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Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 234

Wikipedia hat jetzt ein Logo, das man hören kann

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Wikimedia Sound Logo
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Sound: Thaddeus Osborne, CC-BY-SA 4.0

Die Wikipedia – also eigentlich die federführende Wikimedia Foundation – hat sich ein Soundlogo gegönnt. Also sowas wie das „Tudum“ von Netflix oder wie auch immer man den Ton von Apple TV+ verlautschriftlichen will. Das neue enzyklopädische Papierrascheln soll nun ganz bescheiden den „Klang allen menschlichen Wissens“ widerspiegeln.

Ich find's ja irgendwie ganz süß. Und doch bereitet mir die Pressemitteilung der Wikimedia Foundation Sorgen:

Die Anzahl aktiver Nutzer:innen von Sprachassistenten ist von 544,1 Millionen (2015) auf 2,6 Milliarden (2021) gestiegen. Wikimedia-Projekte wie Wikipedia und Wikidata bilden zunehmend die Grundlage für andere Websites und allgemeine Auskünfte über virtuelle Sprachassistenten. Ein Soundlogo hilft dabei, sicherzustellen, dass Nutzer:innen überall wissen, wann sie Wissen aus Wikipedia oder Wikimedia-Projekten vor sich haben.

Prinzipiell verstehe ich diesen Move. Aber wenn das darin endet, bei jeder Suche via Siri etc. dieses Gedudel mitgeliefert zu bekommen, wird das Internet wieder ein Stück unbenutzbarar.

Dienstagslinks - 28. März 2023

Demetria Glace rollt für Slate mehrere Theorien auf, warum es so viele Actionhelden namens Jack, James und John gibt. Klingt zunächst mal nach einer ziemlich quatschigen Untersuchung, ergründet aber tatsächlich ganz spannend den Wandel US-zentrischer Popkultur in Abhängigkeit soziologischer und politischer Faktoren.

Why Do All Action Heroes Have Names That Start With the Same Letter?
A Slate investigation into the past 70 years of action movies.

Erst seit diesem Monat sind die ersten sechs Alben von De La Soul bei Spotify & Co. zu finden. Ungelöste Urheberrechts- und Verwertungsrechtsfragen sowie vielleicht auch ein rassistisches System hatten das vorab verhindert, wie Joachim Hentschel in der Süddeutschen nachzeichnet. Ich fürchte ja, dass die Remixkultur künftig nur noch weiter eingeschränkt wird – quasi als Kollateralschaden eines über das Ziel hinausschießenden Versuches, generative KIs zu regulieren.

De La Soul endlich bei Streaming-Diensten: Warum hat das so lang gedauert?
Warum es die Band „De La Soul“ so lang nicht bei Spotify oder Apple Music gab? Eine haarsträubende Geschichte über Samples und Songrechte.

Vladyslav Vlasiuk fordert im Guardian, Kunstwerke im russischen Besitz zu beschlagnahmen. Denn turns out: Auch damit wird der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen die Ukraine finanziert. So wie sich das liest, müssen sich die großen Auktionshäuser in Zukunft noch einigen ziemlich unbequemen Fragen stellen müssen – und sich selbst fragen, in welchem Ausmaß sie selbst zum Leid in der Ukraine beigetragen haben.

Putin and his allies love buying art. To help us win the war in Ukraine, confiscate it | Vladyslav Vlasiuk
Paintings are easier to transport and hide than yachts and private jets. Don’t let them slip through, says Ukrainian sanction expert Vladyslav Vlasiuk

Montagslinks - 27. März 2023

Heute mit Material aus den vergangenen Tagen, das ich nebem dem dem Bloggen in den Weg gekommenen Leben trotzdem aufgeschnappt habe.


Anna Vollmer schreibt in der FAZ über die Britin Sarah Merker. Die ist nämlich zehn Jahre lang von Café zu Café des National Trusts gepilgert, hat Scones getestet und darüber gebloggt. Jetzt sind alle Cafés besucht, alle Scones verdrückt und das ultimative Ranking gebaut. Und ich habe jetzt Hunger.

