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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!

Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!
(c) Kane Reinholdtsen / Unsplash

Bianca Jankovska aka die Groschenphilosophin schreibt darüber, was es eigentlich kostet, Autorin nicht nur zu sein, sondern auch vor einem wie auch immer gearteten Publikum stattzufinden:

Viel, sehr viel sogar.

Geld. Den Verlust der eigenen Würde. Ständigen Konkurrenzkampf. Massenweise Absagen. Die eigene Glückseligkeit.

Wenn man nicht aufpasst, den Rest der psychischen Gesundheit. Falls überhaupt noch welche da ist.

Es ist wirklich wahnsinnig bitter. Leipzig liest als Begleitprogramm zur Buchmesse ist hier vor meiner Haustür ein ziemlich publikumsträchtiges Event. Klar, nicht alle teilnehmenden Locations platzen aus allen Nähten. Aber es ist schon ordentlich Publikum unterwegs im gesamten Stadtgebiet.

Dieses Publikum trinkt zur Lesung dann sicherlich auch gerne mal ein Bier oder viel wahrscheinlicher einen guten Wein™. Gerade bei kleineren Locations ist das für die Deckung der abseits von Leipzig liest natürlich weiterlaufenden Kosten sicherlich nicht unerheblich.

Aber irgendwas läuft doch gehörig falsch, wenn dafür die Ausbeutung von Autor:innen mit eingepreist ist – erst recht, wenn sich daran auch noch größere Häuser beteiligen, wie die Groschenphilosophin es in ihrem Text beschreibt.

In der „normalen“ Wirtschaft wäre das ungefähr so, als ob VW seine Mitarbeiter nicht bezahlen würde, weil sie froh sein sollten, bei so einem bekannten Autohersteller arbeiten zu dürfen.

Leipzig, get your shit together... Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!

Warum ich nicht auf die Leipzig Buch fahre - groschen | philosophin
Was es kostet, eine Autorin zu sein? Viel, sehr viel sogar. Geld. Den Verlust der eigenen Würde. Ständigen Konkurrenzkampf. Massenweise Absagen. Die eigene Glückseligkeit.

Gesehen: Here (2024)

Gesehen: Here (2024)
Tom Hanks und Robin Wright, digital verjüngt (c) DCM Film Distribution

So langsam komme ich mir vor wie ein alter Mann, der eine Wolke anschreit, aber ich verstehe diese Obsession mit vermeintlichem technologischen Fortschritt einfach nicht. Die digital verjüngten Köpfe von Tom Hanks und Robin Wright auf jüngeren Körpern zu sehen, lässt uns nicht nur völlig unnötig durch das Uncanny Valley waten, es fügt dem gesamten Film auch rein gar nichts hinzu.

Die digital verjüngten Hanks und Wright sind letztlich Ausdruck eines Filmemachers, der bereits aufgegeben hat, bevor er es überhaupt probiert hat. Der (zumindest unbewusst) keinerlei Vertrauen in sein Publikum zu haben scheint. Kein Vertrauen, dass sich sein Publikum emotional auf seine (adaptierte) Geschichte einlassen kann. Denn dafür braucht es keine digital verjüngten Gesichter.

Ich bin wirklich der letzte Mensch, der sich gegen neue Technologien sperrt. Aber hier verkommt sie einfach zum Selbstzweck und stellt sich so dem in den Weg, was HERE eigentlich erzählen möchte.

Vielleicht erscheint mir der Film deshalb insgesamt auch überraschend ambitionslos für das, was er versucht zu verhandeln. Für mich ist HERE eine elegant verwobene Aneinanderreihung vieler rührender, schöner, trauriger, aber letztlich auch oft banaler Momente. Hier fordert einfach sehr wenig heraus.

Eine Ausnahme: Die starre und folglich verengte Perspektive des Films zwingt, sich mit dem Verhältnis von Innen und Außen auseinanderzusetzen. Denn etwa Sklaverei, Vietnamkrieg oder der 11. September 2001 spielen entweder gar keine Rolle oder sie werden kurz angerissen und sofort wieder fallengelassen.

Das illustriert, wie monumental persönliche und familiäre Probleme erscheinen können und unterstreicht gleichermaßen die unfassbare Ignoranz gegenüber Mitmenschen, die an den Tag gelegt werden kann. Doch wenn dieser Prozess nie wirklich innerhalb des Films verhandelt wird, sondern ausschließlich auf dem Publikum und für die Zeit nach dem Abspann abgeladen wird, dann erscheint mir das fast etwas feige – als ob sich Robert Zemeckis und Eric Roth nicht mal zu einer Minimalaussage hinreißen lassen wollen.

