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Bücher

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„Wie DU mehr Bücher liest - eine Gebrauchsanweisung" von Franz Pökler (für mich)

„Wie DU mehr Bücher liest - eine Gebrauchsanweisung" von Franz Pökler (für mich)
(c) Siora Photography / Unsplash

Meine Beziehung zu Literatur ist für mich eigentlich geklärt: Ich stehe drauf. Meine Beziehung zum Lesen hingegen: schwierig. Jede:r hat da ja so seine eigenen Stolperstellen. Bei mir ist es vor allem die Routine, an der ich immer und immer wieder scheitere. Gewohnheitstrackende Apps, Leseziele beim Buchtracker meiner Wahl, einfach, wenn die Lust kommt... all das hat für mich nie dauerhaft funktioniert.

Wenn ich ehrlich bin: Immer wieder rutscht mit einer Blutgrätsche zwischen mich und Literatur meine Filmliebe. Wer einen Blick auf die Startseite meines Blogs oder mein Letterboxd-Profil wirft, wird schnell merken: Ich schaue praktischen jeden Tag mindestens einen Film. (Dass das sehr oft auch beruflich Anteile hat, lassen wir mal außen vor.) Dazu gehört auch, im Anschluss mehr über die Hintergründe zu lesen, sich in die Perspektiven anderer zu graben und meine eigene aufzuschreiben.

Ich mag es, damit meinen Tag zu beschließen. Doch darin liegt das Problem: Ich hatte seeeeeehr lange keinen eigenen Fernseher im Zimmer. Das habe ich auch nie als schlimm empfunden. Früher™ war der Tagesausklang im Bett für mich immer mit dem Lesen verbunden. Dieses Muster ist ganz tief in mir verankert. Aber nach einem Film und der folgenden intellektuellen Auseinandersetzung noch ernsthaft im Bett lesen zu wollen? Keine (realistische) Chance und damit auch kein Wunder, dass meine Lesesträhnen regelmäßig abreißen und/oder für Monate nicht wieder aufgegriffen werden.

Es mag banal klingen, aber vor diesem Video des geschätzten Geschichtslehrers und Deutschraphistorikers Franz Pökler kam ich nie so richtig aus diesem Denkmuster raus. Ich probiere das jetzt also mal aus: kürzere Zeitfenster, mobiler und eher tagsüber als abends im Bett. Damit muss ich mich in Sachen Filmkonsum nicht einschränken, was natürlich eine Vollkatastrophe wäre 😅


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Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Berit Glanz' Newsletter zum Mitlesen
Am Snæfellsjökull auf Island beginnt die Reise ins Innere der Erde.

Berit Glanz hat ein tolles neues Projekt: sozusagen ein Read-Along zu Jules Vernes Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864) mit angeschlossenem Gedanken(aus)tausch.

Meine Idee ist, dass ich jede Woche ein Kapitel des Buches per Newsletter schicke, dazu einige Absätze mit Gedanken und Fragen, die sich mir beim Lesen gestellt haben. Ich werde dazu die im Projekt Gutenberg vorhandene Version verwenden (das ist die 1874 bei Hartleben veröffentlichte deutsche Übersetzung).

Das erste Kapitel ging heute raus und Berit lädt direkt ein, durch das Hamburg der Vergangenheit zu flanieren, auf „die Poesie von Wortreihungen, die Steine und auch die vielen Namen wichtiger Entdecker und Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts" zu blicken sowie zu überlegen, was eigentlich ein Stock mit Nußknackerkopf sein soll.

Außerdem: Leipzig mentioned!

Schon in diesem ersten Kapitel zeigt sich einerseits die Begeisterung und das authentische Interesse von Jules Verne an den Naturwissenschaften, aber auch der liebevolle Spott für diejenigen, die sich ausschließlich damit befassen. “…im Jahre 1853 war zu Leipzig von Otto Lidenbrock eine Abhandlung über Transcendentale Krystallographie in Großfolio mit Abbildungen erschienen, welche jedoch nicht die Kosten deckte.“
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde | Berit Glanz | Substack
Wir lesen gemeinsam “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde” von Jules Verne. Click to read Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, by Berit Glanz, a Substack publication with hundreds of subscribers.
Reise nach dem Mittelpunkt der Erde
Projekt Gutenberg | Die weltweit größte kostenlose deutschsprachige Volltext-Literatursammlung | Klassische Werke von A bis Z | Bücher gratis online lesen

Mubi verlegt jetzt auch Bücher

Mubi verlegt jetzt auch Bücher
(c) Mubi

Spannend: Mubi will jetzt nicht mehr "nur" Filme streamen, verleihen und produzieren, sondern auch Bücher rund um (Film-)Kunst verlegen.

