Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist mein kleines Blog hier Mitglied beim von Thomas initiierten Webring namens UberBlogr.
Damals schrieb ich:
Seit geraumer Zeit schreibe ich wieder hier vermehrt auf meiner eigenen Seite ins Internet. Die Implosion von Twitter hat mich zurück zum Gedanken, seine eigener Herr auf der eigenen Plattform zu sein, gebracht. Viele andere Mensch machen das ebenfalls wieder oder haben nie damit aufgehört.
Daran hat sich eigentlich nicht viel geändert – nur die Zahl von Menschen, die mittlerweile Teil des Webrings sind. 101 Blogger*innen sind es in dem Moment, in dem ich diese Zeilen tippe. Ein paar davon habe ich separat im RSS-Reader, aber ich auch über den Sammelfeed mit den Seiten aller Mitglieder lese ich sehr viel mit.
Das ist etwas, das ich genau seit diesem halben Jahr wieder vermehrt tue: mir die Zeit nehmen, auf andere Blogs zu klicken, in Ruhe andere Gedanken hören und Perspektiven sehen. Nach fast 15 Jahren Twitter(†) und nun Bluesky, dem Überfliegen der kurzen Textschnipsel in unendlichen Feeds mit einem Like hier und da, musste ich mir das auch erst mal wieder für nichtjournalistische Inhalte angewöhnen.
Was ich gerne öfter machen würde: mehr kommentieren und öfter auf schöne Inhalte der anderen auch hier im Blog hervorheben.
Thomas schreibt:
Seit April haben die Mitglieder über 5.000 Beiträge geschrieben. Von wegen, „Bloggen ist tot“!
Lange Jahre lief diese Seite in ihren verschiedensten Iterationen auf einer selbst gehosteten Wordpress-Instanz. Ich wollte im Hintergrund nicht von einer Plattform abhängig sein, gleichzeitig die Kontrolle über meine Seite behalten und dafür den Weg des geringsten Widerstands gehen. Und Wordpress ist, wenn man einmal einen Webspace hat, vergleichsweise einfach einzurichten und bietet dann umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten. Da ich keine einzige Zeile Code beherrsche, war das für mich immer der größte Selling Point. Ja, Wordpress wurde über die Jahre hinweg wirklich immer weiter aufgeblasen. Gestört hat mich das nie großartig.
Was mich jedoch extrem stört, ist Matt Mullenwegs Verhalten und die potenziellen Folgeschäden für das freie Internet. Die Kolleg:innen von The Verge haben einen übersichtlichen Story-Stream zum Nachlesen des ganzen Mad-King-Arcs zusammengestellt. Theo Browne hat auch ein kurzweiliges Video darüber gemacht.
All das hat dazu geführt, dass ich mich nach sehr langer Zeit mal wieder nach Alternativen umgesehen habe. Ghost sah sehr verführerisch aus, funktioniert aber nicht einfach so mit meinem aktuellen Hosting-Vertrag. Kirby macht mich auch ziemlich an, aber um das meinen Bedürfnissen anzupassen, reicht Stack Overflow auch nicht 😅 Also bin ich in der Welt der Static Site Generatoren gelandet. Am wohlsten habe ich mich letztlich mit Hugo gefühlt. Damit lassen sich datenbanklose Blogs bauen, die mit simpel aufgebauten Markdown-Dokumenten gefüttert werden. Text ist Text und lässt sich dadurch viel leichter von System zu System umziehen.
Wie sinnvoll es ist, darauf zu achten, habe ich beim Export aller meiner Beiträge von Wordpress gemerkt. In den Posts waren so viele Tags irgendwelcher Auszeichnungssprachen „versteckt", dass ein Import in ein anderes Blogsystem alles, nur kein ansehnliches Ergebnis produzierte.
Wie gesagt, ich beherrsche keine einzige Zeile Code. Aber zumindest kann ich meine grundlegenden Vorstellungen einem LLM mitteilen. Jedenfalls hat mir ChatGPT ein paar Skripte geschrieben, mit denen ich den Wordpress-Export erst bereinigen und dann in ein Hugo-verträgliches Layout überführen konnte.
