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Filmkritik

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Gesehen: Conclave (2024)

Gesehen: Conclave (2024)
Ralph Fiennes als Cardinal Lawrence // © Leonine Studios Spielfilm

Die finale Wendung untermauert die Scheinheiligkeit der katholischen Kirche: lieber lebenslang lügen, manipulieren und vertuschen als tatsächlich nach den so widerlich selbstgerecht vor sich hergetragenen Werten zu leben. Die Machtstruktur muss um jeden Preis erhalten werden. Irrtümer und Fehler sind nicht vorgesehen, denn das Gefüge wird offenbar als perfekt betrachtet.

Gleichzeitig fühlt es sich ziemlich eklig an, dass dafür dieser aus Spoilergründen hier nicht näher benannte Kniff aus dem Hut gezaubert wird. Wenn die Existenz eines Menschen fast ausschließlich als eine Art Strafe für andere inszeniert wird, ist das entmenschlichend und nicht sonderlich viel besser als das, was eigentlich kritisiert werden soll.

Letztlich würde ich aus meiner privilegierten Situation heraus sagen, dass der Film extrem viel Fläche bietet, an der man sich sehr gut und sehr produktiv reiben und sich dabei trotzdem zusammen hinter einer gemeinsamen Kritik an der katholischen Kirche versammeln kann.

Parallel scheint mir der Stoff jedoch auch ein billiger Versuch, Teile der katholischen Kirche reinzuwaschen und sogar das Oberhaupt dieser moralisch und politisch völlig erstarrten Struktur, als heimlichen Progressiven in Szene zu rücken. Für die Opfer der Kirche muss das ein Schlag ins Gesicht sein. Aber es verdeutlicht gleichzeitig das Predigen von Wasser und Saufen von Wein.

Gefallen hat mir diese cleane, sterile, klinisch-strenge und mechanische Bildsprache, die mich sehr an Danny Boyles STEVE JOBS erinnert hat. Die eigentliche Spannung entsteht nicht zwingend aus den Gedanken und gesprochenen Worten einer Figur heraus, sondern ergibt sich aus Geometrie und Geografie.

Ralph Fiennes liefert ein faszinierendes Spiel ab. Zunächst wirkt es, als ob er sich mit aller Gewalt dem Overacting verschrieben hat. Er geht mit einer in einem Affenzahn eskalierenden Emotion in Szenen, bremst sich dann aber genau vor dem Kipppunkt zur Lächerlichkeit ab. Er zeigt die Unsteuerbarkeit von Emotionen und gleichermaßen eine strenge Kontrolle und Unterdrückung von Gefühlen. Denn in dieser katholischen Kirche sind Gefühle eine Schwäche, weil sie Risse in die Machtstruktur treiben.

Für meinen Geschmack hätte der Film jedoch durchaus radikaler im Benennen der Subjekte sein dürfen und müssen. Diesem hypothetischen Herumwabern können sich die Angesprochenen leicht entziehen. Dabei gibt es hier keinerlei Pietät zu wahren. Denn von Pietät hat sich die katholische Kirche längst verabschiedet – oder sie war niemals dort.

★★★½☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Edward Berger, D: Ralph Fiennes, Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini, Lucian Msamati, Carlos Diehz, Sergio Castellitto, Brían F. O’Byrne, Merab Ninidze, Thomas Loibl, Jacek Koman, Trailer, Wikipedia, Foto: Leonine Studios Spielfilm

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Gesehen: I.S.S. (2023)

Gesehen: I.S.S. (2023)
Ariana DeBose als Dr. Kira Foster // © Universal Pictures International Germany

All das ist mehr grobe Outline als wirklich ausgearbeiteter Film, der seine einfache Hülle mit einer aus seinen Figuren heraus entstehenden Spannung zu füllen weiß. Es ist eine Wiederholung längst totgeglaubter Bilder. Dabei ließe sich mit den Sujets, die gleichzeitig total aus der Zeit gefallen und drängender wie schon lange nicht mehr sind, sicherlich ein interessantes Spannungsfeld bilden.

Stattdessen wird die nicht ganz triviale politische Gemengelage derart verengt, dass am Gerippe des Films fast kein Fleisch mehr hängt, um das sich die Austronaut:innen dann auch noch weitestgehend uninspiriert prügeln dürfen.

I.S.S. ist die Idee eines modernen Actionthrillers mit politischen Untertönen – jedoch bereits im fünften Durchlauf des Wiederkäuens.

★½☆☆☆

🇺🇸, R: Gabriela Cowperthwaite, D: Ariana DeBose, Chris Messina, John Gallagher Jr., Masha Mashkova, Costa Ronin, Pilou Asbæk, Trailer, Wikipedia, Foto: Universal Pictures International Germany

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Gesehen: The Grifters (1990)

Gesehen: The Grifters (1990)
Anjelica Huston, John Cusack und Annette Bening // © ARD Degeto 2025

Der einzige Grift, den diese drei Menschen wirklich beherrschen, wie kein:e Zweite:r, ist der Grift sich selbst gegenüber. Die drei machen sich vor, ihr Leben im Griff zu haben, am Steuer zu sitzen, die Kontrolle über all ihr Handeln zu haben. Daran halten sie sich fest, weil es keine Alternative gibt.

