Skip to Content

Feuilleton & Firlefanz

Posts on page 2

Gesehen: The Human Condition (1959-61) - Was sich verschiebt

Masaki Kobayashis fast zehnstündiges Epos spürt nach, wie sich im Faschismus welche Grenzen verschieben

Gesehen: The Human Condition (1959-61) - Was sich verschiebt
Bilder: Arrow Films, Montage: Ich

No Greater Love

Ein Dokument des Verschiebens – des Verschiebens von jeder moralischen Grenze, jeden Tag ein Stück mehr. Die dafür notwendigen Schritte sind mal klein, mal groß und folgen einem paradoxen Muster. Einerseits ist die reine Schlagzahl dieser Grenzverschiebungen desorientierend, andererseits aber auch eine Summe vieler kleiner, kontinuierlich gefällter Entscheidungen, die einen Gewöhnungseffekt erzeugen.

Masaki Kobayashi lässt dafür grandios Form und Inhalt nahtlos ineinandergreifen. Denn dieses Abrutschen in die Unmoral findet auch bildkompositorisch Widerhall. In Momenten, in denen die Zivilisation zugunsten der Barbarei abgerissen wird, ist der Protagonist oftmals mit mehreren anderen Menschen im Raum. Es entsteht eine Enge,

Gesehen: The Human Condition (1959-61) - Was sich verschiebt Read more

Gesehen: Der Tiger (2025) - Zufälle gibt's

Als ob es Elem Klimows „Komm und sieh“ nie gegeben hätte

Gesehen: Der Tiger (2025) - Zufälle gibt's
Bild: Amazon MGM Studios

Es ist total befremdlich, wie viel Energie der Film darauf verwendet, diese Wehrmachtssoldaten zu entpolitisieren – bis hin zu Sprüchen wie „Keine Politik in meinem Panzer" und „Wir haben nur Befehle ausgeführt". Es ist schon bemerkenswert, dass der Regisseur nach NAPOLA schon wieder einen Haufen junger Männer gefunden hat, in denen keiner ein ausgemachter Nazi gewesen zu sein scheint.

Nun ließe sich argumentieren, dass der Film genau diese Ausflüchte ins vermeintliche Mitläufertum zerlegen will und sehr wohl mindestens einen Nazinazi zeigt, der mit seiner fadenscheinigen Argumentation, mit seinen Taten und deren Folgen konfrontiert und dadurch sein Abstieg in die Hölle eingeläutet

Gesehen: Der Tiger (2025) - Zufälle gibt's Read more

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert

Die Kontraste zwischen Bildästhetik und Inhalt, die King Vidor hier aufzieht, machen den Film aus

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert
Bild: Paramount Pictures

Ich war sehr angetan davon, wie zu Beginn diese Bildästhetik einer melodramatischen Romanze, die etwa an die tschechischen Märchenverfilmungen wie DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL oder auch Historienschinken wie SISSI erinnert, mit dem über allem thronenden Kriegsthema kontrastiert wird.

In dieser vermeintlich heilen Märchenwelt, in der „guten" Männern zugeschriebene Tugenden wie Mut und Stolz auch immer eng verbunden sind mit militärischer Ehre und mitunter regelrechtem Kriegseifer, in der das Autoritäre schier unlösbar tief in den Menschen verankert ist, ist Pazifismus eine Krankheit, die ausgerottet werden muss.

Der Kontrast zwischen Form und Inhalt wird immer härter, bis auch die Bilder diesem Abstieg

Gesehen: War and Peace (1956) - Sissi, dekonstruiert Read more

Gesehen: Year One (1974) - Eine Frage der Ästhetik

Roberto Rossellini betrachtet die Demokratie als System voller Widersprüche

Gesehen: Year One (1974) - Eine Frage der Ästhetik
Bild: Coproduction Office

Nach der Null kommt die Eins. Bei Roberto Rossellini liegen dazwischen gut 26 Jahre. 26 Jahre, die zwischen GERMANY, YEAR ZERO und YEAR ONE liegen. 26 Jahre, um das Grundlegende im Kampf gegen den Faschismus und für die Demokratie auszuformulieren. 26 Jahre, in denen Rossellini keine ästhetischen Kategorien für diese Kämpfe findet – oder zum Schluss kommt, dass diese Kämpfe nicht ästhetisiert werden sollten.

Akribisch dröselt Rossellini auf, dass Demokratie kein Naturzustand ist, auf den die Gesellschaft nach dem Zerbrechen eines anderen Herrschaftssystems zurückfällt. Dass die Demokratie ein extrem fragiles Konstrukt ohne Finalzustand ist, weil sie von einem permanenten Aushandeln von

Gesehen: Year One (1974) - Eine Frage der Ästhetik Read more

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt

Hund gut, Metapher schwer, Horror behauptet

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt
Bild: DCM Film Distribution

Ich konnte wirklich nicht anders, als fast die ganze Zeit an diesen Cartoon des großartigen Ellis Rosen zu denken. Denn die Idee des Films ist recht clever und natürlich auch eine Liebeserklärung an Hunde und an das, was sie für uns Menschen sein und leisten können. Aber diese Idee wird recht schnell mit aller Gewalt an die Oberfläche gezerrt und dort überaus dünn ausgebreitet.

Immer und immer wieder müssen wir dem Hund dabei zuschauen, wie er besorgt in mal dunkle, mal erleuchtete Raumecken starrt, dabei mal etwas sieht, mal nicht – immer begleitet von den immergleichen Dolly Zooms und Streichbögen, die

Gesehen: Good Boy (2025) - Ellis Rosen grüßt Read more

Tiger sind skrupellos am 07. Januar 2026 Featured Post

Die heutigen Dailies unter anderem mit: „Twin Peaks“ für umme, Spielepodcasts und roten Linien

Tiger sind skrupellos am 07. Januar 2026
Bild: Pop & Zebra / Unsplash

Es gibt nun wirklich gar keine Ausreden mehr: Arte hat ab morgen (08. Januar 2026) alle drei Staffeln von Twin Peaks aus den Feder von David Lynch und Mark Frost im Programm! (Oder eher: beide Staffeln Twin Peaks und The Return, was bewusst gesondert steht und stehen sollte.)

Twin Peaks - Fernsehfilme und Serien | ARTE
David Lynchs Meisterwerk, eine einzigartige Symbiose aus Seifenoper und Filmkunst, lässt uns in die Abgründe einer amerikanischen Kleinstadt eintauchen und fühlt sich wie ein böser Traum an, aus dem man niemals erwachen möchte. Diese Anthologieserie vereint alle ihre Vorgänger in sich und dient zugleich als
Tiger sind skrupellos am 07. Januar 2026 Read more