Und da sind wir jetzt.
Ich habe mich bewusst für eine noch minimalistischere Optik als zuvor entschieden und hoffe, dass alles den Umzug gut überstanden hat. Denn knapp 1.000 Posts wollte ich nach dem Konvertieren dann auch nicht noch mal händisch überprüfen. Schreibt mir gerne, falls euch Fehler auffallen. Kommentare gibt es leider (noch) nicht, aber das baue ich später noch ein.
Am Sonntag ging die 67. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm, kurz DOK Leipzig, mit einem Besucher:innen-Rekord zu Ende. Besonders in Zeiten, in denen sich das Kino noch nicht von Corona erholt hat, hat mich das sehr gefreut. Mein letztes „richtiges" DOK war tatsächlich 2020 – mitten in der Pandemie und deshalb auch nur online. Deshalb hat es mich dieses Jahr sehr gejuckt. Also habe ich mich für drüben sechs Tage lang ins Kino gesetzt und mich vorrangig durch deutsche und internationale Wettbewerbsfilme geschaut. 13 Sichtungen sind es letztlich geworden.
Bevor ich zu den Filmen komme: Danke an das großartige DOK-Team und vor allem den zahlreichen Volunteers, die das DOK Leipzig 2024 (für mich) zu einem sehr smoothen und angenehmen Festival gemacht haben.
Was hingegen weiterhin eine international verbreitete Festivalkrankheit zu bleiben scheint, ist der Programmkalender aus dem vergangenen Jahrtausend. Ich möchte doch einfach nur meine Wunschfilme markieren, dann einen Plan mit sich nicht überschneidenden Screenings bekommen und das dann bitte als iCal downloaden können.
Was gab's stattdessen? Eine Seite, bei der man im Darkmode nicht alle Kontrollelemente richtig sieht und deshalb erstmal laaange verzweifelt sucht, bis man das checkt und bereits gebuchte Tickets wieder löschen kann. Ich weiß, als Presseheini, der keinen Cent für die Tickets zahlt, ist das ziemliches Mimimimi. Aber wer umdisponieren musste, kam schnell in die Bredouille, weil auf die Akkreditierung nur fünf Tickets gleichzeitig gebucht werden konnten.
Anyways, kommen wir zu den Filmen. Ich habe viele Stimmen gehört und gelesen, die den beiden Dokumentarfilm-Wettbewerben in diesem Jahr nur ein mittelmäßiges Zeugnis ausstellen konnten. Mit meinem kleinen gesehenen Querschnitt würde ich mich dem anschließen. Natürlich gab es trotzdem auch wirklich überragende Filme.
Ein erschütternder wie niederschmetternder Film, der zeigt, wie im Auftrag der griechischen Regierung und Europäischen Union systematisch geltendes Recht gebrochen wird. Fick dich, Festung Europa! Eines der hier gezeigten Nachfolgelager von Moria wird von der Verwaltung stolz als „sicherer" bezeichnet. Sicher ist hier vor allem eins: dass sichergestellt wird, den geflüchteten Menschen den letzten Rest ihrer Würde zu nehmen. Das Lager ist ein Orwellscher Fiebertraum und ein Ort, an dem die wenigen verbliebenen Grundrechte dieser Menschen beerdigt werden.
Formal weckt MORIA SIX tatsächlich Erinnerungen an THE ZONE OF INTEREST. Es sind die starren, kühlen und mit einem erdrückenden Dröhnen unterlegten Bilder, die hier eine quälend unangenehme und gleichzeitig fesselnde Atmosphäre erzeugen. Die Kamera fängt in einer ästhetischen Unvermeidbarkeit Bilder ein, die unweigerlich an die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. Ob dieses Stilmittel gerechtfertigt ist, ist streitbar. Aber es zwingt, sich intensiv mit diesem humanitären Armutszeugnis auseinanderzusetzen und eine Haltung zu entwickeln, die über ein „Jaja, schon schlimm da. Anyways, was läuft auf Netflix?" hinausgeht.
