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Filmkritik

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Gesehen: Drei Wege zum See (1976)

Gesehen: Drei Wege zum See (1976)
Foto: ORF, SWR (SWF)

Kann man jemals den Ort, an dem man aufgewachsen ist und damit seine formativen Jahre verbracht hat, samt den dort gemachten Erfahrungen hinter sich lassen? Vielleicht ist man aber auch dazu verdammt, auf ewig an diesem Ort gefangen zu sein. Immer und immer wieder die gleichen Erfahrungen zu machen, dieselben Gefühle zu fühlen – egal, wo man sich auf der Welt befindet. Die Gegenwart entpuppt sich als Echo der Vergangenheit, das zwischen den Mauern der menschlichen Existenz bis zum Tod widerhallt.

Gibt es Hoffnung, ausbrechen zu können? Haneke verneint das – kurz vor Ende des Films ganz konkret durch den Erzähler, aber bereits deutlich früher durch ein unglaublich starkes Motiv. Darin greift er Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer" auf, positioniert seine Protagonistin dafür jedoch nicht über den Bergen zukunftsgerichtet in die Ferne blickend, sondern über Felsklippen im Gebirge, den Blick in den Abgrund gerichtet, der bereits seine leisen Lockrufe säuselt.

★★★½☆

🇩🇪/🇦🇹, R: Michael Haneke, D: Ursula Schult, Guido Wieland, Walter Schmidinger, Bernhard Wicki, Yves Beneyton, Udo Vioff, Dieter Wernecke, Letterboxd, Foto: ORF, SWR (SWF)

Der Film steht noch bis zum 31. Januar 2025 in der Arte-Mediathek:

Drei Wege Zum See - Film in voller Länge | ARTE
Eine Starfotografin in der Existenzkrise kehrt an den Ort ihrer Kindheit zurück. In seinem zweiten Fernsehfilm fasst Michael Haneke eine Erzählung von Ingeborg Bachmann in Bilder und entwirft das Porträt einer Frau am Scheideweg.
A ★★★½ review of Three Paths to the Lake (1976)
Kann man jemals den Ort, an dem man aufgewachsen ist und damit seine formativen Jahre verbracht hat, samt den dort gemachten Erfahrungen hinter sich lassen? Vielleicht ist man aber auch dazu verdammt, auf ewig an diesem Ort gefangen zu sein. Immer und immer wieder die gleichen Erfahrungen zu machen, dieselben Gefühle zu fühlen – egal, wo man sich auf der Welt befindet. Die Gegenwart entpuppt sich als Echo der Vergangenheit, das zwischen den Mauern der menschlichen Existenz bis zum Tod widerhallt. Gibt es Hoffnung, ausbrechen zu können? Haneke verneint das – kurz vor Ende des Films ganz konkret durch den

Gesehen: Golden Eighties (1986)

Gesehen: Golden Eighties (1986)
(c) Fondation Chantal Akerman

Dass gerade französische Musicals schon früh und offensiv das Verhältnis zwischen Mann und Frau verhandelten, ist nicht neu. Was mir so jedoch noch nicht in diesem Umfang begegnet ist, ist der Blick durch die sozioökonomische Brille, die sich Chantal Akerman hier in ihrem zumindest zu einem Drittel französischen Film aufgesetzt hat.

Wir erlebenden den Friseurinnensalon als Ort der Gemeinschaft für Frauen, an dem sie frei und ohne Angst vor Repressalien sprechen können. Doch letztlich ist auch das Augenwischerei, denn der Salon gehört einem Mann und der Ladenerbe von gegenüber träumt bereits davon, sich auch diesen Ort einzuverleiben, irgendwann das gesamte Einkaufszentrum und damit auch den Schutzraum der Frauen zu kontrollieren.

Dass dann auch noch dieser Rückzugsort für Frauen ein Ort der Transaktion ist, sagt wiederum viel über die Bedeutung und die Signifikanz öffentlicher Räume, an denen sich Menschen auf Augenhöhe und angstfrei begegnen können, aus.

★★★★☆

BE/FR/CH, R: Chantal Akerman, D: Myriam Boyer, Delphine Seyrig, Fanny Cottençon, Lio, Pascale Salkin, Charles Denner, Jean-François Balmer, John Berry, Nicolas Tronc, Trailer, Wikipedia

Golden Eighties - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Der Film steht noch bis zum 23. April 2025 in der Arte-Mediathek:

Golden Eighties - Film in voller Länge | ARTE
“Golden Eighties“ spielt in einem lebhaften Einkaufszentrum und verbindet Chantal Akermans feministisches Verständnis mit einer musikalischen Komödie. Ladenbesitzer und Kunden sind umtriebig, darunter drei Frauen, die mit Gesang und Tanz um das Herz eines Mannes buhlen. Während das Konsumverhalten den Rahmen für ihre Romanze bildet, erforscht der Film tiefere Themen der Identität und des Überlebens in der modernen Gesellschaft.

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Gesehen: Amy (2015)

Gesehen: Amy (2015)
Amy Winehouse auf dem Eurockéennes-Festival 2007. // (c) Rama unter CC BY-SA 2.0 FR

Was dieser Film sehr gut vermittelt, sind die zutiefst menschlichen Probleme der Ausnahmekünstlerin Amy Winehouse, die nicht erst durch den Ruhm entstanden, jedoch maßgeblich befeuert worden sind. Winehouse konnte sich scheinbar nie richtig dessen vergewissern, was sie sich eigentlich für sich wünscht, was sie vom Leben erwartet. Dem stand letztlich der explodierende Ruhm im Weg, der sie in alle Richtungen riss und davon abhielt, eine „private" Amy Winehouse zu gestalten.

