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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1387 posts

Posts by André Pitz

Frankensteins neustes Projekt: Winamp

Frankensteins neustes Projekt: Winamp
(c) freestocks / Unsplash

Dass wirklich immer noch jemand diese Leiche fleddern muss, tut meinem Nerdherzen wirklich weh. Winamp war DER shit™. Und dann irgendwann halt nicht mehr.

Caschy schreibt drüben:

Man sei zuversichtlich und voll mobilisiert für den vollen Erfolg des Plans, der darauf abzielt, eine einzigartige Lösung für die Monetarisierungsprobleme von Künstlern anzubieten.

Wer aktuell auf die Plattform klickt, kann in der Sidebar den Menüpunkt „Nicht fungible Token“ ausfindig machen und das sagt eigentlich auch schon alles...

Ich empfehle stattdessen eine Tour durch das Winamp-Skin-Museum und es dann gut sein zu lassen.

Winamp: Neuer Player und Plattform-Start am 1. Juli
Es ist schon fast putzig, wie sich Medien - und unser Blog macht da keine Ausnahme - um Winamp „kümmern“. Wohl viele unserer Leser haben…

Gesehen: Tromperie (2021)

Gesehen: Tromperie (2021)
(c) Why Not Productions, La Pacte, Canal+, Cine+

Arnaud Desplechin dreht sich hier um den Begriff des Absoluten. Gibt es die absolute Liebe, die absolute Treue, die absolute Freundschaft, die absolute Ehrlichkeit und das absolut Gute im Wesen der Menschen? Es ist natürlich nicht sonderlich überraschend, dass die Antwort überaus komplex und deren Formulierung ohne Graustufen gar nicht möglich ist.

Zuerst war es für mich durchaus gewinnbringend, mich auf diese Gedankenspiele einzulassen. Zu Beginn stößt die strenge Verweigerung des Films, selbst absolute Urteile zu fällen, interessante Denkräume auf. Doch irgendwann dreht sich alles nur noch im Kreis. Da war ich dann raus.

★★★☆☆

FR, R: Arnaud Desplechin, D: Denis Podalydès, Léa Seydoux, Emmanuelle Devos, Anouk Grinberg, Mădălina Constantin, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Batman & Robin (1997)

Gesehen: Batman & Robin (1997)
(c) Warner Bros.

Ich mag diesen Batman-Camp ja eigentlich total, aber Joel Schumacher gelingt hier die Gratwanderung einfach nicht. Oder das war gar nicht sein Ansinnen, denn es fühlt sich schon so an, als ob sich der Film sehr bewusst über die Vorlagen lustig macht – und das steht ihm nicht sonderlich gut zu Gesicht. Denn bereits nach sehr kurzer Zeit gehen dem Drehbuch alle halbwegs erträglichen Sprüche im Zusammenhang mit Kälte und Eis aus, alle Figuren reden nur noch in Floskeln miteinander.

Was ich mochte, ist die Betrachtung der Gesellschaft von Gotham, mit ihrem absoluten Überfluss, dem moralisch verkommenem Baden im Luxus, ihrer inhärenten Menschenfeindlichkeit und rassistischne sowie sexistischen Herabwürdigungen an der Tagesordnung, gepaart mit der Verbrüderung mit einem faschistischen Verwaltungsapparat.

Aber dann hampeln Batman und Robin maximal paternalistisch durch immer zäher werdende zwei Stunden Spielzeit und am Ende ist es doch irgendwie die verführerische Femme fatale, die die armen Menners in ihren Bann zieht und Gotham in den Abgrund stößt 🤷‍♂️

★½☆☆☆

US, R: Joel Schumacher, D: George Clooney, Chris O'Donnell, Uma Thurman, Arnold Schwarzenegger, Alicia Silverstone, Michael Gough, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Do Not Expect Too Much from the End of the World (2023)

Gesehen: Do Not Expect Too Much from the End of the World (2023)
(c) Mubi

Was für ein wilder Ritt, der so vollgepackt ist, dass ich gar nicht weiß, was ich hier letztlich hervorheben soll…

Der größte Elefant im Raum (und deshalb natürlich auch schon sehr oft erwähnt) ist sicherlich Jean-Luc Godards Spätwerk. Konkret an den grundpessimistischen und durchaus misanthropischen LE LIVRE D'IMAGE (2018) habe ich sehr oft denken müssen. Beide Filme eint auf Formebene ihr radikal fragmentarischer Stil und eine Wirkung, die sich in großen Teilen nicht vorrangig durch das Abgebildete entfaltet, sondern nur durch die Montage entsteht. Nur entscheidet sich Radu Jude letztlich dafür, seine Gesellschaftssektion durch das Herausarbeiten der absurd komischen Auswüchse des Spätkapitalismus vorzunehmen und dabei den Vergleich mit Godard nicht nur selbst aufzugreifen, sondern in meinen Augen auch abzuwehren.

