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Filmkritik

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Gesehen: The Beast (2023)

Gesehen: The Beast (2023)
Léa Seydoux und George MacKay // (c) Grandfilm

Der Mensch scheint nur eine Sache wirklich gut zu können: die ewige Wiederholung immer gleicher Muster. Wir waren, sind und werden bis in alle Ewigkeit zu Stillstand verdammt. Der Film legt eine Möbiusschleife um unsere Hälse und schnürt uns damit gnadenlos die Luft ab.

Wie eine solche Schleife funktioniert der ganze Film. Erst ist der Schleifenbogen weit, die Menschen sind trotz eindeutiger Anzeichen für den praktisch unmittelbar bevorstehenden Kollaps unbesorgt und flüchten sich in den Hedonismus.

Doch die Schleife läuft unaufhaltbar immer enger zusammen, alles wird immer schlimmer. Dort, wo der Bogen sich selbst kreuzt, in unserer Gegenwart, da ist eine große Leerstelle. Niemand will sich die Blöße geben und vor Augen rufen, dass die Menschheit tatenlos bei der ultimativen Verkrempelung zugesehen hat.

Aber dann ein zunächst erlösender Moment, den Bonello hier mit technologischem Fortschritt beschreibt. Der Moment maximaler Verkrempelung liegt scheinbar hinter uns, die Schleife geht wieder weiter auf. Doch die Möbiusschleife hat kein Ende. Wer an den Bögen entlangfährt, wird immer und immer wieder an den gleichen Punkten vorbeiziehen.

Die Erlösung ist eine Illusion, es wird einfach alles immer schlimmer. Und mittendrin steht der Mensch – untätig, feige, überheblich, naiv. Der Mensch wählt in allen möglichen Realitäten immer die schlechteste Option und wird lediglich davon träumen können, das Richtige zu tun. Und darin liegt der Horror dieses Films.

★★★★☆

🇨🇦/🇫🇷, R: Bertrand Bonello, D: Léa Seydoux, George MacKay, Guslagie Malanda, Elina Löwensohn, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Babes (2024)

Gesehen: Babes (2024)
Michelle Buteau und Ilana Glazer // (c) Universal Pictures

Für mich hat der einfach funktioniert, weil der Humor nicht total, sondern sehr maßvoll überzogen ist und immer über einen sehr ehrlichen Kern geerdet wird.

Der zentrale Aspekt lag für mich letztlich in der Dualität des urbanen Lebens in progressiven Ballungsräumen. Natürlich ist dein Manhattan-Townhouse im Wert von mehreren Millionen US-Dollar eine ziemlich dufte Sache – bis die 200 Jahre alten Abflussrohre platzen. Natürlich gehört eine Geburt für viele Menschen zu den euphorischsten Momenten ihres Lebens – aber Dammrisse und Stuhlgang sind auch Teil dieser Erzählung. All das durch moderne Medizin relativ okay durchstehen zu können, ist großartig – nur um sich danach vor der Tür selbst ein Taxi mit heranwinken zu müssen.

Jede Entscheidung für etwas ist auch unweigerlich eine gleichzeitige Entscheidung gegen etwas. Fortschritt ist nie ausschließlich positiv, sondern bringt immer auch neue Herausforderungen mit sich – besonders im Kapitalismus. (Dass der Film jedoch jegliche ökonomische Realität ausblendet, ist seine größte Schwäche.)

★★★½☆

🇺🇸, R: Pamela Adlon, D: Ilana Glazer, Michelle Buteau, John Carroll Lynch, Oliver Platt, Sandra Bernhard, Stephan James, Hasan Minhaj, Keith Lucas, Kenneth Lucas, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Neustadt. Stau - Der Stand der Dinge (2000)

Eine junge Frau in blauem Pulli sitzt vor einer hölzernen Schrankwand am Tisch u. hat vor sich 3 Bilder von ihren 3 Kindern.
(c) ÖFilm, Stiftung Deutsche Kinemathek

Die Ampel bleibt rot – das ist das letzte Bild des Films vor der Schwarzblende. In meinem Kopf hindert sie den letzten Zug daran, Halle-Neustadt zu verlassen. Wer an die Zukunft dachte, saß in einem der vorherigen Züge. Wer in der Vergangenheit schmorte, kam zu spät.

Thomas Heise wird hier mit seiner Kamera Zeuge der Ursachen und Folgen eines radikalen Braindrains innerhalb der Stadtteilgesellschaft. Natürlich hat das auch mit den wirtschaftlichen Folgen der Wende für Sachsen-Anhalt zu tun. Aber eben auch damit, dass Rechte – von Konservativen bis zu Neonazis – sich unter anderem großflächig an diesem Punkt überschneiden: die Verachtung von Bildung. Denn Bildung bedeutet Fortschritt und Fortschritt stellt den Status quo infrage und ist nie rückwärtsgerichtet.

Wer ein Buch statt die Bild liest, wird nicht als Mensch wahrgenommen, der seinen Horizont erweitern und Dinge über die Welt lernen möchte, sondern als jemand geframt, der sich über andere stellen und andere Menschen abwerten will. Doch das scheint reine Projektion, denn das eigene Handwerk, die eigene Arbeitsmoral und die seit Jahrzehnten unveränderte Weltsicht werden als Maß aller Dinge erachtet, nach der sich alle anderen richten müssen.

