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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

„Wie DU mehr Bücher liest - eine Gebrauchsanweisung" von Franz Pökler (für mich)

„Wie DU mehr Bücher liest - eine Gebrauchsanweisung" von Franz Pökler (für mich)
(c) Siora Photography / Unsplash

Meine Beziehung zu Literatur ist für mich eigentlich geklärt: Ich stehe drauf. Meine Beziehung zum Lesen hingegen: schwierig. Jede:r hat da ja so seine eigenen Stolperstellen. Bei mir ist es vor allem die Routine, an der ich immer und immer wieder scheitere. Gewohnheitstrackende Apps, Leseziele beim Buchtracker meiner Wahl, einfach, wenn die Lust kommt... all das hat für mich nie dauerhaft funktioniert.

Wenn ich ehrlich bin: Immer wieder rutscht mit einer Blutgrätsche zwischen mich und Literatur meine Filmliebe. Wer einen Blick auf die Startseite meines Blogs oder mein Letterboxd-Profil wirft, wird schnell merken: Ich schaue praktischen jeden Tag mindestens einen Film. (Dass das sehr oft auch beruflich Anteile hat, lassen wir mal außen vor.) Dazu gehört auch, im Anschluss mehr über die Hintergründe zu lesen, sich in die Perspektiven anderer zu graben und meine eigene aufzuschreiben.

Ich mag es, damit meinen Tag zu beschließen. Doch darin liegt das Problem: Ich hatte seeeeeehr lange keinen eigenen Fernseher im Zimmer. Das habe ich auch nie als schlimm empfunden. Früher™ war der Tagesausklang im Bett für mich immer mit dem Lesen verbunden. Dieses Muster ist ganz tief in mir verankert. Aber nach einem Film und der folgenden intellektuellen Auseinandersetzung noch ernsthaft im Bett lesen zu wollen? Keine (realistische) Chance und damit auch kein Wunder, dass meine Lesesträhnen regelmäßig abreißen und/oder für Monate nicht wieder aufgegriffen werden.

Es mag banal klingen, aber vor diesem Video des geschätzten Geschichtslehrers und Deutschraphistorikers Franz Pökler kam ich nie so richtig aus diesem Denkmuster raus. Ich probiere das jetzt also mal aus: kürzere Zeitfenster, mobiler und eher tagsüber als abends im Bett. Damit muss ich mich in Sachen Filmkonsum nicht einschränken, was natürlich eine Vollkatastrophe wäre 😅


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Gesehen: Borderlands (2024)

Gesehen: Borderlands (2024)
(c) Leonine Studios Spielfilm

Hätte besser doch im Giftschrank bleiben sollen... Es ist nur schwer zu begreifen, wie man eine derart uninspirierte, in ihrer Struktur bereits mehrfach zu Tode gerittene Geschichte erzählen kann und das obendrauf auch noch mit einem Humor paart, der vielleicht vor 15 Jahren – also etwa zum Release des ersten Borderlands-Spiels – funktioniert hätte. Heute ist das alles ein Anachronismus in Filmform.

Außerdem scheint Eli Roth in seinem gesamten Leben maximal drei bis vier Sci-Fi-Actionfilme gesehen zu haben, aus denen er nun versucht, das Borderlands-Universum nachzustricken. Natürlich kann das nicht stimmen, aber genauso eng fühlt sich nun mal der inszenatorische Horizont dieses Films nun mal an.

Das ist wahnsinnig ermüdend, weil in jeder Sekunde, jeder Szene, jeder Einstellung das Gefühl hochkommt, das alles schon mal gesehen zu haben. Das Universum wird in keinem Moment greifbar, alles passiert einfach ohne Klarheit über Orte, Figuren und deren Beziehungen zueinander. Exposition findet ausschließlich in klischierten (Sprach-)Bildern statt.

🥱

★☆☆☆☆

🇱🇺/🇺🇸, R: Eli Roth, D: Cate Blanchett, Kevin Hart, Edgar Ramírez, Jamie Lee Curtis, Ariana Greenblatt, Florian Munteanu, Janina Gavankar, Jack Black, Benjamin Byron Davis, Olivier Richters, Gina Gershon, Ryann Redmond, Bobby Lee, Trailer, Wikipedia

Borderlands - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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2024 war das Jahr des Flops – sagen die Critics at Large vom New Yorker

2024 war das Jahr des Flops – sagen die Critics at Large vom New Yorker
(c) Nong / Unsplash

Naomi Fry, Alexandra Schwartz und Vinson Cunningham sind Kritiker:innen beim New Yorker und nähern sich für ihren Podcast „Critics at Large" dem Begriff des Flops in all(?) seinen Facetten.

Das Gespräch führt vom Spektakel des Scheiterns und dem zurückgehaltenen Schmerz bei der Nicht-Wahl von Kamala Harris über Francis Ford Coppolas Slow-Motion-Flop MEGALOPOLIS bis zum anachronistischen Tryhard-Flop „Woman's World" von Katy Perry.

