Um den sozialen Druck für mich herzustellen, poste ich das direkt auch einfach hier: Ich spiele jetzt auch mit Video rum. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, das regelmäßig zu tun – vorerst in Kurzform. Dieser erste Versuch ist noch ziemlich rough, aber irgendwann musste ich mich endlich mal überwinden. Der Schliff kommt eh erst mit der Routine.
Den Anfang macht mit KEIN TIER. SO WILD. ein Film, den ich schon vor dem heutigen Kinostart sehen konnte und deshalb höchstpünktlich empfehlen kann.
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Das hat sich alles schon sehr nach Niedergang und Regression angefühlt. Die Menschen scheinen sich vom Rationalen und vor allem auch vom Emotionalen immer weiter zu entfernen, bis nur noch die niedersten Instinkte übrig sind. Das Steuer übernimmt dann der Impuls, sich vorne, hinten, oben, unten, links und rechts zu bereichern. Liebe wird von Machtgelüsten abgelöst.
Nur verschenkt er bei diesem Abstieg doch einigermaßen viel Potenzial durch die Entscheidung, mit der Kamera nahezu in jeder Einstellung unglaublich nah an den Figuren zu sein. Das lässt fast nie den Raum, die innere Entwicklung dieser Figuren auch wirklich auf einer Bildebene zu erzählen. Stattdessen gibt es sehr viel Voiceover, mit dem die Figuren ihr eigenes Innenleben beschreiben dürfen. Das hat mich dann einfach selten wirklich fesseln können.
★★★☆☆
🇭🇰/🇹🇼/🇨🇳, R: Wong Kar-wai, D: Leslie Cheung, Tony Leung Ka-Fai, Brigitte Lin, Jacky Cheung, Tony Leung, Carina Lau, Charlie Yeung, Maggie Cheung, Collin Chou, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Splendid Film
Brian Cox (nein, nicht der, sondern der) geht bei Cleo Abram in einen anderthalbstündigen Deep Dive über Schwarze Löcher. Ich weiß ja nicht, wie es dir so geht, aber Brian Cox könnte ich den ganzen Tag bei egal was zuhören. Mit seiner ehrlichen Neugierde, seiner fast schon kindlichen Faszination und wie er sich immer wieder selbst zum Staunen bringen zu scheint, bekommt er mich immer wieder. Das ist einfach ansteckend. Cleo Abrams Fragestil passt außerdem super dazu.
Samantha Eggar als Nola Carveth // Foto: Plaion Pictures
Zwei Momente haben für mich diesen Film aufgeschlossen:
Die kleine Tochter ist gerade erst Zeugin von Unsagbarem geworden, doch sie behauptet, nichts erinnern zu können. Ein Polizeipsychologe vermutet Verdrängung und empfiehlt, aktiv an der Verarbeitung des Erlebten zu arbeiten. Der Vater kann nicht verstehen, warum weitere Verdrängung der Erinnerung nicht die beste Lösung für alle Beteiligten ist. Er wirft ohne mit der Wimper zu zucken die psychische Gesundheit seiner Tochter vor den Bus, nur um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen, vielleicht als Vater versagt zu haben.
Der Vater suhlt sich vor der Erzieherin seiner Tochter in Selbstmitleid und lamentiert, dass ihn seine Frau nur mit dem Ansinnen geheiratet habe, dass seine psychische Gesundheit auf sie abfärbt. Dabei sei es mittlerweile andersherum.
Hier wird eine herumopfernde (männliche) Klasse dekonstruiert, deren Lebensinhalt der Schein einer konservativen Welt ist, in der sie die Kontrolle haben. Wer mit diesem Weltbild brechen will, wird als „verrückt" erklärt, isoliert, komplett gebrochen und dahingehend manipuliert, die eigenen Gefühle gegen sich selbst zu richten. Und weil Cronenberg eben Cronenberg ist, gibt es für diesen Mechanismus hier eben einen radikalen körperlichen Ausdruck, der on point ist.
★★★★☆
🇨🇦, R: David Cronenberg, D: Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Henry Beckman, Nuala Fitzgerald, Cindy Hinds, Susan Hogan, Gary McKeehan, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Plaion Pictures
Befremdlich, wofür Paul Feig Applaus einfordert...
Anna Kendrick und Blake Lively // Foto: Amazon MGM Studios
Was mich am heutigen Stil von Paul Feig so arg stört, ist die Lustlosigkeit, die durch jede Pore an die Oberfläche dringt. Seine Formel würde ich so beschreiben: Er hält sich die Messelatte selbst drei Millimeter über den Boden, stolpert dann darüber und will dann Applaus, als sei ihm gerade der vierfache Rittberger gelungen.
