Skip to Content

Bücher

44 posts

Posts tagged with Bücher

Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis

Kurze Beine und trotzdem da, die Hobbit-Antifa!

Kein Hobbit für Nazis: Tolkien verweigerte Ariernachweis
© Madalyn Cox / Unsplash

Dass Faschist:innen heute gerne J.R.R. Tolkiens The Lord of the Rings lesen, war mir schon länger geläufig. Dass jedoch selbst die Nazis hinter einer deutschen Übersetzung von The Hobbit her waren, war auch mir neu.

1938 hat Rütten & Loening Tolkien angefragt. Bereits zwei Jahre zuvor wurden die Verleger Wilhelm Ernst Oswalt und Adolf Neumann bereits durch die Nürnberger Gesetze in Nazideutschland dazu gezwungen, ihr Unternehmen an einen „arischen" Verleger zu verkaufen. Unter der Fuchtel dieses Verlegers wurden dann die Verhandlungen mit Tolkien angestrengt.

In diesem Zuge versuchten die Deutschen auch, sich einen sogenannten Ariernachweis von Tolkien einzuholen. Der war davon einigermaßen irritiert. Seinem Verleger Stanley Unwin ließ er daraufhin ein Antwortschreiben zukommen, in dem er erklärt, was Phase ist – wenn auch nicht ganz klar scheint, ob das Schreiben jemals den deutschen Verlag erreicht hat.

I regret that I am not clear as to what you intend by arisch. I am not of Aryan extraction: that is Indo-Iranian; as far as I am aware none of my ancestors spoke Hindustani, Persian, Gypsy, or any related dialects. But if I am to understand that you are enquiring whether I am of Jewish origin, I can only reply that I regret that I appear to have no ancestors of that gifted people.

Am Ende ganz genüsslich...

I trust you will find this reply satisfactory

Den kompletten Draft und mehr gibt's unter anderem beim Literary Hub.

On the time J.R.R. Tolkien refused to work with Nazi-leaning publishers.
This week marks the 130th birthday of J.R.R. Tolkien, The Hobbit and Lord of the Rings writer, academic, and pranking enthusiast—and today we’re revisiting a time Tolkien stood up for his beliefs a…

(via Natascha Strobl, Literary Hub, Open Culture und mit Wissen von Wikipedia)

Das „Alice im Wunderland"-Manuskript ist voller schöner Illustrationen von Lewis Carroll selbst

Das „Alice im Wunderland"-Manuskript ist voller schöner Illustrationen von Lewis Carroll selbst

Die British Library birgt einen ganz besonderen Schatz: das von Lewis Carroll handgeschriebene Manuskript, aus dem später Alice im Wunderland werden sollte.

Carroll presented the fictional Alice’s namesake with the manuscript, according to the British Library, as an early Christmas present in 1864. When his friends encouraged him to publish it, he performed a few revisions, “removing some of the family references included for the amusement of the Liddell children,” adding a couple of chapters (the beloved Cheshire Cat and the Mad Hatter’s tea party being among their new material), and enlisting John Tenniel, a Punch magazine cartoonist known for his illustrations of Aesop’s Fables, to create professional art to accompany it. The result, retitled Alice’s Adventures in Wonderland, came out in 1865 and has never gone out of print. (Openculture)

John Tenniel hat die Geschichte also zum ersten Mal „professionell" illustriert. Doch das Manuskript kam bereits mit einigen Zeichnungen – und zwar von Lewis Carroll höchstselbst. Selbst die Kapitelköpfe sind träumerisch kalligraphiert und es gibt auch ein paar textästhetische Spielereien.

Das Manuskript ist gemeinfrei und kann bei der British Library oder noch bequemer bei Archive.org eingesehen werden.

Alice’s Adventures Under Ground : Carroll, Lewis, 1832-1898 : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
Low def facsimile of the original manuscript, maid from British Library’s Virtual books Add. MS 46700 (see at…
Behold Lewis Carroll’s Original Handwritten & Illustrated Manuscript for Alice’s Adventures in Wonderland (1864)
Almost exactly 155 years ago, Lewis Carroll told three young sisters a story. He’d come up with it to enliven a long boat trip up the River Thames, and one of the children aboard, a certain Alice Liddell, enjoyed it so much that she insisted that Carroll commit it to paper.

Meine Lieblingsstellen habe ich gescreenshottet.