Letztlich ist der Grift wie eine Drogensucht: Nur, weil du dir die Spritze selbst in die Vene setzt, hast du noch lange keine Kontrolle. Im Gegenteil, die Droge hat längst dein Ruder in der Hand. Die wiederum tanzt sozusagen nach den Pfeifen der Dealer:innen und die im Rückschluss nach den Pfeifen der Kartelle.

Cui bono? Den Grifter:innen selbst jedenfalls nicht. Wer griftet, wird ausgebeutet. Wer griften lässt, hat die Kontrolle.

Damit ist THE GRIFTERS eine tieftraurige Geschichte über Menschen, die einfach nicht (mehr) aus ihrer Haut können und sich dessen wahrscheinlich schon lange nicht mehr auch nur ansatzweise bewusst sind.

Der Film ist zwar konsequent und finster, zerfasert nur leider an vielen Ecken und versucht diese Fransen schließlich mit Schlagfertigkeit und aufspielender Coolness unter den Teppich zu kehren.

★★★☆☆

🇨🇦/🇺🇸, R: Stephen Frears, D: John Cusack, Anjelica Huston, Annette Bening, Trailer, Wikipedia, Foto: ARD Degeto 2025

Der Film steht noch bis zum 01. April 2025 in der Arte-Mediathek:

Grifters - Film in voller Länge | ARTE
Der kleine Gauner Roy gerät zwischen die Fronten: Seine Freundin Myra und Mutter Lilly, beide Trickbetrügerinnen, kriegen sich mächtig in die Haare. Als Lilly die geldgierige Myra bei einer Auseinandersetzung tötet, muss Roy entsetzt erkennen, dass man die eigene Mutter besser nicht zur Feindin hat ... - Stephen Frears Film wurde 1991 vierfach für den Oscar nominert.
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Gesehen: The Wizard of Oz (1939)

Gesehen: The Wizard of Oz (1939)
Jack Haley, Judy Garland, Ray Bolger und Bert Lahr // © Warner Bros. Home Entertainment, MGM

Dieser unfassbare Kulissenaufwand, die endlos vielen Statist:innen, die genialen und vor allem die Zeit überdauerten Spezialeffekte, dieser Reichtum an Metaphern, das ist schon abgefahren.

Vielen werde ich damit sicherlich nichts Neues erzählen, aber ich kannte vorher weder das Buch noch habe ich mich anderweitig belesen und zähle jetzt einfach mal auf, was mir alles aufgefallen ist:

  • Wie der Film Rollenbilder dekonstruiert, der eisenharte Tin Man selbstverständlich auch ein Herz haben darf, der immer mit großem Mut in Verbindung gebrachte Löwe natürlich auch mal Angst haben darf und die Vogelscheuche bisexuell as fuck ist. „Of course, people do go both ways!"
  • Die Yellow Brick Lane, also gewissermaßen die mit Gold oder Geld gepflasterte Straße führt zur Emerald City, wo ein völlig entrückter Typ in seinem Elfenbeinturm wohnt. Kapitalismus, ich hör die trapsen.
  • Und Elon Musk bzw. Donald Trump, dir hör’ ich auch trapsen. Denn als „Wizard of Oz" hat Professor Marvel Emerald City unterjocht oder zumindest kolonialisiert und zieht dort in seiner Zentrale eine ziemlich exzentrische wie egozentrische Show ab. Dabei ist er außerdem besessen von Oberflächlichkeiten – nicht nur, was seine Erscheinung betrifft, sondern auch: die Flavor-Flav-Style-Uhr für den Tin Man, Stolen Valor für den Löwen und der Ehrendoktortitel für die Vogelscheuche. Was zählt, ist, was an der Oberfläche glänzt. Natürlich waren Musk und Trump 1939 noch nicht mal Quark im Schaufenster, aber ich wollte den Bezug herstellen, um die meiner Meinung nach extrem zeitlosen Qualitäten der Bilder zu unterstreichen.
  • Dazu eine Prise Faschismus von fliegenden Affen in SS-ähnlichen Uniformen.
  • Und weil's knallt: Die Wicked Witch of the West hext die Truppe um Dorothy in den Schlaf – natürlich nur gänzlich zufällig auf einem Blumenfeld, das nur Schlafmohn sein kann. Aber dann zaubert Glinda Schnee herbei und alle sind wieder hellwach. Noch Fragen?