Zwar mag es ihm gelingen, immer wieder für ironische Brechung des Geschehens und der Figuren zu sorgen. Doch dafür in die Waagschale wirft er ausgenudelte, uninspirierte, belanglose und daher langweilige Beiträge. Aber wenigstens darf noch mal über die Frau gelacht werden, die zunächst als psychisch krank porträtiert wird.
Mich hat auch irgendwann einfach nicht mehr interessiert, was sich denn nun wirklich hinter diesem Gefüge verbirgt. Denn egal, was in diesem Film an mitunter schwerwiegenden Dingen geschieht, es bleibt praktisch ohne Konsequenz für die Figuren. Keine Handlung scheint auch nur im Entferntesten ein Gewicht zu haben.
★☆☆☆☆
🇺🇸, R: Paul Feig, D: Anna Kendrick, Blake Lively, Michele Morrone, Henry Golding, Allison Janney, Elizabeth Perkins, Elena Sofia Ricci, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios
Die Eltern können froh sein, dass das zuständige Jugendamt diesen Film offenbar nicht zu Gesicht bekommen hat.
Foto: Rise and Shine Cinema
Es ist nicht sonderlich überraschend, was Susanne Regina Meures' Dokumentarfilm hier zutage fördert. Aber aufgrund der Nähe zu diesen Menschen ist er dadurch trotzdem nicht weniger faszinierend. Meures gelingt es einzufangen, wie sich der algorithmisch gesteuerte Mahlstrom auswächst und das Leben einer ganzen Familie pulverisiert, wie öffentlich sichtbare Metriken und Zahlen auf den Bankkonten Menschen zunächst aushöhlen, um sich dann selbst in der leeren Hülle wie Parasiten einzunisten.
Diese Parasiten können dann praktisch ungehindert ihre Wirt:innen aushungern, da die Eltern der hier begleiteten Influencerin ganz offenkundig keine Ahnung dieser digitalen Welt haben. Sie sind fast noch schutzloser als ihre Tochter den toxischen Mechaniken von Instagram und Co. ausgeliefert. Sie begreifen nicht, in welche Welt sie ihre Tochter drängen.
Diskutabel ist, ob das Unwissen oder selbstgewählte Ignoranz ist. Denn die Eltern reflektieren sehr wohl, zu welchem Preis die Bekanntheit ihrer Tochter kommt, meinen aber wortwörtlich, dass das ja ein fairer Deal wäre, wenn man im Gegenzug etwa praktisch keine echten Freund:innen hat.
Ziemlich klar scheint jedoch, was für eine abartige Machtdynamik hier diese Familienbande durchdringt. Denn einerseits würden sie die Eltern ihren Lebensstandard ohne die Reichweite ihrer Tochter niemals leisten können. Sie sind von ihrem Erfolg direkt abhängig. Andererseits kann ihre viel zu junge Tochter nur durch die Unterstützung der Eltern ihre Karriere als Influencerin vorantreiben. Doch wo an dieser Stelle das Maß liegt, entscheiden die Eltern, die ihre Tochter ständig vor sich her treiben, sie einzig und allein für number go up eiskalt ausbeuten und das sogar unverfroren vor laufender Kamera aussprechen.
Der Vater spricht davon, er lebe den Traum seiner Tochter. Die Mutter findet, sie sei manchmal im Traum ihrer Tochter gefangen. Was die Tochter jedoch wirklich vom Leben erwartet, weiß niemand – sie selbst nicht, ihre Eltern nicht und wir als Publikum schon gar nicht. Dass dieser angebliche Traum also ein von den Eltern erst aufgebautes, dann übergestülptes und von Geld geformtes Konstrukt ist, ist offensichtlich. Denn niemand mit einem Funken von Anstand, Moral und Fantasiebegabung würde es doch als Traum bezeichnen, Werbung für McDonald's zu machen. Überhaupt ist Werbung in dieser Form doch kein erstrebenswerter Lebensinhalt, sondern der manipulative Rattenschwanz des Kapitalismus, der weg kann.
Die Eltern können froh sein, dass das zuständige Jugendamt diesen Film offenbar nicht zu Gesicht bekommen hat.
Was mich bei aller Faszination jedoch etwas gestört hat, ist das Voiceover. Mal sprechen die Eltern, mal die Tochter, mal ein Superfan von ihr. Nur ist der Text dabei offensichtlich nicht frei gesprochen, sondern vorformuliert. Offen bleibt, wer diesen Text wirklich geschrieben hat. Denn diese Sätze geben dem Filmmaterial im Direct-Cinema-Stil nicht nur einen Rahmen, sondern auch eine bestimmte Richtung vor. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wer uns hier wirklich etwas erzählen will. Damit untergräbt sich der Film letztlich nur selbst.
„Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte“, schreibt Jasmin Schreiber. Man(n) liest und scrollt sehr lange.
Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte — JASMIN SCHREIBERHeute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag,
Die heutigen Dailies unter anderem mit: Robyn, Hank Green und Alice Rohrwacher
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