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Filmkritik

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Gesehen: A Different Man (2024)

Gesehen: A Different Man (2024)
Renate Reinsve, Sebastian Stan und Adam Pearson // (c) Universal Pictures International Germany

Edward leidet nicht unter seiner Krankheit, er leidet unter den abschätzigen Blicken und den Reaktionen der Menschen auf seine Krankheit. Von der empfundenen Norm abzuweichen, wird als Zustand begriffen, der ausgerottet werden muss – um welchen Preis und mit welchen Mitteln auch immer.

Es ist ein Film über einen Menschen, der kaum noch er selbst sein kann, weil er immer der ist, der in den von allen anderen aufgezogenen Schubladen wohnt und es dort allen genehm machen muss, um so wenig Reibungsfläche wie möglich zu bieten. Edward ist nur noch eine verbrauchte Hülle. Doch was bringt schon eine neue Hülle, wenn es gar nichts mehr zu verhüllen gibt, wenn alles von innen so zerfressen wurde und lediglich ätherischer Schmerz und Leere übrig sind?

Nicht immer gelingt Aaron Schimberg der notwendige Balanceakt. Er gleitet dann doch immer mal wieder ab in das Erzählen ÜBER Menschen mit Neurofibromatose. Dennoch hält er sich größtenteils daran, den Blick auf Menschen mit einer derartigen Erkrankung zu hinterfragen – was in letzter Konsequenz auch ein Hinterfragen seiner selbst und von uns als Publikum ist.

P.S.: Irgendwie kamen mir große Teile des Films vor wie eine Episode von Seinfeld, nur inszeniert von David Cronenberg.

★★★½☆

🇺🇸, R: Aaron Schimberg, D: Sebastian Stan, Adam Pearson, Renate Reinsve, Trailer, Wikipedia

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Meine Hoffnungen und Tipps für die Oscars 2025

Meine Hoffnungen und Tipps für die Oscars 2025
(c) James A. Molnar / Unsplash

Kurz und bündig: Hier sind meine (oftmals auf blind getätigten) Tipps (blau) und meine Wunschsieger:innen (grün) in den Kategorien, in den ich mir eine halbwegs fundierte Meinung bilden konnte, für die Oscars 2025.

Gesehen: Mein Ende. Dein Anfang. (2019)

Gesehen: Mein Ende. Dein Anfang. (2019)
(c) Telepool, 24 Bilder

Viele Motive und Sujets dieses Films erscheinen mir doch ziemlich verbraucht – jedenfalls in dieser Form. Dieser Bruch mit unserem Laienverständnis von Raum und Zeit über eine Liebe, die unerwartete Bahnen sucht, an den seltsamsten Orten Wurzeln schlägt und anderes aus zunächst unerfindlichen Gründen hinter sich lässt berührt ohne Frage. Aber es berührt dann eben auch schon zum Xten Mal.

Dennoch hat mich der Film auf eine gewisse Art und Weise in seinen Bann gezogen. Der Grund: Das unvergleichliche Casting der noch unvergleichlicheren Simone Bär. Was dort zwischen Saskia Rosendahl, Edin Hasanović und Julius Feldmeier passiert, ist so subtil wie faszinierend. Zwischen ihnen steht etwas Unausgesprochenes in der Luft, das für uns als Publikum vielleicht nicht in jedem Moment greifbar, dafür umso mehr spürbar sein mag.

Simone Bär hat diesen Film gerettet.

★★½☆☆

🇩🇪, R: Mariko Minoguchi, D: Saskia Rosendahl, Edin Hasanović, Julius Feldmeier, Emanuela von Frankenberg, Hanns Zischler, Leonard Kunz, Michelle Barthel, Trailer, Wikipedia

Der Film stehet noch bis zum 24. März 2025 in der ARD-Mediathek:

Film: Mein Ende. Dein Anfang. - hier anschauen
Der Film beginnt mit seinem Ende. Bei einem Banküberfall wird Aron erschossen, weil er seine Freundin Nora beschützen will. Aus einer Kette von Zufällen, einer ungeplanten Begegnung, einer Verabredung zum Essen, dem Mangel an Bargeld, entspringt das Schicksal in seiner ganzen Tragik.
Mein Ende. Dein Anfang. - Stream: Jetzt online anschauen
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Gesehen: Sad Jokes (2024)

Gesehen: Sad Jokes (2024)
Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Fabian Stumm in „Sad Jokes" // (c) Postofilm, Salzgeber

Auf jeden Fall ist SAD JOKES der lustigste Film, den ich in jüngster Zeit und vielleicht auch einer der lustigsten bzw. humorvollsten, die ich je gesehen habe. Ich finde es genial, wie Fabian Stumm einen geschützten Raum inszeniert, in dem gelacht werden kann – und zwar ohne plattes Herbeikonstruieren filigran zurechtgelegter Pointen, vielleicht mit Setup, aber immer ohne Punchline.

Humor ist etwas, das tiefer geht als die Blaupause eines Jokes.

Es ist ausgerechnet die vielleicht am radikalsten überzeichnete Szene des gesamten Films, in der die tatsächliche Wahrheit versteckt ist. Es ist die Premierenfeier eines Films des Protagonisten. Dort unterhalten sich Menschen affektiert über den eben gesehenen, augenscheinlich tieftraurigen Film. Niemand hat dort einen Zugang zu seinem Innenleben. Was zählt, ist, was andere an der Oberfläche erkennen können. Schnell ließe es sich als Worthülse abtun, wenn das Publikum auf der Premierenfeier davon spricht, wie „universell" die Geschichte doch sei.

