Natalie Uher als Emmanuelle // (c) AS Productions, Société Générale de Gestion Cinématographique
Natürlich ist es nicht das angebliche Sinnliche, das Emmanuelle wieder zurück zu sich selbst finden ließ, sondern der weiterhin stabil tief sitzende Rassismus dieser Filmreihe, die konsequent jegliche nicht-westlichen Kulturen exotisiert und People of Colour als unzivilisierte, instinktgetriebene, dauergeile Geschöpfe inszeniert.
Es kehrt außerdem ein aus den Anfängen der Reihe noch bekanntes Thema zurück. Das führt erneut zu einer Auseinandersetzung mit der männlichen Überzeugung, Anspruch auf den Körper einer Frau zu haben, sie besitzen zu können. Aber na ja, das ist wie gesagt kein neuer Dreh innerhalb dieses sehr losen Universums und mehr Augenwischerei als ernster Ansatz.
★☆☆☆☆
FR, R: Bruno Zincone, Jean Rollin, D: Natalie Uher, Jean-René Gossart, Thomas Obermuller, Gustavo Rodríguez, François Guerrar, Luis Carlos Mendes, Tamira, Wikipedia
Was für ein bemerkenswertes Zeitdokument, das besonders aus heutiger Sicht den Stillstand festhält. Denn was in diesem Dokumentarfilm hervorsteht, ist die absolute Tatenlosigkeit, mit der selbst das direkte Umfeld diesen sich zunehmend radikalisierenden jungen Menschen gegenübersteht.
Wir können jetzt lange über „Haha, schau mal, die dummen Nazis!" lachen. Aber es ist ehrlich erschreckend, wie diese jungen Menschen kaum artikulieren können, was in ihnen vorgeht und was ihre Wünsche sind. Also im wahrsten Wortsinne. Ihnen fehlt tatsächlich das Sprachvermögen. Und deshalb hört auch niemand zu. Sie glauben, ihrem Frust nur durch die Mittel der Radikalisierung Ausdruck verleihen zu können, weil die Worte fehlen.
Doch auch die Nazis hören einander nicht zu – es sei denn, es geht um Naziparolen. Und dann sitzt man da, mit keinen 18 Jahren, in Bomberjacke und Springerstiefeln vor der Platte, ist arbeitslos und erzählt plötzlich unverblümt von Symptomen und Verhaltensmustern, die im Lehrbuch unter dem Stichwort „Depression" zu finden sind. Und niemand hört zu.
Niemand hört oder schaut hin, während die Nazis jugendliche Rückzugsorte für sich beanspruchen und auf der Tanzfläche „Sieg Heil!" grölen. Selbst die, die das ablehnen, bleiben im Raum und trinken ihr Bier einfach in einer anderen Ecke des Raums weiter.
So viele Szenen haben offenkundig in ihrer Gültigkeit die Zeit überdauert.
Gene Hackman, Joanna Cassidy und Nick Nolte // (c) MGM, Orion Pictures
Ich habe selten einen Film gesehen, der mit einer derartigen Ernsthaftigkeit versucht, Fragen der journalistischen Ethik zu verhandeln und sich dabei so krass blamiert.
Hier herrscht einfach ein fundamentales Unverständnis journalistischen Arbeitens, was jeglicher Grundlage für eine informierte Debatte entbehrt. (Krisen-)Journalismus ist keine von Fotomodels gleichenden Pfandfinder*innen organisierte Schnitzeljagd, der man sich einfach so anschließt.
Bildjournalismus scheint hier eine fast ausschließlich nach ästhetischen Kategorien funktionierende Gattung zu sein – was lächerlich einfältig ist. Wem man wie und wann auf das „Schlachtfeld" folgt, ist Teil eines komplexen Abwägungsprozesses – wo sich die schicksten Bilder schießen lassen, ist kein Faktor von Belang.
