Skip to Content

André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

1376 posts

Posts by André Pitz

Marques Brownlee und Walt Mossberg sprechen mit Kara Swisher über the Art of the Tech Review

Marques Brownlee und Walt Mossberg sprechen mit Kara Swisher über the Art of the Tech Review
(c) Marques Brownlee

Marques Brownlee hat vergangenen Monat den AI Pin von Humane reviewt und folgendes Urteil auch in den Titel seines Youtube-Videos gegossen: „The Worst Product I've Ever Reviewed… For Now“. Nicht alle im Internet fanden das gut, manche Stimmen meinten sogar, Brownlee dürfe seine „Macht“ nicht „missbrauchen", weil dadurch doch arme kleine Start-Ups vor die Wand fahren könnten. Eine der besseren Zusammenfassung hat erstaunlicherweise Know Your Meme.

Jedenfalls wurde danach viel darüber gesprochen, was Reviews und Reviewer*innen leisten können, sollen und dürfen. Am interessantesten finde ich bisher die Podcast-Episode von On with Kara Swisher, in der Kara Swisher den legendären Tech-Journalisten Walt Mossberg und besagten Marques Brownlee zusammen vors Mikro setzt und über Ethics in Tech-Review-Journalism spricht.

Sie eröffnet den Podcast mit dem Zitat eines Artikels über Walt Mossberg (via Daring Fireball) in der Wired:

Walt Mossberg is walking through a convention hall at the Consumer Electronics Show in Las Vegas when a man starts screaming at him. The screamer, Hugh Panero, blames Mossberg for his company’s recent problems: falling stock price, a sudden plunge in consumer interest. Mossberg is annoyed but hardly intimidated. As the author of the weekly “Personal Technology” column in The Wall Street Journal, he’s used to dealing with disgruntled execs. He lets Panero shout. A crowd is gathering. Finally, Mossberg yells back, “I don’t give a fuck about your stock price!”

Und eigentlich bedarf es danach keiner Worte mehr. Trotzdem ist das gesamte Gespräch natürlich sehr hörenswert. Es geht unter anderem über die besondere Nähe zwischen Tech-Presse und Tech-Businesses und dem Missverständnis auf Seiten der Start-Ups und Konzerne, dass alle doch im selben lager seien und fürs selbe Team spielten.

Und falls das hier nicht eindeutig genug durchscheinen sollte: I don't give a fuck about your stock price either. Journalist*innen, die das anders sehen, machen keinen Journalismus.

Gesehen: Argentina, 1985 (2022)

Gesehen: Argentina, 1985 (2022)
(c) Amazon Studios

Was dem Film gelingt, ist die Vielschichtigkeit eines derartigen Gerichtsprozesses zu transportieren. Der eine „Kampf“ muss im Gerichtssaal ausgefochten werden, der andere eben draußen in den Köpfen der Bevölkerung. Wer die Menschen nicht von der Wichtigkeit eines solchen Prozesses überzeugen, für die demokratische Sache, für Recht, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit gewinnen kann, der hat den Kampf schon vor dem Urteil verloren. Doch das ist – gerade 1985 – gar nicht mal so leicht. Die Arbeitslast, die Art der Arbeit und die damit einhergehenden Gefahren isolieren. Diesem verengten Horizont verleiht der Film durchaus gekonnt Ausdruck.

Unterm Strich kommt ARGENTINA, 1985 dann aber leider doch als spröde inszenierter Schinken daher. Der Film verwendet praktisch all seine Energie auf die Herstellungen eines möglichst detaillierten Zeitkolorits. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich formal auf sehr gewöhnlichen Bahnen zu bewegen.

★★★☆☆

AR/GB, R: Santiago Mitre, D: Ricardo Darín, Peter Lanzani, Alejandra Flechner, Paula Ransenberg, Carlos Portaluppi, Antonia Bengoechea, Laura Paredes, Brian Sichel, Norman Briski, Héctor Díaz, Trailer, Wikipedia
Argentinien, 1985 - Nie wieder - Stream: Online anschauen
Gibt es Argentinien, 1985 - Nie wieder auf Netflix, Prime Video, WOW, Disney+? Jetzt online Stream finden!

