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Filmkritik

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Gesehen: I Saw the TV Glow (2024)

Gesehen: I Saw the TV Glow (2024)
(c) Stage 6 Films

Nach WE’RE ALL GOING TO THE WORLD’S FAIR konnte ich noch nicht so richtig in Worte fassen, was mich an Jane Schoenbruns Art und Weise des Filmemachens so fasziniert. Aber hiernach war es mir plötzlich glasklar: Schoenbrun verweigert komplett der Rezeptionsgeschichte anderer Filme, Serien, Musik oder Erzählmustern. Schoenbrun kann nicht gegen den Strich bürsten, als trashig wahrgenommene Elemente ironisch einsetzen oder mit Nostalgie verklären, weil Schoenbrun nicht auf diesen Ebenen arbeitet. Schoenbrun behält sich einen wertfreien Blick auf all diese Werkzeuge und nutzt sie völlig losgelöst von den Zuschreibungen anderer. Genau deshalb wirken Schoenbruns Filme auf mich so anders und so frisch.

Ein bisschen musste ich an Xavier Dolan denken, der etwa völlig unironisch und ohne abschätzige Perspektive O-Zones Dragostea din tei oder andere als Mainstream verschriene Tracks benutzt und es einfach funktioniert.

Sicherlich kann man dem Film vorwerfen, im Gegensatz zu WE’RE ALL GOING TO THE WORLD’S FAIR etwas kantenloser und zugänglicher zu sein, dass Schoenbrun dadurch etwas an Radikalität einbüßt. Aber ich finde, dass das I SAW THE TV GLOW letztlich keinen Abbruch tut.

Viel geholfen hat auch, mir nach WORLD’S FAIR angelesen zu haben, dass Jane Schoenbrun transfeminin und nicht-binär ist. Denn diese Lebensrealität durchdringt hier den kompletten Film. Wie muss es sich anfühlen, nicht der Mensch zu sein, den andere beschreiben, wenn sie dich ansehen? Stimmt die Welt nicht oder stimme ich nicht? Was verbirgt sich wirklich unter meiner Haut? Verbirgt sich überhaupt etwas unter meiner Haut oder bin ich längst eine leere Hülle? Auf Dysphorie folgt Dissoziation, folgt was…?

★★★★½

🇺🇸, R: Jane Schoenbrun, D: Justice Smith, Brigette Lundy-Paine, Ian Foreman, Helena Howard, Lindsey Jordan, Danielle Deadwyler, Fred Durst, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Stage 6 Films

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A ★★★★½ review of I Saw the TV Glow (2024)
Nach WE’RE ALL GOING TO THE WORLD’S FAIR konnte ich noch nicht so richtig in Worte fassen, was mich an Jane Schoenbruns Art und Weise des Filmemachens so fasziniert. Aber hiernach war es mir plötzlich glasklar: Schoenbrun verweigert komplett der Rezeptionsgeschichte anderer Filme, Serien, Musik oder Erzählmustern. Schoenbrun kann nicht gegen den Strich bürsten, als trashig wahrgenommene Elemente ironisch einsetzen oder mit Nostalgie verklären, weil Schoenbrun nicht auf diesen Ebenen arbeitet. Schoenbrun behält sich einen wertfreien Blick auf all diese Werkzeuge und nutzt sie völlig losgelöst von den Zuschreibungen anderer. Genau deshalb wirken Schoenbruns Filme auf mich so anders und

Gesehen: Innocence (2004)

Gesehen: Innocence (2004)
(c) Mubi

Lucile Hadzihalilovic führt mit diesem isolierten Ort, an dem nur Mädchen und Frauen leben, zunächst an der Nase herum. Es wirkt wie ein Ort der Schwesternschaft, an dem sich Mädchen gegenseitig unterstützen, von den Frauen lernen und sich keine Sorgen über übergriffige Männer machen müssen.

