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Filmkritik

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Gesehen: My Blueberry Nights (2007)

Gesehen: My Blueberry Nights (2007)
(c) Prokino

Wong Kar-wais Versuch, seine typische Bildästhetik in einen westlichen Kontext zu setzen, funktioniert nur bedingt. Wie gemacht scheint sie für die Momente der Zweisamkeit in einem New Yorker Café einerseits und erzeugt andererseits fast schon groteske Bilder, die wie eine nochmal überzeichnetere Version der Bildsprache eines FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS wirken.

Überrascht bin ich letztlich doch davon, wie wenig versöhnlich sich dieser Film gibt, obwohl ich ihm schon die Hoffnung als Grundprinzip unterstellen würde. Die Wärme der Bilder kann aber nicht über den bitteren Kern des Films hinwegtäuschen. Hier geht es um Alkoholismus, Spielsucht, Gewalt und Konsum um jeden Preis in einer weitestgehend unsolidarisch organisierten Gesellschaft, in der es ohne (Selbst-)Ausbeutung kein Überleben gibt.

Wer es dann trotzdem schafft, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, aber ausgerechnet eine Frau ist, der wird dann doch noch Opfer eines sexuellen Übergriffs. Ich bin davon überzeugt, dass Wong Kar-wai gerade diesen Punkt mit ganz anderem Ansinnen inszeniert hat. Aber das Geschehen ist nun mal das Geschehen. Das kann natürlich auch aus einem (pseudo-)romantischen Blickwinkel heraus betrachtet werden, aber das bringt ein moralisches Dilemma mit sich, das der Film bedauerlicherweise ignoriert.

★★★☆☆

FR/HK, R: Wong Kar-wai, D: Norah Jones, Jude Law, David Strathairn, Rachel Weisz, Natalie Portman, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Tótem (2023)

Gesehen: Tótem (2023)
(c) Piffl Medien

Es ist so berührend und teilweise auch schmerzhaft zu sehen, wie dieses Kind hier durch die Lupe der Vergänglichkeit des Vaters mit der eigenen Existenz und im weiteren Sinne dem Fortbestand des Planeten hadert und gewissermaßen auf existenzieller Sinnsuche ist.

Wird diese bedingungslose und unbändige Liebe, die sie für ihren Vater empfindet, die ihr Vater für sie empfindet, die im Verbund der Familie am Leben erhalten wird, überhaupt Bestand haben, wenn er einmal nicht mehr ist, wenn sie irgendwann nicht mehr ist? Oder ist die Liebe größer als all das und sie sieht nur deren Schatten an der Wand?

Und es geht um das Unvermögen von Sprache. Die Vergänglichkeit des Vaters verlangt plötzlich danach Dinge, die bisher als Teil einer füreinander tief empfundenen Liebe keiner Worte bedurften, in Worte zu gießen. Aber es gibt Dinge, Verbindungen und Gefühle, die einfach größer als das Leben und die durch den Menschen beschreibbare Realität zu sein scheinen. Worte können dem niemals gerecht werden.

★★★★☆

DK/FR/MX, R: Lila Avilés, D: Naíma Sentíes, Montserrat Marañon, Marisol Gasé, Saori Gurza, Mateo García Elizondo, Teresa Sánchez, Iazua Larios, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Immaculate (2024)

Gesehen: Immaculate (2024)
(c) capelight pictures

Das war alles schon sehr underwhelming. Der Film sieht aus wie Marvel in den schlechtesten Momenten: in kontrastlosen Farb- bzw. Grauton-Brei getränkt, mit dahingeschluderten VFX und damit kaum greifbar. Es gibt zahlreiche Momente, in denen ich die Entscheidung gegen Props ums Verrecken nicht nachvollziehen kann.

Lesen lässt sich IMMACULATE in zwei Bahnen, die gewissermaßen aber auch zusammenhängen. Da ist einerseits die katholische Kirche, die sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen durch die Mauer des Schweigens nicht nur deckt, sondern auch begünstigt. Und andererseits zeigt der Film, was passiert, wenn Frauen durch patriarchale Machtstrukturen die Autonomie über ihren eigenen Körper verwehrt wird, sichere Schwangerschaftsabbrüche kriminalisiert und die Betroffenen dazu gezwungen werden, ihr Kind um jeden Preis auszutragen.

Nur findet der Film keine gelungenen Zugänge zu diesen Themen. Stattdessen verklausuliert er unnötig am laufenden Band, versteigt sich schwachsinnigem Metaphernspiel und verpasst es dabei, eine tatsächlich scharf formulierte Aussage zu treffen. IMMACULATE wabert ominös um uns allen bekannte Tatsachen herum, warum also nicht konkreter werden?

Dadurch wird der Film auch für Sydney Sweeney zu einem sehr undankbaren Vehikel. Je dünner die ganze Misere wird, desto lauter muss sie dagegen anbrüllen – wortwörtlich. Aber es fehlt dann bereits an einem Resonanzraum.

