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Filmkritik

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Gesehen: Paranoid Park (2007)

Gesehen: Paranoid Park (2007)
Gabe Nevins // (c) MK2 Films, Meno Film Company

Hat sich angefühlt wie das STAND BY ME für die Post-9/11-Welt. Die selbst in den trostlosen Ecken des Landes immer zu einem gewissen Grad mitschwingende Freiheit ist einer radikalen Verengung gewichen. Das Leben in all seinen Ausprägungen hat sich zurückgezogen in Kammern, Nischen und Risse, traut sich kaum mehr an der Oberfläche zu existieren.

Letztlich habe ich mich gefragt, ob es gut oder schlecht war, dass der Film Stück für Stück das einschneidende Ereignis in seinem Zentrum offenbart. Wäre es nicht noch eindrücklicher gewesen, diese immense, über allem liegende Last zu spüren, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht? Jedenfalls finde ich, dass dieses uns mitgeteilte Wissen den Film etwas übers Ziel hinausschießen lässt und dadurch ein bisschen emotionale Wucht verpufft.

★★★½☆

🇫🇷/🇺🇸, R: Gus Van Sant, D: Gabe Nevins, Dan Liu, Jake Miller, Taylor Momsen, Lauren McKinney, Scott Patrick Green, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Winner (2024)

Gesehen: Winner (2024)
Emilia Jones als Reality Winner // (c) Big Beach, ShivHans Pictures, 1Community, Scythia Films

Das lässt mich alles ein bisschen ratlos zurück. Dieser Film investiert unglaublich viel Zeit darin darzulegen, wie früh Reality Winner bereits ein immenses Gerechtigkeitsempfinden entwickelt hat. Als ob ihre Whistleblowerei nur dadurch zu erklären sei und die Aktion für sich selbst stehend noch nicht genügend Gewicht und Aussagekraft in sich hat.

Was auch nicht sonderlich gut funktioniert, ist die stilistische Annäherung an den von Adam McKay totgespielten Shtick wie in THE BIG SHORT. Denn hier gipfelt das alles irgendwie in einer ziemlich spröden Fernsehfilm-Ästhetik und einem Schnitt, der nicht unbedingt mit dem besten Rhythmusgefühl gesetzt wurde.

Irritierend ist, wie der Film ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden in die Nähe einer Zwangsstörung rückt – als ob Menschen nicht so sein könnten, ohne „krank" zu sein.

★★½☆☆

🇨🇦/🇺🇸, R: Susanna Fogel, D: Emilia Jones, Connie Britton, Zach Galifianakis, Danny Ramirez, Kathryn Newton, Shannon Berry, Sam Duke, Adam Hurtig, Trailer, Wikipedia

Der Film steht noch bis zum 21. Februar 2025 in der ZDF-Mediathek:

Winner
Starbesetzte Tragikomödie und Biopic: Während der ersten Amtszeit von Donald Trump wird die junge NSA-Angestellte Reality Winner zur Whistleblowerin.
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Gesehen: Dahomey (2024)

Gesehen: Dahomey (2024)
(c) Mubi

Was für ein klug und uneitel inszenierter Film, der konsequent im Dienst seiner Themen in den richtigen Momenten unstrittig im Vorfeld gefasste bildästhetische Vorstellungen über Bord wirft, dabei die Diskrepanzen zwischen Denken und Selbstverständnis des sogenannten Westens und den Beniner*innen freilegt – und zwar völlig richtig ohne auch nur eine*n einzige*n französische*n Stichwortgeber*in oder Archivmaterial getroffener Aussagen mit einzuflechten.

Mati Diop hebt die verschiedenen, teilweise auch gegensätzlichen, Perspektiven der Beniner*innen hervor und klärt dadurch sozusagen im Vorbeigehen Fragen, die westlich geprägte Menschen eventuell haben und/oder bereits in rassistische Vorurteile verpackt formulierten. Mati Diop lässt einfach die Fakten bzw. die Beniner*innen für sich sprechen und weigert sich, den bei diesen Fragen mitschwingenden Unterstellungen auch nur den Hauch von Legitimation zu gewähren.

Super spannend war für mich zu sehen, wie das Grundverständnis musealer Arbeit infrage gestellt wird. Ist alleine das Konzept „Museum" bereits ein rein westliches und mit historischer Arbeit und der Geschichte Benins bzw. des ehemaligen Königreichs Dahomey gar nicht vereinbar? Und welche Macht hat die ehemalige Kolonialmacht Frankreich überhaupt über die Rezeption der wenigen restituierten und der noch zu Tausenden in Europa befindlichen, einst geraubten Artefakte?

Ich finde den Gedanken spannend, dass ein „Wegschließen" kulturhistorischer Schätze in Museen – sei es im Lager oder in Vitrinen – unstrittig zur materiellen Erhaltung beitragen kann oder sie erst sicherstellt, aber damit auch eine unüberwindbare Barriere zu Menschen und kulturell zentralem Nutzen einzieht.

Mati Diop setzt mit ihrem Film auch Gedanken über die Orte, an denen Kunst und Kulturschätze ausgestellt werden, in Bewegung. In einem französischen Museum: dreist zur Schau gestellte Raubkunst. Nach der Ankunft in Benin: Teil einer politischen Inszenierung, direkt in den Räumen des Präsidentenpalastes. Das ist natürlich spitz formuliert, aber es zeigt doch die Komplexität einer vom Kolonialismus aus den Angeln gehobenen Welt.

