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Filmkritik

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Gesehen: Where'd You Go, Bernadette (2019)

Gesehen: Where'd You Go, Bernadette (2019)
(c) MGM

Als Betrachtung von Kunst und dem Schaffen von Kunst innerhalb einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft ist das schon ganz nett. Wo hat echte Kunst noch Platz und wo überhaupt noch der Mensch? Dafür nimmt er durchaus auch diese überprivilegierte Schicht aufs Korn, deren Kinder Projekte und keine Menschen mehr sind, für die der Schein immer wichtiger als das Sein ist, in der ein enormer Konformitätsdruck herrscht und jeglicher Individualismus verschmäht wird.

Und trotzdem fühlt sich WHERE’D YOU GO, BERNADETTE nach Walter Mitty für noch viel privilegiertere Menschen an. Natürlich will ich Menschen, die unter keinerlei ökonomischem Druck mehr stehen und niemals mehr stehen werden, nicht absprechen, dass auch sie in psychische Krisen geraten können. Absolut nicht. Doch es gehört auch zur Wahrheit, dass sie sich Zeit und Raum, um damit angemessen umzugehen, sehr leicht erkaufen können – und andere eben nicht. Diesen Umstand würdigt Richard Linklater hier keines Blickes. Ihm fehlt der Blick für systemische Zusammenhänge und Ungerechtigkeiten. Und das lässt schließlich nur müde lächeln.

★★½☆☆

US, R: Richard Linklater, D: Cate Blanchett, Billy Crudup, Kristen Wiig, Judy Greer, Laurence Fishburne, Emma Nelson, Trailer, Wikipedia
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Wiedergesehen: Robin Hood (2010)

Wiedergesehen: Robin Hood (2010)
(c) Universal Pictures Germany

Zum ersten Mal seit dem Kinobesuch damals™ gesehen und aus meiner heutigen Sicht sehr irritiert davon gewesen, wie heftig dieser Film die Figur des Robin Hood überpsychologisiert, eine aus persönlicher Rache erwachsende Motivation zeichnet und ihn spontan aus dem Nichts heraus einen Plan für eine gerechtere Gesellschaft dahinmonologisieren zu lassen. Das alles ist dermaßen grobschlächtig und hanebüchen angeordnet, da fällt einem nur noch wenig zu ein. Dass Ridley Scott Zeitlupe und markige Sprüche von ein paar Dudebros mit Epik verwechselt: geschenkt.

★★☆☆☆

GB/US, R: Ridley Scott, D: Russell Crowe, Cate Blanchett, Max von Sydow, William Hurt, Mark Strong, Oscar Isaac, Danny Huston, Eileen Atkins, Mark Addy, Matthew Macfadyen, Kevin Durand, Scott Grimes, Douglas Hodge, Léa Seydoux, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Argentina, 1985 (2022)

Gesehen: Argentina, 1985 (2022)
(c) Amazon Studios

Was dem Film gelingt, ist die Vielschichtigkeit eines derartigen Gerichtsprozesses zu transportieren. Der eine „Kampf“ muss im Gerichtssaal ausgefochten werden, der andere eben draußen in den Köpfen der Bevölkerung. Wer die Menschen nicht von der Wichtigkeit eines solchen Prozesses überzeugen, für die demokratische Sache, für Recht, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit gewinnen kann, der hat den Kampf schon vor dem Urteil verloren. Doch das ist – gerade 1985 – gar nicht mal so leicht. Die Arbeitslast, die Art der Arbeit und die damit einhergehenden Gefahren isolieren. Diesem verengten Horizont verleiht der Film durchaus gekonnt Ausdruck.

Unterm Strich kommt ARGENTINA, 1985 dann aber leider doch als spröde inszenierter Schinken daher. Der Film verwendet praktisch all seine Energie auf die Herstellungen eines möglichst detaillierten Zeitkolorits. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich formal auf sehr gewöhnlichen Bahnen zu bewegen.

★★★☆☆

AR/GB, R: Santiago Mitre, D: Ricardo Darín, Peter Lanzani, Alejandra Flechner, Paula Ransenberg, Carlos Portaluppi, Antonia Bengoechea, Laura Paredes, Brian Sichel, Norman Briski, Héctor Díaz, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Godzilla Minus One (2023)

Gesehen: Godzilla Minus One (2023)
(c) Peppermint, 24 Bilder

Komplett ohne Godzilla aufgewachsen und auch heute ohne besondere Verbindung zum nuklearen Waran muss ich sagen, dass GODZILLA MINUS ONE für mich der bisher rundeste Film rund um das Monster war. Der Film wartet mit gelungenen Variationen des klassischen Godzillas und GODZILLAs auf – sowohl thematisch als auch Musikalisch und visuell.

Überrascht hat mich, wie direkt und klar sich dieser Film mit den gesellschaftlichen und persönlichen Kriegstraumata auseinandersetzt. Klar haben das andere Godzillas auch schon getan, aber hier geschieht das in einer für mich neuen unerwarteten Klarheit, ohne dabei (im Rahmen des Unterhaltungskinos) zu dick aufzutragen.

