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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Kinotagebuch: Beau is Afraid (2023) - Jodorowsky's Disappointment Boulevard

Kinotagebuch: Beau is Afraid (2023) - Jodorowsky's Disappointment Boulevard
Joaquin Phoenix als Beau // © Leonine Studios Spielfilm

Wie begegnet man einer Welt, in der Satire an der Realität scheitert und Katastrophe zum Dauerzustand geworden ist? Selbstgefällig im (eigenen) Leid suhlend, I guess 🤷‍♂️

(Mein Titelvorschlag ist: JODOROWSKY’S DISAPPOINTMENT BOULEVARD)

★★½☆☆

🇫🇮/🇺🇸, R: Ari Aster, D: Joaquin Phoenix, Patti LuPone, Amy Ryan, Nathan Lane, Kylie Rogers, Denis Ménochet, Parker Posey, Zoe Lister-Jones, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Leonine Studios Spielfilm

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A ★★½ review of Beau Is Afraid (2023)
Wie begegnet man einer Welt, in der Satire an der Realität scheitert und Katastrophe zum Dauerzustand geworden ist? Selbstgefällig im (eigenen) Leid suhlend, I guess 🤷‍♂️ (Mein Titelvorschlag ist: JODOROWSKY’S DISAPPOINTMENT BOULEVWARD)

Lewis Waller: Being Outside Changes How You Think

In der Natur unterwegs zu sein, hat nicht nur großen Einfluss darauf, wie wir uns fühlen, sondern auch wie wir denken. Dieses Video hat viel mehr an meiner Perspektive verrückt als der drölfzigste Mensch auf Tiktok, der mir etwas von seinem stupid mental health walk erzählt. Das liegt einerseits an Lewis Wallers Tiefenentspannung und andererseits an seiner Art, dem vermeintlich bereits Bekannten noch einmal eine neue Tiefe zu verleihen.

Gelesen: „Noch wach? (2023) von Benjamin von Stuckrad-Barre

Gelesen: „Noch wach? (2023) von Benjamin von Stuckrad-Barre
Cover: Kiepenheuer & Witsch, Foto: Stefan Schäfer, Lich unter CC BY-SA 4.0
📚
372 Seiten, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-00467-0

Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 9783462311457

Es gab Zeiten, da war ich ein richtiger Fan von Benjamin von Stuckrad-Barre, ohne jemals auch nur eine Zeile von ihm gelesen zu haben. Von Stuckrad Late Night / Stuckrad-Barre habe ich mir alles angeschaut, was ich in die Finger kriegen konnte. Warum, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Ich erinnere es schlicht nicht mehr. Auch nicht, was ich von Auch Deutsche unter den Opfern. hielt, was ich im Zuge meines spätjugendlichen Fantums dann gelesen habe. Entsprechend befangen-unbefangen bin ich also an seinen lange erwarteten neuen Roman Noch wach? herangegangen, den ich als Mediennerd wahrscheinlich so oder so verschlungen hätte. Zurückgelassen hat er mich dann etwas ratlos, wenn nicht gar zwiegespalten.

Denn einerseits hat Stuckrad-Barre hier einfach solide und schmissig geschriebene Popcorn-Literatur abgeliefert, die sich sehr gut weglesen lässt und dabei die so wichtige Verhandlungsmasse in lockere Unterhaltung kleidet. Wer jedoch wie ich Mediennerd ist, die Feeds mehrerer Branchendienste abonniert hat und den ein oder anderen Medienpodcast hört, wird in Noch wach? jedoch schnell eine Auflistung bereits ausführlich dokumentierter Umstände und wenig mehr sehen. Denn Stuckrad-Barre kann in Interviews noch so oft unterstreichen, dass er hier in erster Linie einen Roman geschrieben hat. Aber den trotzdem über der Geschichte schwebenden Ex-Chefredakteur und den einst freundschaftlich so verbundenen Verlagschef wird er natürlich trotzdem nicht los. Denn die Deutungshoheit über sein Werk hat nur das Publikum. Und dem wird hier eben viel von der Seitenlinie aus erzählt.

Stuckrad-Barres Protagonist ist ausgemachter Stillstand. Er weiß zu Beginn der Geschichte bereits, was warum das Problem ist, muss nicht von A nach B gehen, sondern kann die Übung aus dem Stand heraus absolvieren und muss eigentlich kaum etwas ergründen. Was davon übrig bleibt, ist eine zu Recht in die Brüche gegangene Männerfreundschaft™ und damit eher wenig von wirklichem Belang. Und wenn das der Kommentar auf unseren gesellschaftlichen Umgang mit #MeToo sein soll, dann ist er vielleicht zutreffend, aber mit 384 Seiten im Hardcover doch etwas künstlich aufgeblasen 🤷‍♂️

★★★☆☆

Gelesen: „Vor dem Fest“ (2014) von Saša Stanišić

Gelesen: „Vor dem Fest“ (2014) von Saša Stanišić
Cover: Luchterhand, Foto: Elena Ternovaja unter CC BY-SA 3.0
📚
316 Seiten, erschienen bei Luchterhand, ISBN 978-3-630-87243-8

Nachdem ich bereits den mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman Herkunft von Saša Stanišić gelesen habe und mich unsterblich in dessen Schreibe verliebt habe, war schnell klar, dass irgendwann auch mal seine anderen Bücher an der Reihe sein werden. Vor dem Fest ist es dann geworden, weil ich das als E-Book über meine Bibliothek leihen konnte 😅

Anyways: Auch bei diesem Roman bin ich ganz hin und weg von der Sprache – wie mit ihrer Hilfe verschiedenste Rezeptionsebenen eingezogen werden und auf super lustigen, trockenhumorigen sowie tieftraurigen Hochzeiten gleichzeitig getanzt wird. Ich habe den Weg zum Ziel – oder hier besser: zum Fest – sehr genossen, weil entlang des Pfades letztlich sehr bittersüße und melancholische Lebensgeschichten erzählt werden. Das daraus entstehende Gesamtbild beschreibt, wie hinter jedem einzelnen Leben ein regelrechtes Universum steckt. Und wie bedeutungslos das alles ist. Und wie unendlich wichtig das alles ist. Wir sind.

★★★★☆