In Emojis ausgedrückt: 🤡🔫

Von Neokolonialismus über ganz „normale“ Ausbeutung bis zur gesellschaftlichen Verrohung pflügt Jude einmal quer durch eines der ärmsten Länder der Europäischen Union. Dabei gelingt ihm ein sehr bemerkenswertes Kunststück: Viele seiner Figuren sind unheimlich ambivalent und lassen sich in kein Gut-und-böse-Schema einordnen. Da ist die Produktionsassistentin, die auf der einen Seite aufs Übelste Ausgebeutet wird, ihre Lebenszeit durch stundenlanges Herumfahren wortwörtlich verschwendet und dabei problemlos aus Goethes „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“ zitieren kann und sich auf der anderen Seite mit derben Insta-Storys auf einer Ebene mit Charlie Hebdo sieht. Oder der Regisseur, der dessen kulturelles Wissen und künstlerischer Anspruch anerkennenswert sind, er seine Fähigkeiten jedoch aufgrund des großen ökonomischen Drucks in der Werbung verpulvern muss und damit letztlich auch nur ein Vasall genau des Kapitalismus ist, der Menschen wie ihn eigentlich kaputtmacht. Und obendrauf müssen alle irgendwie damit klarkommen, dass die Hälfte unserer Mitmenschen einfach mit der Realität oder zumindest grundlegenden Regeln des Anstands gebrochen haben, menschenfeindliche Parolen wiederholen und mit offen faschistische agierenden Personen kein Problem zu haben scheinen.

Menschen können eine sensible Künstler*innenseele haben und gleichzeitig einem skrupellosen Konzern dabei helfen, dessen Hände in Reinheit zu waschen und Absätze durch die Anregung stumpfen Konsums auf Kosten von Mensch und Umwelt zu maximieren.

Und dann gibt es da diese eine Sequenz, in der minutenlang einfach nur die zum Gedenken an tödlich verunfallte Autofahrer*innen aufgestellten Kreuze entlang einer Straße gezeigt werden. Dieser Abschnitt sticht besonders aus dem Chaos des Films heraus. Nach einigem hin und her überlegen, habe ich für mich eine Bedeutung herausarbeiten können: Die Aufnahmen heben sich ab, weil sie nicht der Filterlogik des Films folgen. Ist die Produktionsassistentin unterwegs, ist das Bild schwarz-weiß. Macht sie ihre Insta-Storys, transmutiert ein Filter ihr Gesicht. Bei den Dreharbeiten für einen Imagefilm ist unser Blick gleichzeitig der Blick durch die Kamera des dort werkelnden Filmteams. Nur der Blick auf die Kreuze scheint wirklich unmittelbar und unverfälscht zu sein. Ein bisschen hat sich das für mich angefühlt, als ob Jude damit etwas à la „Eine Rettung ist noch möglich – und wenn es durch den Tod ist“ sagen möchte. Und irgendwie liegt darin für mich auch ein Gefühl des Friedens.

★★★★☆

🇭🇷/🇫🇷/🇱🇺/🇷🇴, R: Radu Jude, D: Ilinca Manolache, Nina Hoss, Dorina Lazăr, Uwe Boll, Trailer, Wikipedia
Erwarte nicht zu viel vom Ende der Welt - Stream: Online
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Data porn & porn data

Data porn & porn data
(c) Taras Chernus / Unsplash

(Die Überschrift konnte ich mir nicht verkneifen.)

Stephen Follows hat im Auftrag des Economist untersucht, ob, wie und ein bisschen auch warum Sex in Spielfilm eine immer kleiner werdende Rolle spielt.

We looked at the top 250 grossing films of each since 2000, tracking the level of sexual content via signals from film rating bodies and film databases.

Und weiter:

Comapring each year to the baseline of 2000, we can see a steady decline in the amount of sex in feature films. By 2023, it had fallen by almost 40% from the start of the century.
Why is sex in movies declining?
A couple of years ago, I looked into whether erotic thrillers were indeed dying out or if it was just availability bias due to the fact that the main examples which come to mind are mostly from the 1980s.

Mir ist der Diskurs rund um dieses Thema, der oft Bezug auf die Gen Z nimmt, auch nicht entgangen. Zuletzt regelrecht irritiert davon war ich bei SALTBURN (2023), bei dem in meiner Tiktok-Blase gerade bei Vertreter*innen der Gen Z oft das Wort „verstörend“ in den Mund genommen wurde, während ich beim besten Willen nichts ausmachen konnte, das eine solche Reaktion bei mir hervorgerufen hätte. (Vielmehr sind diese Szenen einfach nur das folgerichtige und dadurch gewissermaßen auch erwartbare Ergebnis der vorangegangenen Ereignisse. Aber diese Wahrnehmung ist wahrscheinlich eine andere Diskussion.)

Gesehen: Conquest of the Planet of the Apes (1972)

Gesehen: Conquest of the Planet of the Apes (1972)
(c) 20th Century Studios

Die Unausweichlichkeit des Faschismus, die Arroganz, Hybris und Überheblichkeit, mit der sich der Mensch an der Spitze der Nahrungskette sieht, der den Menschen anhaftende Gottkomplex – alles schön und gut. Nur fehlt dem hier einfach der filmische Unterbau. Eine Aneinanderreihung von sich immer und immer wieder gleichenden Szenen, die nur unterbrochen werden von Momenten, in denen sich die Figuren im Dialog oder Monolog das Geschehen sicherheitshalber nochmal erklären, ain’t it.

★★☆☆☆

US, R: J. Lee Thompson, D: Roddy McDowall, Don Murray, Ricardo Montalban, Hari Rhodes, Trailer, Wikipedia
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