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Filmkritik

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Gesehen: Pi (1998)

Gesehen: Pi (1998)
(c) Arthaus

Das hat schon gehörige „I’m 14 and this is deep“-Vibes. Nichtsdestotrotz kann ich mich nicht davon freimachen, dass mich die doch recht furchtlose, noch nicht von Konventionen vereinnahmte Inszenierung in Kombination mit Clint Mansells treibendem Score doch ganz gut gepackt hat.

Trotz der durch den Protagonisten mitgegebenen vermeintlich klaren Perspektive erscheint es mir doch so, dass Darren Aronofsky selbst keine Lösung parat hat und hier im Film einen auch in ihm weiterhin wütenden Konflikt offen austrägt.

Ist die Schöpfung gar kein „Wunder“, weil sie sich mit Zahlen (lies: Wissenschaft) erklären und belegen lässt oder ist genau die Existenz komplexer wissenschaftlicher Zusammenhänge ein Beleg für „Wunder“? Warum können wir die Zukunft nicht vorhersagen oder gar kontrollieren, wenn alles durch den Filter der mathematischen Logik betrachtet bzw. erklärt werden kann?

Mit der Form dieser Fragestellungen, die in Absoluten angelegt sind, macht es sie PI natürlich sehr einfach – darüber können dann auch die Vibes irgendwo zwischen David Lynch und Danny Boyle nicht hinwegtäuschen. Aber das Gesamtpaket ist einfach schmissig.

★★★½☆

US, R: Darren Aronofsky, D: Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman, Pamela Hart, Stephen Pearlman, Samia Shoaib, Ajay Naidu, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: The Weight of Water (2000)

Gesehen: The Weight of Water (2000)
(c) Studiocanal

Ein bisschen unterhaltsam ist es zugegebenermaßen schon, wie krampfhaft dieser Film versucht, so etwas wie Erotik herzustellen und dann doch irgendwie nur in einem Schmierentheater endet.

Nichtsdestotrotz gelingen hier auch ein zumindest halbwegs interessante Beobachtungen hinsichtlich Begehren und Begierde, deren Grenzen und dass sich diesbezüglich Fantasie und Wirklichkeit nicht nur widersprechen können, sondern das vielleicht auch müssen. Angereichert wird das schließlich mit einem Hauch von Transgression.

Letztlich scheint sich der Film aber einer sehr männlichen Perspektive anzubiedern und das macht ihn doch arg langweilig.

★★☆☆☆

FR/US, R: Kathryn Bigelow, D: Sean Penn, Catherine McCormack, Elizabeth Hurley, Sarah Polley, Josh Lucas, Ciarán Hinds, Ulrich Thomsen, Katrin Cartlidge, Vinessa Shaw, Trailer, Wikipedia

Gesehen: The Loveless (1981)

Gesehen: The Loveless (1981)
(c) Pioneer Films

Wer sich wie ein Faschist benimmt, der ist auch ein Faschist – ob nun mit oder ohne Hakenkreuztattoo. Etwas ausführlicher formuliert: Hier wird die Annäherung der Gesellschaft bei der Herausbildung faschistoider Züge gezeigt. Ja, land of the free, aber nur für diejenigen, die nach unserem sehr engen Regelwerk spielen. Und das ist natürlich Freiheit für niemanden. Wer bestimmte Lebensentwürfe nicht als gesellschaftsfähig oder gar lebenswürdig betrachtet und die eigene Gemeinschaft derart überhöht, der darf sich den Faschismusvorwurf schonmal anhören.

Was aber davon abgesehen auch zur Wahrheit dieses Films gehört: Alles ist unfassbar spröde und gestelzt ausformuliert und auch entsprechend gespielt. THE LOVELESS ist viel zu starr, will nie so richtig in einen Fluss kommen und arbeitet letztlich doch mit zu unkonkreten Figuren.