Doch an dieser Oberfläche werden schnell Brüche klar, durch die das Autoritäre in immer größer werdenden Mengen an aus dem Inneren heraus quillt. Die Mädchen erhalten je nach Alter eine andersfarbige Schleife für ihr Haar, aus denen bereits ein unausgesprochenes Machtgefälle erwächst und unbewusst eine Hierarchie eingezogen wird. Wer sich den Regeln nicht beugen will, wird drakonisch bestraft. Und warum sind die Regeln so, wie sie sind? Eben darum. Hier wird nicht gelernt, füreinander da zu sein, sondern repressive Strukturen nicht zu hinterfragen und so ohne Widerrede hinzunehmen. Ein Bootcamp für das Leben im Patriarchat.

★★★★☆

🇧🇪/🇫🇷/🇯🇵/🇬🇧, R: Lucile Hadzihalilovic, D: Zoé Auclair, Lea Bridarolli, Bérangère Haubruge, Marion Cotillard, Hélène de Fougerolles, Olga Peytavi-Müller, Alisson Lalieux, Anna Palomo-Díaz, Astrid Homme, Joséphine Van Wambeke, Corinne Marchand, Trailer, Letterboxd, Wikipedia

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A ★★★★ review of Innocence (2004)
Lucile Hadzihalilovic führt mit diesem isolierten Ort, an dem nur Mädchen und Frauen leben, zunächst an der Nase herum. Es wirkt wie ein Ort der Schwesternschaft, an dem sich Mädchen gegenseitig unterstützen, von den Frauen lernen und sich keine Sorgen über übergriffige Männer machen müssen. Doch an dieser Oberfläche werden schnell Brüche klar, durch die das Autoritäre in immer größer werdenden Mengen an aus dem Inneren heraus quillt. Die Mädchen erhalten je nach Alter eine andersfarbige Schleife für ihr Haar, aus denen bereits ein unausgesprochenes Machtgefälle erwächst und unbewusst eine Hierarchie eingezogen wird. Wer sich den Regeln nicht beugen will,

Kinotagebuch: Alien: Romulus (2024)

Kinotagebuch: Alien: Romulus (2024)
(c) Walt Disney, Leonine

ROMULUS hinterlässt bei mir den Eindruck eines sehr guten ALIEN-Fanfilms. Er verwendet unfassbar viel Energie darauf, wie ALIEN und ALIENS auszusehen. Und das macht er wirklich gut. Auch kann sich Benjamin Wallfischs Score geht absolut unter die Haut. Wie er die finsteren Klänge aus den Instrumenten – vermutlich Cellos oder ähnliche Instrumente – seiner Streicher*innen in brachialen Industrial-Riffs aufgehen lässt, die schließlich ins Elektronische schwappen, passt so perfekt in diese dreckige, raue, lebensfeindliche und von Metall dominierte Welt.

Nur frage ich mich wirklich, ob sich innerhalb dieses Universums überhaupt noch eine erzählenswerte Geschichte verbirgt. Weyland behandelt die eigenen Arbeiter*innen wie Dreck; es gibt mindestens einen Androiden, dem man zumindest zeitweise nicht über den Weg trauen kann; es gibt eine Crew, die nicht immer sonderlich kluge Entscheidungen trifft oder logisch agiert; es gibt mindestens einen Xenomorph, der ein Crewmitglied nach dem anderen ins Jenseits befördert. All diese Konventionen haben bereits ordentliche Gebrauchsspuren – sowohl innerhalb des ALIEN-Universums als auch mit Blick auf das komplette Genre. Da helfen auch ein paar frische Ideen wie das Hindurchwinden durch das ätzende Xenomorphenblut in der Schwerelosigkeit nicht darüber hinweg.

ROMULUS macht zum Schluss noch einmal deutlich, dass Weyland für ein bisschen mehr Profit liebend gerne die komplette Spezies Mensch vor den Bus wirft. Kapital vor Verstand. Der ausbeuterische Konzern schwebt im gesamten Franchise über allem. Aber hier sehen wir mit der Minenkolonie zum ersten Mal so richtig den Dreck, in dem diese Menschen leben, wie sie dem ominösen Konzern ausgeliefert sind und tatenlos dabei zusehen müssen, wie dieser Konzern ihnen die Autonomie nimmt. Wie organisiert sich diese Gesellschaft unter diesen Umständen? Das habe ich mich gefragt – und nicht, wie der drölfzigste Regisseur nochmal den gleichen Film dreht.

