Lady in red 💃
Tagebuch
Seit ein paar Monaten schaue ich immer wieder Mark Beneckes „Time is Up“-Vorträge, in denen er regelmäßig aktuelle Messeungen zu Umwelt und Klima vorstellt. Manchmal frage ich mich, ob das nicht langsam masochistische Züge annimmt. Denn Benecke setzt ausnahmslos zum schonungslosen Köpfewaschen an. Ich mag das, weil es eben nicht zum Chor predigt, sondern auch die Bekehrten zum Hinterfragen der eigenen – als „gut“ wahrgenommenen – Position zwingt.
Hier die Stand heute aktuellste Version des Vortrags...
...und hier die Playlist mit vergangenen Versionen.
Jedes Jahr schäme ich mich zu den Oscars ein bisschen mehr dafür, wie wir – also jedenfalls in meiner Wahrnehmung – früher kollektiv über Steven Gätjen gelästert haben. Wie souverän der das stundenlang wegmoderiert, nötigt schon großen Respekt ab.
Ein himmelweiter Unterschied ist das zum Vorgänger! Den hat Denis Villeneuve mit seinen Bildern, Dia- und Monologen sowie Hans Zimmers Frechheit von einem Score regelrecht erdrückt. Und jetzt: Jetzt haben Bilder und Figuren plötzlich Raum zum Atmen. Villeneuve findet auch kleine Bilder im Großen, schafft so ein Gegengewicht, das die gesamte Bildästhetik ins Gleichgewicht bringt. Seine Figuren erzählt er vielmehr implizit und weniger durch tonnenschwere Exposition.
Kurz gesagt: Welt und Figuren fühlen sich so viel mehr rund und greifbar an als zuvor. Das gibt auch den Themen mehr Raum, sich zu entwickeln und tiefer in die Wahrnehmung der Zuschauer*innen vorzudringen. Gefühlt hat sich der Vorgänger langatmig mit durch die Herrschaftsordnung dieser Galaxie bedingten Symptomen auseinandergesetzt. Jetzt bekommt die Sache jedoch endlich Fleisch und beschäftigt sich eindringlicher mit religiösem und kapitalistischem Faschismus sowie der nuklearen Bedrohung, die einfach allem ein Ende setzen kann – egal, wessen Heilsversprechen man folgt.
Was mir immer noch ein Rätsel ist: Wie kommen die nach so einem Ritt wieder vom Wurm runter?
★★★★☆

Ist schon mehr als ein Jahr alt, aber ich habe es erst jetzt entdeckt und halte Werner Herzogs Blick auf die Welt sowieso für zeitlos interessant. Ich stimme auch oft nicht mit ihm überein, aber finde seine Gedanken dennoch immer für gewinnbringend.
Es gibt wenig, das so satisfying ist wie richtig gut aufbereitete Daten. Zumindest dafür ist die Klimakatastrophe gut. Die Warming Stripes von Ed Hawkins kennt aber mittlerweile jede*r. Hawkins teilt jedoch regelmäßig immer wieder andere spannende Aufbereitungen, die zeigen, mit welchem Tempo wir den Planeten gerade vor die Wand fahren. Hier: Die Kirschbaumblüte in Kyōto beginnt immer früher und erreicht folglich auch früher ihren Zenit.
(Direktlink via Ed Hawkins)