Auch Parallelen zu Britney Spears sind offensichtlich. Beide zerbrachen unter den Augen der Öffentlichkeit, erlebten ihren Zusammenbruch wortwörtlich vor laufender Kamera. Beiden ging es offensichtlich nicht gut. Trotzdem wurden beide genüsslich am Ring durch die Medienmanege gezogen.

Als einer der klügsten und aufrichtigsten Kommentare zu diesem Thema wird mir für immer dieser Monolog von Craig Ferguson, als er noch Host der Late Late Show war, in Erinnerung bleiben. Den möchte ich auch hier (mit CN Suizidalität, Alkoholismus) empfehlen. „You can embarrass somebody to death. [...]If you could beat it with money, rich people wouldn't die."

Genau deshalb hadere ich mit AMY. Denn so eindrücklich diese Collage ist, so nah wir ihr als Publikum durch diese persönlichen Videoaufnahmen kommen, so gut all das als Warnung und Empathiemaschine zugleich funktioniert, so voyeuristisch und exploitativ erscheinen mir diese Bilder – völlig unabhängig davon, wer diesen Zugang gewährt und wer ihn lieber verwehrt hätte. Ich halte das ethisch und moralisch für extrem dünnes Eis.

GB, R: Asif Kapadia, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Three Days of the Condor (1975)

Gesehen: Three Days of the Condor (1975)
Robert Redford // (c) Studiocanal, Arthaus

Die Ruhe und Präzision, das Selbstbewusstsein und die Abgebrühtheit, mit der Sydney Pollack hier inszeniert, hat mich direkt gefesselt. Keine Effekthascherei, Worte werden mit Bedacht gesetzt und die tatsächliche Spannung entsteht nicht unmittelbar durch das Geschehen, sondern durch die Implikationen kleiner Momente.

Robert Redford scheint diese Rolle auf den Leib geschrieben, denn nur weniger können Charme, Naivität und Abgeklärtheit glaubwürdig in einer Figur zusammenbringen.

Bei aller filmischer Zuspitzung steckt hier außerdem ein Appell drin, die freie Presse zu schützen – auch vor dem Staat und seinen Organen wie den Geheimdiensten, denen es an ausreichender demokratischer Kontrolle fehlt.

★★★★☆

US, R: Sydney Pollack, D: Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman, Addison Powell, Walter McGinn, Tina Chen, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: One from the Heart (1982)

Gesehen: One from the Heart (1982)
Teri Garr // (c) Studiocanal, Arthaus

Nüchtern betrachtet ist ONE FROM THE HEART der Versuch von Verklärung und Reinwaschung. Hier wird unmissverständlich übergriffiges, manipulatives und generell toxisches Verhalten als Leidenschaft und eine selbstverständliche Facette von Liebe geframt.

Insofern scheint der Film tatsächlich der Versuch sein, eine „klassische" Hollywood-Liebesgeschichte im alten Stil zu erzählen – genau genommen im überalterten, völlig aus der Zeit gefallenen Stil.

Dazu die überstilisierte Ästhetik, jedoch nicht den Geist eines untergegangenen Musical-Hollywoods einfängt, sondern nie viel mehr als eine Aneinanderreihung von Musical-Klischees mit einem nicht minder klischierten Soundtrack.

Sollte Coppola diesen Filmtitel persönlich meinen, dann sagt das viel – nur eben wenig Gutes.

★★☆☆☆

US, R: Francis Ford Coppola, D: Teri Garr, Frederic Forrest, Raúl Juliá, Nastassja Kinski, Lainie Kazan, Harry Dean Stanton, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Competencia oficial (2021)

Gesehen: Competencia oficial (2021)
Antonio Banderas, Penélope Cruz und Oscar Martínez // (c) Studiocanal, Arthaus

Künstler*innenklischees sind natürlich eine Low Hanging Fruit. Mainstream vs. Arthouse, die „echte" Kunst vs. Massenkultur, die empfundene Verachtung von Kunst durch das Publikum, Method Acting vs. eher klassisches Schauspiel, die Obszönität der Stargagen vs. Hungerlöhne für den ganzen Rest – die Filmbranche und ihre Akteur*innen bieten selbstverständlich unzählige Reibungsflächen.

Aber was hier wirklich nachhallt, ist letztlich eine Warnung. Denn wenn die Kunstfreiheit irgendwann nur noch auf dem Papier besteht, weil in der Realität die Entstehung von Kunst nur noch durch die Mittel von Milliardär*innen mit einem schwarzen Loch statt eines Herzens in der Brust ermöglicht wird, ist die Kunst nicht mehr frei.

Dann ist sie eine Feder, mit der sich Menschen schmücken, die schon längst nicht mehr in unserer Realität leben. Dann ist sie ein zahnloser Tiger, der sich an den seidenen Schlips seiner Gönner*innen schmiegt, anstatt mit voller Absicht draufzutreten.

Eine Gesellschaft, die diese Zustände zulässt, schubst die Kunst mit Ansage vom Dach.

★★★½☆

AR/ES, R: Gastón Duprat, Mariano Cohn, D: Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martínez, José Luis Gómez, Manolo Solo, Nagore Aranburu, Irene Escolar, Pilar Castro, Koldo Olabarri, Trailer, Wikipedia
Der Beste Film aller Zeiten - Stream: Online anschauen
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