Direkt habe ich an HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE denken müssen. Denn wahrscheinlich vermögen es nur solche Langzeitbeobachtungen, derartige Themenkomplexe auch auf einer rein emotionalen Ebene zumindest teilweise erfahrbar zu machen. Denn rein rational betrachtet ist dieser Stoff natürlich schnell durchdrungen. Aber wenn ein Film sich die Zeit nimmt, einfach mal dabei zu sein und nicht mit Fragen das Spielfeld abzustecken, dann entsteht nicht nur Verstehen, sondern letztlich auch Verständnis. Und das baut auch Vorurteile ab.
Für den westlichen Blick ist dieser Film eine absolute Überraschung und auch Irritation. Denn man ist zwar vor allem von der katholischen Kirche allerlei Hokuspokus gewohnt, aber durch einen Spinnenbiss fortan von der Tarantel besessene Frauen, die sich nur einmal im Jahr während eines ekstatischen Rituals wortwörtlich freitanzen können, das ist noch mal ein anderer Schnack.
Und so beginnt es: Als Dokument eines absurden Rituals vermeintlich religiös Indoktrinierter, stets mit der Kritik an Fundamentalismus, antiaufklärerischer Unterdrückung und institutionalisierter Religion im Subtext.
Aber dann schält sich der Film noch einmal und eröffnet eine unerwartete Perspektive auf die von der Tarantel besessenen Frauen. Denn es wird immer klarerer, dass sie sich dieses Unterdrückungsinstrument der Kirche ermächtigt haben und es nun dafür einsetzen, patriarchalen Strukturen zu entkommen.
Der Filme hält sienem Publikum klug den Spiegel vor. Denn einen leicht abschätziger Blick auf diese an solchen Quatsch glaubenden Menschen – ob nun gespielt oder nicht –, werden wohl viele mindestens einmal werfen.
Eine sehr herzlich-warme Geschichte über Solidarität und die enorme Wichtigkeit gemeinsamer Ankerpunkte, die über den einen Moment in der Zeit hinaus Stabilität, Gemeinschaft, Halt und Kraft geben.
Wovon ich außerdem überzeugt bin: Dieser Film muss mit einem möglichst großen Publikum gesehen werden. Denn selbst bei meinem Screening, im vergleichsweise weltoffenen Leipzig mit Festivalpublikum, wurde super viel gelacht. Bezeichnend und absolut entlarvend ist dann, in welchen Momenten gelacht wurde. Denn ich frage mich, was so lustig daran sein soll, wenn ein Vater über Wohnort und Beziehungsstatus seiner volljährigen Tochter entscheiden will und das auch noch unverhohlen in die Kamera sagt. Es zeigt, wie tief eine abschätzige Haltung gegenüber aus anderen Kulturkreisen stammenden Menschen in uns sitzt.
Es ist ein "Hahaha, schau mal, die gehen ja noch wie im Mittelalter miteinander um", während das Patriarchat hier genauso die Gesellschaft bestimmt – nur eben in anderen Ausprägungen.
Es ist nicht leicht von Täter*innen abzustammen und es ist nicht leicht, von Opfern abzustammen – in etwa so bringt einer der Protagonisten dieses Films das ganze Spannungsfeld sehr treffend auf den Punkt. Denn wie umgehen mit diesem Trauma, dieser unbeschreiblichen Ungerechtigkeit, wenn den Täter:innen nicht mehr beigekommen werden kann? Wenn sie genau wie Überlebende sterben, bis niemand mehr von den Taten berichten kann und sich auch mangels offizieller Anerkennung schließlich alles im Sande verläuft?
Wie kann dieses Leid gelöst werden? Ob das die Kunst, wie der Film mit seinen Protagonist*innen teilweise zu ergründen versucht, vermag, weiß ich nicht. Und ich glaube, der Film weiß das auch nicht. Was er hingegen genau weiß: was Gerechtigkeit bedeutet.