Für mich ist das ein Film ganz im Zeichen des von Tom Hanks' Figur überstrapazierte Spruchs: „Time flies..." Ja, okay, die Zeit rinnt uns allen durch die Finger. Und jetzt?

★½☆☆☆

🇺🇸/🇨🇦, R: Robert Zemeckis, D: Tom Hanks, Robin Wright, Paul Bettany, Kelly Reilly, Trailer, Wikipedia

Here - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Firlefänzchen № 5 - Burger mit Rückgrat

Firlefänzchen № 5 - Burger mit Rückgrat
(c) Lidye / Unsplash

Der Lette Gints Zilbalodis hat in der Nacht für seinen bezaubernden FLOW den Oscar für den Besten Animationsfilm mit nach Hause genommen. Wie süß er sich zusammen mit seinem Golden Retriever zuvor über die zweifache Nominierung gefreut hat, hatte ich hier schon mal festgehalten. Nun hat er auch ein paar Impressionen nach der Gala geteilt. Gut, den Stunt mit In-N-Out haben schon viele gebracht. Aber der Screenshot von Paul Giamattis Gratulationsmail ist einfach Zucker.

Just when I thought I was out, they pull me back in!

Gints Zilbalodis (@gintszilbalodis.bsky.social) 2025-03-03T07:50:57.922Z

Tobias Vogel aka @kriegundfreitag, des Internets liebster Strichmännchenzeichner, weiß, was Rückgrat ist.

Es hätte eine WELT-Titelseite mit einem meiner Cartoons geben können, aber ich hab’s natürlich nicht gemacht, deshalb muss ich die entgangene Kohle jetzt hier mit Likes wieder reinholen.

Krieg und Freitag (@kriegundfreitag.bsky.social) 2025-03-03T08:01:58.195Z

Er ergänzt: „Fiel mir nur gerade ein, als ich sah, dass viel reichere und berühmtere Leute als ich für PR zu allem bereit sind und sich zum Beispiel von Joe Rogan interviewen lassen."

Mein, nun ja, Fremdeln mit der Berichterstattung über den Gesundheitszustand des Papstes habe ich schon mal kurz im Firlefänzchen № 3 erwähnt. @mediasres, das tägliche medienkritische Magazin des Deutschlandfunks hat offenbar ähnliche Gedankengänge gehabt und dafür mit Luisa Meyer aus der hauseigenen Religionsredaktion gesprochen.

Wie Medien über Papst Franziskus’ Gesundheitszustand berichten
“Der Papst ruht sich aus”: Wie Medien über Franziskus’ Gesundheitszustand berichten

Wo ich schon mal bei @mediasres bin: In der selben Sendung lief auch ein (Rück-)Blick auf Big Brother, das vor 25(!) Jahren zum ersten Mal in Deutschland über die Mattscheiben flimmerte. Derartige Beiträge erscheinen seit ein paar Jahren regelmäßig und so bietet auch dieser Fünfminüter keine total neuen Erkenntnisse. Aber ich finde es trotzdem immer wieder spannend, daran erinnert zu werden, wie das Format auch in der Spitzenpolitik Thema geworden ist.

Reality TV: 25 Jahre Big Brother
Geächtet, gefeiert, egal? - 25 Jahre Big Brother

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌


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BlueBrixx macht jetzt „Command & Conquer" – also so halb

BlueBrixx macht jetzt „Command & Conquer" – also so halb
Foto: BlueBrixx

Das Spielkind ist einfach nicht aus mir herauszukriegen. Ich liebe Lego, seit ich denken kann, verbinde unglaublich viele schöne Erinnerungen damit und auch heute, wo es nicht nur Lego gibt und wir von Klemmbausteinen sprechen, hat sich daran nicht unbedingt viel geändert.

Öffentlich unbestätigten Gerüchten zufolge habe ich mir eine USS Enterprise NCC-1701 gegönnt, als BlueBrixx noch die Star Trek-Lizenz hatte, gegönnt.

Eben dieser Klemmbaustein Hersteller hat nun einen weiteren Griff in die Lizenz-Wundertüte und damit meine Jugend gewagt – also so halb. Denn offiziell Command & Conquer scheint scheint die „Kristall-Konflikt" getaufte Kollektion nicht zu sein. Jedenfalls noch nicht. Den Bildern der drei kleinen Szenarien mit Kraftwerken, Bauhöfen, Obelisken, Kasernen, Silos, den Panzern und Hubschraubern, ist die Nähe zu – wie wir damals™ naiv zu sagen pflegten – Kommahnd änd Konkwer nicht abzusprechen.

