Nhi Le hat sich für das NDR-Medienmagazin Zapp angeschaut, wo True-Crime-Formate Grenzen überschreiten oder sie gar nicht erst erkennen. Ich verstehe die Faszination des Bösen. Aber diese Seite der Medaille sollte sich eigentlich nicht ohne die andere erzählen lassen. Das stört mich auch extrem an rein fiktionalen Produktionen.
Feuilleton & Firlefanz
Posts on page 235
Jason Kottke nerdet mit John Gruber übers Bloggen ab
Netzkultur
Jason Kottkes Blog kottke.org ist festes Bestandteil meines Medienmenüs – mindestens, seit ich einen RSS-Reader nutze, wahrscheinlich sogar darüber hinaus. Ich kann mich nicht wirklich erinnern. Anyways, das Blog ist dieser Tage 25(!) Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass hat Kottke mehr als drei Stunden lang mit dem von mir, was Apple-Themen angeht, ebenfalls sehr geschätzten John Gruber über das vergangene Vierteljahrhundert des Ins-Internet-Schreibens gesprochen.
Die Podcast-Episode ist schon ein paar Tage alt, aber drei Stunden wollen eben auch erst mal gehört werden. Ich finde es wahnsinnig inspirierend, die beiden übers Bloggen sprechen zu hören, über ihre klaren Vorstellungen vom persönlichen und unabhängigen Schreiben, über den Traum vom freien Web und so weiter und so fort. Diese Faszination kann ich seit meinem ersten Tag im Internet nachvollziehen. Und seit Elon Musk Twitter übernommen hat, juckt es mich wieder mehr als zuvor, wieder ein größerer Teil dieser idealisierten Vorstellung zu sein.
Rocky IV (1985) - Nicht lustig
Filmkritik
Was ROCKY IV aus meiner Sicht gut macht: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass dieses Abgleiten ins Camp bei Laune hält. Auch erkennt Stallone durchaus die politische Dimension des Sports und dessen Stellenwert in der Propaganda der Sowjetunion. Und er weiß – jedenfalls bietet sich diese Lesart an – um die grausame Realität des Stellvertreterkrieges in Vietnam, für den gesellschaftlich ausgegrenzte Gruppen mit patriotischen Verheißungen rekrutiert und letztlich in den sicheren Tod geschickt worden sind. Die Verheizten waren, wie Apollo Creed, oft Schwarz.
Was ROCKY IV aus meiner Sicht schlecht macht: Stallone ist einfach nicht lustig – nur manchmal, dann aber unfreiwillig. Der vierte Teil der Reihe steckt voller flacher Pointen, die ins Leere laufen, den Fluss brechen und letztlich wie ein heiße Kartoffel fallengelassen werden müssen. Auch das trägt zur Banalisierung des tatsächlichen Kalten Krieges bei. Der Boxkampf in Moskau dann eher wie den Reichsparteitag in Nürnberg zu inszenieren und Drago auch noch wie den prototypischen Arier aussehen zu lassen, zeugt von absoluter Geschichtsverdrossenheit. Gepaart mit einer Prise karikaturesk überzogener Technologiefeindlichkeit flüchtet sich Stallone in eine regelrecht regressive maskulinistische Vorstellung von gesellschaftlicher Hackordnung.
★★☆☆☆
Cate Blanchetts großartige Moves im neuen Video der Sparks
MusikDie Sparks kannte ich nicht, bis Edgar Wright mit seinem großartigen Deep Dive um die Ecke kam. Also dachte ich. Bis mir dann klar wurde, dass mir ein Track Mitte der 1990er immer und immer wieder im Radio um die Ohren gehauen wurde. Anyways, großartiger Dokumentarfilm, wahnsinnig interessante Künstler und jetzt ein tolles neues Musikvideo mit Cate Blanchett, die sich aus ihrem Hosenanzug freizutanzen versucht 💛
Blogging is back, but what about books?
BücherEnde 2021 bin ich zum ersten Mal in meinem Leben als Erwachsener Bibliotheksmitglied geworden – weil das geradezu lächerlich günstig ist und anderweitig ausufernder Kultur- und Medienkonsum natürlich ins Geld geht, und weil ich damit hoffentlich meinen Teil zum Erhalt dieser Institution beitrage, um so bedürftigeren Menschen als mir weiterhin erschwinglichere kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
Ein anderer Grund war, dass ich seit Ewigkeiten versuche, Literatur wieder einen Platz in meinem Medienmenü freizuräumen. Bisheriges Ergebnis: ein gelesenes und ein angefangenes Buch in 2020, 2021 & 2022 mit Hörbüchern experimentiert, damit aber nie richtig warmgeworden und deshalb Ende 2022 das fast zwei Jahre zuvor begonnene Buch endlich ausgelesen und so wieder Motivation für einen neuen Versuch geschöpft.
Für dieses Jahr habe ich mir das bescheidene Ziel gesetzt, zehn Bücher zu lesen. Ob ich das auch erreiche, ist mir aber eigentlich egal. Hauptsache ist, wieder regelmäßig Freude am Lesen zu haben. Bisher klappt das ganz gut. Meinen bescheidenen Fortschritt halte ich drüben bei Goodreads und künftig auch hier im Blog fest, denn ohne digitale Gamification geht's dann auch wieder nicht 😅 Also bisher größtes Hindernis beim Erreichen meines Ziels sehe ich da eher die Onleihe – den Dienst, den meine Bibiothek zum Verleih von E-Books, Hörbüchern und anderen digitalen Medien nutzt. Derartige ungestraft gebliebene Nutzerfeindlichkeit lässt sich eigentlich nur mit den monopolartigen Zuständen auf dem Markt (der Dienstleister für Bibliotheken) erklären.
Gelesen: „Maschinen wie ich“ (2019) von Ian McEwan
Bücher
Durch seine Alternativweltgeschichte gelingt es McEwan durchaus, ein paar kluge Beobachtungen mit Bezug zum Verhältnis von Mensch und Technologie bzw. Menschsein und Technologie anzustellen und diese auch zu verhandeln. Insgesamt scheint er aber im Diskurs noch sehr weit zurückzuhängen und kann deshalb kaum neue Gedanken hinzufügen oder bestehende weiterdenken. Klar, ist ja auch kein Sachbuch. Trotzdem finde ich, dass sich eine literarische Betrachtung nicht dem Stand der Dinge verwehren sollte, um letztlich nicht zur Banalität zu verkommen.
Maschinen wie ich hat bei mir unterm Strich einen sehr nihilistischen Eindruck hinterlassen. McEwan hat ein Buch geschrieben, in dem alles egal ist, in dem die Menschheit mit zu unserer Realität fast gegensätzlichen Entscheidungen, trotzdem vor die Wand fährt. Es fehlt die Utopie oder wenigstens die Dystopie. Dieser pessimistisch-realistische Blick mag zwar der Menschheit angemessen, aber die große Erkenntnis blieb bei mir dann am Ende aus.
★★★☆☆