Britin testet zehn Jahre lang Scones in ganz Großbritannien
Eine Britin hat zehn Jahre lang einen Blog über Scones geführt. Und damit eine schon lang geführte Diskussion neu angeheizt.

Netter Geschichtsfetzen: Steven Heller hat aufgeschrieben, wie der Punkt aus dem Titelkopf der New York Times verschwand. Immerhin 600 US-Dollar für Tinte konnte die Zeitung dadurch sparen.

The Daily Heller: The Designer Who Put a Full Stop to the Period! – PRINT Magazine
Ever wonder why The New York Times dropped the period from its masthead?

Weiter im Spielejournalismus: Dom Schott schreibt in seiner netzpolitik.org-Kolumne Linksklick über das Haltungsproblem in der Branche. Ich finde, dass das in die Reihe der im obigen SZ-Text aufgegriffenen Problem passt. Denn wenn sich Videispielejournalistinnen als reine Produkttesterinnen und nichts mehr begreifen, kann man es auch sein lassen. Wer „Spiele sind Kunst!“ ruft, muss gleichezitig auch für eine kulturkritische Betrachtung eintreten.

Linksklick: Das neue Feigenblatt des Spielejournalismus
Ein Infokasten wird zum Schleichweg einer Branche: Statt Verantwortung zu übernehmen, drücken sich Redaktionen vor der Diskussion, wie moderner Journalismus aussehen muss.

Zach Braff Is Processing Pain Through Art

Obwohl er mir mit seinen Gäst*innen zu oft ins Spirituelle oder gar Esotherische abrutscht, schaue ich ab und an gerne in die Gespräche von Rich Roll mit interessanten Menschen rein. Das jüngste mit Zach Braff hat mir sehr gefallen, weil es ein sehr dreidimensionales Bild eines Menschen zeichnet, den viele nur als den albernen J. D. aus Scrubs (2001-2010) kennen, zeichnet, der ein ernstzunehmender Künstler ist und nicht nur Film und Fernsehen des reinen Entertainments wegen macht.

Donnerstagslinks 23. März 2023

Ich selbst bin – jedenfalls was Design angeht – eine absolute Hohlbirne. Deshalb arbeite ich viel mit Canva, weil ich damit kostenlos und ziemlich einfach mindestens mal halbwegs ansehnliche Grafiken bauen kann. Und wie quasi bei jedem digitalen Unternehmen halten nun auch bei Canva KI-gestützte Tools Einzug. Vom typischen Bildgenerator bis zu einem automatisierten Designprozess auf Basis einer Bilddatei ist alles dabei. Außerdem ist ein Textgenerator im Programm, der auf Zuruf etwa „social media strategy ideas for a new product launch“ schreiben kann. Tools mit diesen Versprechungen sprießen täglich wie Pilze aus dem Boden. Der RSS-Feed von Product Hunt ist deshalb für mich unlesbar geworden. Jedenfalls... so gerne ich diese Tools auch für meine Zwecke nutze, so abgestoßen bin ich auch von der Stoßrichtung, mit der sie in den Markt gedrückt werden. Denn das offenbart nur, wie viel PR tatsächlich Bullshit ist und wie Anbieter dieser Tools daran gar nichts ändern, sondern es nur noch schlimmer machen wollen.

Canva announces new AI design tools and branded workspace features
This platform is trying its darndest to temp you away from Adobe.

„In dem Beitrag wurde die Journalistin zunächst als ‚Transfrau‘, im weiteren Verlauf ‚biologischer Mann‘ und zum Ende hin nur noch als ‚Mann‘ bezeichnet“, fasst queer.de zusammen. Es will mir nicht in den Kopf, wie man mit so krasser Vehemenz Menschen ihre Lebensrealität absprechen will.

