Skip to Content

Filmkritik

935 posts

Posts tagged with Filmkritik

Gesehen: Honey Don't! (2025) - Please don't

Hätte man auch lassen können...

Gesehen: Honey Don't! (2025) - Please don't
Foto: Universal Pictures International Germany

Hier verpufft wirklich alles irgendwie im Nichts. Das liegt vor allem daran, dass dem Film der Spagat zwischen Archetypen und Stereotypen nicht gelingt. Die markigen Figuren verkommen zum Selbstzweck, das Bedienen statt Unterlaufen von Klischees zur ermüdenden Leier, die Persiflage zu etwas, an dem man konsequent scheitert.

★½☆☆☆

Infos & Extras

Meine 20 Lieblingsfilme in 2025

Gratulation an die zweifache Leonie Benesch!

Meine 20 Lieblingsfilme in 2025

Zwölf von 20 Filmen konnte ich im Kino sehen. (Mein gesamtes Kinojahr habe ich hier abgelegt.) Ein bisschen für mich (wieder)entdeckt habe ich die Sondervorführungen inklusive Filmgesprächen mit den Macher*innen. So konnte ich dieses Jahr Fragen loswerden an: Mascha Schilinski, Burhan Qurbani und Julian Radlmeier.

Wieder hat es ein Dokumentarfilm auf die Liste geschafft, den ich beim DOK Leipzig gesehen habe.

Ein Filmland, das ich mir erst dieses Jahr zum ersten Mal richtig bewusst erschlossen habe, ist Georgien.

Drei zentrale Erkenntnisse meines Filmjahres habe ich drüben bei Kino-Zeit aufgeschrieben. Dort durfte ich auch das Scheinwerferlicht auf NICKEL BOYS richten, der aus deutscher Perspektive leider unter ferner liefen im Streaming abgeladen wurde.

(Meine Lieblinge des Jahres mit Premiere in 2025 oder deutschem Release in 2025 und/oder auch in 2025 gesehen – in alphabetischer Reihenfolge nach internationalem Titel.)