★★★★½

🇺🇸, R: Victor Fleming, D: Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger, Bert Lahr, Jack Haley, Billie Burke, Margaret Hamilton, Charley Grapewin, Clara Blandick, Trailer, Wikipedia, Foto: Warner Bros. Home Entertainment, MGM

Der Zauberer von Oz - Stream: Jetzt Film online anschauen
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Gesehen: Kes (1969)

Gesehen: Kes (1969)
David Bradley mit Falke // © MGM

Es scheint redundant, erst den Namen Ken Loach zu nennen und dann trotzdem noch zu erwähnen, wie nuanciert hier die Zusammenhänge zwischen ökonomischer Ungleichheit, den Folgen fehlender politischer Teilhabe, autoritärer Schulbildung sowie weggebrochener öffentlicher Räume des Zusammenkommens außerhalb der eigenen vier Wände und in Flammen aufgegangener berufliche Perspektiven inszeniert werden. Aber dennoch: Irre, wie nuanciert und organisch das alles ineinandergreift.

All das führt zu einer radikalen Entsolidarisierung nicht nur innerhalb einer Gesellschaft, sondern sogar innerhalb individueller Familiengefüge. Das dadurch entstehende Vakuum wird direkt vom autoritären Geist gefüllt. Bereits einfach nur als Kind zu existieren, ist in den Augen dieser Geister schon ein nicht zu akzeptierender Zustand. Diese Kinder haben im Gegensatz zu denen noch die Möglichkeit einer Zukunft und sind deshalb mit aus Neid entwachsener, größtmöglicher Aggression und Repression zu behandeln.

Doch wenn diesen Kindern auch nur der Hauch einer Chance gewährt wird, nach etwas streben, sich in etwas finden, in etwas aufgehen zu können, dann besteht noch Hoffnung für die Welt – selbst für eine Welt, in der die Schiedsrichter:innen selbst Teil einer der Mannschaften sind, deren Wettbewerb sie eigentlich überwachsen sollen. (Eine wirklich großartige Metapher, die Ken Loach hier im Schulsport und dem tyrannischen Lehrer findet.)

★★★★☆

🇬🇧, R: Ken Loach, D: David Bradley, Freddie Fletcher, Lynne Perrie, Colin Welland, Brian Glover, Bob Bowes, Trailer, Wikipedia

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Gesehen: Here (2024)

Gesehen: Here (2024)
Tom Hanks und Robin Wright, digital verjüngt (c) DCM Film Distribution

So langsam komme ich mir vor wie ein alter Mann, der eine Wolke anschreit, aber ich verstehe diese Obsession mit vermeintlichem technologischen Fortschritt einfach nicht. Die digital verjüngten Köpfe von Tom Hanks und Robin Wright auf jüngeren Körpern zu sehen, lässt uns nicht nur völlig unnötig durch das Uncanny Valley waten, es fügt dem gesamten Film auch rein gar nichts hinzu.

Die digital verjüngten Hanks und Wright sind letztlich Ausdruck eines Filmemachers, der bereits aufgegeben hat, bevor er es überhaupt probiert hat. Der (zumindest unbewusst) keinerlei Vertrauen in sein Publikum zu haben scheint. Kein Vertrauen, dass sich sein Publikum emotional auf seine (adaptierte) Geschichte einlassen kann. Denn dafür braucht es keine digital verjüngten Gesichter.

Ich bin wirklich der letzte Mensch, der sich gegen neue Technologien sperrt. Aber hier verkommt sie einfach zum Selbstzweck und stellt sich so dem in den Weg, was HERE eigentlich erzählen möchte.

Vielleicht erscheint mir der Film deshalb insgesamt auch überraschend ambitionslos für das, was er versucht zu verhandeln. Für mich ist HERE eine elegant verwobene Aneinanderreihung vieler rührender, schöner, trauriger, aber letztlich auch oft banaler Momente. Hier fordert einfach sehr wenig heraus.

Eine Ausnahme: Die starre und folglich verengte Perspektive des Films zwingt, sich mit dem Verhältnis von Innen und Außen auseinanderzusetzen. Denn etwa Sklaverei, Vietnamkrieg oder der 11. September 2001 spielen entweder gar keine Rolle oder sie werden kurz angerissen und sofort wieder fallengelassen.

Das illustriert, wie monumental persönliche und familiäre Probleme erscheinen können und unterstreicht gleichermaßen die unfassbare Ignoranz gegenüber Mitmenschen, die an den Tag gelegt werden kann. Doch wenn dieser Prozess nie wirklich innerhalb des Films verhandelt wird, sondern ausschließlich auf dem Publikum und für die Zeit nach dem Abspann abgeladen wird, dann erscheint mir das fast etwas feige – als ob sich Robert Zemeckis und Eric Roth nicht mal zu einer Minimalaussage hinreißen lassen wollen.

Für mich ist das ein Film ganz im Zeichen des von Tom Hanks' Figur überstrapazierte Spruchs: „Time flies..." Ja, okay, die Zeit rinnt uns allen durch die Finger. Und jetzt?

★½☆☆☆

🇺🇸/🇨🇦, R: Robert Zemeckis, D: Tom Hanks, Robin Wright, Paul Bettany, Kelly Reilly, Trailer, Wikipedia

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