Während die Welt da draußen von singulären Ereignissen wie der AIDS-Epidemie, dem 11. September 2001 oder dem Fall der Berliner Mauer mit dem folgenden Zerfall des Eisernen Vorhangs zerklüftet und die Zeit regelrecht aus den Angeln gehoben wird, scheint der namenlose Club ein Refugium zu sein, in dem man noch loslassen kann.
Mir hat die Idee der Türsteherin als eine Figur, die Schicksale kuratiert, richtig gut gefallen. Hier geht es nicht darum, den lockersten Geldbeutel, die heißesten Menschen und das „richtige“ Verhältnis zwischen den Geschlechtern in den Club zu holen. Hier geht es darum, Leben miteinander zu verknüpfen, Verbindungen zu schaffen, die außerhalb der Regeln von Raum und Zeit bestehen. Und um Musik. Musik ist immer gut.
★★★½☆
AT/BE/FR, R: Patric Chiha, D: Anaïs Demoustier, Tom Mercier, Béatrice Dalle, Martin Vischer, Mara Taquin, Sophie Demeyer, Pedro Cabanas, Trailer, Wikipedia
Eine wunderschön schwelgerische, magisch-realistische Geschichte über das menschliche Ringen nach gemeinsamen Erzählungen, nach dem Schreiben eigener Geschichten und nach der Geborgenheit durch das Gute in Geschichten. Es geht um die verführerische Macht, die Geschichten aus den Federn Dritter über uns erlangen können und den Reiz, sich in die Geschichten anderer hineinzuflüchten. Es ist die Suche nach Sinn, nach einem Ziel, das es zu verfolgen lohnt, und die romantische Verheißung des Einklangs mit der Natur und die Sehnsucht, die in dieser Erzählung begründet ist. Hat mich total verzaubert.
★★★★½
AR/DE, R: Laura Citarella, D: Laura Paredes, Ezequiel Pierri, Rafael Spregelburd, Elisa Carricajo, Juliana Muras, Verónica Llinás, Trailer, Wikipedia
Das Herz hat der Film auf jeden Fall am rechten Fleck. Ich meine: Eine Gewerkschafterin, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und gegen strukturellen Sexismus in einem mehrheitlich dem französischen Staat gehörenden Konzern einsetzt und an deren Leben sich parallel der desaströse gesellschaftliche Umgang mit Opfern sexueller Gewalt erzählen lässt, what’s not to „like“?
Leider scheitert der Film bereits auf Drehbuchebene, bevor überhaupt die erste Kamera angeschmissen wurde. Über weite Strecken strengt der Text überdeskriptive Dialoge an, als ob wir nicht bereits sehen würden, dass hier Ungerechtigkeiten passieren. Letztlich wirkt es so, als ob man sich hier lange im Unklaren darüber war, dass man ja einen Film dreht und sich deshalb nicht nur filmischer Mittel bedienen kann, sondern es auch muss.
True Crime für Teilnahmslose – dieser bittere Nachgeschmack blieb mir auf der Zunge.
★★☆☆☆
🇩🇪/🇫🇷/🇺🇸, R: Jean-Paul Salomé, D: Isabelle Huppert, Marina Foïs, Alexandra Maria Lara, Grégory Gadebois, François-Xavier Demaison, Pierre Deladonchamps, Gilles Cohen, Gilles Cohen, Trailer, Wikipedia
Als der Film in Richtung magischer Realismus gekippt ist, wusste ich: Die mehr als dreistündige Laufzeit ist mir noch nicht genug! 😅
Es ist die Verheißung, der urbanen Einöde entfliehen zu können, die Ketten des Kapitalismus zu sprengen und sich im Paradies von den Sirenen verführen zu lassen, mit der hier gespielt wird. Die beiden verlorenen Seelen und die drei verführerischen „Sirenen“ tragen allesamt zueinander anagrammatische Namen. So lässt sich etwa aus den Figuren lesen, was war, was ist und was wird. Die Sirenen als Manifestation von Sehnsüchten, Träumen und Bedürfnissen.
