Skip to Content

Filmkritik

906 posts

Posts tagged with Filmkritik

Gesehen: Lemminge, Teil 2 – Verletzungen (1979)

Gesehen: Lemminge, Teil 2 – Verletzungen (1979)
(c) ORF, ARD

Denkt Teil 1 konsequent weiter, tut das aber mit ziemlich großen Scheuklappen. Durch die übermäßig psychologisierende Haltung des Drehbuchs werden die Figuren vollends entmündigt und auf Kindheitserfahrungen reduziert. Der Mensch ist hier lediglich ein Produkt seiner Erziehung und nicht dazu in der Lage, eigenständig zu handeln. Sie sind dazu verdammt, nebeneinander zu erfrieren, wie es eine von Hanekes Figuren so treffend sagt. Die Frage bleibt, wie weit in der Vergangenheit Haneke den Ursprung dieses Zustands verortet.

★★★☆☆

AT/DE, R: Michael Haneke, D: Monica Bleibtreu, Elfriede Irrall, Rüdiger Hacker, Wolfgang Hübsch, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 31. Januar 2025 in der Arte-Mediathek:

Lemminge (2/2) - Verletzungen - Film in voller Länge | ARTE
1979 erschien Michael Hanekes vielbeachteter und ambitionierter Zweiteiler “Lemminge” über die österreichische Nachkriegsgeneration, der er selbst angehört. Porträt einer pessimistischen Jugend – und was zwanzig Jahre später aus ihr wurde. Teil 2: 1979 sind aus den Jugendlichen desillusionierte Erwachsene mit eintönig drögem Alltag geworden.

Gesehen: Cuckoo (2024)

Gesehen: Cuckoo (2024)
(c) Weltkino Filmverleih

Für mich ist es bis zum Ende sehr unklar geblieben, was ich jetzt eigentlich interessant finden könnte oder soll.

Es könnte der mir als alter Mountainbiker nur zu gut bekannter Ort sein, der allerspätestens in den 1980ern steckengeblieben zu sein scheint, wo seitdem Einrichtung und Abläufe nicht mal annähernd ein zeitgemäßes Update bekommen haben, alles deshalb irgendwie entrückt und dadurch auch unheimlich wirkt. Aber nein, das ist es nicht, weil dieses anfänglich scheinbar so im Zentrum stehende Element doch sehr schnell wieder fallengelassen und nie wieder aufgehoben wird.

Es könnte als die in der Abgeschiedenheit der Berge überlebte Naziideologie sein, deren Anhänger*innen weiterhin wie besessen davon sind, dem Planeten eine überlegene Rasse zu schenken. Aber nein, dafür bietet er zu wenig Futter an.

Es könnte das Kuckucksmotiv vom Ei im fremden Nest sein, mit dem ein Körperhorror versucht wird, heraufzubeschwören. Aber nein, dafür zeigt die Kamera viel zu wenig Interesse an physischer Abgründigkeit.

Mit Hunter Schafer in der Hauptrolle könnte man sich auch auf die Suche nach einer trans Perspektive begeben. Das hier angelegte Fremdeln mit den eigenen Körperreaktionen lässt zumindest Anflüge dessen vermuten – genau wie die Figur der Halbschwester, die sich letztlich diesen zunächst unerwünschten Reaktionen vollends hingibt. Aber nein, auch das wird nie wirklich bis zum Ende durchgedacht.

Zusammenfassend kann ich also sagen: Ich weiß nicht genau, was dieser Film versucht hat, aber er ist daran gescheitert.

Zugutehalten möchte ich CUCKOO dennoch Hunter Schafers Performance. Sie weiß genau, in was für einem Film sie sich bewegt und weiß das auch ziemlich gut zu ihrem Vorteil auszuspielen. Auch die grundlegende Furchtlosigkeit Tilman Singers davor, radikale Wendungen zu nehmen und vorher sicher geglaubte Gedankenschlösser wieder einzureißen, finde ich zumindest angenehm irritierend.

