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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Plex mit kostenlosen Arthouse-Perlen

Plex mit kostenlosen Arthouse-Perlen
(c) Plex

Ich kannte das werbefinanzierte Streaming-Angebot von Plex zwar, aber habe es mir nie richtig angeschaut. Das war ein Fehler, wie ich gerade festelle. Ozu und Kurosawa sind zum Beispiel ganz gut vertreten. Oder für alle, die aufgrund der traurigen Nachrichten schauen wollen: elf Filme von Roger Corman.

Plex

Gesehen: LOLA (2020)

Gesehen: LOLA (2020)
(c) NEUE VISIONEN

Es ist schon ganz clever gemacht, wie schnell der Film das auf der Hand liegende aus dem Weg räumt. Während man noch müde darüber lächelt, wie eine Welt ohne David Bowie aussehen würde, bereitet der Film unter der Hand einen ziemlich effektiven Schlag in die Magengrube vor.

Letztlich führt LOLA noch einmal vor Augen, wie nah die Welt schon einmal am Abgrund stand und welche Gefahren daran liegen, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen und keine Lehren aus der Geschichte zu ziehen, sondern sich krampfhaft an die Vorstellung einer vagen Zukunft klammert, die ganz bestimmt auf jeden Fall sicher hupro die Erlösung bringen wird. Und damit lässt sich der Film auch als Metapher auf den Umgang mit der Klimakatastrophe lesen. Grüße an Christian Lindner und seine TeChNoLoGiEoFfEnHeIt gehen raus.

Formal betrachtet ist mir der Film nur etwas zu affektiert. Aber das ist Geschmacksfrage und kein Dealbreaker.

★★★☆☆

IE/GB, R: Andrew Legge, D: Emma Appleton, Stefanie Martini, Rory Fleck-Byrne, Aaron Monaghan, Trailer, Wikipedia
Lola - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Drive-Away Dolls (2024)

Gesehen: Drive-Away Dolls (2024)
(c) Universal Pictures Germany

Ethan Coen und Tricia Cooke nehmen hier ein bisschen heilige Grale der Filmbros wie FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS und PULP FICTION, aber auch Grenzgänger wie THELMA & LOUISE aufs Korn. DRIVE-AWAY DOLLS versucht sich an einem dekonstruierenden Ansatz, stolpert sich damit letztlich aber doch nur doch ein Standard-Roadmovie mit ein paar lauwarmen Gags, über das auch der von Gaststars regelrecht gesäumte Wegesrand nicht hinwegtäuschen kann.

Wahrscheinlich scheitert er dabei auch. Denn mit seiner seichten Art verkennt er, was die Filme, die er gewissermaßen persifliert, so radikal gemacht haben: die Auslassungen und Leerstellen, das Implizite. DRIVE-AWAY DOLLS hinterlässt den Eindruck, dass sich unter dem Deckmantel der Lücke eigentlich nur Sex versteckt hat.

Das ist selbstverständlich viel zu kurz gegriffen, völlig unzulänglich und letztlich auch nur pseudo-empowering. Denn letztlich wird hier die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen nicht auf kluge und unterhaltsame, sondern lediglich auf platte Art runtergedampft.

★★½☆☆

GB/US, R: Ethan Coen, D: Margaret Qualley, Geraldine Viswanathan, Beanie Feldstein, Joey Slotnick, C.J. Wilson, Colman Domingo, Pedro Pascal, Bill Camp, Matt Damon, Trailer, Wikipedia
Drive-Away Dolls - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Lange Nacht widmet sich François Truffaut

Lange Nacht widmet sich François Truffaut
(c) Karollyne Videira Hubert / Unsplash

Warum hat mir denn niemand was gesagt? Jüngst lief in der Langen Nacht auf Deutschlandfunk Kultur eine Auseinandersetzung mit dem von mir sehr verehrten François Truffaut. Das habe ich nun nachgeholt und empfehle den zweieinhalbstündigen Beitrag hiermit außerdem gerne weiter.