★★½☆☆

US, R: Kathryn Bigelow, Monty Montgomery, D: Willem Dafoe, Robert Gordon, Marin Kanter, J. Don Ferguson, Tina L’Hotsky, Bob Hannah, Trailer, Wikipedia

Gesehen: Mies vailla menneisyyttä (2002)

Gesehen: Mies vailla menneisyyttä (2002)
(c) Pandora Film Verleih

Genau wie Aki Kaurismäki dieses Themas nie wirklich müde geworden ist, genauso hebe ich es auch immer wieder gerne hervor: Es ist ein so großes Fest, dabei zuzusehen, wie offen und wie auf Augenhöhe er immer wieder armutsbetroffenen Menschen begegnet und mit großartig trockenem Humor eine Vorurteilsmauer nach der anderen einreißt. Er lässt sich zudem niemals dazu herab, sein Publikum selbstgerecht anzuklagen, sondern nimmt es wohlwollend an die Hand. Zynismus lässt Kaurismäki auch hier nicht in die Welt seiner Figuren drängen, obwohl der zu jeder Gelegenheit versucht, einzudringen. Aber die Menschen wissen, dass sie mehr sind als du Nummer ihres Girokontos – sofern sie überhaupt eins besitzen. In der Gemeinschaft wird die Menschlichkeit am Leben gehalten.

Was ein bisschen nach Kumbaya klingt, sollte jedoch nicht darüber hinwegsehen lassen, dass natürlich auch dieser Film hochpolitisch ist und aufzeigt, dass es praktisch illegal ist, arm zu sein. Das deutsche Äquivalent wäre: Das Arbeitsamt liegt am anderen Ende der Stadt. Zum Termin schafft man es nur rechtzeitig mit der Straßenbahn, weil die Kinder vorher noch zur Schule gebracht werden müssen. Aber die Fahrkarte kann man sich nicht leisten, also fährt man schwarz. Ausgerechnet an diesem Tag wird kontrolliert und für das Begleichen des Bußgeldes reicht das Geld nicht. Also wird eine Ersatzfreiheitsstrafe verhängt. Zack, Knast.

★★★★☆

FI/FR/DE, R: Aki Kaurismäki, D: Markku Peltola, Kati Outinen, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: La stanza del figlio (2001)

Gesehen: La stanza del figlio (2001)
(c) Studiocanal

Ich habe es sogar als ein bisschen skurril empfunden, hier dieser so ausufernd liberalen Familie zuzuschauen; wie vertraut sie miteinander sind, wie offen, warm und ehrlich interessiert sie miteinander umgehen und welche Wärme das ausstrahlt.

Umso herzzerreißender ist dann der plötzliche Tod des Sohnes, der einfach ein gefährlich großes Loch in dieses Gefüge reißt und dadurch Fragen aufkommen, was diese Familie und auch die Liebesbeziehung der Eltern überhaupt zusammenhält. Und hier kommt Nanni Moretti meiner Meinung nach zu einem sehr berührenden Schluss: Dieser tragische Moment offenbart nicht, dass man nur noch wegen der Kinder zusammen war und sich eigentlich gar nicht mehr liebt. Er offenbart, dass aus dieser anfänglich romantischen, zweisamen Liebe etwas noch größeres, noch intensiveres und kaum mit Worten zu Beschreibendes erwachsen ist. Und diese empfundene Vollkommenheit wird auf die wohl schlimmstmögliche Probe gestellt, da klar ist, dass sie niemals wiederhergestellt werden kann.

Man kann sich daran stören, dass hier etwa ökonomische Faktoren keine Rolle zu spielen scheinen, die Familie bestens situiert ist, sich eigentlich um nichts Gedanken machen muss und so genug Raum für die Trauerarbeit hat. Aber das wäre meiner Meinung nach zu kurz gegriffen. Denn Moretti zeigt hier, was für ein singuläres Ereignis der Tod eines Kindes ist, auf das – unabhängig von sozioökonomischen Faktoren – niemand ausreichend gewappnet sein kann. Es geht hier nur um den unmittelbaren Impact dieses Ereignisses und nicht um den Rattenschwanz an daraus folgenden Problemstellungen wie etwa das Aufkommen für die Bestattung.