Kinotagebuch: Alpha (2025) - Unsicherheit hat Tradition
Es ist dann doch etwas mehr, als „nur” eine tonnenschwere AIDS- und Corona-Metapher
Gesehen: April (2024) - Bilder wie ein Gefängnis
Formal meister*innenhaft und auf jeden Fall jetzt schon einer meiner Filme des Jahres!
Kinotagebuch: The Brutalist (2024)
Brady Corbet hat hier wirklich eine epische Sinfonie komponiert, orchestriert und dirigiert. Diese brachial-opulenten Bilder verkommen nie zum Selbstzweck, sondern stehen immer konsequent im Dienst von Corbets Figuren. Diese Figuren fühlen mehr als wir alle – größeren Schmerz, feurigere Leidenschaft, wärmere Liebe, brennendere Wut, tiefere Trauer. Die filmischen Einflüsse sind dabei
Gesehen: The Girl with the Needle (2024)
Ein Film über das Schweigen. Ein Mädchen, das ihren Unmut gegenüber ihrer Mutter kundtut und von ihr daraufhin so hart ins Gesicht geschlagen wird, dass sie blutet. Aber sie gibt keinen Laut von sich. Vielleicht weil sie weiß, dass ihr dann eine noch viel brutalere Strafe droht. Das ist jedoch
Gesehen: Grand Theft Hamlet (2024)
Aus unendlich vielen Gründen ist das ein ganz besonderes Zeitdokument und interessant. Für mich spannend zu sehen war diese Welt von GTA Online, die mit den Versprechen lockt, jede*r sein und alles tun zu können. Und doch entscheiden sich die Menschen dazu, zu sein und zu tun was sie
Gesehen: Grand Tour (2024) - Unendlicher Walzer
Groteske meets Epik
Kinotagebuch: Kontinental ’25 (2025) - Form follows function
Radu Jude nimmt stellenweise so viel Tempo aus dem Film, dass es unangenehm wird
Kinotagebuch: Heldin (2025) - Michael Mann im Spital
Aus vielerlei Gründen hat Petra Volpe hier ganz großes und großartiges Kino vollbracht. Was alles zusammenbindet, ist die Form. Fast alle Shots sind nicht nur auf die von Leonie Benesch gespielte Protagonistin Floria gerichtet, sie sind dazu noch auf Augenhöhe. Die Kamera geht mit Floria in die Hocke und kommt
A review of L’Éclipse de la Lune Rouge (2025)
Ein extrem berührender Film, der sich entfaltet wie eine Kartografie. Es ist die Kartografierung eines Menschen, einer Frau, einer Mutter, und ein Versuch zu verstehen, was diese Rollen auf unserem Planeten, in unserer Welt bedeuten. Die zahlreichen Naturaufnahmen in diesem Film sind nicht nur ein ästhetischer Hochgenuss. Sie sind Dokument einer Filmemacherin, die die Weite sucht, um Raum zum Denken und Fühlen zu haben, um zu verstehen – ein bisschen also wie ihre Mutter, die einst aus einer ähnlichen Motivation heraus durch die Welt reiste, um von anderen Menschen zu lernen und zu verstehen, warum Menschen so sind, wie sie
Gesehen: Maria (2024) - Barocke Konsequenz
Pablo Larraín schafft mit MARIA das, was bei SPENCER noch nicht ganz aufgegangen ist.
Kinotagebuch: The Mastermind (2025) - Kluger Verzicht
Kelly Reichardt bringt uns gekonnt zum Stolpern
Kinotagebuch: Miroirs No. 3 (2025) - Echo des Schmerzes
Christian Petzold inszeniert eine in tausend Teilen zersprungene Vase und die Frage, wie die wieder zusammenzusetzen ist.
Gesehen: Nickel Boys (2024)
Am Anfang war ich doch sehr ratlos, was mir der Film mit der mit diesen kompromisslosen POV-Shots zu vermitteln versucht. Dass das etwas à la „Durch die Egoperspektive kann die Lebenswirklichkeit Schwarzer Menschen auch für Nicht-Schwarze Menschen erfahrbar gemacht werden” werden sollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
Kinotagebuch: Sehnsucht in Sangerhausen (2025) - Bresson, Kiarostami, Novalis, Radlmeier
Ein Film voller Zitate und doch geprägt von einer eigenen Handschrift
Kinotagebuch: Queer (2024)
(Ich habe die Romanvorlage nicht gelesen und mein einziges Hintergrundwissen ist, dass sie existiert. Deshalb sehe ich zwar die vielen Kritikpunkte an Luca Guadagninos Interpretation, habe aber für mich einen davon losgelösten Zugang zum Film gefunden.) Eine faszinierend gute Erfahrung ist dieser Stil- und Motivmix aus Terry Gilliams FEAR AND
Gesehen: September 5 (2024) – Die Regeln des Spiels
Die Versuchung muss verdammt hoch gewesen sein, diesen Film mit Journalist:innen-Pathos unter sich zu begraben. Aber nein, hier wird nicht hochtrabend über die Bedeutsamkeit der vierten Gewalt schwadroniert. Hier erklären die Taten das Selbstverständnis dieser Journalist:innen. Jeder vermeintlichen Pathos-Rampe wird im letzten Moment ausgewichen, weil immer und immer
Gesehen: The Shrouds (2024) - Trauer im Plattformkapitalismus
Der Schmerz wechselt in der Intensität, wechselt die Form, aber er bleibt.
Kinotagebuch: In die Sonne schauen (2025) - Sehen und gesehen werden
Mascha Schilinskis zum deutschen Oscarbeitrag gewordener Film ist eindrücklich inszeniert und bewegt sich bei Subtext wie Motiven in ähnlichem Fahrwasser wie etwa Céline Sciammas PORTRAIT OF A LADY ON FIRE.
Kinotagebuch: Yes (2025) - Überwältigungskino
Nadav Lapid hadert – mit seinem Geburtsland Israel, den Folgen des 7. Oktober 2023 und irgendwie auch mit der Liebe.

Gesehen: Ich war neunzehn (1968) – Sprache, Licht und Schatten

Von Männern, die die Welt mit Krieg überzogen haben...

Gesehen: Ich war neunzehn (1968) – Sprache, Licht und Schatten
Foto: DEFA-Stiftung, Werner Bergmann, Wolfgang Ebert, Bernd Sperberg

Herkunft, Identität und kollektive Schuld werden hier verhandelt über die Sprache und das Spiel mit Licht und Schatten, das immer wieder elegant mit dem Geschehen verwoben wird – etwa durch die durch hartes Gegenlicht kontrastierten Fetzen Kriegsgeschehen oder die wie Geister an den Wänden entlang gleitenden Schatten der SS-Offiziere.

Dass die Rote Armee hier ziemlich gönnerhaft inszeniert ist, sollte natürlich bei einem DEFA-Film nicht unbedingt wundern. Dennoch unterläuft Konrad Wolf zumindest stellenweise die heroischen Motive.

Da ist etwa die traumatisierte junge Deutsche zu Beginn des Films, deren Bernauer Bleibe von den Russen beschlagnahmt wird und sie daraufhin fragt, ob sie in der hemdsärmelig eingerichteten Kommandantur schlafen könne. „Lieber mit einem als mit allen", antwortet sie auf die Frage nach dem Warum. Ein wahnsinnig starker Satz.