★★☆☆☆

DE, R: Tilman Singer, D: Hunter Schafer, Dan Stevens, Jessica Henwick, Marton Csokas, Mila Lieu, Greta Fernández, Astrid Bergès-Frisbey, Proschat Madani, Jan Bluthardt, Trailer, Wikipedia
Cuckoo - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Cuckoo” heute auf Netflix, Prime Video und Disney+ online sehen kannst – einschließlich in 4K und kostenloser Optionen.

Gesehe: Lemminge, Teil 1 – Arkadien (1979)

Gesehe: Lemminge, Teil 1 – Arkadien (1979)
(c) ORF, ARD

Spannend zu sehen, wie früh in seinem Schaffen Haneke schon ganz klar Haneke war. Sehr vertraut sind diese bürgerlichen Gestalten, die die personifizierte Scheinheiligkeit zu sein scheinen, die (vor allem zu sich selbst) unehrlich sind und sich aus Überheblichkeit dem Abgründigen nicht stellen, es nur im Verborgenen zulassen. Es sind wahrscheinlich die Überbleibsel des Nationalsozialismus und prinzipiell das Autoritäre, das hier den Boden vor Menschen und zwischen Generationen aufgehen lässt, das nichts anderes als zwischenmenschliche Kälte ermöglicht.

Es mag nicht so filigran, so vielschichtig beobachtet und ausformuliert sein wie in folgenden Werken. Aber es ist bereits alles angelegt und zeugt von einer klaren Vision, einem starken Ausdruckswillen und einer schon früh profilierten Stimme.

★★★½☆

AT/DE, R: Michael Haneke, D: Regina Sattler, Christian Ingomar, Eva Lindner, Paulus Manker, Christian Spatzek, Elisabeth Orth, Bernhard Wicki, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 31. Januar 2025 in der Arte-Mediathek:

Lemminge (1/2) - Arkadien - Film in voller Länge | ARTE
1979 erschien Michael Hanekes vielbeachteter und ambitionierter Zweiteiler “Lemminge” über die österreichische Nachkriegsgeneration, der er selbst angehört. Porträt einer pessimistischen Jugend – und was zwanzig Jahre später aus ihr wurde. Teil 1: 1959 machen sich junge Leute in Wiener Neustadt auf die Suche nach der Liebe und dem eigenen Lebensweg.

Gesehen: The Watchers (2024)

Gesehen: The Watchers (2024)
(c) Warner Bros. Entertainment

Der Film ist einfach nicht zu mir durchgedrungen – auf keiner Ebene.

Seine Betrachtung vom Publikum als Horror ist nur wenig konsequent. Das dichotome Verhalten des Publikums als Menge, die eine künstlich hergestellte Situation als lebensnah wahrnehmen will und sie gleichzeitig aber eben auch als Spiel mit Regeln zu durchblicken glaubt, das wird zwar angelegt, aber letztlich nicht konsequent genug verfolgt. Vieles bleibt einfach liegen.

Den Film im letzten Akt noch in eine Art Folk-Horror kippen zu lassen, zieht den Karren auch nicht mehr aus dem Dreck und geht auch nicht wirklich auf. Folk-Horror basiert doch letztlich auf Geschichten, die sich die Menschheit (zumindest in der Realität des Films) schon ewig erzählt. Hier ist es irgendein randständiger Forscher, dessen Arbeit keinen breiten Anschluss gefunden haben zu scheint. Der Film tut praktisch nichts dafür, das für Folk-Horror absolut notwendige Fundament vorzubereiten und muss am Ende das Unbehagen behaupten, weil es kaum nachvollzogen werden kann.

★½☆☆☆

US, R: Ishana Night Shyamalan, D: Dakota Fanning, Georgina Campbell, Olwen Fouéré, Oliver Finnegan, Alistair Brammer, John Lynch, Trailer, Wikipedia
They See You - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
Finde heraus, wie und wo du “They See You” heute auf Netflix, Prime Video, Disney+ & Co. online sehen kannst – einschließlich 4K und kostenloser Optionen.