Preise und Veröffentlichungsdaten sind offenbar noch nicht bekannt, nur die Setgrößen, die sich alle um die 780 Steine bewegen.

(via Caschys Blog)

Gesehen: A Different Man (2024)

Gesehen: A Different Man (2024)
Renate Reinsve, Sebastian Stan und Adam Pearson // (c) Universal Pictures International Germany

Edward leidet nicht unter seiner Krankheit, er leidet unter den abschätzigen Blicken und den Reaktionen der Menschen auf seine Krankheit. Von der empfundenen Norm abzuweichen, wird als Zustand begriffen, der ausgerottet werden muss – um welchen Preis und mit welchen Mitteln auch immer.

Es ist ein Film über einen Menschen, der kaum noch er selbst sein kann, weil er immer der ist, der in den von allen anderen aufgezogenen Schubladen wohnt und es dort allen genehm machen muss, um so wenig Reibungsfläche wie möglich zu bieten. Edward ist nur noch eine verbrauchte Hülle. Doch was bringt schon eine neue Hülle, wenn es gar nichts mehr zu verhüllen gibt, wenn alles von innen so zerfressen wurde und lediglich ätherischer Schmerz und Leere übrig sind?

Nicht immer gelingt Aaron Schimberg der notwendige Balanceakt. Er gleitet dann doch immer mal wieder ab in das Erzählen ÜBER Menschen mit Neurofibromatose. Dennoch hält er sich größtenteils daran, den Blick auf Menschen mit einer derartigen Erkrankung zu hinterfragen – was in letzter Konsequenz auch ein Hinterfragen seiner selbst und von uns als Publikum ist.

P.S.: Irgendwie kamen mir große Teile des Films vor wie eine Episode von Seinfeld, nur inszeniert von David Cronenberg.

★★★½☆

🇺🇸, R: Aaron Schimberg, D: Sebastian Stan, Adam Pearson, Renate Reinsve, Trailer, Wikipedia

A Different Man - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Firlefänzchen № 4 - Mit Fernglas beim Buchclub

Firlefänzchen № 4 - Mit Fernglas beim Buchclub
(c) mostafa meraji / Unsplash

Andy Baio hat mich – als nicht nur, aber eben auch mich 😅 – auf Binocular Shot aufmerksam gemacht. Für dieses Projekt sammelt Jarvier Arce Filmszenen, in denen die Kameraperspektive ein Fernglas nachahmt. 36 Filme mit mehreren Szenen sind bereits vertreten, darunter etwa Wes Andersons MOONRISE KINGDOM, Hitchcocks THE BIRDS oder den von mir sehr geliebten WALKABOUT von Nicolas Roeg. Das Archiv wird auch als Letterboxd-Liste gepflegt.

Binocular Shot
A tribute to movies with inaccurate binocular shots.

Drüben auf Bluesky formiert sich gerade ein Buchclub. Pro Monat gibt es ein Buch, zu dem dann dann ein Leseplan herausgegeben wird – also für diejenigen, die diese Struktur brauchen. Wer mitmachen will, kann sich bei Clemens Fischer melden, um sich in den Feed aufnehmen zu lassen und kann sich dann zum Beispiel abschnittsweise mit den anderen Leser:innen zwischendurch austauschen. (Erinnert mich ein bisschen an die Community-Features von StoryGraph, dem besseren Goodreads.) Im März liest der Club „Das große Spiel" von Richard Powers.

Der Bluesky Buchclub liest ab dem 1. März: Das große Spiel von Richard Powers. Wenn du noch kein Mitglied bist, aber gerne mitmachen willst, schreibe mir eine Nachricht oder antworte auf diesen Post. Posts von Mitgliedern erscheinen mit dem Hashtag #buchclub im Feed bsky.app/profile/did:...

Clemens Fischer (@clemensfischer.bsky.social) 2025-02-20T06:52:39.052Z

Gestern schrieb ich über Joan Westenbergs Trump-sicheren Tech Stack und wie auch ich mich in eine ähnliche Richtung bewege. Heute wurde mir ein Post von Annette Leßmöllmann in die Timeline gespült, der eine sehr gute Ergänzung dazu parat hält: eine sehr umfangreiche Listensammlung von Constantin Graf mit europäischen Alternativen zu etwa Cloud-Anbietern, Suchmaschinen, Übersetzungstools oder Kartennavigation.

Startseite | European Alternatives
Wir helfen Ihnen bei der Suche nach europäischen Alternativen für digitale Dienstleistungen und Produkte, wie Cloud-Dienste und SaaS-Produkte.

...oder habe ich irgendwas vergessen? Dann her damit! Bis dahin: Danke für die Aufmerksamkeit 🙌


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