Mehr als die Hälfte der Filme konnte ich im Kino sehen ❤️ Dass vier Dokumentarfilme auf meiner Topliste landen, hätte ich zu Beginn des Jahres auch nicht gedacht. Stabilster Banger-Lieferant bleibt weiterhin Mubi. Jane Schoenbrun, Thomas Arslan, viel magischer Realismus, motherfucking Katy O'Brian und eine demokratische Wahl als Liebesaffäre.
Es ist ein so unangenehmes Gefühl, das dieser Film produziert. Auf der einen Seite steht diese Liebe, die über zwei ganze Leben lang nie richtig sein konnte. Auf der anderen Seite steht Barbara Sukowas Figur Nina, deren Verhalten letztlich die zunächst angenommene Natur dieser Beziehung infrage stellt.
Nina ist nicht nur manipulativ, sie erkennt nur ihre eigenen Bedürfnisse als erfüllenswert an, entmündigt ihre Partnerin Madeleine und verschließt Augen sowie Ohren vor deren Lebenswirklichkeit.
Ein Schlaganfall scheint Madeleine schließlich den letzten Rest Selbstständigkeit zu rauben. Doch letztlich scheint genau dieser Moment am Rande des Todes tatsächlich ein Akt radikaler Selbstermächtigung zu sein. Denn der Film lässt durch inszenatorische Entscheidungen offen, ob die Folgen dieses Schlaganfalls für Madeleine wirklich so schwerwiegend sind, wie sie scheinen.
Ich glaube, Madeleine entscheidet sich dafür, allen bisherigen Zwängen einen Riegel vorzuschieben, sich den Kämpfen um ihre Person und dem Bild, das andere von ihr haben, zu entziehen und sich zum ersten Mal in ihrem Leben nur auf sich zu konzentrieren.
★★★½☆
BE/FR/LU, R: Filippo Meneghetti, D: Barbara Sukowa, Martine Chevallier, Léa Drucker, Jérôme Varanfrain, Muriel Bénazéraf, Trailer, Wikipedia
So farbenfroh Rochefort daherkommt, so fröhlich diese Figuren anmuten, so abgründig, finster und wütend ist alles, was diese Choreografie letztlich bestimmt.
Inzest im Verzug, sadistische Morde, in den Krieg ziehende und nie wiederkehrende Männer, das erbarmungslos kalte Schneisen durch die fröhlich anmutende Stadt schlagende Militär, die ökonomischen Zwänge in den Nacken verlassener Frauen, das gleichzeitige Begehren und Verachten von unausweichlich in der Randnotiz einer True-Crime-Geschichte endenden Sexarbeiterinnen.
Es scheint, als ob Jacques Demy sein Publikum regelrecht beschimpft oder ihm zumindest vorwirft, den Kern seines Schaffens nicht mal zu verstehen, wenn er ihn ganz konkret ausbuchstabiert und mit einem Lächeln auf den Lippen auf einem Silbertablett serviert.
★★★★½
FR, R: Jacques Demy, D: Catherine Deneuve, Françoise Dorléac, Jacques Perrin, Gene Kelly, Danielle Darrieux, Michel Piccoli, George Chakiris, Grover Dale, Jacques Riberolles, Trailer, Wikipedia
Exklusive DOK Leipzig war ich in diesem Jahr 20 mal im Kino. Ein paar Wunschfilme habe ich aus verschiedensten Gründen verpasst, aber das ist schon in Ordnung. Gefühlt war mein Kino-2023 diverser und unterm Strich auch besser. Dieses Jahr waren zwar auch viele gute Filme dabei, aber nicht so viele überraschend gute. Ich jammere also ein bisschen auf hohem Niveau.
Es ist erstaunlicherweise nicht der erwartete Mülltonnenbrand geworden. Denn eins muss man dem Film lassen: Er ist bemerkenswert weit entfernt von einer „Wir sind zu alt für den Scheiß. Außerdem darf man ja gar nichts mehr sagen!"-Nummer. Vielmehr steht hier das Bewusstsein im Vordergrund, dass das Vermächtnis des Franchise nichts ist, worauf man erstens stolz sein kann und zweitens worauf man weiter aufbauen sollte. Denn sexistische Machoscheiße ist kein Fundament, auf dem es sich zu bauen lohnt.
RIDE OR DIE weiß das und nutzt deshalb sein Budget von geschätzten 100 Millionen US-Dollar(!) dafür, andere Genrevertreter, die konsequent durch den Rückspiegel erzählen, hopszunehmen. (Irgendwo im Hintergrund flüstert Vin Diesel leise „Family" und rafft nicht, dass sich das Bikinibabe-Opening und das Grill-Ende über ihn lustig macht.)
Dass dafür ein längst totgelaufenes Franchise-Pferd mit diesen Summen noch einmal für ein letztes Rodeo aufgeputscht wird, langweilt mich letztlich aber mehr, als mich der in allen Formen gerechtfertigte Finger für FAST & FURIOUS unterhalten kann. Denn unterm Strich ist das natürlich keine sonderlich komplexe Auseinandersetzung mit dem eigenen Erbe und dem kulturellen Fußabdruck der Genrekolleg*innen, sondern mehr ein selbstgerechter Cashgrab voller Verachtung für jegliche Kreativität.
★★½☆☆
US, R: Adil El Arbi, Bilall Fallah, D: Will Smith, Martin Lawrence, Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig, Paola Nuñez, Eric Dane, Ioan Gruffudd, Jacob Scipio, Melanie Liburd, Tasha Smith, Rhea Seehorn, Tiffany Haddish, Joe Pantoliano, Trailer, Wikipedia
(c) Sabotage Filmkollektiv, Zurich University of the Arts
Letztlich hat sich der Film für mich tatsächlich über den Titel erschlossen. Wir alle wissen, was durch elektrische Energie, durch Strom möglich (geworden) ist. Wir alle haben ein rudimentäres Verständnis von der Physik hinter Strom. Aber irgendwie haftet dem auch etwas Unerklärliches, weil nicht Greifbares an.
Was aus dieser kleinen Dose in der Wand fliest, ist für den Urmenschen in uns doch irgendwie Magie – Magie, die unser aller Leben durchdringt, unseren Alltag bestimmt und auch Sinnbild für unser Miteinander, unsere Kommunikation ist.
Dem nähert sich der Film verführerisch leichtfüßig. Er macht sich fast schon lustig über die prätentiöse Bildmetaphorik ähnlicher Filme und bedient sich gleichzeitig selbst dieser Ästhetik. Lisa Gertsch puzzelt mit den gleichen Teilen wie andere auch, aber arbeitet an einem gänzlich anderen Bild.
Genau das hat mich tatsächlich an Jane Schoenbruns I SAW THE TV GLOW denken lassen. Beide Filme einen nicht unbedingt konventionelle, aber auf jeden Fall zeitgenössisch beeinflusste Bilder, derer sich jedoch auf unverbrauchte Art und Weise bedient wird.
★★★★☆
CH, R: Lisa Gertsch, D: Julia Jentsch, Michael Neuenschwander, Sophie Hutter, Nicolas Rosat, Sabine Timoteo, Jasmin Mattei, Dagna Litzenberger-Vinet, Lena Schwarz, Hans-Rudolf Twerenbold, Caspar Kaeser, Antonia Scharl, Markus Schrag, Trailer, Wikipedia
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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