P.S.: Einer der Neonazis im bürgerlichen Gewand hat sich eine Kopie eines von Hitler gemalten Bildes in die Wohnung gehängt – weil er es interessant findet, dass diese „Führungspersönlichkeit" auch vorher ein Privatleben hatte. Als ob massenmordender Faschist nur ein Job wäre, den man nach 17 Uhr einfach auch mal Job sein lassen kann. Das kannst du dir nicht ausdenken.

🇩🇪, R: Thomas Heise

Der Film steht noch bis zum 31. Januar 2028 kostenlos in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung:

Neustadt. Stau - Der Stand der Dinge
Acht Jahre nach der ersten filmischen Begegnung mit rechtsextremen Jugendlichen in Halle Neustadt besucht Thomas Heise seine Protagonisten und ihre Familien zur Jahrhundertwende erneut.
Gesehen: Stau – Jetzt geht’s los (1992)
Was für ein bemerkenswertes Zeitdokument, das besonders aus heutiger Sicht den Stillstand festhält. Denn was in diesem Dokumentarfilm hervorsteht, ist die absolute Tatenlosigkeit, mit der selbst das direkte Umfeld diesen sich zunehmend radikalisierenden jungen Menschen gegenübersteht. Wir können jetzt lange über „Haha, schau mal, die dummen Nazis!” lachen. Aber es

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Gesehen: Miller's Girl (2024)

Gesehen: Miller's Girl (2024)
Martin Freeman und Jenna Ortega // (c) Studiocanal

Wilde These, aber vielleicht eignet sich Dark Romance gar nicht dazu, derlei Machtstrukturen zu ergründen? Konkret in diesem Fall ist das jedenfalls so. Denn Komplexität und Grauzone werden lediglich behauptet.

Hier geht es nicht um Transgression oder auch nur eine erotische Gratwanderung, sondern letztlich um eine grotesk verschobene Wahrnehmung von Täter und Opfer, die mit einem „Irgendwie sind doch beide ein bisschen Schuld" und ein bisschen Genrekitsch überspielt werden soll.

So komplex wie der Film offenbar seine Fragestellungen begreift, so klar ersichtlich sind die Antworten darauf. Ein deutlich älterer Mann überschreitet mehrere Grenzen zu seiner gerade 18 Jahre alten Schülerin, die natürlich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm steht. Er weiß, wo die Grenzen liegen, aber sie sind ihm egal. Welchen wie auch immer gearteten Profit die Schülerin daraus zu schlagen versucht, ist völlig egal. Nur scheint das dem Film nicht wirklich klar zu sein.

★☆☆☆☆

🇺🇸, R: Jade Halley Bartlett, D: Jenna Ortega, Martin Freeman, Bashir Salahuddin, Gideon Adlon, Dagmara Dominczyk, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Abschied von gestern (1966)

Gesehen: Abschied von gestern (1966)
Alexandra Kluge als Anita G. // (c) Edition Filmmuseum

Diese deutsche Gegenwart lässt sich nicht ohne den Blick in die deutsche Vergangenheit erzählen. Wo alte Naziseilschaften sich auch nach der sogenannten Entnazifizierung über Jahrzehnte hinweg weiter halten, dadurch teilweise weiterhin auf einflussreichen Positionen sitzenbleiben und folglich auf die gesellschaftliche Entwicklung haben konnten. Wo statt wirklicher Aufarbeitung viel eher ein Totschweigen der Vergangenheit die Regel ist, weil man ja sonst mit sich selbst, der eigenen Familie, den Freund:innen und Nachbar:innen ins Gericht gehen müsste. Dort kann es weiterhin keinen trittfesten Boden für Jüd:innen egal welches Alters geben. Und das steckt in jeder Pore dieses Films.

★★★★☆

🇩🇪, R: Alexander Kluge, D: Alexandra Kluge, Günter Mack, Hans Korte, Werner Kreindl, Eva Maria Meineke, Edith Kuntze-Pellogio, Palma Falck, Trailer, Wikipedia

Abschied von gestern - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Tuesday (2023)

Gesehen: Tuesday (2023)
Julia Louis-Dreyfus // (c) Stage 6 Films

Der Film hat genau das gleiche Problem wie eine seiner beiden Protagonistinnen: Er traut sich einfach nicht, dahin zu gehen, wo es wirklich wehtut, wo die Trauer überwältigend ist und unendlich scheint.

Am meisten selbst im Weg steht sich der Film mit seiner zentralen Metapher, die sich bereits nach zehn Minuten quasi totgelaufen hat und dieser Anordnung keinen Millimeter weiterhilft. Es ist die Flucht in die Einfältigkeit, weil in diesem Film zwar extrem komplexe Emotionen und Verhaltensmuster zugrunde liegen, von denen wir als Publikum jedoch kaum etwas mitbekommen. Es wird viel behauptet, aber wenig geliefert.

Von unter anderem Tod, Verlust, Einsamkeit und Mutterschaft könnte dieser Film erzählen. Stattdessen verlässt er sich auf die „Erkenntnis", dass der Umgang mit dem Tod nur leichter wird, wenn man sich ihm stellt. Es gibt sicherlich Unmengen an Möglichkeiten, nuanciert auf dieses Ergebnis hinzuarbeiten. Doch hier bleibt durch die fehlende Unterfütterung ein Gefühl absoluter Banalität übrig.

★½☆☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Daina Oniunas-Pusić, D: Julia Louis-Dreyfus, Lola Petticrew, Arinzé Kene, Leah Harvey, Trailer, Wikipedia

Tuesday - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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