Apple schlägt die regelrecht kunstfeindliche Entlohnung von Kreativen vor

Apple schlägt die regelrecht kunstfeindliche Entlohnung von Kreativen vor
(c) Omar Rodriguez / Unsplash

Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass riesigen Tech-Konzernen natürlich Kunst und Künstler*innen nicht am Herzen liegen, sondern einzig und allein Profit. Apple hat jüngst erst wieder mit einem ziemlich ignoranten Werbspot bewiesen, dass dem so ist.

Jetzt der nächste Beweis: Apple spielt offenbar ganz konkret mit dem Gedanken, Filme- und Serienmacher*innen, die für die hauseigene Streaming-Plattform produzieren, abhängig von Faktoren wie den wegen des Films/der Serie abgeschlossenen Abos oder Watchtime zu bezahlen.

Apple positioniert Apple TV+ seit jeher als ein Premium-Angebot, bei dem Klasse statt Masse zählt. Diese Pläne zeugen jedoch vom genauen Gegenteil. Wer Bezahlung in diese Faktoren knüpft, wird keine Kunst bekommen, sondern generische Massenware, die um jeden Preis gefallen will und stumpf auf Audience Retention geschnitten bzw. geschrieben ist.

Konkreteres von Bloomberg zitiert Brian Welk bei Indiewire:

Bloomberg obtained a memo that suggests creators would get bonuses based on three criteria: (1) how many people sign up for Apple TV+ to watch your program, (2) the amount of time people spend watching it, and (3) how much your program costs relative to how many people watch it. The creatives behind three best-performing shows could make as much as $10.5 million for a single season of television.
Apple TV+ Is Pitching a New Compensation Model for Creators — Report
Apple, Netflix, and Amazon are all tinkering with ways in which to pay talent working in streaming based on performance.

Gesehen: Godzilla Minus One (2023)

Gesehen: Godzilla Minus One (2023)
(c) Peppermint, 24 Bilder

Komplett ohne Godzilla aufgewachsen und auch heute ohne besondere Verbindung zum nuklearen Waran muss ich sagen, dass GODZILLA MINUS ONE für mich der bisher rundeste Film rund um das Monster war. Der Film wartet mit gelungenen Variationen des klassischen Godzillas und GODZILLAs auf – sowohl thematisch als auch Musikalisch und visuell.

Überrascht hat mich, wie direkt und klar sich dieser Film mit den gesellschaftlichen und persönlichen Kriegstraumata auseinandersetzt. Klar haben das andere Godzillas auch schon getan, aber hier geschieht das in einer für mich neuen unerwarteten Klarheit, ohne dabei (im Rahmen des Unterhaltungskinos) zu dick aufzutragen.

Es geht um Überlebensschuld und die Frage, ob man selbst das Zünglein an der Waage hätte sein können, das Millionen Kriegstote verhindert hätte. Nur woher rührt diese Frage? Einerseits natürlich von posttraumatischem Stress, andererseits aber, weil Bevölkerung und Soldaten bewusst von der politischen Führung des Japanischen Kaiserreiches mit ihr indoktriniert wurden. Siege sind Siege des glorreichen Japans, Niederlagen sind auf das Versagen eines jeden Individuums zurückzuführen, das nicht seinen erwarteten Teil zum Krieg beigetragen hat.

Genau deshalb ist es auch so ein starkes Bild von GODZILLA MINUS ONE, seine Protagonist*innen von militärischen Methoden abkehren zu lassen, einen zivilen Zusammenhalt zu beschwören und letztlich die Wissenschaft siegen zu lassen.

Das alles ist eingebettet in eine angenehm leichtfüßige Inszenierung, die nicht nur großartig aussieht, sondern auch der breiten Historie dieser Filme gebührenden Respekt zollt, ohne sich von diesem Erbe in Geiselhaft nehmen zu lassen.

★★★★☆

JP, R: Takashi Yamazaki, D: Ryunosuke Kamiki, Minami Hamabe, Yuki Yamada, Munetaka Aoki, Hidetaka Yoshioka, Sakura Ando, Kuranosuke Sasaki, Trailer, Wikipedia
Godzilla Minus One - Stream: Jetzt Film online anschauen
Gibt es Godzilla Minus One auf Netflix, Prime Video, WOW und co? Jetzt online Stream finden!