Eine Reihe von Zufällen, die fast schon zu gut sind, um wahr zu sein – zusammengebunden in einer Art heiterer cinephiler Schnitzeljagd. Dass dieses Thema ausgerechnet Dominique Cabrera in den Schoß fällt, ist einer dieser genialen Zufälle.
Letztlich dreht sich diese Spurensuche um die Macht der Bilder, nicht nur Geschichten zu erzählen, sondern auch Geschichten in der Zeit einzufrieren, sie Generationen überdauern und dann wieder auftauen zu lassen. Doch dann können diese Geschichten durch die Finger rinnen und laufen Gefahr, auf ewig zu versickern.
Was diesen Film so faszinierend macht, sind die familiären Verflechtungen Dominique Cabreras mit Chris Marker und die konsequent persönliche Perspektive. Man könnte dem Film eine gewisse Eitelkeit und Hang zur Nabelschau vorwerfen. Das wäre jedoch fehlgeleitet, denn letztlich ist es genau das, was der Film braucht und was ihn so sympathisch macht.
Ich mag Filme, die von mir bisher sehr stiefmütterlich behandelte Arten künstlerischen Ausdrucks für mich aufschließen. Hier ist es eben die Architektur, die ich zuvor als sehr elitäres, nur sehr wenig demokratisiertes Medium gesehen habe. Daran hat auch dieser Film nicht viel geändert. Aber er hat mir eine neue Perspektive eröffnet, die über meine sehr durch ästhetische Kriterien geprägte Betrachtungsweise von Architektur hinaus geht.
Jetzt ist mir klar geworden, dass die eigentliche Kunst nicht zwingend das Objekt ist, sondern wie die Menschen in dessen Umgebung dazu in Beziehung gesetzt werden, wie sie sich durch das Bauwerk bewegen. Das sind auch die Momente, die Architektinnen nur erahnen, aber nie mit Sicherheit vorhersagen können. Das resoniert total mit meiner Haltung zu Kunst: Ist das Werk einmal in der Welt, gehört es nicht mehr den Künstlerinnen, sondern dem Publikum. Die Deutungshoheit haben nur die Rezipient*innen.
Vielleicht hat mich hier deshalb auch das Voiceover so gestört. Denn dessen Text hat den Denkraum doch arg eingeschränkt und den ganzen Film auf Schienen ohne Weichen gesetzt.
Zweifelsohne sind das wunderschöne Bilder und viele tolle, kleine Beobachtungen, die hier eingefangen wurden. Und es ist auch spannend zu sehen, wie nah Kunst und Wissenschaft als vermeintlich gegensätzliche Arten, die Welt wahrzunehmen, doch eigentlich sind. Denn je mehr beide Felder miteinander verschränkt werden, desto klarer wird: Es scheint einen Punkt zu geben, ab dem Wissenschaft zur Kunst und Kunst zur Wissenschaft wird. Beide eint wiederum das Streben danach, eine Beschreibung für das Unbeschreibbare finden zu wollen.
Meiner Meinung nach gelingt dem Film jedoch keine wirklich produktive Tiefe. Viele Erkenntnisse zu entweder zu banal und derart komplex, dass der Film aufhört zu versuchen, das zu erklären.
Vielleicht waren es auch zu viele Worte, die den Film haben stolpern lassen. Weil das genau die Momente unterbricht, in denen die Kamera in schwelgerischen Motiven badet und so Raum zum Fühlen und Erfahren dessen ist, wofür es noch keine richtigen Worte zu geben scheint.
Nicht umsonst haben mich viele Bilder an den Monolithen aus 2001: A SPACE ODYSSEY oder Éric Rohmers LE RAYON VERT mit dem letzten grünen Leuchten der Sonne, bevor sie hinter dem Horizont verschwindet, denken lassen. Aber diese fast schon metaphysische Ebene erreicht TRACING LIGHT nicht. Vermutlich will er das auch noch. Aber wahrscheinlich ist genau das sein Fehler.
