehumanisierende Rassismus.
Der ignorante Blick einer weißen Mehrheitsgesellschaft, deren Teil ich hier auf jeden Fall auch bin, verwechselt hier schnell die Rassismuserfahrungen dieser Menschen als verbindendes Element. Vor dieser Kulisse berührt es umso mehr, wie Steve McQueen hier die immense Bedeutung eines Zugehörigkeitsgefühls herausarbeitet – über das Zelebrieren von Musik, Literatur, Essen und (blutsverwandter oder gewählter) Familie. Es ist auch die Diskriminierung, die die Menschen eint, aber nie definiert.
★★★½☆
GB, R: Steve McQueen, D: Khali Best, Fumilayo Brown-Olateju, Sheyi Cole, Zakiyyah Deen, Elliot Edusah, Dexter Flanders, Robbie Gee, Jonathan Jules, Trailer, Wikipedia
Hat mich einfach nicht abholen können. Das vage postapokalyptische Szenario, in dem das Recht des Stärkeren gilt und auf ihre niedersten Instinkte reduzierte Männer herummarodieren, ist derart abgegriffen, dass sich dadurch kaum noch interessante Erkenntnisse gewinnen lassen. Dass im Menschen einst Liebe gesteckt hat und diese hier nun metaphorisch und wortwörtlich zu Grabe getragen wird, ist als Bild schon ziemlich einfältig – und dass ausgerechnet JOHN WICK im selben Jahr erschienen ist, hilft auch nicht sonderlich.
Die Welt von THE ROVER ist letztlich nie richtig greifbar. Denn wo etwa die MAD MAX-Filme den flachen Figuren ein exzellentes visuelles Storytelling entgegensetzen, tut THE ROVER nichts und bietet deshalb kaum Reibungsfläche.
★★☆☆☆
AU, R: David Michôd, D: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy, David Field, Susan Prior, Trailer, Wikipedia
Der Film schreitet den vermeintlich schmalen Grat zwischen Begehren und Besitz ab, den so wohl nur in einer patriarchalen Welt geben kann – dort, wo die Grenze kaum zu erkennen ist und beide Seiten stetig ineinander fließen.
Doch wer ist in dieser Welt wirklich gefangen? Die Frau natürlich, weil sie ihr eigenes Leben nur im Verborgenen leben kann und alles andere als Willenlosigkeit bereits als Aufbegehren wahrgenommen wird. Aber eben auch der Mann, der permanent an der Aufrechterhaltung dieser Struktur arbeitet. Was ihm die Fesseln anlegt, ist der Kontrollzwang und die Eifersucht, aber vor allem die eigene tief sitzende Unsicherheit, was die eigene Sexualität in Verbindung mit dem eng daran geknüpften Männlichkeitsbild angeht.
Mir sind vor allem die zahlreichen Parallelen zu Alain Resnais' L'ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD aufgefallen – einerseits durch die Art und Weise, wie sich die Figuren durch den Raum bewegen und dabei von der Kamera eingefangen werden, andererseits durch die Unzuverlässigkeit von Raum und Zeit. Beide Filme eint eine obsessive männliche Figur auf der Fährte einer Frau. Und das bricht Chantal Akerman hier durch ihre feministische Linse auf.
Eine absolute Katastrophe, wie viel Energie eines Marvel-Films darauf verschwendet wird, das mittlerweile omnipräsente erzählerische MCU-Chaos irgendwie im Zaum zu halten – einfach weil alles von den Filmen bis zu den Serien irgendwie aufeinander aufbaut, so unzählige Stränge aufgegriffen werden wollen, weil natürlich auch dieser Film eine Rampe für den nächsten sein muss. Es ist der erzählökonomische Super-GAU.
Dazu gerät die „Deadpool"-Methode nicht nur an ihre Grenzen, sie kracht volle Latte dagegen, wobei Wade Wilson durch die Windschutzscheibe gen Horizont segelt. Wer mit der Ansage, die Formelhaftigkeit des Superhelden-Kinos zu unterlaufen und ironisch zu brechen, selbst in absoluter Formelhaftigkeit endet und das nicht mal zu merken scheint, hat endgültig die Bodenhaftung verloren. Zufälligerweise gibt es jedoch die zunehmend einfältigen Querverweise und schamlose filmische Leichenfledderei, die wie ein klimpernder Schlüsselbund immer und immer wieder ins Bild gehalten wird, um die Blicke von dieser Bankrotterklärung abzulenken.
★☆☆☆☆
US, R: Shawn Lecy, D: Ryan Reynolds, Hugh Jackman, Emma Corrin, Matthew Macfadyen, Dafne Keen, Jon Favreau, Morena Baccarin, Rob Delaney, Leslie Uggams, Jennifer Garner, Wesley Snipes, Channing Tatum, Chris Evans, Trailer, Wikipedia
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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