Bis zum Schluss bewahrt sich der Film seine unglaubliche Wärme, die nicht nur aus den Taten seiner Figuren resultiert, sondern ihren Ursprung natürlich auch in den warmen Bildern, im wohltuenden Score und der rührenden Musikwahl hat. Das große Aber kommt für mich dann bei Nanni Moretti selbst. Mir scheint, dass er hier schauspielerisch an eine Grenze geraten ist, er sich nur selten wirklich auf die Gefühlsebene der Trauer begeben konnte. Und das hat mich leider eher mehr als weniger herausgezogen.

★★★½☆

FR/IT, R: Nanni Moretti, D: Nanni Moretti, Laura Morante, Jasmine Trinca, Giuseppe Sanfelice, Trailer, Wikipedia
Das Zimmer meines Sohnes - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: Flags of Our Fathers (2006)

Gesehen: Flags of Our Fathers (2006)
(c) Warner Bros.

Um das direkt aus dem Weg zu räumen: Dieses Level an Pathos ist irgendwie schon to be expected – immerhin reden wir hier von einem Clint-Eastwood-Film, der sich mit der amerikanischen Geschichte auseinandersetzt. Das macht es nicht besser, aber es überrascht auch nicht.

Interessant ist es in Anbetracht dieser Tatsachen schon, wie konsequent er sich dem Heldenbegriff verweigert, es gegen Ende sogar noch einmal ausformuliert, dass Helden nur von uns aus der Entfernung konstruierte Bilder sind, die wir brauchen, um einen Umgang mit diesem Geschehen zu finden. Der Film maßt sich jedoch nie an, die an der Front kämpfenden Soldaten als Helden zu bezeichnen oder überhaupt ein Urteil über sie zu fällen.

Er fragt sogar, was das eigentlich für ein Land ist, für das diese Männer gekämpft haben und auch gestorben sind – ein Land, in der der „Kriegsheld“ aus der Bar geschmissen wird, weil er ein Indigener ist, der sich letztlich auf dem Acker zugrunde richten muss, um irgendwie zu überleben. Aber dort bleibt der Film dann wieder zu feige, um den Finger noch tiefer in die Wunde zu stecken, spricht vom „Leben“, das andere Pläne mit ihm gehabt habe. Dabei waren es die Menschen, die ihn aus purem Rassismus fallengelassen haben wie eine heiße Kartoffel.

Respektabel ist, dass Eastwood offenbar neidlos anerkennt, dass Steven Spielberg acht Jahre zuvor mit SAVING PRIVATE RYAN den heiligen Gral der Kriegsinszenierung geschaffen hat und gar nicht erst versucht, es besser zu machen, sondern sich demütig zahlreiche Kniffe abschaut. Auch Szenen wie zu Beginn die Nachstellung des Aufstellens der Flagge, in der die Kamera auf Augenhöhe den Soldaten auf den Hügel folgt, um dann weiter nach oben zu fliegen und zu zeigen, wie sich ein Footballstadion aus dem Dunkeln schält und eine wahrlich skurrile Situation mit den Kriegserlebnissen verschränkt.

Ein eindeutiger Griff ins Klo ist das Color-Grading. Die radikale Entsättigung der Bilder funktioniert zwar stellenweise während der Szenen auf Iwo Jima richtig gut – dort, wo sich in der Bombenkraterwüste die Soldaten kaum abheben, von der Welt zu schlucken gedroht werden. Aber größtenteils haben die Bilder einen mehr als weirden Metallic-Look.

Ähnlicher Quatsch ist das Casting. Niemand dieser sogenannten Heldentour wird der Schwere und der Komplexität der zugrundeliegenden Themen gerecht; keiner kann mit dem notwendigen nuancierten Spiel aufwarten. Es werden eher Grimassen gezogen, die vage in die Richtung dessen gehen, was der Film behauptet, in diesen Momenten zu transportieren.

★★★☆☆

US, R: Clint Eastwood, D: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, John Benjamin Hickey, John Slattery, Barry Pepper, Jamie Bell, Paul Walker, Robert Patrick, Neal McDonough, Melanie Lynskey, Trailer, Wikipedia
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