Diese sich auch in den Bildern abzeichnenden Kontraste zwischen dieser etwas schrottigen Oase auf der einen und der sozialistisch-realistischen Architektur auf der anderen Seite entfalten eine besonders ab dem Moment eine eindrückliche Wirkung, ab dem Russland Angriffe auf Kyjiw flog. Denn es ist ironischerweise Putins Angriff, der hier anscheinend wieder etwas mehr Einigkeit schafft.
Der Film ist aber auch Charakterstudie eines Menschen, einer Frau, die die Sowjetunion, deren Fall und die nachfolgende Zeit im ehemaligen sowjetischen Satellitenstaat Ukraine erlebt hat. Einer Frau, die sinnbildlich für Generationen steht, die Staat und Autoritäten über weite Strecken ihres Lebens nie trauen konnten. Das hat etwas nachhaltig zerstört – oder eben gar nicht erst gedeihen lassen.
So ist die Protagonistin – nicht im umgangssprachlich abwertenden, sondern im wertfreien Wortsinne – asozial. Sie glaubt, als einzige alles besser zu wissen – nicht, weil sie überheblich ist, sondern weil sie es Jahrzehntelang für sich besser wissen musste, um ihr Leben zu bestreiten.
Nur ist diese Erkenntnis nicht sonderlich neu und ich bin mir nicht sicher, was mir dieser Film sonst noch anbietet. Ich bin mir nicht mal sicher, wie authentisch die Szenerie wirklich ist. Denn die Kamera ist so nah dran, dass sich die Protagonistin mehrmals offensichtlich selbst überinszeniert. Selbstinszenierung lässt sich mit einer Kamera in der Nähe natürlich nie gänzlich überwinden. Aber hier hätte etwas mehr Distanz gutgetan, glaube ich.
Es ist schon interessant und zu einem gewissen Grad auch faszinierend, nicht nur von außen auf eine solche kultartige Gemeinschaft blicken, sondern mittendrin sein und die vielen Geschichten so vieler auf unterschiedliche Art und Weise gebrochener Leben und/oder Biografien erfahren zu können. Nur zu neuen Erkenntnissen hat das bei mir irgendwie nicht geführt. Zu ähnlich sind sich dann doch die Strukturen dieses Kults und denen eines jeden anderen.
Was nur am Rande Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass es nach der Implosion der Sowjetunion offenbar eine regelrechte Welle an Jesus imitierenden Gurus gab, die sich in Siedlungen fernab der Zivilisation zur gottgleichen Gestalt erhoben. Aber dieses Phänomen lässt sich nicht entlang der intimen Langzeitbeobachtung einer Gemeinschaft erzählen. Und die Gemeinschaft, diese Menschen lassen sich mit dieser Nähe nicht erzählen, wenn erst ein abstraktes und damit distanziertes Religionssoziologie-Seminar abgehalten werden muss, um diese kultartigen Strukturen aufzudröseln.
Es ist also brutal schwer, hier eine Balance zu finden. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das SONNENSTADT gelingt. Dass es trotzdem ein bemerkenswert empathischer Dokumentarfilm geworden ist, der seine Protagonist*innen nicht einmal verurteilt, steht jedoch zu keiner Sekunde zur Debatte.
Schöne Idee, dieser wiederaufgetauchten Fotos mit diesen träumerisch animierten und elegant gemalten Animationen in einen neuen, persönlichen Kontext zu setzen. Gleichzeitig wird die erzählerische Kraft von Fotografien dekonstruiert und eine neue Szenerie erdacht, die sich kurz vor oder nach dem Auslöser hätte zutragen können. Oder eben auch nicht. Es ist das verflüchtigende Moment der Bilder, das hier gleichzeitig so viel Trauer und so viel Hoffnung schürt.
