Wer das Individuum ausrotten und durch kadavergehorsame Puppen ersetzen will, der arbeitet am Faschismus. Besonders gut klappt das, wenn institutionalisierte Religion aka Kirche, Militär und das Bildungssystem als „verlängerter Arm" des Staates schön zusammen an einem Strang ziehen. Insofern geht der Plan der Unterdrücker:innen doch wunderbar auf, als sie unweigerlich ins Gras beißen müssen.
★★★½☆
GB, R: Lindsay Anderson, D: Malcolm McDowell, David Wood, Richard Warwick, Christine Noonan, Peter Jeffrey, Robert Swann, Trailer, Wikipedia
Jane Schoenbrun im Interview für den Teddy Award 2024 // (c) Teddy Award unter CC BY 3.0
Jane Schoenbrun gehört easy zu den interessantesten Filmschaffenden auf mindestens diesem Planeten. I SAW THE TV GLOW gehörte zu meinem Lieblingsfilmen 2024 und wenn ich mich darauf festnageln lassen müsste, würde der Film wahrscheinlich unangefochten an der absoluten Spitze stehen.
Jetzt gibt es ein neues Special von CUTS, in dem es um Jane Schoenbruns Schaffen geht. Neben Lucas sind dabei Christian Eichler und Hylia. Die mehr als dreieinhalb Stunden gibt es für Supporter'innen ab 4 Euro im Monat, die sich meiner bescheidenen Meinung nach mehr als lohnen.
In diesem Special zeichnen Christian, Lucas und Hylia nach, wie Schoenbrun die Ideenwelt zwischen Transness, Fiktion, Realität, Fanfiction, Internet, dem Festhalten und dem Loslassen, dem Annehmen und dem Ablehnen von Identitätsangeboten über die frühe Filmografie entwickelt.
Wer nicht zahlt, bekommt im normalen Feed immerhin auch einen kostenlosen Teaser, dessen gute halbe Stunde – insbesondere durch Lucas' hervorragende Einführung zu Leben und Schaffen Jane Schoenbruns – bereits ziemlich bereichernd ist.
Terry Gilliams Spieltrieb und Stilwille ist natürlich wie immer ursympathisch und mitreißend. Als ob er 15 Jahre lang davon geträumt hat, die Szene im „Circus Circus"-Casino aus FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS auf Spielfilmlänge zu strecken und nun endlich die Gelegenheit bekam.
Dass jedoch für ein Projekt von Terry Gilliam nicht ganz untypisch auch dieser Film ein Ticken zu lange in der Development Hell schmorte, ist leider nicht zu übersehen. Denn was hier hinsichtlich Plattformkapitalismus, Überwachung durch staatliche und privatwirtschaftliche Akteur*innen, der Kommerzialisierung des öffentlichen Raums und des zunehmend transaktionalen Charakters zwischenmenschlicher Beziehungen, scheint angesichts des Erscheinungsjahres nicht sonderlich weit aus dem Fenster gelehnt.
Trotz aller visueller Opulenz wird hier eine Welt beschrieben, deren Überspitzung in weiten Teilen eine Behauptung bleibt. Alles mag überhöht wirken, aber bei genauerem Hinsehen wird klar, dass der Film durch schickes Bleiglas relativ nüchterne Aussagen trifft. Das macht sie nicht weniger klug oder falsch. Zu einer wirklichen Vision reicht es jedoch leider nicht.
★★★☆☆
FR/LU/RO/GB/US, R: Terry Gilliam, D: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw, Tilda Swinton, Trailer, Wikipedia
Letztlich ist diese Morning-Announcement-Collage eine Aneinanderreihung von Dissonanzen. Es ist die krampfhafte und nur selten gelingende Seriosität, die hier auf banalste Inhalte trifft. Es sind ernste Themen wie die sexuelle Belästigung einer Cheerleaderin vor der halben Schule, die im Cringe der Aufmachung untergehen. Es sind Bruchstücke, die nicht recht zusammenpassen wollen, aber trotzdem mit Gewalt in eine Form gepresst werden. Alles ist irgendwie entrückt.
