Als reine Tech-Dystopie betrachtet ist dieser Film uninspiriert und uninteressant. Hier wabern lediglich viel zu vage Konzepte durch die Welt, denen zwar nicht unbedingt wohlwollend, aber auf jeden Fall seltsam indifferent begegnet wird.
Aber der Kern des Films ist ein anderer und die gesellschaftlichen Implikationen Technologischen Fortschritts sind gar nicht sooo wichtig. Vielmehr geht es um die Konzerne hinter den Technologien, die ihr absurdes Vermögen für die endgültige Demontage des Staates einsetzen und mit neoliberaler Rhethorik ihr autoritäres Bestreben verschleiern.
★★½☆☆
BE/FR/GB/US, R: Sophie Barthes, D: Emilia Clarke, Chiwetel Ejiofor, Rosalie Craig, Vinette Robinson, Trailer, Wikipedia
Romy Schneiders Figur kann hier noch so ausgefuchste Pläne zum Ausbrechen aus ihren Leben genannten Gefängnis schmieden und sich mit vermeintlichen Verbündeten im Rücken sicher fühlen – an irgendeinem Punkt des Planes wird sie unweigerlich an einen Mann geraten und dieser Mann wird ihr in den Rücken fallen.
Die hier beschriebenen Strukturen haben bis heute, fast 50 Jahre nach Erscheinen des Films, nahezu unverändert Bestand. Mit 18 hat die Protagonistin einen deutlich älteren und offenkundig stinkreichen Mann geheiratet. Warum also eine eigene Existenz aufbauen, wenn man sowieso schon „abgesichert" ist? Doch diese finanzielle und somit existenzielle Abhängigkeit wird so im Laufe der Jahre natürlich immer stärker und das Machtgefälle immer größer. Sie ist vollständig patriarchalen Strukturen und Gewalt unterworfen. Selbst aus dem Jenseits heraus scheinen Männer noch über sie verfügen zu können.
Zeitweise habe ich mich aber auch gefühlt, als ob ich gerade einen deutschen Klischeekrimi schauen würde. Vor allem die Ermittler sind irritierend schrullig und bürsten so ungeschickt gegen den abgründigen Strich des Films. Etwas ambivalent stehe ich den ständigen Irrungen, Wirrungen und Wendungen gegenüber. Mir schien es, als ob die sich nur selten aus der inneren Logik des Films heraus nachvollziehen lassen konnten und man deshalb ohne eine derart schwergewichtige Exposition gar nicht über die Distanz kommt.
★★★½☆
FR/DE/IT, R: Claude Chabrol, D: Romy Schneider, Rod Steiger, François Maistre, Paolo Giusti, François Perrot, Hans Christian Blech, Pierre Santini, Jean Rochefort, Trailer, Wikipedia
Jetzt fühlt sich THE SUBSTANCE für mich wie ein Prequel an. Denn hier ist es bereits in der gesellschaftlichen Breite angekommen und anerkannt, sich alle zwölf Stunden für einen halben Tag lang ein anderes, als schöner empfundenes Aussehen verpassen zu können. Daraus ergeben sich ganz neue Fallstricke – etwa die Freilegung eines tief im Bewusstsein verankerten, monokulturellen Verständnisses von Schönheit und einer immer uniformer, stumpfer, klinischer werdenden Ästhetik des öffentlichen Raums.
FR, R: Coralie Fargeat, D: Vincent Colombe, Aurélien Muller, Vanessa Hessler, Aurélia Poirier, Samuel Trépanier, Wikipedia
(c) Les Films de la Boétie, Alexandra Produzioni Cinematografiche
Eine auf den letzten Metern doch noch gelungen zusammengeschnürte Erzählung von Begehren, Erotik, Liebe, Hass, Zwang, Kontrolle, Macht und deren Missbrauch sowie der provozierenden Gleichzeitigkeit, in der all diese Emotionen und Zustände existieren. Wo verlaufen die Grenzen? Gibt es überhaupt Grenzen oder ist alles eine große Grauzone? Diese Ambiguitäten, dieses Verweigern jeglicher Schubladen spiegelt Chabrol auch in der Sexualität seiner Figuren, dekonstruiert dabei Geschlechterrollen und lässt bürgerliche Kleingeistigkeit auflaufen. Es ist ein wahrer Zirkus – sowohl im artistischen als auch im römischen Sinne.
★★★½☆
FR/IT, R: Claude Chabrol, D: Stéphane Audran, Jacqueline Sassard, Jean-Louis Trintignant, Henri Attal, Dominique Zardi, Trailer, Wikipedia
Das Auftragskiller-Schema quasi zu invertieren und jemanden zu zeigen, der zwar genauso im Schatten arbeitet, jedoch Kugeln aus Menschen herausholt, das ist schon eine ziemlich coole Idee. So erscheinen bekannte Konstellationen in neuem Licht, was neue Spannungsfelder eröffnet und frische Reibungsflächen entstehen lässt.
Oft kam mir bei der lakonischen Abgeklärtheit der Figuren, der Kühle, Ruhe und dem langsamen Tempo des Films tatsächlich der Gedanke an Thomas Arslans IM SCHATTEN. Doch hier reicht das Selbstbewusstsein letztlich nicht aus, vollends darin aufzugehen. Zu viele halbgare emotionale Köder wirft der Film aus, die nach dem Anbeißen dann einfach zu wenig liefern.
★★★☆☆
DE, R: Denis Moschitto, Daniel Rakete Siegel, D: Denis Moschitto, Aenne Schwarz, Fahri Yardım, Anke Engelke, Sandro Di Stefano, Trailer, Wikipedia
Mit David Leitch ist der Film natürlich in den besten Händen, denn er huldigt hier ohne jeglichen Zynismus seiner ursprünglichen Zunft und persifliert das Filmbusiness mit einem sympathischen Augenzwinkern. Bemerkenswert ist für mich außerdem, dass hier die digitale Reproduktion ganzer Körper vor der Kamera nicht nur eine Rolle spielt, sondern sehr zeitgeistig einen zentralen Plot Point daraus konstruiert.
Nur davon abgesehen scheint der Weg, den dieser Film beschreitet, bereits ab der ersten Sekunde klar zu sein. Er erfüllt alle Mindestanforderungen an einen massentauglichen Film, der unter dem Deckmantel einer angestaubten IP einfach ein paar Übercharismaten vor der Kamera für eine gute Zeit zusammenschiebt. Aber genau das ist doch auch das Problem. Was hier passiert, ist einfach super transparent, ohne Vision, ohne Wagnis, konventionell und abgegriffen.
Am Ende lächelt man müde und hat im exakt selben Moment den halben Film schon wieder vergessen.
★★½☆☆
US, R: David Leitch, D: Ryan Gosling, Emily Blunt, Aaron Taylor-Johnson, Hannah Waddingham, Teresa Palmer, Stephanie Hsu, Winston Duke, Trailer, Wikipedia
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
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