Ein kurzer Satz zu EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN: Krzysztof Kieslowski ringt hier eindrücklich mit der Natur des Menschen, dessen Trieben, Recht und Gerechtigkeit. (Und ich mit der Vignettierung.)
★★★★☆


Krzysztof Kieslowski ringt mit der Natur des Menschen
Ein kurzer Satz zu EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN: Krzysztof Kieslowski ringt hier eindrücklich mit der Natur des Menschen, dessen Trieben, Recht und Gerechtigkeit. (Und ich mit der Vignettierung.)
★★★★☆


Viel Grauzone, viel Bittersüße, großes Kino.
Sich mitten im Film diese gute halbe Stunde mit praktisch absoluter Stille zu gönnen, trotzdem die Spannung auf Anschlag zu halten und die Zuschauer:innen darin köcheln zu lassen, zeugt von (absolut gerechtfertigt) gigantischem Selbstbewusstsein. Dazu diese großartig vielschichtig angelegten Figuren, die wandelnde selbsterfüllende Prophezeiungen sind, nicht anders können, weil sie nicht anders wollen, weil sie nicht anders können.
Und doch steht auch die große Frage im Raum, ob diese Gangster wirklich einen anderen Weg hätten einschlagen können, als die Frau eines der Männer urteilt, dass diejenigen, die von der Gesellschaft als ehrlich angesehen, die wahren Ganoven sind. Wer profitiert hier wirklich von wem und was? Wer wird ausgebeutet und wer beutet aus?
Viel Grauzone, viel Bittersüße, großes Kino.
★★★★☆


Einfach alles an diesem Film ist aus der Zeit gefallen...
Hohe Ansprüche hatte ich wirklich nicht. Eigentlich wollte ich nur Tilda Swinton sehen. Aber das hat letztlich auch nicht sonderlich viel geholfen. Klar wird hier eine Geschichte klar für Kinder inszeniert. Gerade deshalb halte ich meine Kritik jedoch für absolut notwendig. Denn welche aus der Zeit gefallenen Rollenbilder und fragwürdige Moral der Film auffährt, ist niederträchtig.
Während die Jungs schön martialisch Ritter spielen und in die blutige Schlacht ziehen, gehen die Mädchen in den Wald, um dem Löwen beim Sterben zuzuschauen. Dafür, dass die Jüngste die Tür zu Narnia überhaupt erst für ihre Geschwister aufgestoßen hat, scheint sie schnell keine sonderlich wichtige Rolle mehr zu spielen. Und mit was für einem Beispiel geht der Löwe überhaupt voran? Sich im Zweifelsfall für Familie und/oder Freund:innen abschlachten zu lassen ist doch archaischer und mit absolut falscher Ehre besetzter Quatsch.
Der absolut beschränkte Horizont des Films wird dann noch passend formal unterstrichen. Die Totalen im Film lassen sich an einer Hand abzählen, alles ist unglaublich nah dran – und zwar, weil sehr offensichtlich kaschiert werden muss, dass man eben nicht das Effektbudget eines THE LORD OF THE RINGS hat und sich lediglich im Studio mit einer Kulisse kaum größer als der Bildausschnitt befindet. Von einer vermeintlich großen weiten Welt mit uralter Geschichte ist praktisch nie etwas zu spüren.
Schade ist, dass der Schatten des Zweiten Weltkrieges und das anscheinend ungewisse Schicksal des Vaters schnell in Vergessenheit geraten. Das sind Schrecken, die praktisch keine Schatten nach Narnia hinein werfen, obwohl die Mittel des Films wie dafür gemacht sind, beide Welten miteinander zu verschränken und über einen Umgang mit der am Horizont lauernden Finsternis nachzudenken.
Eine Eigenheit des Stoffes möchte ich noch herausstellen: Narnia sieht aus, als ob jemand seine Spielzeugkiste ausgekippt hat und deshalb jetzt die Playmobil-Ritter gegen die Gummifiguren der Zootiere kämpfen müssen. Nur bin ich mir nicht sicher, wie ich das bewerten soll. Einerseits passt das super in die Metapher der von den Kindern zur Flucht aus dem kriegsbestimmten Leben erdachten Fantasiewelt, die eben mit den Spielzeugen bestückt ist, die gerade zur Hand sind. Andererseits nehme ich dem Film nicht ab, sich seiner selbst derart bewusst zu sein, dass dieses (von mir unterstellte) Stilmittel aufgehen kann.
★☆☆☆☆


