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André Pitz

Leipzig, Germany

journalist by trade, cinephile at heart

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Posts by André Pitz

Gesehen: Judgment at Nuremberg (1961) - Schuldig ist schuldig

Stellt sich keiner leichten Aufgabe, trifft diskutable Entscheidungen und gewinnt dadurch viel

Gesehen: Judgment at Nuremberg (1961) - Schuldig ist schuldig
Foto: MGM Studios

„I AM AWARE“, brüllt der fiktive Justizminister des Dritten Reiches, Ernst Janning, vor Gericht ob der Verbrechen der Nazis. In seiner Stimme schwingen zugleich mit: Schuld, Stolz, Gleichgültigkeit und Reue. Dieser Moment ist die Essenz dessen, was der Film in seinen 190 Minuten Spielzeit aus meiner Sicht versucht. Wer Nazi war/ist, ist schuldig. Wer kollaborierte, ist schuldig. Wer mitlief, ist schuldig. Wer es wusste und wegsah, ist schuldig. Wer anstiftete, ist schuldig. Wer nur Befehle ausführte, ist schuldig. Wer Reue ob seiner Taten zeigt, ist nichtsdestotrotz schuldig.

Die Entscheidung, einen fiktiven Nazi-Minister auf die Anklagebank zu setzen, wird mich sicherlich noch ein Weilchen weiter beschäftigen. Zuerst hat es mich irritiert, aber je länger der Film andauerte, desto sinnvoller kam sie mir vor. Denn ich glaube, dass es dem Werk etwas Komplexität genommen hätte, wenn wir den Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und damit etwa Göring oder Heß gesehen hätten. Es hätte so stark geblendet, dass die verschiedenen Dimensionen der Schuld nicht mehr sichtbar gewesen wären. Damit will ich natürlich NICHT die Schuld verschiedener Nazis unterschiedlich gewichten. Ich will sagen, dass die politische Spitze der Nazis und deren Taten nicht die Schuld anderer überschatten und damit verbergen dürfen.

★★★★☆

🇺🇸, R: Stanley Kramer, D: Spencer Tracy, Richard Widmark, Maximilian Schell, Burt Lancaster, Marlene Dietrich, Judy Garland, Montgomery Clift, William Shatner, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: MGM Studios

Urteil von Nürnberg - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★ review of Judgment at Nuremberg (1961)
„I AM AWARE“, brüllt der fiktive Justizminister des Dritten Reiches, Ernst Janning, vor Gericht ob der Verbrechen der Nazis. In seiner Stimme schwingen zugleich mit: Schuld, Stolz, Gleichgültigkeit und Reue. Dieser Moment ist die Essenz dessen, was der Film in seinen 190 Minuten Spielzeit aus meiner Sicht versucht. Wer Nazi war/ist, ist schuldig. Wer kollaborierte, ist schuldig. Wer mitlief, ist schuldig. Wer es wusste und wegsah, ist schuldig. Wer anstiftete, ist schuldig. Wer nur Befehle ausführte, ist schuldig. Wer Reue ob seiner Taten zeigt, ist nichtsdestotrotz schuldig. Die Entscheidung, einen fiktiven Nazi-Minister auf die Anklagebank zu setzen, wird mich sicherlich

Gesehen: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (2005) - „Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“

Es gilt, sich wiederholende Geschichte um jeden Preis zu verhindern.

Gesehen: 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß (2005) - „Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“
Foto: Journeyman Pictures

„Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“, fragt eine von Hanns Ludins Töchtern mit Blick auf dessen angebliches Unwissen über den Holocaust. Es folgt ein Schnitt. Gezeigt wird ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Adolf Hitler persönlich Hanns Ludin die Hand schüttelt. Dieser Moment kann sich einer gewissen Komik nicht entbehren – und lässt natürlich umgehend das „Lachen“ im Halse stecken bleiben. Es ist diese Kontrastierung, die den Kampf beschreibt, der sich in den Köpfen von Ludins Kindern dauerhaft abspielen muss.