Dennoch: Als Blockbuster funktioniert er.

★★★☆☆

US, R: Fede Álvarez, D: Cailee Spaeny, David Jonsson, Archie Renaux, Isabela Merced, Spike Fearn, Aileen Wu, Trailer, Wikipedia
Alien: Romulus - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Das ALIEN-Alien als Kapitalismus-Metapher

Das ALIEN-Alien als Kapitalismus-Metapher
Foto: Walt Disney, Leonine

Spannende Analyse von Wolfgang M. Schmitt, die das Alien als Metapher für den Kapitalismus betrachtet. Aber es geht auch um uns als Menschen.

„Uns schockiert so sehr an ALIEN, dass wir uns selbst in dem Film begegnen.“

Kinotagebuch: Longlegs (2024)

Kinotagebuch: Longlegs (2024)

Osgood Perkins hat sich für LONGLEGS eine Scheibe von Christopher Nolans TENET („Don't try to understand it. Feel it.“) abgeschnitten und einen stimmungsvollen sowie stilsicheren Vibe-Thriller inszeniert – nur, um ihn dann doch noch mit einer lauwarmen Erklärung einzureißen. Denn mit Fragen will man das Publikum dann offenbar doch nicht nach Hause gehen lassen. Wäre ja auch zu viel verlangt, sich über die Credits hinaus mal mit einem Film zu beschäftigen…

★★★☆☆

CA/US, R: Osgood Perkins, D: Maika Monroe, Nicolas Cage, Blair Underwood, Alicia Witt, Trailer, Wikipedia
Longlegs (2024)

Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)

Gesehen: Sometimes I Think About Dying (2023)
(c) Plaion Pictures

Was dem Film sehr gut gelingt, ist die feinen Nuancen der Sicht einer depressiven Person auf sich selbst und die Welt einzufangen. Es sind die negativen Grundüberzeugungen, die in letzter Konsequenz zu sozialer Isolation und Vereinsamung führen. Es ist die Angst, für vermeintliche Fehler gehasst zu werden, aus der krankhafte Vermeidung entwächst und eine selbst erfüllende Prophezeiung wird.

Der Stoff widmet sich dazu der „Theorie“, dass die depressive eher einer realistischen Weltsicht entspricht und die „normale“ Sicht eine verklärte ist. Wir sehen diese Hamsterräder, diese Mühlen, in denen die Menschen einfach den Großteil ihres Lebens stecken. Einen selbstwirksamen und sinnstiftenden Job zu haben, ist Luxus und die Ausnahme. Viel eher existiert man dann in einer abstumpfenden Suppe bis zum Ruhestand vor sich hin, unterhält sich zunehmend über Nichtigkeiten, um nicht endgültig den Verstand zu verlieren und kann dann nicht mal die Rente genießen – weil man sich selbst aus den Augen verloren hat, weil das Geld nicht reicht und/oder weil die psychische und/oder physische Gesundheit nicht mehr mitspielt. Es ist also nur folgerichtig, depressiv zu werden.

Es wirkt wie Glück beim Griff in den hirnchemischen Lostopf, wenn Menschen sich damit irgendwie arrangieren können und die Kraft sowie den Raum haben, ihre komplette emotionale Erfüllung abseits der monotonen Mühlen des Broterwerbs zu finden.

Nur an die Systemfrage traut sich der Film nicht mal annähernd. Warum diese Zustände hinnehmen und nicht untergraben? Der Film resigniert angesichts dieses Elefanten im Raum, was die ganze Gemengelage in die Belanglosigkeit kippen lässt.

★★★☆☆

US, R: Rachel Lambert, D: Daisy Ridley, Dave Merheje, Parvesh Cheena, Marcia DeBonis, Megan Stalter, Brittany O’Grady, Trailer, Wikipedia
Daydreams - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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