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Filmkritik

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Gesehen: Aprile (1998)

Gesehen: Aprile (1998)
(c) Nanni Moretti

Bei aller Komik und vermeintlicher Leichtherzigkeit wohnt diesem Film letztlich doch etwas sehr Bitteres und aus heutiger Sicht auch umso Zeitloseres inne. Die Linken und liberalen Intellektuellen verzetteln sich mit ihrem „Man müsste jetzt aber mal“ und Grabenkämpfen innerhalb des eigenen Lagers, während die Rechten ungestört mit ihrer Demagogie klare Verhältnisse an der Wahlurne schaffen können. Demokratische Kräfte werden von der Fehlannahme geblendet, dass Faschisten sich an die Spielregeln des demokratischen Diskurses halten und nach diesen Regeln auch überführt werden können. Dabei spielen die Faschisten nicht mal auf demselben Spielfeld. Und so können sie ungestört Fernsehen, Radio, Presse, Kunst und das Gespräch unter Nachbar*innen über den Gartenzaun hinweg unterwandern, während das demokratische Spektrum noch empört nach Worten ringt.

★★★½☆

FR/IT, R: Nanni Moretti, D: Nanni Moretti, Silvio Orlando, Silvia Nono, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Fly Me to the Moon (2024)

Gesehen: Fly Me to the Moon (2024)
(c) Sony Pictures Entertainment Deutschland

Es wird wieder Zeit für einen neuen Eintrag in meiner so verabscheuten Lieblingskategorie: aggressives Mittelmaß. Alles an FLY ME TO THE MOON ist elendig ermüdend. Sämtliche Motive sind abgegriffen. Greg Berlanti inszeniert seinen Film, wie man NASA-Filme eben inszeniert. Sogar die Figuren sind abgegriffen. Jim Rash spielt einfach seine einstige Rolle Dean Craig Pelton aus Community nochmal. In diesem Film steckt wirklich kein einziger Funken Originalität.

Die Politik ist korrupt, die Presse nur missgünstig und das Volk™ zu ignorant, um zu begreifen, dass so eine Mondlandung eine ziemlich dufte Sache ist. Deshalb darf die Werberin machen, was Werber*innen eben so machen: manipulieren, lügen, zurechtbiegen, blinden Konsum ankurbeln und reiche Konzerne noch reicher machen. Der Zweck heiligt die Mittel, es sind doch alle inspiriert, was wollt ihr denn noch?!

Was der Film dazu nicht eine Sekunde lang einsehen will: Es gibt große Unterschiede zwischen Wissenschaftskommunikation und Werbung. Und um möglichst nirgendwo anzuecken, muss man es dann natürlich auch noch den verblendeten Christ*innen recht machen.

Diese Geschichte sollte ein Loblied auf die Wissenschaft sein, findet hier aber nur Ausdruck in Lobpreisungen des Kapitalismus, Verschwörungsideologien und Schwurbelei vom langbärtigen Mann auf einer weißen Wolke im Himmel. Es ist beschämend.

★★☆☆☆

US, R: Greg Berlanti, D: Scarlett Johansson, Channing Tatum, Woody Harrelson, Ray Romano, Jim Rash, Anna Garcia, Donald Watkins, Noah Robbins, Trailer, Wikipedia
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Kinotagebuch: The Substance (2024)

Kinotagebuch: The Substance (2024)

Seit Jahren rauche ich nicht und trinke auch keinen Alkohol mehr. Jetzt komme ich aus dem Kino und finde, es ist ein guter Zeitpunkt, mit beidem wieder anzufangen.

THE SUBSTANCE gehört definitiv in die Kategorie „Die besten Filme, die ich nie wieder sehen möchte“ – begonnen beim Sound-Design, das bereits eine krass aggressive Körperlichkeit erzeugt, bevor der Body-Horror überhaupt so richtig auf 11 gedreht wird.