Die angeblich so schwere Gewissensentscheidung wird schließlich nach einem halbherzigen Halbsatz der Widerrede lächerlich einfach gefällt – und wird dann auch noch angesichts des Zwecks geheiligt.
★½☆☆☆
🇺🇸, R: Roger Spottiswoode, D: Nick Nolte, Gene Hackman, Joanna Cassidy, Ed Harris, Jean-Louis Trintignant, Richard Masur, Alma Martinez, René Enríquez, Hamilton Camp, Trailer, Letterboxd, Wikipedia
Jack Lemmon als Felix Ungar und Walter Matthau als Oscar Madison // (c) Paramount
Stellenweise hat es mich an UNCUT GEMS erinnert, wie hoch hier das Energielevel unter anderem durch die unglaublich temporeichen Wortwechsel gehalten wird. Es liegt eine Spannung in der Luft, die nie abzureißen droht.
Inmitten dieses Wirbelsturms gelingt es dem Film, fast schon unbemerkt nicht mehr nur Kumpelkomödie zu sein, sondern ganz plötzlich auch Rollenbilder, den Männlichkeitsbegriff, Geschlechterverhältnisse und die Bedeutung von Freundschaft zu verhandeln sowie deren Grenzen auszuloten.
★★★★☆
US, R: Gene Saks, D: Jack Lemmon, Walter Matthau, John Fiedler, Herb Edelman, David Sheiner, Monica Evans, Carole Shelley, Trailer, Wikipedia
Christian Bale als Burt Berendsen, Margot Robbie als Valerie Voze und John David Washington als Harold Woodman // (c) Leonine Studios Spielfilm
Eine durch und durch fahrige Warnung vor dem alten und dem neuen Faschismus. Nazis doof, Rassismus doof, Korruption doof, Sexismus doof, Sozial- und Gesundheitspolitik doof – die Eigenschaften des für alte und neue Rechte so fruchtbaren Bodens benennt der Film zielsicher, interessiert sich aber maximal oberflächlich für die Verflechtungen.
Dazu versucht David O. Russell seinen Inszenierungsstil in ein von Wes Anderson geschneidertes Gewand zu kleiden. Nahezu jede Figur im Bild ist ein bekanntes Gesicht und immer ein bisschen quirky. Doch die Anordnung gleicht mehr einer seelenlos zusammengeklöppelten Parade, was besonders deutlich wird, weil Christian Bale, Margot Robbie und John David Washington zusehends damit beschäftigt sind, aneinander vorbeizuspielen und bloß keine chemische Reaktion aufkommen zu lassen.
Dann doch lieber noch mal THE GRAND BUDAPEST HOTEL schauen.
★★☆☆☆
US, R: David O. Russell, D: Christian Bale, Margot Robbie, John David Washington, Alessandro Nivola, Andrea Riseborough, Anya Taylor-Joy, Chris Rock, Matthias Schoenaerts, Michael Shannon, Mike Myers, Taylor Swift, Timothy Olyphant, Zoe Saldaña, Rami Malek, Robert De Niro, Trailer, Wikipedia
Das Konzentrationslager Auschwitz (c) absolut MEDIEN
Als ob Alain Resnais und Jean Cayrol eine knappe halbe Stunde lang versuchen, diese Monstrositäten in Worte zu fassen und auf den letzten Zentimetern ob der Singularität des Holocausts das Handtuch werfen und dann die drastischen Aufnahmen des Grauens sprechen zu lassen.
Jetzt ein Urteil zu fällen, ob diese halbe Stunde nun angemessen, gut oder schlecht ist, halte ich nicht für angebracht. Von 2025 aus zu urteilen, wäre leicht. Aber der zeitliche Kontext spielt eine immense Rolle in der Betrachtung von NUIT ET BROUILLARD. Denn ist es nicht bemerkenswert, dass es mehr als zehn Jahre nach Kriegsende weiterhin so an Worten fehlte, um mit dem Geschehenen umzugehen?
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.