Gesehen: Opening Night (1977)

Gesehen: Opening Night (1977)
(c) Faces International Films

Klar lässt sich dieser Film sehr eng mit dem Thema verknüpfen, welchen Wert wir als (patriarchal geprägte) Gesellschaft einer alternden Frau zumessen. Klar sollten wir uns hier die drängende Frage stellen, warum wir Menschen abhängig von ihrem Alter überhaupt einen Wert zumessen. Aber das ist hier nur ein Teilaspekt dessen, was mich so gepackt hat.

Mir ging Gina Rowlands’ Figur extrem nahe. Sie ist eine Frau, getrieben von der Angst, dass sich unter dem Ruhm einfach nichts ist. Sie trinkt nicht, weil sie ihre inneren Dämonen mit Alkohol betäuben will; sie trinkt, weil es sie davon abhält, in sich hineinzublicken. Denn dort lauert womöglich nichts – keine Ziele, keine Werte, nichts Liebenswertes, nicht einmal Dämonen, sondern nur die große Leere.

Wahrscheinlich nimmt sie der Tod einer jungen Frau, von der sie verehrt wurde, so heftig mit. Denn die verkörperte den Fan im wortwörtlichen Sinne: fanatisch, obsessiv, blinden Applaus und scheinbar bedingungslose „Liebe“ spendend. Gina Rowlands’ Figur bekommt es nun mit der nackten Panik zu tun. Denn was ist, wenn dieser tosende Applaus plötzlich abebbt und gänzlich versiegt? Dann ist da nur noch die große Leere, die ohrenbetäubende Stille. Und das ist das, was mir durch Mark und Bein ging.

★★★★☆

US, R: John Cassavetes, D: Gina Rowlands, John Cassavetes, Ben Gazzara, Joan Blondell, Paul Stewart, Zohra Lampert, Laura Johnson, John Tuell, Trailer, Wikipedia
Opening Night - Stream: Jetzt Film online anschauen
Gibt es Opening Night auf Netflix, Amazon, Sky Ticket, iTunes und co? Jetzt online Stream finden!

Gesehen: Wintermärchen (2018)

Gesehen: Wintermärchen (2018)
(c) W-film

Der Abspann beginnt über den Fernseher zu laufen, im Hintergrund setzt „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte ein und ich denke mir nur: „Euer verdammter Ernst?!“ Wer diese Lyrics wirklich als Erklärungsansatz für rechtsextremen und nationalsozialistischen Terror begreift, der hat doch den Schuss nicht gehört. Die Nazis sind die ungeliebten Kinder mit den bösen Eltern, sind sexuell frustriert, kennen ausschließlich toxische zwischenmenschliche Beziehungen und essen heimlich natürlich trotzdem Döner. Das Drehbuch klammert fast gänzlich die menschenfeindliche und rassistische Ideologie aus. Aber wer sich derart deutlich auf Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bezieht, kann und darf sich das nicht erlauben.

Versucht man diese Brille für einen Moment abzulegen, verbirgt sich hinter WINTERMÄRCHEN aber eben auch eine unter die Haut gehende Beobachtung von Machtdynamiken, toxischen Beziehungsgefügen und repressiven Herrschaftssystemen. Und diesen Beobachtungen wohnt eine universellere Wahrheit inne, die sich nicht nur im Nationalsozialismus, sondern auch zwischen den Geschlechtern oder Institutionen wie etwa der katholischen Kirche wiederfinden lässt.

★★½☆☆

DE, R: Jan Bonny, D: Thomas Schubert, Ricarda Seifried, Jean-Luc Bubert, Trailer
Wintermärchen - Stream: Jetzt Film online anschauen
Finde heraus, wie und wo du “Wintermärchen” heute auf Netflix und Prime Video sehen kannst – einschließlich kostenloser Optionen.