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Feuilleton & Firlefanz

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Gesehen: Gasoline Rainbow (2023)

Gesehen: Gasoline Rainbow (2023)
(c) Mubi, The Match Factory

Das ist alles so wunderschön fotografiert. Dieser nahezu perfekte Einsatz der Blauen Stunde hat mich an die Ästhetik erinnert, die Chloé Zhao in SONGS MY BROTHERS TAUGHT ME und NOMADLAND verfolgt. Es ist das Bild gewordene Gefühl grenzenloser Freiheit, Frieden, Liebe, Harmonie und der leisen Hoffnung, dass es noch eine Zukunft geben kann, in der Mensch und Planet wieder mehr zu einer symbiotischeren Beziehung zurückkehren können.

Vielleicht ist der Vergleich zu NOMADLAND gar nicht so schlecht und auch nicht nur auf einer rein bildästhetischen Ebene zu ziehen. Denn die zweischneidige und damit nicht nur positiv besetzte Freiheit entwächst in Chloé Zhaos Oscar-Gewinner aus kapitalistischen Strukturen heraus. In GASOLINE RAINBOW wird es zwar nicht klar benannt, aber es ist doch leicht schlusszufolgern, dass es um das kapitalistische Wirtschaften geht, durch das wir den Planeten in Brand gesetzt haben. Die daraus für die Gen Z entwachsene „Freiheit“ birgt deshalb ziemlich viel Nihilismus in sich und das transportiert dieser Film ganz zauberhaft.

Die Ross-Brüder grooven sich irgendwo zwischen NOMADLAND und hochglänzendem Youtube-Vlog ein. Von Affektiertheit bleibt das alles weit entfernt. Vielmehr erdet dieser Stil den Film und bringt ihn auch visuell auf Augenhöhe zu den Menschen, aus deren Leben er erzählt.

Es gibt zahlreiche einfach nur coole Momente – der für mich eindrücklichste geschieht schon nach wenigen Minuten. Die Freund*innen fahren mit dem Van durch die Nacht, die Kamera sitzt auf der Motorhaube, das Rauschen des Fahrtwindes übertönt das Meiste und im Van brennt gedämpftes rotes Licht. Es wirkt, als ob diese jungen Menschen mit ihrem UFO durchs All rasen und schließlich auf einem längst totgeglaubten Planeten bruchlanden. Und so müssen sie sich erst mit dieser neuen Realität anfreunden und nach Möglichkeiten suchen, sich hier wohlfühlen zu können.

★★★½☆

GB/US, R: Turner Ross, Bill Ross IV, D: Micah Bunch, Nathaly Garcia, Nichole Dukes, Tony Aburto, Makai Garza, Trailer, Wikipedia
Gasoline Rainbow - Stream: Jetzt Film online anschauen
Gibt es Gasoline Rainbow auf Netflix, Prime Video, WOW und co? Jetzt online Stream finden!

Lange Nacht zum 100. Todestag von Franz Kafka

Lange Nacht zum 100. Todestag von Franz Kafka

Deutschlandfunk Kultur hat anlässlich des 100. Todestages von Franz Kafka eine Lange Nacht von vor zwei Jahren wiederholt. Ich liebe dieses ausgeruhte Format einfach.

Sein Name ist zum Synonym für alles Groteske geworden, sein Leben selbst trug mitunter groteske Züge. Kafkas wichtigste Romane blieben unvollendet. Dennoch gilt er als einer der bedeutendsten modernen Autoren überhaupt.
Franz Kafka - “Ich bin Ende oder Anfang”
Sein Name ist zum Synonym für alles Groteske geworden, sein Leben selbst trug mitunter groteske Züge: Franz Kafka. Obwohl seine wichtigsten Romane unvollendet geblieben sind, gilt er als einer der bedeutendsten modernen Autoren überhaupt.

Gelesen: „Endling“ (2023) von Jasmin Schreiber

Gelesen: „Endling“ (2023) von Jasmin Schreiber
Verlag und Cover: Eichborn

Das war schon ein unterhaltsamer Ritt, der aber offenbar für ein Publikum geschrieben wurde, dem ich wohl einfach aufgrund meines Alters(?) nicht mehr angehöre. Es wird eben manchmal ein bisschen mehr erklärt, als für meinen Geschmack notwendig wäre. Aber das ist okay. Nur gibt es dann eben auch Passagen wie beispielsweise diese:

»[…]Wie lange fahrt ihr nach Italien?«
»Kommt drauf an, wie lange das an der Grenze dauert. Sind ja gerade Ferien.«
»Oh Mann, Schengen, gute alte Zeit.«
»Weißt du noch: EU?«
»Klingt für mich wie Fantasy.[…]«

Ich komme ja nun vom Film™ und da ist natürlich viel mehr show, don’t tell möglich. Aber selbst für einen Roman, in dem die Welt notgedrungen nur mit Worten ausgestaltet werden kann, ist das Dystopie-Konstruktion für Teilnahmslose und ziemlich ungelenk. Es mag Nitpicking sein, aber bei derartiger Exposition fühle ich mich immer viel zu sehr unnötig an die Hand genommen. Es wirkt auf mich einfach paternalistisch.

