Simon de La Brosse und Amanda Langlet in Éric Rohmers „Pauline à la Plage" // (c) Studiocanal, Arthaus
Für mich kreist der Film um diese eine wunderbare Szene, in der Marion, Pierre, Henri und Pauline zum ersten Mal zusammensitzen und sich über die Liebe unterhalten. Während die Erwachsenen versuchen, jede noch so kleine Gefühlsregung zu intellektualisieren, allem möglichst philosophisch zu begegnen und Liebe, Lust und Verlangen mit klaren Regeln eine gewisse Logik aufzuzwingen, sitzt Pauline fast schon gelangweilt herum und schweigt weitestgehend. Was dann jedoch immer klarer wird: Sie tut das nicht, weil sie zu naiv oder unwissend ist. Sie tut das, weil sie als einziger Mensch im Raum sowohl einen klaren Verstand als auch ein klares Herz hat.
★★★★☆
FR, R: Éric Rohmer, D: Amanda Langlet, Arielle Dombasle, Pascal Greggory, Féodor Atkine, Simon de La Brosse, Rosette, Trailer, Wikipedia
Joe Alwyn und Margaret Qualley in Claire Denis' „Stars at Noon" // (c) Weltkino Filmverleih
Ich bin immer wieder fasziniert und beeindruckt von Claire Denis’ unablässigem und unermüdlichem Bohren in kolonialen Vergangenheiten und neokolonialistischen Verbrechen. Ich kenne niemanden, der sich dieser Themen mit solch großer Ruhe und Zurückhaltung, so elegant, feinsinnig und klug annimmt – immer mit dem scharfen Blick auf großkapitalistische Konzerne und staatliche Akteur*innen, die politische Instabilität ausnutzen, um Mensch und Boden nahezu ungestraft auszubeuten sowie ihre nicht demokratisch legitimierte Macht weiter auszubauen – in STARS AT NOON auf dem regelrechten Spielfeld Zentralamerika und in gewohnt melancholischem Dahinplätschern.
★★★★☆
FR, R: Claire Denis, D: Margaret Qualley, Joe Alwyn, Benny Safdie, Trailer, Wikipedia
Ileana D'Ambra als Vilma Tommasi // (c) Filmperlen
Ich habe mich dabei ertappt, wie ich innerlich ein paar Mal „italienische Ruben Östlund hehehehe“ zu mir selbst gesagt habe. Und damit ist eigentlich schon klar, dass auch FAVOLACCE ein Stoff ist, an dem sich die Geister schieden und scheiden. Der Film ist bitterböse, gnadenlos und konsequent abrechnend – wie man eben mit neoliberalen Arschlöchern mit Hang zum Faschismus umgehen muss. Das ist der gute Östlund.
Darin ist der Film nur überaus selbstgefällig und suhlt sich darin, mit dem Zeigefinger gehässig auf die Spitze des Eisbergs zu deuten. Doch Kritik an den Ursachen dieser Missstände, an den gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Verhältnissen, die übt der Film nicht. Das ist der schlechte Östlund.
★★★☆☆
IT/CH, R: Damiano D’Innocenzo, Fabio D’Innocenzo, D: Elio Germano, Giulietta Rebeggiani, Gabriel Montesi, Justin Alexander Korovkin, Barbara Chichiarelli, Lino Musella, Trailer, Wikipedia
Naomi Watts als Ann Darrow // (c) Universal Pictures Germany
Den habe ich damals™ im Kino und seitdem nie wieder gesehen. Mein letzter Eindruck stammt also noch aus einer Zeit vor meiner cineastischen Erweckung. Damals fand ich den Film eher mittelmäßig. An die Gründe dafür kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Also kann ich nun nahezu jungfräulich sagen: Auch heute finde ich KING KONG eher mittelmäßig.
Das Grundmotiv des überheblichen Menschen, der sich an der Spitze von Natur sowie Nahrungskette glaubt und deshalb meint, sich alles erlauben sowie unterwerfen zu können, ohne Konsequenzen alles und jede*n ausbeuten zu können, das ist zeitlos zutreffend und funktioniert für mich im Rahmen dieses Blockbusters auch ganz gut. Auf den Punkt ist auch, dass der letzte Satz des Films einer Frau die Schuld an der ganzen Misere zuschiebt.
Was wiederum super befremdlich ist, ist die Reproduktion von Rassismus. Dem Film fehlt eindeutig Abstand zu seinem 1933er Ausgangspunkt. Denn er steht diesen Momenten praktisch niemals wirklich kritisch gegenüber. Es muss also davon ausgegangen werden, dass man sich bei der Produktion entweder keine Gedanken darüber gemacht oder sich sogar bewusst dafür entschieden hat. Beide Varianten sind schlecht.