Nichtsdestotrotz: Das Feature trägt den etwas altherrenhaften Titel „Der Mann, der die Frauen liebte“. Und so hört es sich leider stellenweise auch an. Unter den sieben sprechenden Menschen sind lediglich zwei Frauen relativ knapp zu hören. Gerade die Perspektive von Frauen ist es doch, die absolut notwendig ist, um diesen Titel letztlich auf seine Stichhaltigkeit abzuklopfen.

François Truffaut: Mitbegründer der Nouvelle Vague
Filmemacher François Truffaut war Mitbegründer der “Nouvelle Vague”. Sein Leben war geprägt von der Liebe zum Kino und einem legendären Gespräch mit Hitchcock.

Gesehen: Maya (2018)

Gesehen: Maya (2018)
(c) Weltkino Filmverleih

Ich mag es, wie leise, vorsichtig, zurückhaltend und subtil, mit wie vielen kleinen unscheinbaren Gesten dieser Film den ersten Akt begeht. Wie er gar nicht erst versucht, Worte für etwas zu finden, für das es im Wortschatz der Umstehenden sowieso keine Entsprechung zu geben scheint. Mia Hansen-Løve konstruiert die Welt als Puzzle, deren Teil plötzlich nicht mehr ganz zusammenpassen wollen. Mit Gewalt ginge es sicherlich, aber nicht ohne Schaden zu verursachen.

Die Flucht in die vermeintlich heilere Vergangenheit offenbart, dass auch diese Teile nicht mehr passen – und das vielleicht auch noch nie getan haben. Daraus entwickelt sich eine neue Klarheit, eine neue Perspektive auf dieses aus den Angeln gerissene Leben.

Warum die Hauptfigur dabei jedoch einen Gegenpart bekommt, der so hölzern, so auf sehr engen Bahnen laufend, so formelhaft gespielt ist, lässt sich nur schwer greifen. Eigentlich bin ich kein großer Freund davon, ganze Filme wegen einzelner nicht immer zulänglichen Performances abzuurteilen. Aber hier ist es leider genau das, das aufgrund seiner Grobheit das vorsichtige Vorantasten verunmöglicht.

★★★☆☆

DE/FR, R: Mia Hansen-Løve, D: Roman Kolinka, Aarshi Banerjee, Alex Descas, Judith Chemla, Johanna ter Steege, Trailer, Wikipedia
Maya - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gehört: „Acht Tage im Mai“ (2020) von Volker Ullrich

Gehört: „Acht Tage im Mai“ (2020) von Volker Ullrich
Verlag und Cover: C. H. Beck

Derart engmaschig gebündelt vor Augen geführt zu bekommen, mit welcher Schlagzahl sich regelrecht monumentale Ereignisse innerhalb von nur etwas mehr als einer Woche überschlugen, ist bewegend und erschütternd. Volker Ullrich lässt sich jedoch vom titelgebenden Zeitkorsett nicht unnötig einschränken und weiß zu gegebener Zeit auch einen Blick in vergangene oder zukünftige Jahre zu werfen. Er beschreibt eindrücklich, wie das sogenannte Dritte Reich einem Kartenhaus gleich von einem Windstoß auf den anderen plötzlich nicht mehr existierte.

Doch so klar wie er die Äußerungen und Taten der Hauptkriegsverbrecher einordnet und wertet, so nachlässig wird er meiner Meinung nach im Vergleich bei Zeugnissen aus der „einfachen“ Bevölkerung. Die lässt er zu oft unzureichend kommentiert davonkommen. Mir scheint, als ob er in diesem Buch einen zu großen Unterschied zwischen Nazi-Funktionären und dem „Volk“ macht. Doch wenn er dessen Stimmen zur Unterfütterung seiner Geschichtsschilderung nutzt, sollte er sie mit derselben Klarheit und derselben kritischen Schärfe begegnen, finde ich.

ISBN: 9783406752537