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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Yannick (2023)

Gesehen: Yannick (2023)
(c) Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production

Im allerbesten Sinne respektlos dekonstruiert Quentin Dupieux Diskurse über Deutungshoheiten, Anspruch, Niveau, Authentizität, Elitismus, was Kunst kann, was Kunst nicht kann, was Kunst muss und was nicht. Er verweigert sich konsequent überintellektualisierenden Ansätzen, indem er permanent falsche Fährten legt, vermeintliche Argumentationslinien zuverlässig unterläuft und absichtlich desorientierende Widersprüche konstruiert. So ist YANNICK ein Film, der sich permanent selbst häutet und schließlich einen (für mich) unerwartet bewegenden, tieftraurigen Kern freilegt, der letztlich sehr viel über Ausbeutung und soziale Ungleichheit erzählt.

★★★★☆

FR, R: Quentin Dupieux, D: Raphaël Quenard, Pio Marmaï, Blanche Gardin, Sébastien Chassagne, Trailer, Wikipedia
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Umberto Ecos „Der ewige Faschismus“

Umberto Ecos „Der ewige Faschismus“
(c) Erinc Salor unter CC BY-SA 2.0

Mit dem Werk Umberto Ecos hatte ich bisher kaum Berührungspunkte. Umso eindrucksvoller war für mich nun sein Essay „Der ewige Faschismus“, das fast 30 Jahre alt ist und mit haarsträubender Präzision herausarbeitet, was den Faschismus ausmacht. Das komplette Essay ist mehr als lohnenswert, seine 14 Punkte sind aber auch noch mal in der Wikipedia zusammengefasst. Die Parallelen zur Gegenwart sind offensichtlich.

Ur-Fascism | Umberto Eco
I think it is possible to outline a list of features that are typical of what I would like to call Ur-Fascism, or Eternal Fascism. These features cannot be organized into a system; many of them contradict each other, and are also typical of other kinds of despotism or fanaticism. But it is enough that one of them be present to allow fascism to coagulate around it.

Gesehen: A Woman Under the Influence (1974)

Gesehen: A Woman Under the Influence (1974)
(c) Faces International Films

Wow, der Film hat mich wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunden unter Strom gehalten und die Sichtung zu einer wirklich körperlichen Erfahrung gemacht. Das gelingt durch den Balanceakt zwischen radikaler Überzeichnung auf der einen und Verankerung in einer nur zu gut bekannten Realität auf der anderen Seite. Was das bei mir ausgelöst hat, möchte ich fast als kognitive Dissonanz bezeichnen.

Cassavetes dekonstruiert oder vielleicht eher entromantisiert die idyllische Vorstellung vom Vorortleben der Blue-Collar-Arbeiter*innenklasse und zeichnet dieses americanaeske Gesellschaftsgefüge als eines, das im Grunde genommen nicht wirklich an Menschen, sondern nur an Ästhetik interessiert ist. Ein Problem sieht nicht gut aus, also muss es aus der Sichtlinie genommen oder mindestens zurechtgestutzt werden. Wem es schlecht geht, für den ist kein Platz im Vorstadtparadies.

Das trifft hier natürlich besonders als „hysterisch“ abgestempelte Frauen, die zwar keiner Erwerbsarbeit nachgehen, aber letztlich dafür verantwortlich sind, den ganzen Laden jeden Tag aufs Neue vor dem Auseinanderfallen zu bewahren. Haushalt, Erziehung der Kinder, sich einmischende Schwiegereltern und ein Ehemann, der sein ganzes Leben an der Arbeit verbringt und seiner Frau zum Dank spontan und unangekündigt die komplette Belegschaft zum Essen mit ins Haus schleppt – all diese Rollen, diese Erwartungen und Aufgaben wollen erfüllt werden.

Das ist keine Last, die ein Mensch alleine tragen sollte – und mitunter auch kann. Wo bleiben da Zeit und Raum dafür, sich seiner selbst zu vergewissern? All das kulminiert für mich als Peter Falks Nick Gena Rowlands sichtlich mit allem hadernde Mabel anbrüllt: „JUST BE YOURSELF!“ Worauf er jedoch abzielt, ist seine Vorstellung davon, wie sie zu sein hat. Und sie hat schon längst vergessen, wer sie eigentlich ist, wird immer verzweifelter – bis er ihr nicht sagen kann, dass er sie liebt. Dann ist sie plötzlich total gelöst, frei von allen Zwängen, Ängsten und Erwartungen.

★★★★½

US, R: John Cassavetes, D: Gena Rowland, Peter Falk, Trailer, Wikipedia
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Gesehen: Härlig är jorden (1991)

Gesehen: Härlig är jorden (1991)
(c) SVT Drama, Studio 24, Svenska Filminstitutet

Aus meiner Sicht ist das hier ein bitterböses Zeugnis für eine Gesellschaft, die über alle Maßen narzisstisch wie egozentrisch und mehr darauf bedacht ist, gut auszusehen als gut zu sein, die ausschließlich nach dem Prinzip „Nach mir die Sintflut“ lebt und dafür auch nicht vor rechter Barbarei zurückschreckt – verpackt in den Andersson-typischen trockenen, abgründigen Humor.

SE, R: Roy Andersson, D: Klas-Gösta Olsson, Trailer, Wikipedia
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Yo

Yo
(c) Yo

Kleiner Blast from the past beim Nieman Lab. Yo war ein soziales Netzwerk, mit dem sich zunächst nur eine einzige Sache machen ließ: seinen Kontakten ein „Yo“ schicken. Zehn Jahre nach Launch und sechs Jahre nach Ende der App sieht Social Media (und die Welt) ziemlich anders aus. Damals hatte der Nonkonformismus der Idee ein gewissen Reiz. Heute würde das absolut (wieder) nutzen – einfach, weil das laute Grundrauschen der Welt diese Simplizität verführerisch erscheinen lässt.

Yo! How a content-free social network briefly fascinated the world (and the news media)
Ten years ago today, a new app arrived to strip the “media” out of social media, reducing messaging to two little letters. It burned bright, but not for long.

THE ZONE OF INTEREST VFX Breakdown

THE ZONE OF INTEREST VFX Breakdown
(c) Leonine Studios Spielfilm

Ein kurzer, aber dennoch bemerkenswerter Einblick in die Art und Weise, wie die Aufnahmen für THE ZONE OF INTEREST (2023) in der Postproduktion manipuliert wurden. Besonders spannend finde ich es zu sehen, wie vollgestellt das Set mit Kameras war und wie die einfach aus den Bildern getilgt wurden.