Malte Ludin zeigt, wie diese Hirnakrobatik, diese selektive Wahrnehmung von belegten Tatsachen Folgen bis in die nächste Generation hinein hat und lässt damit nur lose erahnen, in welchem Ausmaß die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland gescheitert ist.

Selbst Malte Ludin, der hier klar an Aufarbeitung interessiert ist, der seine Familiengeschichte offenkundig angenommen hat, kämpft mit diesen kognitiven Dissonanzen – deutlich zu sehen, als er mit einem Mann spricht, dessen Familie in letzter Konsequenz auf Geheiß Hanns Ludins umgebracht wurde. In diesem Gespräch setzt er selbst, als sei es ein Automatismus, dazu an, seinen Vater als nicht in „exekutiver Verantwortung“ für den Massenmord an Juden zu beschreiben.

2 ODER 3 DINGE, DIE ICH VON IHM WEISS ist kein Film, um Geschichte zu lernen. Es ist ein Film, dem man in jeder Sekunde sein Hadern mit sich selbst, aber auch den Kampf um ein „Wie weiter“ anmerkt. Es ist ein Film, der zeigt, dass uns die mindestens einmal moralische Schuld unserer Vorfahr*innen weiterhin und auf ewig ein Ansporn sein sollte, sich wiederholende Geschichte um jeden Preis zu verhindern.

🇩🇪, R: Malte Ludin, Trailer, Letterboxd, Foto: Journeyman Pictures

2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß - Stream: Online
Gibt es 2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß auf Netflix, Prime Video, Disney+? Jetzt online Stream legal finden!
A review of 2 or 3 Things I Know About Him (2005)
„Wer hätte es ihm denn sagen sollen?“, fragt eine von Hanns Ludins Töchtern mit Blick auf dessen angebliches Unwissen über den Holocaust. Es folgt ein Schnitt. Gezeigt wird ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Adolf Hitler persönlich Hanns Ludin die Hand schüttelt. Dieser Moment kann sich einer gewissen Komik nicht entbehren – und lässt natürlich umgehend das „Lachen“ im Halse stecken bleiben. Es ist diese Kontrastierung, die den Kampf beschreibt, der sich in den Köpfen von Ludins Kindern dauerhaft abspielen muss. Malte Ludin zeigt, wie diese Hirnakrobatik, diese selektive Wahrnehmung von belegten Tatsachen Folgen bis in die nächste

Gesehen: Landscape with Invisible Hand (2023) - (Selbst-)Kritik im Sinne Adornos und Horkheimers

Kluge Beobachtungen, mäßige Erzählung

Gesehen: Landscape with Invisible Hand (2023) - (Selbst-)Kritik im Sinne Adornos und Horkheimers
Kylie Rogers als Chloe und Asante Blackk als Adam // Foto: Amazon MGM Studios

Ich finde, Cory Finley gelingen hier ein paar wirklich kluge und treffende Beobachtungen – besonders mit Bezug auf eine (unsere) kapitalistische Welt und libertäre Fieberträume. Die Ausgebeuteten zerfleischen sich eher gegenseitig als zu erkennen, dass es nicht die Klassenkamerad:innen, sondern die Kapitalist:innen sind, die ihnen wortwörtlich die Lebensgrundlagen rauben. Ein genügsames Leben können nicht diejenigen führen, die hart arbeiten, sondern nur diejenigen, die hart arbeiten lassen.

Wer eine Verzahnung von Wirtschaft und öffentlicher Hand – etwa durch die Privatisierung des Bildungssektors – vorantreibt, will nicht wirklich in Fortschritt investieren, sondern den von ihm:ihr Ausgebeuteten Bildung verwehren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Profite weiterhin ungerecht verteilt werden.