Nichtsdestotrotz hat mich Endling wie Jasmin Schreibers andere Romane unterm Strich wirklich gut abgeholt. Sie kehrt gelungen zusammen, was passiert, wenn uns der Planet aus ökologischer Sicht um die Ohren fliegt: Krise wird zum Dauerzustand und die Menschheit befördert sich in um sich greifender Panik zurück ins gesellschaftspolitische Mittelalter.

Denn was ist, wenn uns nach Corona keine Zeit zum Durchatmen bleibt, wenn wir den Bruch unserer „Normalität“ durch die Pandemie nicht wieder reparieren und die Millionen von Toten nicht betrauern können, wenn wir die in zwischenmenschlichen Beziehungen entstandene Distanz nie wieder richtig verringern können, wenn Einsamkeit trotz vermeintlicher Normalität zum Dauerzustand wird? Verdrängung ist nicht Verarbeitung.

Nebenbei gibt es noch haufenweise spannende Biologie-Facts und praktische Tipps fürs Leben wie diesen hier:

Ich drückte ihm gleich zwei Tabletten aus dem Blister, und er schmiss sie ein. Zum Glück nicht so wie in den Filmen, wo die Leute immer den Kopf in den Nacken werfen. Das hilft nämlich gar nicht, im Gegenteil – man bekommt das Zeug dann nur noch schwerer runter. Wenn man sich das Tablettenschlucken erleichtern will, muss man den Kopf nach vorne neigen, also das Kinn zur Brust ziehen. Macht mich jedes Mal wahnsinnig, wenn ich im Fernsehen sehe, wie das falsch dargestellt wird, wirklich wahr.

🤯

★★★☆☆

ISBN: 978-3-7517-4837-7, Wikipedia

Gesehen: Pi (1998)

Gesehen: Pi (1998)
(c) Arthaus

Das hat schon gehörige „I’m 14 and this is deep“-Vibes. Nichtsdestotrotz kann ich mich nicht davon freimachen, dass mich die doch recht furchtlose, noch nicht von Konventionen vereinnahmte Inszenierung in Kombination mit Clint Mansells treibendem Score doch ganz gut gepackt hat.

Trotz der durch den Protagonisten mitgegebenen vermeintlich klaren Perspektive erscheint es mir doch so, dass Darren Aronofsky selbst keine Lösung parat hat und hier im Film einen auch in ihm weiterhin wütenden Konflikt offen austrägt.

Ist die Schöpfung gar kein „Wunder“, weil sie sich mit Zahlen (lies: Wissenschaft) erklären und belegen lässt oder ist genau die Existenz komplexer wissenschaftlicher Zusammenhänge ein Beleg für „Wunder“? Warum können wir die Zukunft nicht vorhersagen oder gar kontrollieren, wenn alles durch den Filter der mathematischen Logik betrachtet bzw. erklärt werden kann?

Mit der Form dieser Fragestellungen, die in Absoluten angelegt sind, macht es sie PI natürlich sehr einfach – darüber können dann auch die Vibes irgendwo zwischen David Lynch und Danny Boyle nicht hinwegtäuschen. Aber das Gesamtpaket ist einfach schmissig.

★★★½☆

US, R: Darren Aronofsky, D: Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman, Pamela Hart, Stephen Pearlman, Samia Shoaib, Ajay Naidu, Trailer, Wikipedia
Pi - Der Film - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Pi - Der Film” heute auf Netflix und Prime Video sehen kannst – einschließlich kostenloser Optionen.

Kyle Chayka über die Rettung der Kultur vor den Algorithmen

Kyle Chayka über die Rettung der Kultur vor den Algorithmen

Spannende Unterhaltung mit Kyle Chayka, der sich damit beschäftigt, wie eine algorithmische Öffentlichkeit Kunst und kulturelle Trends formt und sich in diesen de facto ja schon sehr determinierten Bahnen noch ein eigener Geschmack herausbilden lässt.

How to save culture from the algorithms, with Filterworld author Kyle Chayka
The author of Filterworld discusses art and culture in the age of Instagram and TikTok.

Gesehen: The Weight of Water (2000)

Gesehen: The Weight of Water (2000)
(c) Studiocanal

Ein bisschen unterhaltsam ist es zugegebenermaßen schon, wie krampfhaft dieser Film versucht, so etwas wie Erotik herzustellen und dann doch irgendwie nur in einem Schmierentheater endet.

Nichtsdestotrotz gelingen hier auch ein zumindest halbwegs interessante Beobachtungen hinsichtlich Begehren und Begierde, deren Grenzen und dass sich diesbezüglich Fantasie und Wirklichkeit nicht nur widersprechen können, sondern das vielleicht auch müssen. Angereichert wird das schließlich mit einem Hauch von Transgression.

Letztlich scheint sich der Film aber einer sehr männlichen Perspektive anzubiedern und das macht ihn doch arg langweilig.

★★☆☆☆

FR/US, R: Kathryn Bigelow, D: Sean Penn, Catherine McCormack, Elizabeth Hurley, Sarah Polley, Josh Lucas, Ciarán Hinds, Ulrich Thomsen, Katrin Cartlidge, Vinessa Shaw, Trailer, Wikipedia