Aber zu Hause in der Großstadt, in der tagtäglichen Monotonie des Wirtschaftens, da geht man eher freiwillig in den Knast, als sich vom Arbeitgeber über die nächsten 20 Jahre bis zur Rente bis auf den letzten Tropfen Lebenswillen auspressen zu lassen. Wenn das Gefängnis ein glaubwürdigeres Versprechen von Freiheit vorbringen kann als die geltende Gesellschaftsordnung, läuft irgendwas nicht ganz richtig. (Dann im Knast direkt wieder mit monetären Zwängen konfrontiert zu werden, – also auf den Schutzgelderpresser zu stoßen, der mit demselben Schauspieler wie der Chef der Protagonisten besetzt ist – ist nicht nur herrlich ironisch, sondern birgt auch eine bittere Wahrheit in sich.)
Der Film hat zwar auch durchaus Momente, in denen er unnötig viel ausbuchstabiert, aber die haben letzten meinem Genuss keinen Abbruch getan.
★★★★☆
AR/BR/CL/LU, R: Rodrigo Moreno, D: Daniel Elías, Esteban Bigliardi, Margarita Molfino, Germán de Silva, Laura Paredes, Mariana Chaud, Gabriela Saidón, Cecilia Rainero, Lalo Rotaveria, Javier Zoro, Trailer, Wikipedia
Für mich hat sich OCCUPIED CITY als überaus produktives Arrangement entpuppt. Den Bildern, die Steve McQueen hier sucht und findet, haftet etwas sehr Direct-Cinema-artiges à la Frederick Wiseman an. Gleichzeitig mittendrin, aber eben auch die nicht weiter beachtete Fliege an der Wand.
Die Kamera, ihre Positionierung und Bewegung machen aus OCCUPIED CITY gewissermaßen eine Gespenstergeschichte. Die Kamera ist böser und mahnender Geist zugleich, der ein Tor zwischen Vergangenheit (in Form von Bianca Stigters Text) und Gegenwart (Steve McQueens Bilder) öffnet.
Daraus produziert der Film eine ganze Reihe von Irritationen, die jedoch letztlich die aufgestoßenen Denkräume klug erweitern. Waren etwa die Grundrechtseinschränkungen zu Beginn der Corona-Pandemie vergleichbar mit der eisernen Hand der Nazis während der Besatzung Amsterdams? Natürlich nicht. Aber die Verschränkung dieser beiden Momente der jüngeren Geschichte Europas lässt uns über die Kontinuitätslinien des Autoritären und deren Grenzen nachdenken.
McQueen geht es hier klar nicht um Gleichsetzung, sondern um Kontrastierung – und die gelingt ihm für meine Begriffe wirklich gut.
Um direkt die offensichtlichen Wortwitze aus dem Weg zu schaffen: Der Film hat mich komplett kaltgelassen und ging mir gleichzeitig unfassbar auf den Geist.
Es ist wahnsinnig uninspiriert und ermüdend, dass dieser Film ein Film für alle sein will und deshalb ein Film für niemanden ist. Aber die Ghostbusters von damals™, die neue Familiendynamik und eine Handvoll quirky Nebenfiguren mit all ihren Eigenheiten unter einen Hut zu bekommen, ist ein aussichtsloses Unterfangen.
Das Festhalten an der alten Dynamik hat sich überholt. Die PG-13-Familie, für die „what the fudge“ gesagt wird und in der Carrie Coon und Paul Rudd eine eher freundschaftliche als von gegenseitiger Anziehung geprägte Beziehung führen, wirkt angesichts dessen total deplatziert, dass die quirky Nebenfiguren dann Witze über einen „cool sex dungeon“ machen.
Die Bilder sind ein einziger großer Callback zu Ivan Reitmans Filmen und damit ein unendlich schwerer Klotz am Bein. So bleibt dem Film nichts anderes übrig, als auf der Stelle zu treten. An Vorwärtsmomentum ist einfach nicht zu denken. Es gibt keine Vision, nur ein verwässertes Erbe, das offenbar einfach nicht losgelassen werden kann.
★½☆☆☆
US, R: Gil Kenan, D: Mckenna Grace, Paul Rudd, Carrie Coon, Finn Wolfhard, Dan Aykroyd, Kumail Nanjiani, Patton Oswalt, Celeste O’Connor, Logan Kim, Emily Alyn Lind, James Acaster, Bill Murray, Ernie Hudson, Annie Potts, William Atherton, Trailer, Wikipedia
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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