Oder beim Festgelage zum 1. Mai, als der autobiografische Protagonist das Glas hebt, auf seine Mutter trinkt und seinen Vater mit keinem Wort erwähnt. Es wird nicht ausgesprochen, aber es scheint mir auch ein Hadern damit zu sein, dass es die sprichwörtlichen Väter waren, die die Welt in den Krieg getrieben haben.

★★★★½

Infos & Extras

Gesehen: The Loneliest Planet (2011) - Ökonomische Fußfesseln

Selbstfindung ist Ausbeutung

Gesehen: The Loneliest Planet (2011) - Ökonomische Fußfesseln
Foto: The Match Factory

Diesem Bild der Tourist*innen, die in die von ihnen aus betrachtet entlegensten Winkel der Erde reisen und dort von armem Land zu noch ärmerem Land ziehen, haftet schon vielleicht etwas Bösartiges, auf jeden Fall aber etwas Ausbeuterisches an. Jede vermeintliche Erweiterung der eigenen Perspektive gipfelt in Selbstvergessenheit. Sie können diesen Ort, diese Lebensumstände jederzeit wieder verlassen, ein Großteil der Einwohner*innen sitzt durch die ökonomische Realität jedoch fest – wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

Wie unbewusst sich Menschen wie sie (und überhaupt) ihrer eigenen Privilegien sind, zeigt letztlich der erste richtige Realitätsabgleich, der ihnen aufgezwungen wird. Der den Selbstfindungstrip zu knallharten Erkenntnissen führt, die niemand für sich wahrhaben möchte. Dann wird plötzlich geschwiegen und Ungesagtes in Worte gegossen, aber immer an den falschen Stellen. Das vermeintlich harmonische Gefüge zerbricht irreparabel.

★★★½☆

Infos & Extras

Gesehen: Krisha (2015) - Manipulierter Fluss

Im produktivesten Sinne schmerzhaft

Gesehen: Krisha (2015) - Manipulierter Fluss
Foto: A24, Mubi

Trey Edward Shults versteht wirklich, wie „Energie" durch einen Raum fließt und was bzw. wer in diesem Raum diesen Fluss beeinflusst. Und er versteht, wie er diesen Fluss und damit im übertragenen Sinne auch uns als Publikum manipulieren kann.

Die Werkzeuge, mit denen sich die Mitglieder dieser Familie gegenseitig manipulieren, werden gleichermaßen gegen uns eingesetzt. Wir werden Teil dieses permanenten Laufs auf Eierschalen und bekommen regelrecht zu spüren, wie sich die Enttäuschung, Verletzung und enthaltene Vergebung für diese Figuren anfühlen muss.

Etwas schärfer formuliert: Der Film manipuliert uns in eine gesteigerte Empathie hinein und zwingt uns, die eigene Position abzuklopfen. Das tut weh, aber im produktivsten Sinne.

★★★½☆

Infos & Extras

Gesehen: Have You Seen This Woman? (2022) - Existenzielles Erinnern

Wie Menschen zu Geistern werden, ohne zu sterben

Gesehen: Have You Seen This Woman? (2022) - Existenzielles Erinnern
Foto: Non-Aligned Films

Der Titel ist als direkte Frage an uns als Publikum zu verstehen: Haben Sie diese Frau gesehen? Um die Antwort zu formulieren, müssen wir uns mitunter unbequemen Wahrheiten stellen. Denn wortwörtlich eine Frau wie die Protagonistin(nen) gesehen hat bereits jede*r von uns. Doch wie oft haben wir – als Individuen und als Gesellschaft – schon durch Frauen wie sie entweder hindurchgesehen, oder sie gar (vor)verurteilt, bemitleidet oder belächelt?

Die Protagonistin ist den ganzen langen Tag damit beschäftigt, nicht endgültig zu entschwinden, sich irgendwie noch an der Welt festzuklammern. Sie muss permanent an ihre Existenz erinnern – durch das Verteilen von Flyern in Briefkästen, das Anbringen von Abrissmarken an Straßenlaternen, das Klingelputzen, durch das Aufrechterhalten der Illusion eines Lebens, das andere von ihr erwarten.

Armut, Einsamkeit und Erwartungsdruck machen Menschen zu Geistern. Deshalb sollten wir hinschauen, ihnen in die Augen schauen, ihre Existenz nicht weiter an Bedingungen knüpfen. (Klingt jetzt doch etwas pathetischer als geplant, aber es ist im Kern einfach zutreffend.)

★★★½☆

Infos & Extras