Caroline Laurence und Sylvia Kristel // (c) 21st Century Film France, M6 Films
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CN sexualisierte Gewalt
Was dieser Film tut, ist straight up und ohne Diskussion verachtenswert. So unverhohlen, wie hier eine Vergewaltigung als explizit als erotischer Moment inszeniert wird, hat sich das keiner der sechs vorangegangenen Filme in der Reihe getraut – und die waren stellenweise schon hochproblematisch.
Auch von diesem Moment abgesehen, gibt sich Teil 7 einfach gar keine Mühe mehr, auch die Nähe einer Diskussion von unter anderem Sexualmoral zu suchen. Stattdessen unterwirft er sich komplett einer Hardcore-Porno-Logik und -Ästhetik – nur eben ohne den expliziten Part.
Der Film lässt selbst mit der rosarotesten Brille keine wohlwollende Lesart zu.
½☆☆☆☆
🇫🇷, R: Francis Leroi, D: Sylvia Kristel, Caroline Laurence, Laura Dean, Joel Bui, Cynthia Van Damme, Julie Jalabert, Roland Waden, Roberto Malone, Jérôme Estienne, Gregoire Wojciechowski, Jean-Philippe Bèche, Wikipedia
Willem Dafoe, Charlie Sheen und Tom Berenger // (c) 20th Century Studios
Super lange war ich extrem irritiert von diesem vermeintlich furchtbaren Schauspiel nahezu des gesamten Casts. Dieses aufgesetzte, überzogene und aufdringliche Kriegergehabe hat schon Laientheater-Qualitäten und es wirkt, als ob die Schauspieler hier verzweifelt und dilettantisch versuchen, jede Menge Unvermögen irgendwie auszugleichen.
Doch je tiefer es den Höllenschlund hinabging, desto klarer wurde mir, wie falsch ich mit meiner ersten Einschätzung lag. Denn nach und nach wird klar, dass es nicht schauspielerisches Unvermögen, sondern direkt in den Figuren angelegte Verhaltensmuster sind. Denn diese Gestalten bleibt nichts anderes übrig, als sich immer und immer wieder einzureden, dass sie Männer seien – weil sie fast noch Kinder sind, weil sie nur so die Grauen dieses Krieges ertragen können, weil sie nur so ihren eigenen menschenverachtenden und sadistischen Taten vor sich selbst rechtfertigen können. Männer im Krieg müssen in ihren Augen eben ihren und damit genau diesen Mann stehen.
Auf der anderen Seite steht dann Charlie Sheen, der hingegen ein durch und durch fürchterlicher Schauspieler ist. Sein schier unendliches Unvermögen ist ein tonnenschwerer Klotz am Bein des Films, der so kilometerweit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben muss.
★★★½☆
🇬🇧/🇺🇸, R: Oliver Stone, D: Charlie Shee, Willem Dafoe, Tom Berenger, Kevin Dillon, Forest Whitaker, Mark Moses, Keith David, Richard Edson, Francesco Quinn, John C. McGinley, Johnny Depp, Reggie Johnson, David Neidorf, Chris Pedersen, Tony Todd, Trailer, Wikipedia
Max von der Groeben Prinz Bosco, Jella Haase als Chantal Ackermann und Gizem Emre als Zeynep // (c) Constantin Film
Nahezu alles, was ich zu diesem Film sagen könnte, habe ich bereits über die drei Göthes gesagt – nur leider hier nicht aufgeschrieben.
Es hilft schließlich wenig, sich mit einer lauwarmen Female-Empowerment-Geschichte die Hände reinwaschen zu wollen, wenn nahezu der gesamte „Humor" darauf basiert, dass Armut und Bildungsferne per se lustig sind.
(P.S.: Eigentlich mag ich ja Jella Haase. Aber dass sie sich bei der Promotour für diesen Film leicht distanziert und kritisch zu den Göthes geäußert hat, dann aber letztlich doch kein Problem darin sieht, weil ja viele Menschen eine gute Zeit mit den Filmen haben, ist schlimm scheinheilig. Aber die Kohle nimmt ja offensichtlich lieber mit, als zu seinen Werten zu stehen.)
★☆☆☆☆
🇩🇪, R: Bora Dağtekin, D: Jella Haase, Gizem Emre, Mido Kotaini, Max von der Groeben, Nora Tschirner, Maria Ehrich, Cooper Dillon, Frederick Lau, Trailer, Wikipedia
Arienne Mandi als Leila Hosseini // (c) Wild Bunch Germany
Es mag naheliegen, dass das Politische auch im internationalen Hochleistungssport eine Rolle spielt. Das schmälert jedoch nicht, was TATAMI damit leistet, diesen Konflikt auf die Judomatte zu begrenzen und zu verengen. Die Tatami wird damit zu einem Kessel, der unter immer höherem Druck steht.
Jeder auf die Matte knallende Judowurf könnte das Gefäß endgültig zur Explosion bringen. Wie hier die Kamera regelmäßig mit den Sportlerinnen rollt und auf dem Boden aufschlägt, ist kein neuer Kniff. Beim Blick in den Mainstream waren es Regisseure wie Matthew Vaughn, der im ersten KINGSMAN diesen inszenatorischen Kniff erst elegant einsetzte und in den beiden Nachfolgern dann bis zum Erbrechen überreizte. Hier jedoch haben diese Kamerabewegungen Gewicht. Sie kommen mit Bedacht zum Einsatz und werden mithilfe des brillanten Sounddesigns mit einer brachialen Wucht ausgestattet.