Gericht: Unternehmen von Julian Reichelt darf trans Frau nicht misgendern (queer.de)


Die Berichterstattung um die (weitestegehend ehemalige) RBB-Führungsriege ist nun schon seit einiger Zeit – sinngemäß – von den Titelseiten verschwunden. @mediasres hat deshalb noch einmal zusammengefasst, wie der aktuelle Stand bei der Aufarbeitung des Skandals ist. Unabhängig davon, wer nun wie welche Schuld trägt: Ich finde es aus moralischer Perspektive einfach nur pervers, wie viele Menschen vom Ausmaß der außertariflichen Verträge und Bonusvereinbarungen gewusst und sich offenbar so gar nicht daran gestört haben müssen.

Was bisher geschah: RBB-Untersuchungsausschuss

Mittwochslinks - 22. März 2023

Es ist dann doch immer wieder lohnend, sich auch mit der Medienlandschaft der deutschsprachigen Nachbarn zu bschäftigen. Mir schwant, dass rechtspopulistische Medien wie ServusTV oder AUF1 (rechtsganzweitaußen) nur Anlauf nehmen, um im nächsten Schritt den deutschsprachigen Raum à la Fox News immer und immer weiter zu zersetzen. So hat das Markus Sulzbacher auch sinngemäß im Standard aufgeschrieben. Beängstigend.

Verschwörungssender Auf 1: Mit “Flood the zone with shit” zum Erfolg
“Auf 1 ist heute eines der reichweitenstärksten rechtsextremen Medien aus Österreich”, sagt DÖW-Experte Weidinger

(via BILDblog)


Coole Idee der Kunsthalle Bremen: Man füttert die Web-App mit einer Handvoll Informationen und bekommt im Gegenzug eine Liste mit verschiedensten Kunstwerken samt Beschreibung und Standort in der Ausstellung ausgeworfen, die interessant sein könnten. Das Potenzial lässt sich natürlich nur voll ausschöpfen, wenn man vor Ort in Bremen ist. Aber auch vom heimischen Rechner aus lässt sich das Tool ganz wunderbar dazu nutzen, sich Kunst und Künstler*innen anzunähern und so vielleicht auch bei Ausstellungen in der Umgebung fündig zu werden. Würde mich freuen, das Kunst-Tinder auch andernorts adaptiert zu sehen.

It’s an Art Match | Kunsthalle Bremen
„It`s an Art Match“ ist Tinder für Kunstwerke. Sie matcht Euch mit 15 Werken aus der Dauerausstellung, die einen individuellen Rundgang durch die Kunsthalle Bremen ergeben.

Wer fünf Tage pro Woche arbeitet, ist noch lange nicht fünf Arbeitstage lang produktiv. Um sich dessen bewusst zu sein, braucht es kein drittes Auge. Diese halbe Überbleibsel der Nachkriegszeit gehört echt in die Tonne.

4-Tage-Woche - Unternehmen entdecken kürzere Arbeitszeiten
Vier Tage arbeiten, drei Tage frei - klingt verlockend. Bislang ist das bei Arbeitgebern aber nicht sehr beliebt. Doch eine Studie aus England zeigte begeisterte Unternehmenserfahrungen mit der 4-Tage-Woche auf. Auch in Deutschland gibt es Nachahmer.

So eine perfide Scheiße...

Ecuadorian TV presenter wounded by bomb disguised as USB stick
Lenin Artieda was one of several journalists targeted by explosive devices mailed out across the country

(via Boing Boing)


Ich weiß, dass der folgende Kommentar nicht gerade kluge Analyse der Inner Workings von Axel Springer ist. Aber ob des Clusterfucks, der die Führung von Bild zu sein scheint, ist es schon irgendwie lustig, dass es eine Abteilung gibt, die sich um People & Culture kümmern soll. Hehe.

People & Culture-Chefin Ulrike Bergler verlässt Axel Springer • Medieninsider
Im Zusammenhang mit Springers Sparprogramm sollen 41 von 101 Stellen bei People & Culture gestrichen werden.