Natürlich muss sich auch die Kunst kritisch damit auseinandersetzen – diese Forderung stellt Finley (auch an sich selbst) mit diesem Film. Wenn Kunstschaffende sich von Kapitalist:innen aushalten lassen, dann machen sie alles, nur keine Kunst schaffen, die an bestehenden Verhältnissen wirklich etwas ändern will. Dann schaffen sie Propaganda, ein kulturindustrielles Produkt im Sinne Adornos und Horkheimers. Kunst hat nur solange einen Wert für den Kapitalisten, solange sie den eigenen finanziellen und politischen Interessen zuträglich ist. Auch wer Filme innerhalb dieser Strukturen schafft, muss sich dieser Form der (Selbst-)Kritik stellen.

Wie gesagt: Viele kluge Gedanken und drängende Fragen stecken in diesem Film. Aus meiner Sicht gelingt es Cory Finley jedoch nie richtig, darum auch eine vereinnahmende Geschichte zu stricken. LANDSCAPE WITH INVISIBLE HAND ist dahingehend nämlich eher dünn, irgendwie vor sich hinplätschernd. Trotzdem habe ich es unterm Strich gemocht.

★★★☆☆

🇺🇸, R: Cory Finley, D: Asante Blackk, Kylie Rogers, Tiffany Haddish, Brooklynn MacKinzie, Josh Hamilton, Michael Gandolfini, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Amazon MGM Studios

Landschaft mit unsichtbarer Hand - Stream: Online anschauen
Wie und wo du “Landschaft mit unsichtbarer Hand” online auf Netflix & anderen Anbietern ansehen kannst – einschließlich kostenloser Streams.
A ★★★ review of Landscape with Invisible Hand (2023)
Ich finde, Cory Finley gelingen hier ein paar wirklich kluge und treffende Beobachtungen – besonders mit Bezug auf eine (unsere) kapitalistische Welt und libertäre Fieberträume. Die Ausgebeuteten zerfleischen sich eher gegenseitig als zu erkennen, dass es nicht die Klassenkamerad*innen, sondern die Kapitalist*innen sind, die ihnen wortwörtlich die Lebensgrundlagen rauben. Ein genügsames Leben können nicht diejenigen führen, die hart arbeiten, sondern nur diejenigen, die hart arbeiten lassen. Wer eine Verzahnung von Wirtschaft und öffentlicher Hand – etwa durch die Privatisierung des Bildungssektors – vorantreibt, will nicht wirklich in Fortschritt investieren, sondern den von ihm*ihr Ausgebeuteten Bildung verwehren. Nur so lässt sich

Gesehen: The Courier (2020) - Spröde...

...und unanbitioniert.

Gesehen: The Courier (2020) - Spröde...
Foto: EuroVideo Medien

Dieser Film ist leider einfach unambitioniert und nicht viel mehr als spröde inszenierter Historienkitsch.

★★½☆☆

🇬🇧/🇺🇸, R: Dominic Cooke, D: Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley, Angus Wright, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: EuroVideo Medien

Der Spion - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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A ★★½ review of The Courier (2020)
Einfach unambitioniert und spröde inszenierter Historienkitsch.

Gesehen: Good Morning (1959) - Optimistische Klammer

Gesehen: Good Morning (1959) - Optimistische Klammer
Foto: Shochiku

Eine wunderbar süße und optimistisch zukunftsgewisse Klammer, dieser Kinder einfach mal Kinder sein zu lassen. Trotzdem ist GUTEN MORGEN kein alberner Kindergeburtstag, sondern letztlich auch ein Hadern mit einem Japan, dessen Bewohner*innen ganz individuell immer mehr von westlichen Einschlägen beeinflusst werden, während die gesamtgesellschaftliche Dynamik sich noch auf einem ganz anderen Pfad befindet. Das produziert ein alltägliches Leben voller Widersprüche. Und es lädt zu schnellen Schuldzusprüchen ein. Vermeintliche Verfehlungen mit den Einflüssen des Westens zu erklären, ist leicht. Vor der eigenen Tür zu kehren hingegen nicht. Aber dort liegt nunmal das meiste Laub.