Hat mich erstaunlicherweise nur halb abgeholt. Mir hat hier irgendwie eine klare Handschrift und/oder eine noch größere Ambition gefehlt. Denn von Stil über Ästhetik bis hin zu einzelnen Protagonist*innen war das unglaublich nah an dem, was etwa Paulita Pappel seit unzähligen Jahren macht. Von daher war ich ein bisschen enttäuscht, weil mir TRUTH OR DARE keine wirklich neuen Impulse gegeben hat. Aber das kann und will ich dem Film nicht ankreiden. Denn was und wie hier Intimität und Sexualität verhandelt wird, ist keineswegs schlecht, sondern richtig und wichtig. Ich glaube, ich bin einfach nicht das richtige Publikum gewesen.
Schön, dass Anna Friedrich so nah an ihre Protagonist*innen ran kommte. Nur ist diese Nähe praktisch ausschließlich räumlicher Natur. Wir erfahren nichts zur Motivation dieser Menschen, haben keine Ahnung, was sie antreibt und wo sie hinwollen. Dieser Dokumentarfilm ist leider der Inbegriff von Oberfläche und zu schüchtern, den Finger auch mal in Wunden zu legen. Denn sind manche dieser Lebensentwürfe nicht nur durch das Profitieren von einem System, aus dem eigentlich ausgestiegen werden soll, möglich? Etwas mehr journalistische Konfrontation hätte dem Film gut getan. Aber so zerfasert alles und lässt sich am Ende nicht mehr elegant zusammenbinden.
Im Blog von Thomas Gigold habe ich vor geraumer Zeit von seinem Projekt namens UberBlogr gelesen und war direkt von der Idee angetan. Das Ding ist ein sogenannter Webring, durch den unterschiedlichste private Blogs miteinander vernetzt werden. So kann man zum Beispiel durch die bei mir im Seiten-Footer verankerte (und in diesem Post nochmal gespiegelten) Navigation von einem Blog zum nächsten klicken.
Seit geraumer Zeit schreibe ich wieder hier vermehrt auf meiner eigenen Seite ins Internet. Die Implosion von Twitter hat mich zurück zum Gedanken, seine eigener Herr auf der eigenen Plattform zu sein, gebracht. Viele andere Mensch machen das ebenfalls wieder oder haben nie damit aufgehört. Aber wenn diese Bloger*innen und man selbst zugleich weniger aktiv auf Social Media ist, bekommen wir ein Discovery-Problem. Oder besser: Ich bekomme dann ein Discovery-Problem.
Und da ich mir mittlerweile sicher bin, dass dieses Blog gekommen ist, um zu bleiben, dachte ich mir, ich klinke mich mit in den Ring ein.
Immer, nachdem ich einen Film von Xavier Dolan gesehen habe, werde ich für einen Moment sehr melancholisch. Dolan ist nämlich keine drei Monate älter als ich und da kann ich manchmal nicht anders, als mich mit ihm zu vergleichen. Es ist unglaublich, welchen kreativen Output mit erheblichem kulturellen Impact er bisher bereits hatte. Und das als Autodidakt. Als er mit der Arbeit an seinem Debütfilm J'AI TUÉ MA MÈRE begann, habe ich mich noch gefragt, ob ich wirklich die richtigen Leistungskurse gewählt habe.
Dolan schrieb das Drehbuch im Alter von 16 bzw. 17 Jahren. Er finanzierte den Film in Teilen selbst und drehte ihn ohne Vorkenntnisse im Regiebereich. Zudem übernahm er die Hauptrolle
Als der Film im Mai 2009 Premiere in Cannes feierte, war ich gerade dabei, mein erstes Studium, in das ich mich blind stürzte, abzubrechen und noch keine 20 Jahre alt.
Gut, ich bin dann natürlich doch noch irgendwie meinen Weg gegangen und weiß heute, dass Vergleiche dieser Art nie gesund sind. Trotzdem beeindruckt es mich immer wieder aufs Neue, wie früh Dolan seine Leidenschaft und sein Talent entdeckt hat und bis heute noch hungrig ist.
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
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