Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 222

Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

Als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden.

Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

OPPENHEIMER ist, als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden. Dieser Film hat keine einzige nuanciert angelegte und gespielte Szene. Mit jedem einzelnen Satz wird entweder bedeutungsschwangeres Foreshadowing vorangetrieben oder ein neunmalkluger Kalenderspruch über die ach so schwer überschaubare moralische Grauzone rausgehauen. Der als große Charakterstudie angelegte Film nimmt sich wahnsinnig wichtig, lässt jedoch das dazu notwendige Fingerspitzengefühl mehr als vermissen.

Leider setzt sich dieser Mangel an Subtilität auch auf visueller Ebene fort. Nur wenige Bilder können wirklich atmen, eine von Dialog und Plot losgelöste Wirkung erzielen. Die – in meinen Augen – Referenz an Werner Herzogs „Lektionen in Finsternis“ mag zwar

Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater Read more

Gesehen: Nights of Cabiria (1957) - Homo homini lupus

Hadern mit dem Postfaschismus

Gesehen: Nights of Cabiria (1957) - Homo homini lupus
Foto: Studiocanal

Es fühlt sich für mich so an, als ob Fellini hier mit den Trümmern des postfaschistischen Italiens hadert und der Film sein Dokument einer versuchten Fundamentlegung auf (wortwörtlich und metaphorisch) zerstörtem Boden ist. Krieg und Faschismus haben derartige Schneisen der Zerstörung durch Land und Gesellschaft geschlagen, dass es mit einfachem Kitt nicht mehr getan ist. Dazu der stete Gang an der Grenze zum magischen Realismus, der die Frage stellt, ob eine Zukunft erträumt werden darf oder ob nur noch geträumt werden kann, weil die Welt irreparabel aus den Fugen geraten ist. Homo homini lupus, um mal besonders staatstragende Töne anklingen

Gesehen: Nights of Cabiria (1957) - Homo homini lupus Read more

Gesehen: The Nun (2018) - Billiges one-trick pony

Mit einem Wanderjahrmarkt von einem Horror-Klischee zum nächsten...

Gesehen: The Nun (2018) - Billiges one-trick pony
Foto: Warner Bros.

Dass das absoluter Schrott ist, muss ich ja eigentlich kaum erwähnen. Und dennoch: THE NUN ist ein billiges one-trick pony, das zusammen mit einem Wanderjahrmarkt von einem Horror-Klischee zum nächsten reist, dessen Hauptattraktion eine heruntergekommene Geisterbahn mit einem Zerrspiegel als krassestes Feature ist. Der einzige Nagel, den dieser Film auf den Kopf trifft: In den „heiligen“ Hallen der katholischen Kirche passiert wirklich abgefuckte Scheiße.

½☆☆☆☆

🇺🇸, R: Corin Hardy, D: Taissa Farmiga, Demián Bichir, Bonnie Aarons, Jonas Bloquet, Ingrid Bisu, Patrick Wilson, Vera Farmiga, Lili Taylor, Charlotte Hope, Sandra Teles, Maria Obretin, August Maturo, Jack Falk, Lynnette Gaza, Ani Sava, Michael
Gesehen: The Nun (2018) - Billiges one-trick pony Read more

Gesehen: Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023) - Gesprengte Ketten

Gesehen: Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023) - Gesprengte Ketten
© The Walt Disney Company Germany

Marvel kann es also doch noch: eine vergleichsweise kleine Geschichte groß zu erzählen, ohne direkt den Fortbestand des ganzen Universums und allen angeschlossenen Multiversen und Dimensionen aufs Spiel setzen zu müssen. Gefallen hat mir bei den Guardians zudem immer – und das funktioniert auch hier –, dass Figuren immer ein Weg der Wiedergutmachung angeboten wird und dafür nicht direkt dramatisch irgendein starres Wertekonstrukt über den Haufen geworfen werden muss.

Das wird auch deutlich in den Geschichten, die James Gunn im MCU erzählt: Es geht um das Losreißen von den Ketten der eigenen Vergangenheit, von der Selbstwerdung trotz widrigster Umstände. Es geht

Gesehen: Guardians of the Galaxy Vol. 3 (2023) - Gesprengte Ketten Read more

Kinotagebuch: Asteroid City (2023) - Ein Reh im Scheinwerferlicht

Kinotagebuch: Asteroid City (2023) - Ein Reh im Scheinwerferlicht
Jason Schwartzman und Tom Hanks // © Universal Pictures International Germany

Das war ziemlich ambitionslos, Mr. Anderson… Wie ein Reh im Scheinwerferlicht steht dieser Film vor der Aufgabe, das Wesen der USA seit 2015 einzufangen. Doch der immer resigniertere Rückzug ins Formalistische führt hier letztlich zu einer Art filmischem Nihilismus, der in seiner Leere sehr viel Achselzucken übrig lässt.

Every frame a painting gilt nach wie vor und kaum jemand kann kauzig-liebenswürdige Figuren so gut wie Wes Anderson. Aber das gerät mittlerweile einfach an Grenzen.

★★★☆☆

🇺🇸/🇩🇪, R: Wes Anderson, D: Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks, Jeffrey Wright, Tilda Swinton, Bryan Cranston, Edward Norton, Adrien Brody, Liev Schreiber, Hope Davis, Steve
Kinotagebuch: Asteroid City (2023) - Ein Reh im Scheinwerferlicht Read more

Gelesen: „Die Heldin reist“ (2022) von Doris Dörrie

Gelesen: „Die Heldin reist“ (2022) von Doris Dörrie
Verlag und Cover: Diogenes

Ich bin zugegebenermaßen nicht der allergrößte Fan von Doris Dörries Filmen. Doch bei ihrem geschriebenen Werk sieht das vielleicht anders aus. Jedenfalls habe ich Die Heldin reist regelrecht verschlungen und in einem für mich atembraubenden Tempo innerhalb von drei Tagen ausgelesen.

Dörries Gedanken über Zeit, das Altern, Rollenbilder, gesellschaftliche Konventionen und über das Selbstverständnis einer Reisenden zu folgen, ihren Reflektionen über die Rolle einer Frau in dieser Welt (oder eigentlich: in diesen Welten) mitzudenken, in ähnliche oder ganz andere Zwiespalte zu geraten und damit auch mal vermeintlich Grundlegendes zu überdenken – das bereitet mit diesem Buch einfach große Freude. Dörrie hat

Gelesen: „Die Heldin reist“ (2022) von Doris Dörrie Read more