Hinterher habe ich auch länger überlegt, ob mir diese insgesamt überaus drastische Überzeichnung gefallen hat oder eine nuanciertere Herangehensweise dem Film besser getan hätte. Aber letztlich schließt sich das doch nicht gegenseitig aus. Die Drastik erweckt zunächst nur den Eindruck von plumper Direktheit, offenbart jedoch beim besonnenen Hinsehen – was bei diesen Bildern nicht immer einfach ist – dennoch eine Vielschichtigkeit.

Heruntergebrochen sehen wir hier eine Frau innerhalb eines Systems, in dem sie nur Fehler machen kann. Wer, mit welchen Mitteln auch immer, nicht gegen das Alter anarbeitet, wird fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Gehst du den vom System als notwendig beschriebenen „Lösungen“ nach, mag das eine kurze Zeit lang Abhilfe schaffen, richtet dich aber letztlich umso mehr zugrunde. So oder so wird dir jegliche Würde genommen.

Meinen Spaß hatte ich mit den zahlreichen filmischen Querverweisen, angefangen bei der einem LSD-Trip gleichenden „Wiedergeburt“ aus 2001: A SPACE ODYSSEY über die ausschließlich männlichen Produktionsmitarbeiter, die sich den 2001-Affen vor dem Monolithen gleich um einen riesigen Bildschirm mit Margaret Qualleys Po scharen bis hin zum THE SHINING-Teppich im Backstage, dem Auftritt von Monstro Elisasue zu Richard Strauss’ Also sprach Zarathustra und dem CARRIE-Blutschwall ins Publikum.

Als heterosexuellem Mann wurde mir hier auch sehr regelmäßig der Spiegel vorgehalten. Denn bei aller selbst empfundener Aufgeklärtheit, bei allem Wissen über patriarchale Gefüge und strukturelle Diskriminierung von Frauen bedient dieser Film bewusst internalisierte, extrem tief verankerte Vorstellungen von Körpern, Schönheit und dadurch bedingtem Erfolg und lässt die dann durchsickernde Selbsterkenntnis in provozierendem Ekel aufgehen.

Die Executive Summary von THE SUBSTANCE: Das neue Musikvideo von Benny Benassi ist absolut wild.

★★★★☆

GB, R: Coralie Fargeat, D: Demi Moore, Margaret Qualley, Dennis Quaid, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Le Règne animal (2023)

Gesehen: Le Règne animal (2023)
(c) Studiocanal

Wenn ich dem Film eins lassen muss, dann wie er Genre umarmt. Auch wie er drängende Themen unserer Zeit zueinander in Beziehung setzt, ist durchaus erfrischend.

Die Lebensräume von Mensch und Tier rücken immer näher aneinander, überschneiden sich immer öfter direkt. Und das stellt nicht nur den Fortbestand der vermeintlich schwächeren Tiere, sondern auch den der Menschen mit dem Selbstbild als Krone der Schöpfung und Spitze der Nahrungskette infrage. Stichwort Covid-19 und andere Zoonosen. Außerdem wirft diese Anordnung auch Licht auf xenophobes Gehabe, auf rassistische Selbstüberhöhung und Ausgrenzung alles Fremden.

Dazu durchdringt der Film, welche Rolle die Klimakatastrophe innerhalb dieses Gefüges spielt. Hier ist es ein Extremwetterereignis, das die Geschehnisse ins Rollen bringt. Übersetzt auf unsere Realität ist es genau die Zunahme dieser Ereignisse, die zu immer größeren Fluchtbewegungen führen wird. Und wie die westlichen Gesellschaften des globalen Nordens mit Geflüchteten umgehen, sehen wir jeden Tag in den Nachrichten. Spoiler: Die Unterbringung der „Fremden“ in Lagern und Massenunterkünften, möglichst abgeschirmt vom Rest der Gesellschaft, löst die Spannung sowas von überhaupt nicht.

