Unterm Strich gibt sich dieser Film mit ziemlichem Genuss faschistoiden Ideen hin, zeichnet eine militaristische Gesellschaft als absolute Notwendigkeit für das Überleben der Spezies Mensch und gleichzeitig die menschliche Vorherrschaft als naturgegeben. Die letzten Menschen leben praktisch im Postfaschismus, von den Dächern schreit es „Blut und Boden!“.
★☆☆☆☆
IE/GB/US, R: Rob Bowman, D: Christian Bale, Matthew McConaughey, Izabella Scorupco, Gerard Butler, Trailer, Wikipedia
Es ist so schade, weil ich nicht finde, dass James Gray seinen eigenen Figuren richtig zu fassen bekommt. Bis zuletzt will es nicht so recht gelingen, abseits der an der Oberfläche des Films liegenden Themen eine Vorstellung davon zu vermitteln, wo seine Figuren herkommen, wo sie stehen in dieser Welt und wohin sie wollen. Alles wirkt zu reduziert auf die ausbeuterische Dynamik im Zentrum des Films, die größtenteils nur dem Selbstzweck dient und darüber hinaus wenig erzählt…
…bis auf die implizite Abrechnung mit dem Amerikanischen Traum, dessen Mythos James Gray hier übersetzt. Vielleicht kann es ja wirklich jede*r mit ausreichend harter Arbeit schaffen – wenn man Ausbeutung auf physischer und psychischer Ebene mit einpreist und sich mit einem System abfindet, das nicht das geringste Interesse daran hat, sozialen und ökonomischen Aufstieg wirklich möglich zu machen.
★★★☆☆
US, R: James Gray, D: Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Trailer, Wikipedia
Tamer Yiğit und İdil Üner in Thomas Arslans „Dealer" // (c) Filmgalerie 451
DEALER ist wirklich ein herausragendes Stück Kino, das sich nie den Zwängen und Konventionen sogenannter Milieustudien unterwirft oder diesen Teil der deutschen Gesellschaft gar exotisiert. Thomas Arslan erzählt konsequent die migrantische Perspektive, damit vom ökonomischen Druck bzw. den ökonomischen Verhältnissen und von Existenzen, die in der Folge permanent auf Messers Scheide stehen, bei denen die Abwärtsspirale Normalität ist.
Jede Kleinigkeit kann dich erst in Haft und dann in den Abschiebeflieger bringen. Plötzlich ist es egal, ob du beim Ladendiebstahl erwischt wirst, weil das Geld am Ende des Monats wieder nicht gereicht hat, oder von der Polizei beim Dealen on Koks hopsgenommen wirst. Der Staat redet sich ein, mit dir ein Problem gelöst zu haben, hat aber letztlich nur das Symptom einer gänzlich strukturellen Unwucht bekämpft. An den Verhältnissen ändert sich nichts, denn alle treten nur nach unten, um das eigene Abrutschen zu verhindern.
„Seltsam, wie sich alles ändert" – mit diesen Worten von Can (Tamer Yiğit) endet DEALER. Für ihn ist nun alles anders. Aber die Welt und die Machtverhältnisse darin, die bleiben wie in Beton gegossen.
★★★★☆
DE, R: Thomas Arslan, D: Tamer Yiğit, Birol Ünel, İdil Üner, Trailer, Wikipedia
Margaret Qualley und Christopher Abbot in „Sanctuary" // (c) Universal Pictures
Ein stylishes Machtspiel, dass die Machtverhältnisse wenig überraschend kippen lässt bzw. verschiebt, dabei jedoch clever vermeintlichen Machtmissbrauch zur Waffe gegen patriarchale Strukturen macht. Am Ende steht nichts, was man als filmische Utopie bezeichnen könnte – zu kantenlos, zu versöhnlich und zu sehr auf Einigkeit bedacht lässt uns der Film mit unseren Gedanken zurück.
★★★☆☆
FR/US, R: Zachary Wigon, D: Margaret Qualley, Christopher Abbott, Trailer, Wikipedia
Barbara Sukowa in Margarete von Trottas „Die bleierne Zeit" (c) Studiocanal, Arthaus
Vielleicht sollte ich es aufschreiben. Ich bin gewöhnt zu vertrauen, nicht zu fragen.
Margarethe von Trottas DIE BLEIERNE ZEIT hat viele starke Sätze im Angebot, aber keiner hallt so stark nach wie dieser und erzählt so viel über die gescheiterte Entnazifizierung, die Rolle der Medien, die gefühlte Ohnmacht ob der Verbrechen der Deutschen und radikale Lösungen.
★★★★☆
DE, R: Margarethe von Trotta, D: Jutta Lampe, Barbara Sukowa, Trailer, Wikipedia
Die Party ist vorbei. Aber war es wirklich jemals eine Party? BETWEEN THE LINES ist fast 50 Jahre alt und zeigt, dass Zeit ein flacher Kreis ist. Journalismus wird nur so lange als unabdingbar für die Demokratie und eine freie Gesellschaft betrachtet, wie er sich selbst tragen kann, Medienkonzerne sich ihn leisten wollen, weil er Gewinn abwirft. Doch wenn sich der ökonomische Wind dreht, wird kritischer und unabhängiger Journalismus schnell auf die Schlachtbank der sogenannten Shareholder gezerrt. Es ist damals wie heute absurd, dass Menschen, die sich für diesen Beruf und damit einhergehende radikale Einschnitte bei Freundschaften, Beziehungen und Freizeit, entscheiden, wie Nutztiere behandelt werden.
★★★½☆
US, R: Joan Micklin Silver, D: John Heard, Lindsay Crouse, Jeff Goldblum, Jill Eikenberry, Bruno Kirby, Gwen Welles, Stephen Collins, Trailer, Wikipedia
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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