Emma Seligman lässt sich gar nicht erst auf scheinbar elaborierte Genredekonstruktionen ein.
Ein Film, der sich in ein derart bis zum Erbrechen durchexerzierte und bespielte Setting begibt, muss furchtlos inszeniert werden – und BOTTOMS ist das. Emma Seligman lässt sich gar nicht erst auf scheinbar elaborierte Genredekonstruktionen* ein, denn auch das ist bereits zur Genüge getan und zuletzt eher dürftig versucht worden. Stattdessen prescht sie radikal und mit keinerlei Respekt für nichts nach vorne, haut auf Fressen und tritt Ärsche – sprich- und wortwörtlich. Vielleicht schaue ich auch einfach zu wenig Highschool-Filme, aber hier hatte ich wirklich so wie nur selten das Gefühl, echte Jugendliche sprechen zu hören – und zwar unverkrampft, ohne hölzern eingebrachten (Pseudo-)Slang und vor allem vulgär.
*Okay, vielleicht dekonstruiert Seligman hier ein bisschen, indem sie das ausgenudelte Highschool-Kastensystem anders als gewohnt mit Figuren füllt: Die bei anderen Genrevertretern aufgrund ihrer „Quirkyness“ im schulgesellschaftlichen Abseits agierenden Hauptfiguren sind in BOTTOMS eigentlich fast schon kantenlos, während alle um sie herum satirisch völlig überzeichnete Gestalten sind.
★★★★☆


Wer hätte gedacht, dass ich einen Hitchcock nochmal im Kino sehe... Danke an die Cinémathèque dafür und auch für das „Begleitprogramm“ mit Jens Wawrczeck aka Peter Shaw von Die drei ???, der mit How to Hitchcock über seine Liebe für dessen Filme geschrieben hat und offenbar nun mit Lesebrille und Filmen im Gepäck durch die Republik zieht.
📸 Tolles Beweisfoto vom hohen Besuch

Zugänglich, unterhaltsam, spannend – diese Gratwanderung beherrscht Hitchcock einfach. ROPE ist da keine Ausnahme und super gecastetes Kino. Es ist ein gekonntes (Kammer-)Spiel mit den Konventionen eines Whodunits. Durch die für 1948 überaus dynamische und immer elegante Kamerabewegung wird auch der Raum zu einem effektiven wie verführerischen Suspense-Werkzeug.
Eine Kritik an der Überheblichkeit und Hybris einer sich selbst als Elite wahrnehmenden Schicht schwimmt sicherlich ziemlich präsent an der Oberfläche des Stoffes und wabert so immer wieder mal in den Fokus. Doch letztlich interessiert sich Hitchcock kaum für die vermeintlich niederen Schichten, was dem Ausdruck dieser Kritik etwas den Wind aus den Segeln nimmt.
Viel interessanter waren für mich die letzten im Film gesprochenen Sätze, die sich über das Schichtendenken hinwegsetzen, die Menschheit grundsätzlich anklagen und die große Moralfrage stellen – ganz unabhängig von sozialer Stellung, ökonomischen Verhältnissen oder ästhetischer Betrachtungen.
★★★★☆


Es gibt nur einen Gott: BELAFARINROD!
Es gibt nur wenige Bands oder Musiker:innen, von denen ich wirklich Fan bin. Die Ärzte gehören eindeutig dazu. Sie waren mein erstes „richtiges" Konzert – das dürfte rund um Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer! gewesen sein – und auch in Zeiten, in denen ich nur wehr wenig Musik höre, komme ich immer wieder auf die Berliner zurück. Umso beschämender, dass mir das vierzigjährige Bandjubliäum im vergangenen Jahr doch irgendwie durch die Lappen gegangen ist.
Doch dann habe ich diesen coolen Podcast von und mit Marco Seiffert als Fand und ARD-Reporter in Personalunion entdeckt. Der hat sich alle Konzerte der zum Jubiläum angesetzten Berlin-Tour am Stück gegeben und zu jedem Termin eine Podcast-Episode produziert.
Die Reihe ist nicht nur total locker, knackig und vor allem persönlich erzählt, Marco Seiffert weiß die Geschichte der Band auch gekonnt entlang der Konzert-Locations zu erzählen. Jeder Ort ist mit alten Erinnerungen verknüpft, mit der Bandgeschichte verbunden. All das gräbt Seiffert aus und schlägt so die Brücke zwischen damals und heute. Fans aller Altersklassen kommen zu Wort und natürlich Farin, Bela und Rod auch geührend.
In diesem Sinne: Hörempfehlung!
P.S.: Es gibt nur einen Gott: BELAFARINROD!