Diese rohe Kraft ist zugleich das, was diese Frauen ausmacht – im sportlichen Sinne, aber noch viel mehr in ihrer eigenen Entschlossenheit und ihrem Mut, Entscheidungen für ihre und die Zukunft ihrer Familien zu treffen, die im Zweifelsfall andere das Leben kosten können.
Die Tatami wird nicht nur zum Ort sportlicher Höchstleistungen, er wird zum Ort der Selbstermächtigung. Hier erkennen und legen die beiden Frauen ultimativ ihre Rollen als austauschbare Figuren auf einem Schachbrett ab. Hier widersetzen sie sich dem Leben, das das iranische Regime für sie vorgesehen hat.
Von Kind auf sein ganzes Leben auf sportliche Exzellenz auszurichten, nur um in den Augen der mächtigen Unterdrücker letztlich nie mehr als ein Propagandawerkzeug zur eigenen Reinwaschung auf dem Parkett des internationalen Spitzensports zu sein... Daran nicht zu zerbrechen, das erfordert Kraft und Stärke, die die radikalen Islamisten in Iran niemals haben werden.
★★★★☆
🇬🇪/🇮🇱/🇬🇧/🇺🇸, R: Guy Nattiv, Zar Amir Ebrahimi, D: Arienne Mandi, Zar Amir Ebrahimi, Jaime Ray Newman, Nadine Marshall, Lir Katz, Ash Goldeh, Valeriu Andriuță, Mehdi Bajestani, Farima Habashizadehasl, Elham Erfani, Sina Parvaneh, Trailer, Wikipedia
George MacKay und Nathan Stewart-Jarrett // (c) Agile Filmes, BBC Film, Anton
Zu Beginn habe ich nicht damit gerechnet, wie sich dieser Film entfaltet und wie mich das packt, mit welchem Gespür für die überaus komplexe Gefühlslage er das verhandelt, was hier erst brodelt und dann hervorbricht.
Es gibt hier so viel aufzudröseln mit Blick auf diese verhärtete Kultur, die nicht nur nichts anderes als Heterosexualität, binäre Geschlechterordnung, Machismo und hegemoniale Männlichkeit kennt, sondern auch gar nichts anderes zulässt und den Status quo akribisch pflegt. Nichts ist hier lediglich Nebenprodukt anderer struktureller Probleme, sondern das Ziel jedes Handelns aus dem Zweck heraus, sich über andere Menschen stellen zu können.
Wie soll jemand, der Teil dieser Kultur ist, jemals offen zu seiner Homosexualität gegenüber anderen, aber vor allem vor sich selbst stehen können? Und warum sind es queere Menschen, die unter mehr unter diesem Zwiespalt leiden müssen, als die Menschen, die es eigentlich betrifft?
Glücklicherweise gibt sich der Film dafür nicht der Täterperspektive hin, sondern erzählt diese Gegenstände immer durch die Linse des von queerfeindlicher Gewalt betroffenen Menschen. Er erzählt mit Empathie, macht sich jedoch nie mit dem Täter gemein und heiligt nicht blinde Rache. Er begibt sich selbstbewusst in die zahlreichen Grauzonen, gibt dabei aber nie seine Moral auf.
Mir hat außerdem die inszenatorische Dynamik gefallen, die sich oft an Tiktok- und Youtube-Ästhetiken bedient – jedoch nie aus einem anbiedernden Zwang heraus, sondern weil das einfach eine Welt ist, in der auch die Figuren dieser Geschichte zu Hause sind. Diese Energie fühlt sich einfach sehr wahrhaftig und authentisch an.
★★★★☆
🇬🇧 R: Sam H. Freeman, Ng Choon Ping, D: Nathan Stewart-Jarrett, George MacKay, Antonia Clarke, Moe Bar-El, Nima Taleghani, John Leader, Aaron Heffernan, John McCrea, Trailer, Wikipedia
Der Film steht noch kostenlos bis zum 02. März 2025 in der ZDF-Mediathek:
Tandin Wangchuk als Mönch Tashi // (c) Dangphu Dingphu: A 3 Pigs Production & Journey to the East Films
Es passt natürlich zu dem Land mit dem fantastischen Bruttonationalglück, aber letztlich ändert das nichts daran, dass mir der THE MONK AND THE GUN doch ein bisschen arg versöhnlich geraten ist. Zwar fackelt der Film nicht lange und reißt tiefe Gräben zwischen Menschen und quer durch alle Gesellschaftsschichten, verliert diese dann aber auch schnell wieder aus dem Blick.
Dabei gibt es an dieser Stelle so viel zu ergründen. Denn es ist offensichtlich, dass es nicht die Überforderung oder Überrumpelung mit demokratischen Prozessen ist, was hier für die eigentliche Unruhe sorgt. Denn neben der Demokratie halten plötzlich auch gedankenloser Konsum, kapitalistisches Denken und Materialismus Einzug in Bhutan. Schnell wird klargemacht, dass Menschen bereits andere auf Basis von Größe und Preis ihres Fernsehers bewerten.
Das sind von der Demokratie völlig losgelöste Prozesse, auf die keine demokratische Wahl der Welt sonderlich großen Einfluss hat. Das kann nur jeder Mensch selbst abwenden.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
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