★½☆☆☆

US, R: Michael Mohan, D: Sydney Sweeney, Álvaro Morte, Benedetta Porcaroli, Dora Romano, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Ma nuit chez Maud (1969)

Gesehen: Ma nuit chez Maud (1969)
(c) Studiocanal

Da ich bisher nur Rohmers Jahreszeiten und ein paar Sommerfilme kannte, hat mich dieses Zusammentreffen mit Maud überrascht – wie hier Liebe und Begehren auf vorrangig intellektueller Ebene verhandelt und ein fast schon wissenschaftsphilosophischer Diskurs geführt wird. Tatsächlich habe ich mich oft an Darren Aronofskys PI (1998) erinnert gefühlt, den ich vor keiner Woche zum ersten Mal gesehen habe. Beide Filme eint ihr Ringen mit dem Zufall ob man ihn nun am besten theologisch, philosophisch oder mathematisch beschreibt, ob sich daraus eine Art Vorherbestimmung konstruieren lässt und ob er überhaupt irgend eine Bedeutung hat.

★★★★☆

FR, R: Éric Rohmer, D: Jean-Louis Trintignant, Françoise Fabian, Marie-Christine Barrault, Antoine Vitez, Trailer, Wikipedia
Meine Nacht bei Maud - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: The Fountain (2006)

Gesehen: The Fountain (2006)
(c) Arthaus

Ich mag die hier aufgeworfenen Gedanken zur Raum und Zeit transzendierenden Liebe, zur Machtlosigkeit und der Ohnmacht ob des menschlichen Schicksals, das zwangsläufig mit dem Tod endet, schon. Aber unterm Strich ist THE FOUNTAIN vor allem eins: ein Film, der sich von seinen eigenen religiösen Sujets blenden lässt und so mit seiner Anordnung nicht viel mehr als konservative Verblendung produziert.

Da ist es die Frau, die ihren Mann immer wieder vom Schöpfen und vom Kreieren abhält und so – das schwingt jedenfalls unterschwellig mit – ihren eigenen Tod mitverschuldet. Dazu die über allem schwebende Fragestellung nach der Hybris des Menschen, der von dem Glauben fehlgeleitet wird, das Göttliche auszudribbeln und übertrumpfen zu können. Es wundert mich bei Aronofsky nicht, aber es irritiert mich trotzdem immer wieder.

★★☆☆☆

US, R: Darren Aronofsky, D: Hugh Jackman, Rachel Weisz, Ellen Burstyn, Mark Margolis, Stephen McHattie, Cliff Curtis, Sean Patrick Thomas, Trailer, Wikipedia
The Fountain - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Gasoline Rainbow (2023)

Gesehen: Gasoline Rainbow (2023)
(c) Mubi, The Match Factory

Das ist alles so wunderschön fotografiert. Dieser nahezu perfekte Einsatz der Blauen Stunde hat mich an die Ästhetik erinnert, die Chloé Zhao in SONGS MY BROTHERS TAUGHT ME und NOMADLAND verfolgt. Es ist das Bild gewordene Gefühl grenzenloser Freiheit, Frieden, Liebe, Harmonie und der leisen Hoffnung, dass es noch eine Zukunft geben kann, in der Mensch und Planet wieder mehr zu einer symbiotischeren Beziehung zurückkehren können.

Vielleicht ist der Vergleich zu NOMADLAND gar nicht so schlecht und auch nicht nur auf einer rein bildästhetischen Ebene zu ziehen. Denn die zweischneidige und damit nicht nur positiv besetzte Freiheit entwächst in Chloé Zhaos Oscar-Gewinner aus kapitalistischen Strukturen heraus. In GASOLINE RAINBOW wird es zwar nicht klar benannt, aber es ist doch leicht schlusszufolgern, dass es um das kapitalistische Wirtschaften geht, durch das wir den Planeten in Brand gesetzt haben. Die daraus für die Gen Z entwachsene „Freiheit“ birgt deshalb ziemlich viel Nihilismus in sich und das transportiert dieser Film ganz zauberhaft.

Die Ross-Brüder grooven sich irgendwo zwischen NOMADLAND und hochglänzendem Youtube-Vlog ein. Von Affektiertheit bleibt das alles weit entfernt. Vielmehr erdet dieser Stil den Film und bringt ihn auch visuell auf Augenhöhe zu den Menschen, aus deren Leben er erzählt.

Es gibt zahlreiche einfach nur coole Momente – der für mich eindrücklichste geschieht schon nach wenigen Minuten. Die Freund*innen fahren mit dem Van durch die Nacht, die Kamera sitzt auf der Motorhaube, das Rauschen des Fahrtwindes übertönt das Meiste und im Van brennt gedämpftes rotes Licht. Es wirkt, als ob diese jungen Menschen mit ihrem UFO durchs All rasen und schließlich auf einem längst totgeglaubten Planeten bruchlanden. Und so müssen sie sich erst mit dieser neuen Realität anfreunden und nach Möglichkeiten suchen, sich hier wohlfühlen zu können.

★★★½☆

GB/US, R: Turner Ross, Bill Ross IV, D: Micah Bunch, Nathaly Garcia, Nichole Dukes, Tony Aburto, Makai Garza, Trailer, Wikipedia
Gasoline Rainbow - Stream: Jetzt Film online anschauen
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