Was mich jedoch immer und auch hier ziemlich irritiert: In der Realität des Films finden die gleichen Diskussionen über den Umgang mit fremden Menschen statt, wie in unserer Welt. Aber niemand führt in der Filmwelt den Vergleich an, den ich und anderer hier schon die ganze Zeit ziehen. Bei aller filmischer Metaphorik, die auch ich immer wieder gerne beschwöre, ist mir das zu viel Tänzelei um den heißen Brei herum. Wir sehen bei diesem Film doch keine Utopie, in der die Menschen vorher in völliger Harmonie zusammengelebt haben, sondern eine Gesellschaft, in der die Xenophobie schon immer auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Also warum das nicht auch klar benennen?

Außerdem gewünscht hätte ich mir ein bisschen mehr Mut zur ästhetischen Radikalität. Oft habe ich an Lisa Brühlmanns BLUE MY MIND (2017), Neill Blomkamps DISTRICT 9 (2009) oder so ziemlich alles von David Cronenberg denken müssen, da dort Body Horror nicht bloß Schockmomente erzeugt, sondern auch immer im Dienste der Aussage steht. LE RÈGNE ANIMAL war mir da letztlich noch zu weichgespült.

★★★☆☆

BE/FR, R: Thomas Cailley, D: Romain Duris, Paul Kircher, Adèle Exarchopoulos, Tom Mercier, Billie Blain, Trailer, Wikipedia
Animalia - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Marathon Man (1976)

Gesehen: Marathon Man (1976)
(c) Paramount Pictures Deutschland

Wer läuft hier eigentlich den Marathon – Dustin Hoffman als sportbesessener Historiker oder doch Laurence Olivier als Altnazi seit 1945? „Is it safe?“ Nicht mehr für dich, Arschloch.

★★★½☆

US, R: John Schlesinger, D: Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, William Devane, Marthe Keller, Trailer, Wikipedia
Der Marathon-Mann - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Holiday (2018)

Gesehen: Holiday (2018)
Foto: Alamode Filmverleih

Natürlich lässt sich das alles vortrefflich als Porträtversuch toxischer und hegemonialer Männlichkeit sehen. Aber HOLIDAY scheint mir mehr als das. Isabella Eklöfs Film begreift diese Themen als Symptome, bedingt durch die korrumpierende Gewalt des Geldes.

Das beginnt als Milieustudie über neureiche Arschlöcher, die in sogenannten Edelclubs verkehren, weil sie teuer und nicht weil sie gut sind. Die Yachten haben, weil sie Reichtum und Überfluss nur so in die Welt hinausbrüllen, nicht weil sie passionierter Segler sind. Die riesige Villen mit steriler Innenausstattung haben, weil das auf Instagram was hermacht und nicht, weil es irgendwie wohnlich wäre.

Und irgendwann kommt der Punkt, an dem aus prolliger Prahlerei Allmachtsfantasien und Anspruchsdenken werden. Das gilt nicht nur für die Selbstverständlichkeit, das Nobelrestaurant für sich selbst und abgeschirmt vom Pöbel zu haben, sondern zunehmend auch für Menschen und insbesondere Frauen. Wer Zuneigung und sexuelle Beziehungen lediglich als eiskalte Transaktion von reich zur nicht reich begreift, der wird andere Menschen zunehmend dehumanisieren und sie irgendwann nur noch als Motten, die vom Leuchten des Geldes angezogen werden, betrachten.

HOLIDAY hat nun das Problem, dass er seinen Weg nicht sonderlichen konsequent verfolgt, sondern ziemlich herum mäandert, sich halb interessiert mit oft beschriebenen Motiven beschäftigt und dann getrieben von Torschusspanik doch noch irgendwie in die Nähe des Ziels stolpert.

★★★☆☆

DK/NL/SE, R: Isabella Eklöf, D: Vic Carmen Sonne, Lai Yde, Thijs Römer, Yuval Segal, Trailer, Wikipedia, Foto: Alamode Filmverleih
Holiday - Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit - Stream: Online
Wie man “Holiday - Sonne, Schmerz und Sinnlichkeit” auf Netflix und anderen Streaming-Diensten ansehen kann – einschließlich kostenloser Optionen.