Gesehen: Violent (2014)

Gesehen: Violent (2014)
(c) Under The Milky Way

VIOLENT vereinnahmt mit seiner melancholisch-nostalgischen Stimmung wirklich gekonnt und rahmt so berührend Momenten zwischen vermeintlich kindlicher bzw. jugendlicher Unschuld und den schmerzlichen Realitäten des Erwachsenwerdens von Verlusten und Ungerechtigkeiten, die in dieser Gesellschaft und auf diesem Planeten herrschen bis hin zu regelrechten Bedrohungen für die eigene körperliche und psychische Unversehrtheit.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich gleichzeitig auch nie gänzlich des Eindrucks erwehren, hier in seiner Form doch auch ein bisschen affektierten Kitsch zu sehen. Der Film suhlt sich mitunter selbstgefällig in seiner pseudo-avantgardistischen Bildsprache und scheint so eine Komplexität vorzutäuschen, die einfach nicht gegeben ist. Es hätte dem Film besser zu Gesicht gestanden, selbstbewusster die eigenen Grenzen zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten.

★★★½☆

CA/NO, R: Andrew Huculiak, D: Dagny Backer Johnsen, Karl Bird, Tor Halvor Halvorsen, Yngve Seterås, Mari Sofie Andreassen, Tomine Mikkeline Eide, Bryn Bowen, Trailer, Wikipedia
Violent - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Violent” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Gesehen: Girls State (2024)

Gesehen: Girls State (2024)
(c) Apple TV+

Ich will hier gar nicht erst damit anfangen, die Vergleiche zu BOYS STATE zu ziehen. Denn das ist der maximal uninteressanteste Einfallswinkel für die Betrachtung von GIRLS STATE. Dem Film gelingen genug interessante und davon losgelöste Beobachtungen.

Ein großes übergeordnetes Thema sind sicherlich Rollenbilder, in die die jungen Frauen gezwungen werden, in die sie sich selbst zwingen oder denken zwingen zu müssen. Wenn Emily Worthmore, die sich um den Posten der Gouverneurin bewirbt, in Tränen ausbricht, weil sie am Buffet ihren Teller fallenlässt, dann ist das natürlich Ausdruck des immensen Drucks, unter dem sie steht – jedoch nicht (nur) innerhalb des Planspiels, sondern viel mehr im alltäglichen Leben. Für viele der jungen Frauen scheint das (eigentlich sehr ernste und strapaziös anmutende) Spiel sogar eine willkommene Auszeit davon ist, in der „echten“ Welt immer die richtige Maske zu wählen.

Emily Worthmore ist eine sehr faszinierende Figur – für mich, weil sie immer von sich behauptet, so konservativ und gläubig zu sein, aber sich praktisch nie inhaltlich positioniert. Mein Verdacht ist hier, dass sie einfach ihr noch junges Leben lang regelrecht indoktriniert wurde, sie nun realisiert, dass „konservativ“ und „gläubig“ leere Worthülsen sind und nun für sich erstmal herausfinden muss, mit welchen eigenen Werten sie diese Hülsen füllen will.

Deshalb ist es dem Film auch hoch anzurechnen, dass Emily nicht als die verkümmerte konservative Stimme porträtiert wird, die in dieser Welt nichts zu suchen hat. Stattdessen ist es ihre Entwicklung, die den Epilog schreibt und das Erarbeiten von Überzeugungen sowie tatsächliche politische Willensbildung zeigt.

Aus handwerklicher Sicht hat der Dokumentarfilm jedoch ein riesiges Problem: Er entwickelt keine kritische Distanz zu dem von ihm begleiteten Planspiel. Letztlich ist der Film nämlich nah dran, dieses Spiel als kleine Insel der – wenn auch nicht gänzlich fehlerfreien – Utopie zu zeichnen. Dass Politik jedoch nicht nur innerhalb eines Zwei-Parteien-Systems gemacht, gesellschaftlicher Wandel oft auch auf ganz anderen Wegen angestoßen wird und es durchaus eine Option ist, das gesamte System zur Debatte zu stellen und es nicht bloß als notwendiges Übel zu betrachten, vergisst der Film – oder will es nicht zeigen.

US, R: Jesse Moss, Amanda McBaine, Trailer, Wikipedia
Girls State - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Gibt es Girls State auf Netflix, Prime Video, WOW, AppleTV+ oder Disney+ und co legal? Jetzt online Stream finden!