★★★★☆

🇯🇵, R: Yasujirō Ozu, D: Keiji Sada, Yoshiko Kuga, Chishū Ryū, Kuniko Miyake, Kōji Shitara, Masahiko Shimazu, Haruko Sugimura, Kyōko Izumi, Toyoko Takahashi, Sadako Sawamura, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Shochiku

Guten Morgen - Stream: Jetzt Film online finden und anschauen
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Good Morning (1959)
A lighthearted take on director Yasujiro Ozu’s perennial theme of the challenges of inter­generational relationships, Good Morning tells the story of two young boys who stop speaking in protest after their parents refuse to buy a television set. Ozu weaves a wealth of subtle gags through a family portrait as rich as those of his dramatic films, mocking the foibles of the adult world through the eyes of his child protagonists. Shot in stunning color and set in a suburb of Tokyo where housewives gossip about the neighbors’ new washing machine and unemployed husbands look for work as door-to-door salesmen, this charming comedy refashions Ozu’s own silent classic I Was Born, But . . . to gently satirize consumerism in postwar Japan.

Gesehen: Heaven Knows What (2014) - Wahre Liebe

Es gibt keine Genügsamkeit, wenn Heroin im Spiel ist.

Gesehen: Heaven Knows What (2014) - Wahre Liebe
Foto: Plaion Pictures

Es gibt da diesen einen Moment mitten im Film, in dem Harley (Arielle Holmes) von Mike (Buddy Duress) gefragt wird, ob sie überhaupt wisse, was real love ist. Ihr Bejahen klingt mehr nach Reflex als von Überzeugung geprägt. Es ist dieser Moment, der Harley so wahrhaftig zeigt, wie kaum ein anderer im ganzen Film. Ihr Leben ist nur noch eine leere Hülle, nur noch Fassade, die um jeden Preis aufrechterhalten werden muss – vor allen anderen, aber vor allem vor sich selbst. Aber es gibt keine Genügsamkeit, wenn Heroin im Spiel ist. Die trübste Aussicht auf einen weiteren Schuss reicht, um ohne mit der Wimper zu zucken angeblich geliebte Menschen vor den metaphorischen Bus zu werfen, sie zu melken wie eine sowieso schon bis auf Knochen heruntergehungerte Kuh. Näher als sich selbst ist Harley nur die Sucht.

Dann ist da noch New York City… Ohne jemals dort gewesen zu sein, habe ich bei den Filmen der Safdies immer das Gefühl, die eingefangene Seele – oder zumindest wahrhaftige Seite – dieses ultraurbanen Monsters von Stadt zu sehen. Wer wieder aufsteht kann, nachdem er:sie von NYC gefressen und wieder ausgespuckt wurde, wird von der Stadt an die Hand genommen und ohne Umweg direkt wieder zum Abgrund geführt.

★★★★☆

🇫🇷/🇺🇸, R: Josh Safdie, Benny Safdie, D: Arielle Holmes, Caleb Landry Jones, Eléonore Hendricks, Buddy Duress, Necro, Trailer, Letterboxd, Wikipedia, Foto: Plaion Pictures

Mad Love in New York - Stream: Jetzt Film online anschauen
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A ★★★★ review of Heaven Knows What (2014)
Es gibt da diesen einen Moment mitten im Film, in dem Harley (Arielle Holmes) von Mike (Buddy Duress) gefragt wird, ob sie überhaupt wisse, was real love ist. Ihr Bejahen klingt mehr nach Reflex als von Überzeugung geprägt. Es ist dieser Moment, der Harley so wahrhaftig zeigt, wie kaum ein anderer im ganzen Film. Ihr Leben ist nur noch eine leere Hülle, nur noch Fassade, die um jeden Preis aufrechterhalten werden muss – vor allen anderen, aber vor allem vor sich selbst. Aber es gibt keine Genügsamkeit, wenn Heroin im Spiel ist. Die trübste Aussicht auf einen weiteren Schuss reicht,