Sind Flops eigentlich nur Produkte eines Hype-Zuklus', algorithmisch bedingt oder für kommerzielle Zwecke konstruiert?

Interessant finde ich den Gedanken, dass Flops vielleicht gar nicht existieren in einer Welt, in der Massenkultur zielgerichtet auf vermeintliche Nischen zugeschnitten wird und dort ungeachtet der Qualität durch regelrecht tribalistisches Verhalten bis aufs Blut verteidigt wird


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Würde Leonardo da Vinci Apples Notiz-App benutzen?

Würde Leonardo da Vinci Apples Notiz-App benutzen?
Leonardi da Vincis „Dame mit dem Hermelin" (von mir leicht zugeschnitten)

Apple behauptet ja gerne maximalspurig von sich, die besten Tools für kreative Menschen zu bauen. Die Künstlerin Cat Graffam hat das für ein Youtube-Video auf die Probe gestellt und versucht, Leonardo da Vincis „Dame mit dem Hermelin" möglichst originalgetreu nachzumalen – in der verdammten Standard-Notizapp auf ihrem iPhone.

Dabei gerät sie schnell an die Grenzen der Software und den Rand des Wahnsinns. Apple-Software ist also vielleicht nicht immer passend, um große Kunst zu schaffen, aber für Performance-Kunst reicht's am Ende immer. Oder eben für ein Youtube-Video.

Inspiration für das Projekt war Chris Silverman, der einfach jeden Tag eine in Apples Notiz-App angefertigte Malerei postet.

Kinotagebuch: Hundreds of Beavers (2022)

Kinotagebuch: Hundreds of Beavers (2022)

Steht offensichtlich in der allerbesten Tradition von den Looney Toons, Jackass, South Park und so weiter und so fort – mit überhaupt keinem falschen Respekt vor Konventionen mit einem Humor, der von Albernheit und Stumpfsinn bis an nah die Grenze zur Dummheit zelebriert.

Diese wird jedoch in keiner Sekunde übertreten. Stattdessen hält der Film ein absolut wahnwitziges Tempo aufrecht, spielt mit Erwartungen, sich ständig wiederholenden, immer weiter eskalierenden und variierenden Mustern und unterläuft sich dabei immer und immer wieder selbst.

Das fulminante Finale im Inneren eines Biberdamms, in dem sich der Film voller Inbrunst einer Videospiellogik hingebt, verdichtet alles noch einmal extrem und es funktioniert immer noch. Chapeau!

★★★★☆

🇺🇸, R: Mike Cheslik, D: Ryland Brickson Cole Tews, Olivia Graves, Doug Mancheski, Wes Tank, Luis Rico, Trailer, Wikipedia

Hundreds of Beavers - Stream: Jetzt Film online anschauen
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3sat-Doku zeigt „Rainald Grebe - Der Tod im Leben. Unheilbar krank zum größten Auftritt"

3sat-Doku zeigt „Rainald Grebe - Der Tod im Leben. Unheilbar krank zum größten Auftritt"
Rainald Grebe bei seinem Auftritt auf der Berliner Waldbühne 2023 // (c) 3sat, ZDF, Filmbergwerk, Bärbel Bielek
„Wollt ihr noch eine Nacht mit mir verbringen? Es könnte die letzte sein!"

Bärbel Bielek hat ein schönes kleines Filmchen über Rainald Grebe gemacht auf dessen Weg zur Berliner Waldbühne 2023. Es ist einfach absurd, wenn Grebe davon spricht, wie er in den vergangenen Jahren elf Schlaganfälle selbst bemerkt hat und wohl noch zahlreiche mehr unter seiner Wahrnehmungsschwelle abliefen.

Es ist zunächst ein Auftritt wie unzählige zuvor, als Rainald Grebe am 26. März 2017 in Düsseldorf die Bühne betritt. Dann aber hat er Texthänger und spürt, dass etwas nicht stimmt. Er macht weiter – bis ihm schließlich schwarz vor Augen wird. Grebe hat einen Schlaganfall, mitten auf einer Tour.

Seit mehr als 20 Jahren steht Rainald Grebe erfolgreich als Kabarettist auf der Bühne, gewinnt zahlreiche Preise. Für seine Bundeslandhymnen wird er deutschlandweit gefeiert. Plötzlich ist er krank. Als er nur noch mit einem Rollator laufen kann, denkt er zunächst: Das war's. Aber er kämpft sich zurück, will leben und auftreten. 2021 wird er abermals zurückgeworfen: Schlagzeuger Martin Brauer stirbt, ein Freund und Wegbegleiter. Rainald Grebe trauert, leidet. Und fasst doch den Plan: Er will auf die große Bühne, die Waldbühne Berlin soll es sein, im Sommer 2023. Der Plan scheint absurd, körperlich ist er alles andere als bereit dafür. (Pressemitteilung)
Rainald Grebe: Der Tod im Leben. Unheilbar krank zum größten Auftritt
Porträt über das “Werden” der Show des Kabarettisten auf der Waldbühne in Berlin im Juli 2023.