Gelesen: „I'm Thinking of Ending Things" (2019) von Iain Reid

Gelesen: „I'm Thinking of Ending Things" (2019) von Iain Reid
Cover und Verlag: Droemer Knaur

Vor knapp fünf Jahren habe ich Charlie Kaufmans Filmadaption gesehen und für den Musikexpress eine Kritik geschrieben. Seitdem hat sich meine Perspektive auf die Welt tatsächlich deutlich geändert – ich würde sogar behaupten: erweitert. Wenn ich also sage, dass ich finde, dass diese Buchvorlage doch klar anders gelagert als ihre Verfilmung ist, dann kann das zwei Dinge bedeuten:

  1. Buch und Film sind thematisch doch nicht so weit voneinander entfernt, ich habe die grundlegenden Themen nur damals™ nicht sehen können.
  2. Ich habe den Film mittlerweile weitestgehend vergessen.

Aber zum Buch: Es beginnt, wie Kaufmans Film. Die Protagonistin stellt sich die Frage, ob sie die Dinge beenden solle. Sie spricht schnell von ihrer Beziehung. Doch die vage Formulierung öffnet direkt den Raum, für Anschlussfragen. Meint sie wirklich nur ihre Beziehung? Spricht sie vielleicht doch von ihrem Leben? Oder eventuell von der Verkrustung gesellschaftlicher Strukturen? Ganz konkret von Gewalt gegen Frauen?

Auch, wenn das Buch ein scheinbar klares Ende liefert, lässt die elliptische Erzählweise vielerlei Schlüsse zu. Wir, als Menschen, als Gesellschaft bewegen uns auf einer Kreisbahn. Darauf sind wir unweigerlich dazu verdammt, immer und immer wieder die gleichen Fehler zu machen, die gleichen Erlebnisse einzustecken sowie die gleichen und somit auch immer wieder die falschen Schlüsse zu ziehen. Ein Kreis ist definitionsgemäß geschlossen, ein Ausbrechen ist sozusagen nur möglich, wenn die komplette Struktur in Trümmer gelegt wird.

Diese ganzen provozierten Gedanken sind für mich schon per se super spannend. Aber sie sind dem reinen Lesen natürlich nachgelagert. Doch auch das Lesen selbst hat einfach Spaß gemacht. Denn Iain Reid versteht es, seine konstruierten Vignetten subtil mit zunehmend entrückten Details zu durchsetzen und so ein immer unheimlicheres Gefühl einer lauernden Gefahr aufziehen zu lassen.

★★★½☆


Eine gute Stelle aus dem Buch:

Immer wenn ich dachte, ich hätte den richtigen Anlass gefunden, um die Kerze anzuzünden, bekam ich plötzlich das Gefühl, mich damit festzulegen. Und so wartete ich auf eine bessere Gelegenheit. Sie steht immer noch mit weißem Docht oben auf dem Bücherregal.
🇨🇦, ISBN: 978-3-426-30619-2, Verlag, Wikipedia, Cover: Droemer Knaur

Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!

Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!
(c) Kane Reinholdtsen / Unsplash

Bianca Jankovska aka die Groschenphilosophin schreibt darüber, was es eigentlich kostet, Autorin nicht nur zu sein, sondern auch vor einem wie auch immer gearteten Publikum stattzufinden:

Viel, sehr viel sogar.

Geld. Den Verlust der eigenen Würde. Ständigen Konkurrenzkampf. Massenweise Absagen. Die eigene Glückseligkeit.

Wenn man nicht aufpasst, den Rest der psychischen Gesundheit. Falls überhaupt noch welche da ist.

Es ist wirklich wahnsinnig bitter. Leipzig liest als Begleitprogramm zur Buchmesse ist hier vor meiner Haustür ein ziemlich publikumsträchtiges Event. Klar, nicht alle teilnehmenden Locations platzen aus allen Nähten. Aber es ist schon ordentlich Publikum unterwegs im gesamten Stadtgebiet.

Dieses Publikum trinkt zur Lesung dann sicherlich auch gerne mal ein Bier oder viel wahrscheinlicher einen guten Wein™. Gerade bei kleineren Locations ist das für die Deckung der abseits von Leipzig liest natürlich weiterlaufenden Kosten sicherlich nicht unerheblich.

Aber irgendwas läuft doch gehörig falsch, wenn dafür die Ausbeutung von Autor:innen mit eingepreist ist – erst recht, wenn sich daran auch noch größere Häuser beteiligen, wie die Groschenphilosophin es in ihrem Text beschreibt.