Vielleicht mag diese Lesart mit dem Wissen darum, dass Jane Schoebrun eine nichtbinäre trans Person ist, auf der Hand liegen. Vielleicht überlagert das weitere spannende Aspekte dieser sechseinhalb Minuten. Aber für mich klickt das einfach, weil es sich mit diesem Hintergrundwissen tatsächlich anfühlt, als ob hier erste Schritte darin getätigt werden, das Innerste nach außen zu kehren.
Eine wahre Geschichte macht noch keine gute Geschichte und schon gar keine gut erzählte. So offensichtlich wie dieses Statement, so wenig überraschend ist die große Erkenntnis dieses Films: Hochleistungssport und Sexarbeit sind geprägt von der Ausbeutung des Körpers. Selbstwert wird hier schnell verwechselt mit dem Wert, den andere dem eigenen Körper zuschreiben.
Der Film weigert sich jedoch, tiefer in die komplexe Psychologie der Figuren und ökonomischen Zusammenhänge dieser Welten einzutauchen und begnügt sich damit, mit ein paar explizite Sexszenen vermeintliche Grenzen zu überschreiten. Doch das kann den aus allen Ecken hervorquellende Biedermeier auch nicht kaschieren.
★½☆☆☆
CZ/SK, R: Natálie Císařovská, D: Natalia Germani, Denisa Barešová, Cyril Dobrý, Zuzana Mauréry, Martin Finger, Zuzana Stivínová, Trailer, Wikipedia
Ich erinnere nicht mehr genau, wann ich den Film zum ersten und bisher einzigen Mal gesehen habe. Es muss vor mehr als 15 Jahren gewesen sein. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Heute habe ich einen ganz anderen Film gesehen als mit keinen 20 Jahren auf dem Buckel.
I'm a man!
Well, nobody's perfect.
Das sind die letzten gesprochenen Worte in SOME LIKE IT HOT und mehr Wilder geht kaum noch: Der Humor ist ein bisschen albern, jedoch messerscharf, absurd präzise und mit einem unvergleichlichenen Gespür für Timing kredenzt.
Dieser Film stellt konsequent Männlichkeit und das Bild davon, was ein Mann sein muss und sich gesellschaftlich erlauben darf, infrage. Er lässt Tony Curtis und Jack Lemmon die Perspektive wechseln und dadurch erfahren, welchen Stellenwert Frauen auch wegen Männern wie ihnen haben.
Das ist bis heute brillant, weil dieser Perspektivwechsel den Figuren nicht als Strafe aufgebrummt wird, sondern sie diesen Schritt selbst sowie zunächst aus anderen Motiven gehen und so einen ehrlichen, weil ungezwungenen Lernprozess durchmachen können.
★★★★½
🇺🇸, R: Billy Wilder, D: Tony Curtis, Jack Lemmon, Marilyn Monroe, George Raft, Joe E. Brown, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios
Der Film steht noch bis zum 28. Januar 2025 in der Arte-Mediathek:
Youtube hat mir einen Channel vorgesetzt, auf dem jemand unter anderem über Filme spricht und Formel-1-Rennen recappt – im ASMR-Stil. Und ich weiß ja auch nicht 🤷♂️
Calm Skateboard ASMRThis channel is for ASMR purposes, featuring videos that contain whsipering, and soft speaking, designed to help people relax, and sleep. ASMR (Autonomous
Aktuell (noch) vor der Paywall: Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung spricht im Podcast mit Christina Clemm. Clemm berät aktuell Collien Fernandes, aber der ist nur mittelbar Thema der Folge, die sich in allererster Linie um das System dreht, in dem Fälle wie eben jener (immer wieder) passieren.
Christina Clemm
Nach der einfach nur niederschmetternden Recherche des Spiegel zur sexualisierten (digitalen) Gewalt, die Collien Fernandes erfahren hat, lese ich viele Texte, von denen ich erst mal zwei hier festhalten möchte.
Jasmin Schreiber:
Wer auf diese Zahlen hinweist, bekommt verlässlich zu hören: Aber die meisten Männer sind doch anständig. Stimmt. Mein
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