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Gesellschaft

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Posts tagged with Gesellschaft

Christian Schiffer über Schlüsse aus der Killerspieldebatte

Hat mir auf jeden Fall eine andere Perspektive eröffnet

Christian Schiffer über Schlüsse aus der Killerspieldebatte
Foto: re:publica unter CC BY-SA 4.0

Christian Schiffer, einst Chefredakteur der WASD und aktuell Redakteur beim Bayrischen Rundfunk, hat auf der diesjährigen re:publica einen extrem klugen Vortrag über die sogenannte Killerspieldebatte gehalten.

Für mich ein totaler Augenöffner war sein Rückblick auf die als Amoklauf klassifizierte Tat von Winnenden 2009:

Es ist nämlich so, dass wenn man sich das Opferprofil anschaut, vor allem junge Frauen umgebracht worden sind. Also insbesondere war es so, dass wenn es um die Schüler geht, er vor allem Mitschülerinnen ermordet hat [...] und wir würden eigentlich das heute nicht mehr als Amoklauf diskutieren, sondern als Femizid.

Mir ist es auch noch nie in den Sinn gekommen, durch die Linse des derzeitigen Niveaus öffentlicher Diskurse einmal zurück auf die Taten zu blicken, die die Killerspieldebatte zu meiner Zeit™ anfeuerten.

André Frank Zimpels Appell zum Neudenken von Intelligenz

Nicht vom Vortragstitel abschrecken lassen!

André Frank Zimpels Appell zum Neudenken von Intelligenz
Foto: re:publica unter CC BY-SA 4.0

Der Psychologe André Frank Zimpel hat auf der diesjährigen re:publica einen ganz tollen Vortrag gehalten, der sich letztlich um die immer größer werdende Sichtbarkeit von Neurodivergenz in unserer Gesellschaft dreht und warum wir deshalb verschiedenste Gegebenheiten neu denken müssen.

Wie intelligent sind Intelligenztests und wie Barrierefrei sind Intelligenztests? Bilden Intelligenztests wirklich das ab, was wir uns Vorstellen? Ich denke gerade aus der Neurodiversitätsbewegung und aus der Betrachtung von KI wird deutlich: Wir müssen über Intelligenz neu nachdenken und müssen vor allen Dingen auch die Wurzeln besser verstehen.

„Ye, The Fool." – Kanye West als Produkt unserer Zeit

Ein vielschichtiges Essay von Luiza Liz Bond

„Ye, The Fool." – Kanye West als Produkt unserer Zeit
Foto: Rachel / Unsplash

Absolut dicht geschriebenes Essay von Luiza Liz Bond bei House of Tabula über Kanye West, der einst Künstler war und heute nur noch Event ist.

He is the perfect artist for this moment – not because he uplifts it, because he reveals it, he embodies it; a world in love with madness, divorced from memory, terrified of silence; a world, that can no longer distinguish between transgression and tantraum, between prophecy und pathology.

Das Essay versucht sich also nicht nur an einer Erklärung von Kanye, sondern auch an einer Beschreibung unserer Zeit durch die Linse unserer Kultur.

Investigativ im Dönermilieu: Wer hat das Kebab-Logo gezeichnet?

Jetzt schon der Storytelling-Podcast des Jahres.

Investigativ im Dönermilieu: Wer hat das Kebab-Logo gezeichnet?
Foto: Daniel Lloyd Blunk-Fernández / Unsplash

Gerade macht mal wieder ein Storytelling-Podcast die Runde: OBSESSED - Döner Papers. Der dokumentiert den Versuch, den:die Urheber:in der allseits bekannten Illustration auf den Papiertaschen, in die viele Döner erst mal gepackt werden, ausfindig zu machen.

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Milliarde Döner verkauft – und von fast jeder Tüte grinst uns der freundliche Dönermann an. Wir tragen das Logo auf T-Shirts und Caps, es gibt Remixes und Parodien. Das Problem ist nur: Niemand weiß, wer das Döner-Logo gezeichnet hat.

Podcast-Host Aylin Doğan will das ändern. In 6 Folgen fragt sie sich durch ganz Dönerland. Aylin trifft große Namen der Dönerbranche, sammelwütige Immobilienmakler und Grafik-Experten. Dabei taucht sie ab in Rabbit Holes, in die Ursprünge des Döners und lernt viel über den Struggle der Gastarbeiter, die den Döner nach Deutschland gebracht haben.

Spoiler: Der Versuch gelingt.

Bereits damit hat dieser Podcast aus der Schmiede Kugel und Niere für den BR so vielen Genrekollegen (die hier irgendwie auch ein bisschen persifliert werden) extrem viel voraus. Denn oft kommen die mit einer gehörigen Portion Selbstverliebtheit daher, die jede noch so kleine Sackgasse im Rechercheprozess aus nur selten angebrachter Eitelkeit miterzählen müssen. Was nur selten erkannt wird: Selbst für Journalist:innen ist das kein sonderlich bereicherndes Hörerlebnis, wenn auf dem Weg in die Sackgasse nicht wenigstens eine andere Metaebene bearbeitet wird.