Es geht um Überlebensschuld und die Frage, ob man selbst das Zünglein an der Waage hätte sein können, das Millionen Kriegstote verhindert hätte. Nur woher rührt diese Frage? Einerseits natürlich von posttraumatischem Stress, andererseits aber, weil Bevölkerung und Soldaten bewusst von der politischen Führung des Japanischen Kaiserreiches mit ihr indoktriniert wurden. Siege sind Siege des glorreichen Japans, Niederlagen sind auf das Versagen eines jeden Individuums zurückzuführen, das nicht seinen erwarteten Teil zum Krieg beigetragen hat.

Genau deshalb ist es auch so ein starkes Bild von GODZILLA MINUS ONE, seine Protagonist*innen von militärischen Methoden abkehren zu lassen, einen zivilen Zusammenhalt zu beschwören und letztlich die Wissenschaft siegen zu lassen.

Das alles ist eingebettet in eine angenehm leichtfüßige Inszenierung, die nicht nur großartig aussieht, sondern auch der breiten Historie dieser Filme gebührenden Respekt zollt, ohne sich von diesem Erbe in Geiselhaft nehmen zu lassen.

★★★★☆

JP, R: Takashi Yamazaki, D: Ryunosuke Kamiki, Minami Hamabe, Yuki Yamada, Munetaka Aoki, Hidetaka Yoshioka, Sakura Ando, Kuranosuke Sasaki, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Violent (2014)

Gesehen: Violent (2014)
(c) Under The Milky Way

VIOLENT vereinnahmt mit seiner melancholisch-nostalgischen Stimmung wirklich gekonnt und rahmt so berührend Momenten zwischen vermeintlich kindlicher bzw. jugendlicher Unschuld und den schmerzlichen Realitäten des Erwachsenwerdens von Verlusten und Ungerechtigkeiten, die in dieser Gesellschaft und auf diesem Planeten herrschen bis hin zu regelrechten Bedrohungen für die eigene körperliche und psychische Unversehrtheit.

Nichtsdestotrotz konnte ich mich gleichzeitig auch nie gänzlich des Eindrucks erwehren, hier in seiner Form doch auch ein bisschen affektierten Kitsch zu sehen. Der Film suhlt sich mitunter selbstgefällig in seiner pseudo-avantgardistischen Bildsprache und scheint so eine Komplexität vorzutäuschen, die einfach nicht gegeben ist. Es hätte dem Film besser zu Gesicht gestanden, selbstbewusster die eigenen Grenzen zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten.

★★★½☆

CA/NO, R: Andrew Huculiak, D: Dagny Backer Johnsen, Karl Bird, Tor Halvor Halvorsen, Yngve Seterås, Mari Sofie Andreassen, Tomine Mikkeline Eide, Bryn Bowen, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Girls State (2024)

Gesehen: Girls State (2024)
(c) Apple TV+

Ich will hier gar nicht erst damit anfangen, die Vergleiche zu BOYS STATE zu ziehen. Denn das ist der maximal uninteressanteste Einfallswinkel für die Betrachtung von GIRLS STATE. Dem Film gelingen genug interessante und davon losgelöste Beobachtungen.

Ein großes übergeordnetes Thema sind sicherlich Rollenbilder, in die die jungen Frauen gezwungen werden, in die sie sich selbst zwingen oder denken zwingen zu müssen. Wenn Emily Worthmore, die sich um den Posten der Gouverneurin bewirbt, in Tränen ausbricht, weil sie am Buffet ihren Teller fallenlässt, dann ist das natürlich Ausdruck des immensen Drucks, unter dem sie steht – jedoch nicht (nur) innerhalb des Planspiels, sondern viel mehr im alltäglichen Leben. Für viele der jungen Frauen scheint das (eigentlich sehr ernste und strapaziös anmutende) Spiel sogar eine willkommene Auszeit davon ist, in der „echten“ Welt immer die richtige Maske zu wählen.

Emily Worthmore ist eine sehr faszinierende Figur – für mich, weil sie immer von sich behauptet, so konservativ und gläubig zu sein, aber sich praktisch nie inhaltlich positioniert. Mein Verdacht ist hier, dass sie einfach ihr noch junges Leben lang regelrecht indoktriniert wurde, sie nun realisiert, dass „konservativ“ und „gläubig“ leere Worthülsen sind und nun für sich erstmal herausfinden muss, mit welchen eigenen Werten sie diese Hülsen füllen will.

Deshalb ist es dem Film auch hoch anzurechnen, dass Emily nicht als die verkümmerte konservative Stimme porträtiert wird, die in dieser Welt nichts zu suchen hat. Stattdessen ist es ihre Entwicklung, die den Epilog schreibt und das Erarbeiten von Überzeugungen sowie tatsächliche politische Willensbildung zeigt.

Aus handwerklicher Sicht hat der Dokumentarfilm jedoch ein riesiges Problem: Er entwickelt keine kritische Distanz zu dem von ihm begleiteten Planspiel. Letztlich ist der Film nämlich nah dran, dieses Spiel als kleine Insel der – wenn auch nicht gänzlich fehlerfreien – Utopie zu zeichnen. Dass Politik jedoch nicht nur innerhalb eines Zwei-Parteien-Systems gemacht, gesellschaftlicher Wandel oft auch auf ganz anderen Wegen angestoßen wird und es durchaus eine Option ist, das gesamte System zur Debatte zu stellen und es nicht bloß als notwendiges Übel zu betrachten, vergisst der Film – oder will es nicht zeigen.

US, R: Jesse Moss, Amanda McBaine, Trailer, Wikipedia
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