Doch das ist die wichtigste Wahrheit des gesamten Films. Universell ist nicht der Witz, wahrscheinlich auch nicht der Humor. Universell ist der Schmerz. Die finsteren Momente unserer Leben, die Verluste, die gebrochenen Herzen und die tiefen Täler, die es zu durchlaufen gilt. Universell ist aber auch das Wissen, dass das kein Dauerzustand sein muss, wenn man bereit ist, Hilfe anzunehmen. In diesem Wissen und den damit bald absurd scheinenden Momenten steckt das Herz des Humors. Wer es findet, wird wieder lachen – über sich selbst und dem Leben ins Gesicht.

P.S.: Der Metagag, für den Fabian Stumm den ihm doch sehr ähnlich sehenden Sebastian Schipper in eine kurze Szene holt, hat mich schon gekriegt 😅 Können wir wirklich sicher sein, dass Stumm und Schipper nicht dieselbe Person sind? Hat man die beiden schon mal zusammen in einem Raum gesehen? Nun, ja, haben wir jetzt 😄

★★★★½

🇩🇪, R: Fabian Stumm, D: Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Jonas Dassler, Ulrica Flach, Justus Meyer, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem, Anne Haug, Knut Berger, Hildegard Schroedter, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Nickel Boys (2024)

Gesehen: Nickel Boys (2024)
Ethan Herisse undBrandon Wilson // (c) Amazon MGM Studios

Am Anfang war ich doch sehr ratlos, was mir der Film mit der mit diesen kompromisslosen POV-Shots zu vermitteln versucht. Dass das etwas à la „Durch die Egoperspektive kann die Lebenswirklichkeit Schwarzer Menschen auch für Nicht-Schwarze Menschen erfahrbar gemacht werden" werden sollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber es hat sich erst mal so angefühlt. Und das war krass irritierend. So naiv und borderline rassistisch kann doch niemand sein.

Aber dann beginnt der Film diese Perspektive mit einer weiteren aufzubrechen, schneidet immer wieder zwischen ihnen hin und her. Dabei schleicht sich langsam das Gefühl ein, dass hier irgendwas nicht stimmt. Mal werden Momente aus unersichtlichen Gründen wiederholt, mal entstehen Leerstellen, mal passen die Puzzleteile gar nicht zusammen.

Im Nachhinein würde ich es so beschreiben: Dieser Film findet Ausdruck dafür, wie Gehirne Erinnerungen konstruieren und macht sich diese Form des unzuverlässigen Erzählens zu eigen.

Das direkt durch die Augen der beiden Protagonisten zu beobachten, wird immer unangenehmer. Die Welt wird immer enger, Raum, Zeit und Eingeweide ziehen sich zusammen, weil immer klarer wird, was in diesen Leerstellen passiert ist.

Mit diesem Wissen entfaltet auch die Entscheidung, in der Zeitebene der 2010er nicht mehr durch die Augen eines dieser Männer zu blicken, sondern nur seinen Hinterkopf samt Schultern sehen – als ob wir zusammen mit ihm dissoziiert sind, weil ein Weiterleben anders nicht möglich ist.

NICKEL BOYS ist also ein Film, der extrem viel über seine Form entwickelt; in dem ein Großteil des emotionalen Gewichts von der Form getragen wird. Und das finde ich einfach immer super spannend.

★★★★☆

🇺🇸, R: RaMell Ross, D: Ethan Herisse, Brandon Wilson, Aunjanue Ellis-Taylor, Hamish Linklater, Gralen Bryant Banks, Fred Hechinger, Jimmie Fails, Luke Tennie, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Magpie (2024) - Auf fragwürdigem Pflaster

Gesehen: Magpie (2024) - Auf fragwürdigem Pflaster
Daisy Ridley // (c) Type 55 Films, Align, Werewolf Pictures

Zeichnet patriarchale Ausbeutung im Gewand eines ziemlich passabel gespielten Psychothrillers nach. Ich finde jedoch, dass hier nicht immer die Balance gelingt. Viele mit der Brechstange angelegte Momente überschatten zu oft nuanciertere Augenblicke, die dadurch einfach zu schnell in den Hintergrund gedrängt werden.

Immerhin: Ab einem gewissen Punkt ist allen, die in ihrem Leben schon mal den ein oder anderen Psychothriller gesehen haben, klar, wie die Reise wohin geht. Aber es ist konsequent inszeniert und serviert ein befriedigendes Ende.

Aber: Trotzdem begibt sich der Film auf moralisch fragwürdiges Pflaster. Denn seine Rachefantasie verwässert der Film mit dem Setup von Daisy Ridleys Figur, der ein manisch-obsessiver Background samt medikamentöser Intervention verpasst wird. So wird aus messerscharfer Vergeltung ein transgressiver Akt einer „Verrückten". Damit ist der Film zumindest moralisch nicht besser als die Männerfiguren, die er zu kritisieren versucht.

★★★☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Sam Yates, D: Daisy Ridley, Shazad Latif, Matilda Lutz, Hiba Ahmed, Alistair Petrie, Pippa Bennett-Warner, Cherrelle Skeete, Trailer, Wikipedia

Magpie - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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