Die Döner Papers tappen nicht in diese Falle. So ziemlich jede Sackgasse, in die dieser Podcast gerät, wird trotzdem mit Hintergründen ausgestattet, die zur größeren Erzählung über die Geschichte der türkischen Community in Deutschland beitragen.

Manchmal scheint mir das Skript etwas zu forciert jugendlich formuliert, aber das ist letztlich Geschmacksache. Unterm Strich ist das auch kein großer Deal, weil das nur momentweise so ist und nie den eigentlichen Inhalt überlagert.

OBSESSED - Döner Papers
Im Dönerladen treffen wir ihn ständig: Kochmütze, Schnurrbart, riesiger Dönerspieß und über ihm die heiligen zwei Worte: Döner Kebap. Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als eine Milliarde Döner verkauft – und von fast jeder Tüte grinst uns der freundliche Dönermann an. Wir tragen das Logo auf T-Shirts und Caps, es gibt Remixes und Parodien. Das Problem ist nur: Niemand weiß, wer das Döner-Logo gezeichnet hat. Podcast-Host Aylin Doğan will das ändern. In 6 Folgen fragt sie sich durch ganz Dönerland. Aylin trifft große Namen der Dönerbranche, sammelwütige Immobilienmakler und Grafik-Experten. Dabei taucht sie ab in Rabbit Holes, in die Ursprünge des Döners und lernt viel über den Struggle der Gastarbeiter, die den Döner nach Deutschland gebracht haben. Die ganze Zeit ist Aylin obsessed von einer Frage: Werde ich den Menschen finden, der das Döner-Logo gezeichnet hat?

P.S.: Lustig bezeichnend ist, dass (vermutlich die BR-Redaktion) in der ARD-Audiothek von Döner Kebap statt Kebab schreibt.

Dan Olsons Deep Dive in kreationistische Sandkastenspiele

Man weiß gar nicht, ob man vor Wut schäumen oder sich vor Lachen krümmen soll.

Dan Olsons Deep Dive in kreationistische Sandkastenspiele
„Die Erschaffung Adams" von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle

Dass ich großer Fan von Dan Olsons Deep Dives in manchmal gefühlt random Rabbit Holes, habe ich hier ja schon mal notiert. Was ich aber weiterhin nicht will: Mir einfach ungesehene Videos ins Blog kleben, nur weil sie von einem bestimmten Namen kommen.

Deshalb hat es auch mehr als vier Monate gedauert, bis ich nun feierlich „Mantracks: a True Story of Fake Fossils" empfehlen kann. Dan Olson taucht ein in die skurrile wie wissenschaftsfeindliche und deshalb gefährliche Welt der Kreationist:innen.

Back in 2013 a couple random dudes decided to make a pseudo-sequel to Footprints in Stone called Forbidden History: Footprints in Stone II, which is essentially just an extended interview with Carl Baugh and his protegee Aaron Judkins. I was really tempted to call this video Footprints in Stone III, but restrained myself and consigned that in-joke to the clickbait title.

Dass diese Weltsicht auf hanebüchenem Quatsch fußt, war mir natürlich schon vorher klar. Aber dann zu sehen, welche (wortwörtlichen) Sandkastenspiele und -streits daraus entwachsen, ist schon krass. Man weiß gar nicht, ob man vor Wut schäumen oder sich vor Lachen krümmen soll.

Pörksen und Bleisch philosophieren in der Sternstunde über Kommunikation

Kommunikation über Kommunikation

Pörksen und Bleisch philosophieren in der Sternstunde über Kommunikation
Bernhard Pörksen auf der re:publica 22 in Berlin // Foto: Stefanie Loos / re:publica unter CC BY-SA 2.0

Bernhard Pörksen war bei der Sternstunde Philosophie im SRF zu Gast und hat dort mit Barbara Bleisch in sehr ausgeruhtem Rahmen mitunter auch sehr persönlich über Kommunikationsprozesse gesprochen – über das Reden, das Zuhören, das Schweigen, das Senden, das Empfangen und die Verantwortung der beteiligten Menschen.

Ich schaue mir Bernhard Pörksen immer gerne an – auch, wenn er in Formaten wie kondensierten Keynotes meiner Meinung nach nicht sonderlich gut funktioniert, weil es dann extrem schwer ist, den extrem dichten Inhalt zu verdauen und dabei auch noch den Anschluss nicht zu verlieren. Barbara Bleisch sorgt hier in sehr angenehmer Dosierung dafür, diesen wahrscheinlich eingeübten Reflex bei Pörksen zu brechen.