Mubi Editions wird das ganze heißen und nach eigenen Angaben in vier verschiedene Nischen hineinpublizieren:

  • Projections: Filmkunst und -geschichte
  • Auteurs: Bücher und andere Kunstwerke, die in Zusammenarbeit mit Künstler:innen und Filmemacher:innen geschaffen werden sollen
  • Internegatives: Texte, die bisher nur schwer zu bekommen waren, nicht mehr gedruckt und/oder neu übersetzt wurden
  • Lights!: Bücher, die sich um die Mubi-eigenen Titel drehen

Im April 2025 soll Read Frame Type Film das hochpreisige Geschäft zu 65 Euro einläuten. Gehen soll es um Text im Film, beteiligt war das am Pariser Centre Pompidou initiierten Forschungsprojekt "TypoFilm", das Text- und Grafikdesign im Film untersucht.

Klingt jedenfalls nach einem tollen Geburtstagswunsch und nach einer interessanten Ergänzung zu dem, was hierzulande etwa über den Taschen-Verlag zu bekommen ist.

(via Variety)

Gelesen: „Serpentinen“ (2020) von Bov Bjerg

Gelesen: „Serpentinen“ (2020) von Bov Bjerg
Cover und Verlag: Ullstein

Diese Last, diese Schuld, die sich wie ein undurchdringbarer Schatten über Generationen hinweg legt, unter dem ein Mensch nach dem anderen, ein Mann nach dem anderen verschwindet. Und je nachdrücklicher man sich darum bemüht, sich des Schattens zu entledigen, desto schwerer wiegt seine Last. Der Schatten der Vergangenheit fesselt alle Kraft in der Gegenwart, verwehrt den Blick auf das Gute, auf die Dinge, die noch kommen können und werden. Der Schatten wird zum Schwarzen Loch, das die Fähigkeit frisst, nach vorne zu blicken, sein eigener Mensch zu werden, eigene Werte zu formen und weiterzugeben.

Aufgeschrieben hat das Bov Bjerg mit einer klaren Härte und harten Klarheit. Die Abfolge der Gedanken, die zum Stakkato eskalieren, immer kürzer werden, immer weniger Platz auf der Zeile einnehmen, dort schließlich allein auf weiter Flur stehen, bis sich die Spirale wieder entzerrt, Ruhe einkehrt, das ist schwer beeindruckend und zutiefst berührend. Es ist ein Spiegel des von Trauma zerfressenen Bewusstseins, des Eindringens der abgründigsten Gedanken in Träume, ins Hier und Jetzt.

Wo denn die Menschen seien, die nicht mehr am Leben waren, fragte der Junge. Bevor ich antworten konnte, sagte er: Die sind alle in die Bücher hineingestorben.

★★★★★

ISBN: 9783843722872, Wikipedia

Gelesen: „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ (2024) von Saša Stanišić

Gelesen: „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ (2024) von Saša Stanišić
Verlag und Cover: Luchterhand

Saša Stanišićs unvergleichlicher Humor steckt auch hier in jeder Zeile, im Duktus, im Rhythmus und selbst im Schriftsatz. Zuweilen fühlt sich das Werk fast schon an wie nihilistisches Shitposting. Vielleicht bleibt angesichts des uns um die Ohren fliegenden Klimas, der globalen Sicherheitslage, der zunehmenden sozialen Ungleichheit, des Wiedererstarkens rechtsextremer Kräfte generell und im Speziellen die demokratiefeindliche AfD in den Parlamenten nichts anderes übrig, als mit einem irren Lachen durch die Welt zu gehen 🤷‍♂️

Aber vielleicht ist genau das auch irgendwie das größte Problem, das ich mit Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne habe. Die ausgestellte Problematisierung der oben aufgezählten Tatsachen hat auf mich oft wie eine Pflichtübung gewirkt, ein Aufzählen kleinster gemeinsamer Nenner, auf die sich vernunftbegabte Menschen hoffentlich einigen können.

Dann gibt es wieder wahnsinnig poetische Einschläge, die Perspektiven verrücken, zuvor geknüpfte Stränge wieder aufdröseln und neu zusammenführen, die zutiefst berühren und Hoffnung keimen lassen. Hach.

★★★½☆

ISBN: 978-3-641-31679-2, Wikipedia

„Bücher? Uns doch egal!“

„Bücher? Uns doch egal!“
(c) Annie Spratt / Unsplash

Bissiger Kommentar von taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals zum Zusammenstreichen von Literatursendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk:

Die Vermutung ist: Sie wissen nicht, was sie da gerade tun. Und sie wollen es auch nicht wissen. Es sind die Systemlogiken des Apparats, die die Kontrolle haben. Damit muss man jetzt umgehen. Und das in Zeiten, in denen die Neue Rechte – im Unterschied zu den Öffentlich-Rechtlichen – die Literatur sehr ernst nimmt.
Öffentlich-Rechtliche und Literatur: Bücher? Uns doch egal!
Schon wieder werden Literatursendungen gestrichen. Zu Büchern haben die öffentlich-rechtlichen Sender offenbar kein Verhältnis mehr. Ein Wutausbruch.

Gerade der letzte Satz ist so wichtig und richtig. Das ist auch einer der Gründe, aus denen ich versuche, mich hier kritisch mit Filmen auseinanderzusetzen.

(via Bildblog)