Sich jetzt auch noch an der völlig überzogenen Länge des Films aufzuhängen, wirkt fast kleinlich. Aber KING KONG kommt einfach nicht auf den Punkt, bläst jeden der drei Akte mit derart viel Popanz auf, dass die Figuren sprich- und wortwörtlich an den Rand gedrängt werden und gar keinen Raum mehr haben, um mit den Themen des Films wirklich in Verhandlung treten zu können. Dazu klammert sich der Film mit aller Kraft an seine Drei-Akt-Struktur – so sehr, dass wenig organisch in sich greift, sondern lediglich mechanisch aneinandergereiht wird.
★★½☆☆
🇳🇿/🇺🇸/🇩🇪, R: Peter Jackson, D: Naomi Watts, Jack Black, Adrien Brody, Andy Serkis, Colin Hanks, Thomas Kretschmann, Jamie Bell, Kyle Chandler, Trailer, Wikipedia
Jay Baruchel als Mike Lazaridis und Glenn Howerton als Jim Balsillie // (c) Paramount
Ich finde, dass sich BLACKBERRY nicht so richtig entscheiden kann, ob er nun Satire oder Charakterstudie sein will. Das lässt die dramatischen Momente oft unfreiwillig komisch wirken, während die tatsächlichen Figuren nur selten hinter ihren üppigen Masken hervorscheinen. Aber die Masken – des zügellos cholerischen Glenn Howerton, des unterwürfigen Jay Baruchel und des treudoofen Matt Johnson – machen BlackBarry zumindest zu knalligem Unterhaltungskino.
Letztlich steht sich der Film oft selbst im Weg. Eine kapitalismuskritische Underdog-Story gerät nämlich schnell an ihre Grenzen, wenn letztlich ein Konzern der Underdog ist. Spannend wurde es für mich, nachdem genug Schichten geschält waren und diese eine Frage übrig blieb: Hätte es Technische Innovation in der Geschwindigkeit, die wir in den vergangenen 20 Jahren erlebt haben, überhaupt ohne Andocken an ein erbarmungslos turbokapitalistisches System gegeben oder überhaupt geben können? Darüber nachzudenken, ist wahnsinnig unangenehm. Denn einerseits hat uns diese Innovation einen Zugang zum Weltwissen in die Hosentasche gelegt, andererseits sind diese Technologien eng mit dem globalen Kapitalismus, der unseren Planeten gerade mit Vollgas vor die Wand fährt, verknüpft.
Ich kann mich also an BLACKBERRY gewinnbringend und nicht stumpf und sinnlos provoziert reiben. Und das ist in meinen Augen immer ein Pluspunkt.
★★★☆☆
🇨🇦/🇫🇮/🇺🇸, R: Matt Johnson, D: Jay Baruchel, Glenn Howerton, Matt Johnson, Rich Sommer, Michael Ironside, Cary Elwes, Martin Donovan, Trailer, Wikipedia
Als Stilübung sicherlich halbwegs interessant und politisch sowieso wichtig. Aber für mich wollte REALITY unterm Strich zu nichts überaus Stimmigem zusammenkommen. Die strenge Text- und ich nehme an auch Tonfalltreue lassen den Film wie Marionettentheater wirken. Alles spricht und bewegt sich wie auf Schienen, das Warten der Figuren auf ihren jeweiligen Einsatz liegt dröhnend über allem.
Jedoch gelingt über diese durch Form erzeugte Strenge auch etwas: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Effekt des hier abgebildeten Prozesses wird unübersehbar. Der angebliche Schutz der Demokratie erreicht in seiner Rigorosität paradoxerweise das genaue Gegenteil. Aber die Zahnräder im System kennen nur eine Richtung und unverrückbare Prinzipien. Wer die Richtung überdenken oder auch nur leicht das eigene Drehmoment ändern will, bringt das komplette Getriebe zum Kollaps.
Wer Whistleblowerinnen keinen Schutz gewährt und eine unabhängige kritische Presse zu Steigbügelhalterinnen der Demokratiefeindinnen erklärt, wird selbst zur Demokratiefeindin.
★★½☆☆
🇫🇷/🇬🇧/🇺🇸, R: Tina Satter, D: Sydney Sweeney, Josh Hamilton, Marchánt Davis, Trailer, Wikipedia
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
Recommendations
Shelfd
Keine Zeit für schlechte Streams. Bei Shelfd findet ihr jede Woche handverlesene Empfehlungen und Kolumnen – von echten Menschen, nicht vom Algorithmus.