In der „normalen“ Wirtschaft wäre das ungefähr so, als ob VW seine Mitarbeiter nicht bezahlen würde, weil sie froh sein sollten, bei so einem bekannten Autohersteller arbeiten zu dürfen.

Leipzig, get your shit together... Kultur muss man sich leisten können – und das gilt nicht nur für das Publikum!

Warum ich nicht auf die Leipzig Buch fahre - groschen | philosophin
Was es kostet, eine Autorin zu sein? Viel, sehr viel sogar. Geld. Den Verlust der eigenen Würde. Ständigen Konkurrenzkampf. Massenweise Absagen. Die eigene Glückseligkeit.

Dein nächster Albtraum wird präsentiert von: Henrique Alvim Corrêas Illustrationen für „The War of the Worlds"

Dein nächster Albtraum wird präsentiert von: Henrique Alvim Corrêas Illustrationen für „The War of the Worlds"

Beim Public Domain Review gibt es eine umfangreiche Sammlung von Henrique Alvim Corrêas fantastischen Illustrationen für die 1906er Ausgabe von H. G. Wells' Roman The War of the Worlds. Hat auch ein bisschen was von Lovecraft meets Steampunk und sich sofort in mein Hirn gebrannt.

One can see the reason for Wells’ enthusiasm. Every one of Corrêa’s illustrations bursts with imagination, eliciting fascination and terror. The post-apocalyptic landscape introducing Book One, “The Arrival of the Martians” — with its extraterrestrial tripods (looking like a cross between octopuses and water towers) and its impressive depth of field — presages not only the surrealist style of painting then brewing in Paris but the Hollywood sci-fi movies of the 1950s, with their campy mix of silliness and horror.
Henrique Alvim Corrêa’s Illustrations for The War of the Worlds (1906)
Illustrations by a little-known Brazilian artist for the first French translation of H. G. Wells’ science-fiction classic.

(via Open Culture)


Per Mail kommentieren oder auf Bluesky antworten.

Gelesen: „Daisy Jones & the Six" (2019) von Taylor Jenkins Reid

Gelesen: „Daisy Jones & the Six" (2019) von Taylor Jenkins Reid
Verlag und Cover: Ullstein

In erster Linie wollte ich dieses Buch lesen, nachdem ich davon mitbekommen hatte, für welchen Aufbau sich Taylor Jenkins Reid entschieden hat. Mich hat das formale Experiment einfach interessiert – auch, weil es mich an Cameron Crowes fantastischen Film ALMOST FAMOUS erinnert hat.

Doch das Ergebnis war für mich eine halbe textästhetische und strukturelle Katastrophe. Denn das Buch trifft extrem schnell auf die gleichen Probleme wie etwa Dokumentarfilme, die auf sehr viele Talking Heads setzen. Denn werden dort nicht regelmäßig via Bauchbinde Namen und Funktionen der sprechenden Personen wiederholt, lassen diese sich irgendwann nicht mehr richtig verorten und alles verschwimmt zu einer komischen, diffusen Masse. Der ist zwar immer noch zu folgen, aber es fällt zunehmend schwerer, Nuancen auszumachen. Wer eine längere Lesepause einlegt, hat direkt verloren.

Dennoch machen Tempo und Takt der Geschichte Spaß – zumindest eine Zeit lang. Denn auch der Mechanismus hinter diesem Rhythmus ist leicht zu durchschauen und läuft sich deshalb in seiner permanenten Wiederholung relativ schnell tot. Figur A sehr klar eine Situation beschreiben zu lassen, nur um sie direkt im Anschluss von Figur B unterlaufen zulassen, ist erst lustig, dann zum Schmunzeln und schließlich überstrapaziert und ermüdend.

Das Ende mit seinen super unangenehmen How I Met Your Mother-Vibes macht es auch nicht besser. Ein sonderlich großer Fan bin ich also nicht.

★★½☆☆


Zwei coole Ausschnitte:

Die Ehe bereue ich, aber nicht das Kleid.
Jetzt lebe ich in Tarzana, in Kalifornien, in einem riesigen Haus umgeben von Einkaufszentren, meine Kinder besuchen das College, und niemand möchte mehr mein Autogramm auf seinen Titten haben. Hin und wieder bittet Lisa mich darum, aber nur aus Nettigkeit.
🇺🇸, ISBN: 978-3-8437-2219-3, Verlag, Wikipedia

Per Mail kommentieren oder auf Bluesky antworten.