🇫🇷/🇸🇳 R: Mati Diop, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: The Order (2024)

Gesehen: The Order (2024)
Jude Law und Jurnee Smollett // (c) Amazon Studios

Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre.

Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste.

Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in der Legislative und infiltrieren Stück für Stück gesellschaftliche Strukturen. Und irgendwann hat dieser Parasit eben den kompletten Brunnen verseucht.

Die Blaupause für diesen Inlandsterrorismus lag die ganze Zeit in greifbarer Nähe. Nur hat sich niemand gefunden, der wirklich darin blättern wollte – außer Typen wie hier Jude Law, der seinen FBI-Agenten eigentlich nur als wandelnden Jagdinstinkt spielt.

★★★½☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Justin Kurzel, D: Jude Law, Nicholas Hoult, Tye Sheridan, Jurnee Smollett, Alison Oliver, Morgan Holmstrom, Odessa Young, Marc Maron, Trailer, Wikipedia

The Order - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★★½ review of The Order (2024)
Natürlich fällt der Film gerade auf sehr, sehr fruchtbaren Boden. Aber das bedeutet nicht, dass er sich in irgendeiner Art und Weise anbiedert. Justin Kurzel inszeniert sich mit einem bestechenden Selbstbewusstsein und erstaunlicher Präzision an diesen Stolperfallen vorbei und zaubert nebenbei noch eine vereinnahmend dichte Atmosphäre. Der Film zeichnet gekonnt nach, was nicht erst 1983 aus dem Ruder gelaufen ist, sondern schon längst seit Jahrzehnten unter den Augen von Teilen der Gesellschaft und Staat immer breiter Fuß fasste. Neonazis sind weder Pfadfinder:innenverein noch Faschingsclub und schon gar keine gesellschaftliche Randerscheinung. Sie sitzen in den Kirchen, in den Amtsstuben und in

Gesehen: The Beast (2023)

Gesehen: The Beast (2023)
Léa Seydoux und George MacKay // (c) Grandfilm

Der Mensch scheint nur eine Sache wirklich gut zu können: die ewige Wiederholung immer gleicher Muster. Wir waren, sind und werden bis in alle Ewigkeit zu Stillstand verdammt. Der Film legt eine Möbiusschleife um unsere Hälse und schnürt uns damit gnadenlos die Luft ab.

Wie eine solche Schleife funktioniert der ganze Film. Erst ist der Schleifenbogen weit, die Menschen sind trotz eindeutiger Anzeichen für den praktisch unmittelbar bevorstehenden Kollaps unbesorgt und flüchten sich in den Hedonismus.

Doch die Schleife läuft unaufhaltbar immer enger zusammen, alles wird immer schlimmer. Dort, wo der Bogen sich selbst kreuzt, in unserer Gegenwart, da ist eine große Leerstelle. Niemand will sich die Blöße geben und vor Augen rufen, dass die Menschheit tatenlos bei der ultimativen Verkrempelung zugesehen hat.

Aber dann ein zunächst erlösender Moment, den Bonello hier mit technologischem Fortschritt beschreibt. Der Moment maximaler Verkrempelung liegt scheinbar hinter uns, die Schleife geht wieder weiter auf. Doch die Möbiusschleife hat kein Ende. Wer an den Bögen entlangfährt, wird immer und immer wieder an den gleichen Punkten vorbeiziehen.

Die Erlösung ist eine Illusion, es wird einfach alles immer schlimmer. Und mittendrin steht der Mensch – untätig, feige, überheblich, naiv. Der Mensch wählt in allen möglichen Realitäten immer die schlechteste Option und wird lediglich davon träumen können, das Richtige zu tun. Und darin liegt der Horror dieses Films.

★★★★☆

🇨🇦/🇫🇷, R: Bertrand Bonello, D: Léa Seydoux, George MacKay, Guslagie Malanda, Elina Löwensohn, Trailer, Wikipedia

The Beast - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Gesehen: Babes (2024)

Gesehen: Babes (2024)
Michelle Buteau und Ilana Glazer // (c) Universal Pictures

Für mich hat der einfach funktioniert, weil der Humor nicht total, sondern sehr maßvoll überzogen ist und immer über einen sehr ehrlichen Kern geerdet wird.

Der zentrale Aspekt lag für mich letztlich in der Dualität des urbanen Lebens in progressiven Ballungsräumen. Natürlich ist dein Manhattan-Townhouse im Wert von mehreren Millionen US-Dollar eine ziemlich dufte Sache – bis die 200 Jahre alten Abflussrohre platzen. Natürlich gehört eine Geburt für viele Menschen zu den euphorischsten Momenten ihres Lebens – aber Dammrisse und Stuhlgang sind auch Teil dieser Erzählung. All das durch moderne Medizin relativ okay durchstehen zu können, ist großartig – nur um sich danach vor der Tür selbst ein Taxi mit heranwinken zu müssen.

Jede Entscheidung für etwas ist auch unweigerlich eine gleichzeitige Entscheidung gegen etwas. Fortschritt ist nie ausschließlich positiv, sondern bringt immer auch neue Herausforderungen mit sich – besonders im Kapitalismus. (Dass der Film jedoch jegliche ökonomische Realität ausblendet, ist seine größte Schwäche.)

★★★½☆

🇺🇸, R: Pamela Adlon, D: Ilana Glazer, Michelle Buteau, John Carroll Lynch, Oliver Platt, Sandra Bernhard, Stephan James, Hasan Minhaj, Keith Lucas, Kenneth Lucas, Trailer, Wikipedia

Babes - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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